Das Buch "Ostwärts" ist sozusagen das "Hinter den Kulissen" der gleichnamigen mdr-Serie, in der ein Team rund um die Reisejournalistin Julia Finkernagel osteuropäische und asiatische Länder bereist. Besonderheit der Serie und auch des Buchs: Die Reisenden folgen nur einem groben Skript und versuchen, den Charakter eines Landes durch mehr oder wenig zufällige Begegnungen einzufangen. Das Buch basiert auf den ersten Staffeln der Serie, die schon 2008 begann. Finkernagel beschreibt selbst an einer Stelle, was sie damals als eine der ersten gemacht haben: Nämlich das, was heute fast die halbe Welt macht – irgendwo hinfahren, mehr oder weniger Originelles erleben, dabei die Kamera auf sich selbst halten und dann bei YouTube veröffentlichen.
Nach den ersten Kapiteln war ich ehrlich gesagt kurz davor, das Buch wegzulegen und nicht weiterzulesen. Zu kurz, episodenhaft und in zu gewollt locker-flockiger Sprache plätscherten die Erlebnisse vor sich hin. Man merkt, dass sich die TV-Serie gerade in der ersten Staffel erst finden musste. Mich hat es nicht überzeugt, wenn im Polen-Kapitel auf einer Handvoll-Seiten das Schicksal von Überlebenden von Schindlers Liste angerissen wird oder die "schlimmste" Nacht in Ungarn sich dadurch auszeichnet, dass sich die Gemeinschaftstoilette nicht abschließen lässt. Das ist dann wirklich "YouTube at its best / worst".
Weiterhin sollte man sich bewusst sein, dass auf rund 270 Seiten ein knappes Dutzend Länder von Polen bis in die Mongolei abgehandelt werden. Mehr als Episoden gibt's also wirklich nicht. Nicht zuletzt fand ich etwas anstrengend (aber das ist halt das Konzept der Sendung), dass sich alles um die reisende Redakteurin dreht, ganz nach dem Motto "Julia Finkernagel passieren (lustige) Sachen". Wer den Reisejournalisten old-school eher neutral im Hintergrund sieht, wird sich hier unter Umständen schwer tun.
Mit den weiter entfernten Gebieten, namentlich Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan, nimmt das Buch aber Fahrt auf. Das liegt zum einen an den exotischeren Reisezielen selbst, aber auch daran, dass Finkernagel hier aus ihrer Komfortzone heraustritt und nachvollziehbar schildert, was das mit ihr macht: Es ist zwar anstrengend, die Einfachheit dieser Landstriche und die Bescheidenheit der dort lebenden Menschen beeindrucken sie aber sehr. Die Autorin schildert darin auch ehrlich ihre Zerrissenheit in feministischen Fragen, wenn sie etwa das Machotum in der Mongolei anprangert, aber auch anerkennt, dass die gesellschaftlichen Regeln dort nun einmal so sind und eine ordnende Wirkung haben.
Kurzum: Nachdem ich mir nach dem ersten Drittel nicht vorstellen konnte, ein weiteres Buch von Finkernagel zu lesen, hat sich das im Verlauf des Lesens geändert. Der manchmal zu gewollte Humor und die superlockere Sprache sind mir zwar immer noch manchmal zu viel, insgesamt ist die Autorin aber immer nah dran, sie mag Menschen, und sagt ehrlich, was das Reisen mit ihr macht. Insgesamt ist das Buch im Bereich Reisejournalismus eher leichte Kost, aber das darf es ja auch mal sein. Gerne weitermachen, Frau Finkernagel.
Wir sind durch die Mediathek auf Julia Finkernagel gestossen und waren von Anfang an begeistert von ihrer lockeren Art, ihrer Art, sich den Menschen zu nähern und sie anzunehmen.. Wir haben durch sie die tollsten Länder kennengelernt und finden eigentich, dass das die wahre Art zu reisen ist! Jetzt haben wir das erste Buch von ihr in der Hand und es war ein Vergnügen, es zu lesen. Am Anfang hat mich zwar ihre etwas zu schnoddrige Art gestört ( "coole Socke", "coole Sau"..), aber das hat sich dann doch ziemlich gelegt. Ich freue mich jedenfalls schon auf weitere Filme und jetzt den zweiten Band!
Was für ein schönes Buch! Julia Finkernagel erzählt mit viel Humor von ihren Erlebnissen auf ihren Drehreisen durch Osteuropa inklusive Georgien; Russland, Tadschikistan, Kirgisistan, Usbekistan und die Mongolei. Dabei ist das Buch nicht aufgebaut wie ein Reiseführer, wo stur geographische Eckdaten und die Geschichte aufgearbeitet werden, sondern einfach ein Best-Of ihrer persönlichen Geschichten beim Drehen und nach Drehschluss. So bekommt man die Kultur unserer östlichen Nachbarn auf eine sehr angenehme Weise nahegelegt!