Das blaue Wunder hätte ein großartiges Buch werden können! Es geht um das Meer, das wir alle so lieben, aber auch um Umweltschutz! Was ist denn schiefgelaufen, möchte man sich nun also fragen? Als erstes diese dämlichen Ausrufezeichen, die inflationär genutzt werden, obwohl sie gar nicht hätten genutzt werden müssen! Und zwar in etwa wie in meinen vorherigen Sätzen. Ja, das nervt. Gewaltig. Deshalb höre ich nun auch schon damit auf, sonst muss ich brechen.
Aber auch so liegt das Problem an der "Autorin". Sie kann nicht schreiben. Schreibt übermäßig flapsig ("dadamdadam..."), mehr Wissenschaftlichkeit hätte dem Buch gut getan. Ja, es ist populärwissenschaftlich, aber die andauernde Vermenschlichung (z.B. Orgien bei Fischen, aha...) stört beim Lesen ungemein. Mehr Nüchternheit in der Sprache wäre gut gewesen. Ich hatte beim Lesen oft den Eindruck, dass Frau Bagusche befürchtet hatte, zu wissenschaftlich rüberzukommen. Die inhaltliche Komponente war aber bereits unterhaltsam genug, denn die Fakten, die sie darlegt, sind wirklich interessant und großartig. Auch wenn sie oftmals Präzision vermissen lässt. Entschuldigung, aber was sollte diese Aussage "Europa (plus Norwegen und die Schweiz)"? Norwegen und die Schweiz gehören zu Europa, aber nicht zur Europäischen Union. In dem Kontext bezog sie sich aber nicht eindeutig auf die EU, so dass hier keine Unterscheidung hinsichtlich des politischen und wirtschaftlichen Europas hätte erfolgen müssen, da deutlich war, dass das geographische Europa gemeint war. Dann wird Bioluminiszenz mit Meeresleuchten gleichgesetzt, erst etliche Kapitel später wird nebenbei erwähnt, dass Glühwürmchen auch dazu gehören. Demnach ist die Gleichsetzung falsch (was jeder, der schon einmal von Glühwürmchen gehört hat, wissen dürfte) - auch hier also zu wenig Präzision. Und während sie selbst noch schreibt, dass Der Weiße Hai auf einem Roman basiert, hat sie es nur drei Seiten später selbst schon vergessen, indem sie Steven Spielberg "künstlerische Freiheit" bei der Darstellung von Haien in seinem Film vorwirft. Da frage ich mich, wofür das Lektorat Geld bekommen hat. Jenes hat nämlich auch leider übersehen, dass in einem Kapitel mit noch unerklärten Fachbegriffen um sich geworfen wird, die erst ein Kapitel später detailliert vorgestellt werden. Da hat man wohl im Nachgang die Reihenfolge der Kapitel nochmal überarbeitet, hilft dem Leser leider nicht, weil es absolut unrund ist. Zudem fehlt ab und an eine gewisse Tiefe, wo diese notwendig gewesen wäre. Da wurde wohl falsch lektoriert/gekürzt, aber einen Satz stehenlassen, der Fragen aufwirft, muss theoretisch auch weichen.
Ich finde es schade. Frauke Bagusche hat ein tolles, ehrenwertes Ziel, aber das Buch ist trotz aller faszinierenden Einblicke Murks. Ich finde es super, wenn jemand den Menschen das Meer nahebringen möchte, die inhaltlich gewählten Themen sind wie bereits erwähnt auch toll gewählt, auch wenn einiges wirklich ekelig oder schockierend ist. Aber die Ausführung ist eine Katastrophe. Und ich befürchte auch, dass sie bei mit ihrem teils arroganten Ton auch nicht wirklich die richtigen Leute anspricht, wenn es darum geht, was alles schief läuft. Ich habe mich bis zuletzt gefragt, ob Frau Bagusche Fisch isst. Zum einen verurteilt sie Fischernetze, Fischerei etc. aufgrund der ökologischen Folgen aufs schärfste, zum anderen aber tun ihr die vielem armen Fischer leid, die nach der Ölkatastrophe vom Golf von Mexiko nichts mehr fangen konnten? Und, jetzt kommt die Krönung, sie isst selber Fisch, wenn auch nur selten. Sorry, aber wer teilweise so arrogant auf all die anderen mit dem Finger zeigt, sollte seinen eigenen ökologischen Fußabdruck auch erstmal prüfen oder einen anderen Ton wählen. Was wohl die Meere am meisten schützt, hm, ich weiß es nicht, ich komme nicht drauf... In dem Fall ist mir die Konsequenz eines Paul Watson von Sea Shepherd deutlich lieber, der sich vegan ernährt und hinsichtlich Meeresschutz und auch Klimawandel da sicherlich schon weiter ist. Und das, obwohl er nicht einmal den Moralapostel raushängen lässt.
Im Übrigen ist Codecheck keine gute Informationsquelle für Inhaltsstoffe von Kosmetika, wie Frau Bagusche es empfohlen hat. Die App beinhaltet haufenweise fehlerhafte Daten, da dort jeder irgendwas eintragen kann. Wer kein Mikroplastik in Kosmetika haben möchte, nutzt am besten zertifizierte Naturkosmetik, da ist Mikroplastik nämlich verboten.
Schade. Manch Kapitel hätte richtig toll sein können, wäre es vernünftig geschrieben worden.
2.5-3 Sterne.