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Zärtlichkeit: Eine Philosophie der sanften Macht

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Rare Book

Hardcover

Published February 14, 2019

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Profile Image for Johanna.
94 reviews6 followers
June 1, 2019
Ein wahrhaft sanftes Buch, das Mut macht. Guanzini spannt in diesem Essay einen Bogen von der Mythologie bis in die Jetztzeit: Zärtlichkeit äußere sich im Verantwortungsbewusstsein des Helden Aeneas, in den humanitären Gesten, die auf Lesbos und Lampedusa verübt werden; natürlich in der Liebe und der Bereitschaft, das "Ich" dem "Wir" zu opfern. Zärtlichkeit ermögliche erst Begegnung und Authentizität. Indem wir die Ich-Besessenheit überwinden und uns wieder als Miteinander begreifen, opfern wir aber nichts: In "Das harte Herz des Narziss" führt die Autorin aus, inwiefern der moderne Narzissmus nicht zu mehr Glück, sondern vor allem zu einer großen Erschöpfung und Lebensmüdigkeit geführt hat. Die eigentliche Sehnsucht gelte dem Wiedererlangen eines Gefühls von zarter Verbundenheit, in dem es uns erlaubt ist, fehlerhaft zu sein.

Warum "Macht"? Weil, so Guanzinis Schluss, das Eingeständnis der eigenen Verletzlichkeit und Vergänglichkeit - und jene der anderen - erst zu Mitgefühl befähigt. Und genau dieses Mitgefühl ist in Zeiten allgemeiner Verrohung und Isolation eine transformative gesellschaftliche Kraft. "Um dem Bösen zu widerstehen, ist ein weiches Wesen vonnöten."

Der positive Epilog ist die perfekte implizierte Erklärung, warum es genau jetzt dieses Buch braucht - als Gegengewicht zu den exzellent recherchierten und formulierten Gesellschaftsanalysen in der Fachbuchabteilung, die doch immer wieder ein düsteres Bild zeichnen. Guanzini schildert die Frau, die Jesu Füße salbt, in einem Atemzug mit dem Neugeborenen, das im Flüchtlingslager mit Wasser aus einer Plastikflasche gesäubert wird. "Diese Bilder der Zärtlichkeit [...] sind notwendige Sinnbilder in einer Landschaft der Verwüstung."

Passend zum literarisch-feuilletonistischen Stil des Buches (übrigens in einer großartigen Übersetzung) schließt die Autorin mit den Worten der Dichterin Mariangela Gualtieri: "Du aber glaube nicht denen, die den Menschen zeichnen als lahmendes Tier und diese Welt als Kugel am Abgrund. Glaube nicht denen, die alles tiefschwarz und blutig malen. Das tun sie, weil es einfach ist. Wir sind nur verwirrt, glaube mir. Doch wir fühlen. Noch fühlen wir. Noch können wir lieben. Noch fühlen wir Mitleid. Es ist ein Glanz in allen Dingen. Ich habe ihn gesehen."
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