»Bergungsexperte für außergewöhnliche Fälle« nennt sich Heinz Harder, arbeitsloser und abgebrannter Illustriertenschreiber, in der geschalteten Anzeige. Seine erste Klientin ist reich und schön, und für den »Journalisten, Detektiv und Ritter« wird es zunehmend gefährlich zwischen den windigen Geschäftsmännern in illegalen Clubs und mysteriösen Kunst-Sekten, wohin ihn die Spur der verschwundenen Tochter führt. Mit einem Nachwort von Friedrich Ani.
Jörg Fauser (1944-1987) was a German writer, poet and journalist.
The influence of the American beat generation literature on his works is well known. His later works are mostly detective stories. The novel Der Schneemann was made into a motion picture. Fauser was killed in a traffic accident on a motorway near Munich in 1987.
Beat-Literat Fauser schreibt einen Hard-Boiled/Noir-Krimi voller schräger Figuren und mit einer Handlung, die immer abstruser wird - es ist einfach unfassbar atmosphärisch, unterhaltsam, komisch und gut gemacht; ein Fest vor allem für jene, denen die Tropen der Genres geläufig sind und die somit erkennen, wie dieser subversive Autor literarische Konventionen unterläuft, indem er sie bis an die Schmerzgrenze (und darüber hinaus) erfüllt (Dashiell Hammett, Raymond Chandler und Charles Bukowski lassen grüßen). Der Anti-Held dieser abgedrehten Saga ist Heinz Harder, abgebrannter Journalist und Gelegenheits-Privatdetektiv, der sich auf die Suche nach einer verschwundenen jungen Frau aus der Hannoverschen Upper Class macht. Seine Aufttraggeberin ist ihre enigmatische Mutter (feat. Perlenkette und dubioser Vergangenheit), der Vater ist ein versoffener Ex-Geschäftsmann und Ex-Politiker - und ratzfatz ist Harder konfrontiert mit dem Lokalpolitik-Klüngel, dem Rotlichtmilieu, der Medienmischpoke, einem schlangenverehrendem Erweckungskult, etc. pp.
Wie alle Bücher von Fauser lebt auch dieses von seinen gnadenlos genauen Beobachtungen, dem lakonisch-abgeklärten Sound und den komisch-brutalen Lebensweisheiten des Protagonisten. Harder/Fauser nervt die Medienblase, ihn nerven die selbstsüchtigen Politiker und die geldsüchtigen Geschäftsleute, die Bourgeoisie nervt genauso wie die Spät-Hippies und die spirituell erweckten Indien-Fans, die Kunstszene nervt, Hannover nervt, und was den Fauser noch so alles nervt, das lässt sich in seinen Büchern nachlesen - und der geneigte Leser staunt, wie faszinierend Fausers Ressentiments sind, weil sie einfach so smart vorgebracht und effektiv illustriert werden. Harder, ganz abgeklärtes Private Eye, versucht schließlich, im West-Berlin der 80er den Fall zu lösen, aber vor allem, seine Coolness zu bewahren - der Mann hat seine Prinzipien, die aber nun Mal nicht deckungsgleich sind mit denen des Finanzamtes, seiner Ex-Frau und der Polizei.
Was für ein Verlust, dass Fauser nur 43 Jahre alt wurde - was hätte dieser Typ, der Leute wie Benjamin von Stuckrad-Barre und Clemens Meyer inspiriert hat, Schriftsteller zu werden, noch alles schreiben können!
Das Hörbuch zu "Das Schlangenmaul" wird übrigens ganz hervorragend von Charly Hübner gelesen und steht auch auf Spotify.
Geschmeidig, träge erzählter Kriminalroman. Düster und abgerockt. Fühlte sich alles unheimlich authentisch an. Trotz der ganzen Spitzen und Sprüche. Harder mit Exfrau - einfach göttlich!
wenn man noch dran zweifelt, dass die gruppe 47 und alle damals in klagenfurt anwesende jury-mitglieder den literatur diskurs der brd nachhaltig geschädigt haben, braucht nur das schlangenmaul zu lesen
Toller Berlin Krimi vom poetischen Berserker Fauser. Sein Ermittler Harder auf der Suche nach einem vermissten Mädchen und irgendwie natürlich auch nach sich selbst. Trotz inzwischen gefallener Mauer hochaktuell. Kunst, Kult, Korruption und Kommunikation zwischen Bargesprächen und Esoterikvorträgen. Harder lässt nicht locker, auch wenn er weiß dass ihn die Welt am Ende bezwingt. Ein sehr amerikanischer Autor dessen Muttersprache nur zufällig deutsch ist. Sätze wie Kugeln: "(...) es gibt auch noch kein Mittel gegen die Erinnerung, außer dem Alkohol und dem Tod, und ich war nüchtern und lebte" berlin hard boiled vom feinsten.
Brutal, fast-paced, kalt und auf den Punkt. So liefert Fauser diesen Krimi ab, der anmutet, als wäre Chandler beim Schreiben von Schimanski gestört worden. Ein solider Krimi. Wären da nicht noch diverse Anklänge an 68er Rebellentum und andere gesellschaftliche Zwischentöne und Schichten - die heben den Roman aus dem Krimi-Durchschnitt.
Sex, Drugs & Müßiggang bilden die Lebensgrundlage des Protagonisten sowie selbsternannten "Bergungsexperten" Harder und irgendwie auch den Grundton dieses Krimis. Obwohl es im Eigentlichen um die Suche nach einer verschwundenen jungen Frau geht, während derer so einige dreckige Machenschaften im ebenso dreckigen Berlin der 80er Jahre aufgedeckt werden, erscheint mir der Hauptstar dieses Romans doch eher die Atmosphäre, die hier wie ein kratziger Rocksong ausgeschmückt und dem barbusigen Fan unter Alkoholeinfluss präsentiert wird. Keine der Figuren ist durchweg sympathisch (oder unsympathisch), alle haben sie irgendwie Dreck am Stecken und wandeln wie kleine, arme Loser durch eine noch abgewracktere und verdorbene Welt - noir eben. Klischees kommen auch nicht zu kurz - bei Harder kam mir oft Schimanski in den Sinn. Alles in allem aber ein absolut rundes Werk, logisch genug, um spannend zu bleiben und stilistisch eine nette Abwechslung zur sonstigen Lektüre. Reicht es für mehr Fauser? Ich denke nicht.
Henry Chinanski trifft auf deutsche Krimilandschaft. Die Unterwelt lebt und Heinz Harder steckt mittendrin. Der einstige Journalist muss über die Runde kommen und wird kurzerhand Bergungsexperte. Aus Springe Hannover gehts direkt nach Berlin wo er sich in den Fängen aus Politik, Kunst und Korruption wiederfindet. Sehr gut.
Hat definitiv Stil, die Handlung ist eigentlich abstrus und over-the-top, aber trotzdem nicht total unglaubwürdig. Arbeitet bewusst mit reichlich Stereotypen, was ganz amüsant sein kann. Hat aber irgendwie auch nichts, weshalb ich das Buch generell empfehlen würde, außer Fans von klassischen Noir-Krimis.
eine ansammlung teils sehr machistischer detektivroman-klischees mit einer total albern konstruierten handlung. hat mich mühe gekostet bis zum ende zu lesen