Dieses Buch wurde von allen Seiten hoch gelobt. Wohin ich auch schaue: Überall hagelt es Fünf-Stern-Rezensionen! Der Autor arbeitet bei der Polizei, der kennt sich aus, der weiß, wie ein Thriller geschrieben werden muss! Und so weiter und so weiter! Ich werde ganz ehrlich mit euch sein: Mich hat dieses Buch mehr als nur enttäuscht. Mag sein, dass die Polizeiarbeit gut beschrieben ist. Aber das ist meiner Meinung nach bei weitem nicht alles, das einen guten Thriller ausmacht.
Mit den Hauptfiguren wurde ich zum Beispiel bis zum Ende nicht wirklich warm. Bannert schien mir ziemlich passiv zu sein. Er wurde eigentlich erst gegen Ende irgendwie aktiv, davor war er zwar da und arbeitete mit, aber die meiste Zeit redete er nur. Und oft nicht mal wirklich über den Fall, sondern mehr über Klatsch und Tratsch und was die junge Mitarbeiterin wohl unter ihrem viel zu weitem Pullover versteckt, denn was für einen Grund gäbe es für eine Frau im Spätherbst denn einen Pullover zu tragen, wenn sie nicht irgendwas verstecken muss?
Hagedorn war da schon unterhaltsamer, vor allem dadurch, dass er sich einfach mit jedem anlegt. Er spricht alles aus, was ihm durch den Kopf geht, auch wenn in meinen Augen nicht alles immer Sinn macht. Aber dazu später mehr. Von ihm hätte ich mir gewünscht, dass man irgendwie merkt, dass er eine Tochter hat. Das müsste gar nicht viel sein! Aber einfach, indem er zum Beispiel manchmal daran denkt, wie es seiner Tochter denn jetzt gerade geht, oder er sich darüber ärgert, dass sie Schauspielerin sein will oder einfach irgendwas. So kaufte ich ihm die Sorgen, die er sich später um seine Tochter machte, einfach nicht ab. Er hatte drei Jahre überhaupt keinen Kontakt zu ihr, hat im Buch nie davor an sie gedacht und das scheint ihn ja überhaupt nicht gestört zu haben.
Frauen gab es in diesem Buch nur sehr wenige. Klar, da ist Hagedorns Tochter, die Mordopfer und ein paar sehr gut aussehende Arbeitkolleginnen, die etwa alle hundert Seiten mal was sagen. Allen gemeinsam ist ihr umwerfendes Aussehen. Ich bekam ziemlich bald das Gefühl, dass Frauen nicht wirklich das Zielpublikum dieses Buches sind. Gerade wenn die Mordopfer wieder "zerlegt" wurden, wollte ich das Buch am liebsten einfach nur weglegen und nie wieder in die Hand nehmen. Beziehungsweise, dann wenn die Mädchen herausfinden, dass man ihnen gewisse Körperteile abgeschnitten hat. Die waren dann nämlich wieder bei Bewusstsein. Das will doch keiner lesen?! Mir wurde da richtig übel!
[Spoiler!]
In meinen Augen machte die Geschichte nicht immer Sinn. Gerade, dass zum Beispiel nach einem Nekrophilen gefahndet wird, wo doch die Mädchen zerlegt werden, während sie noch am Leben sind. Oder was die Motivation des Mörders denn wirklich ist. Das mit dem "Aufsetzen" der Körperteile aufgrund seiner Transsexualität, kaufe ich dem Autoren nicht ab. Das kam mir zu weit hergeholt vor. Auch, dass die Mutter das mitspielen würde. Was wäre denn bitte ihre Motivation? Warum zur Hölle würde sie da mitmachen?
Leider wurde so manches Potential für Action nicht genutzt. Von potentiell spannenden Szenen erfuhr ich oft nur im Nachhinein, wenn geredet wurde. Da war dann natürlich jede Spannung futsch!
Auch von der formalen Gestaltung her gibt es Aufholbedarf. Die scheinbar willkürlich platzierten Absätze sorgten bei mir für Verwirrung, genauso wie die fehlenden Anführungszeichen.
Mein Fazit? Muss man nicht unbedingt lesen. Ich zumindest werde es nicht nochmal tun.