Mir hat das Buch leider gar nicht gefallen. Zwei Sterne gibt es nur, weil es in Teilen ein an sich interessantes Thema anreißt.
+Mir hat das Ende gefallen: Satoko heiratet kurzfristig jemand anderen. Der Fotograf ist tief betrübt darüber, obwohl es auf der Hand lag, dass aus den beiden niemals etwas werden kann.
+Ich finde die Thematik, sich aufgrund seiner eigenen Vorstellungen und Imagination, in einen Menschen zu verlieben, sehr interessant. Sich wegen einer mysteriösen und verschlossenen Aura von jemandem angezogen zu fühlen, ist mir sehr verständlich und es spricht mich sehr an, über Gefühle zu lesen, die mehr der Imagination des Verliebten entspringen, als dass sie von dem realen Charakter der anderen Person hervorgerufen werden.
-Allerdings verliebt sich der Protagonist größtenteils in Satoko oder Mokusei, weil er ihre Fremdheit und ihre japanische Abstammung, anziehend findet. Er verliebt sich nicht in ihre mysteriöse Aura an sich, sondern in ihr kulturelles Verhalten und ihr, aus seiner Perspektive, fremdes Aussehen. Mir hätte das Buch deutlich besser gefallen, hätte er sich nicht aufgrund ihrer japanischen Herkunft in sie verliebt, sondern aufgrund ihrer Person, unabhängig ihrer Nationalität. So wie das Buch geschrieben ist, finde ich es in Teilen rassistisch. Der Protagonist beschreibt Satoko als besonders anziehend, da sie mysteriös ist, und ihm wie maskiert vorkommt, wobei ihre „Maske“ ihr „undurchdringliches japanisches Gesicht“ ist:
„Drei Masken trug sie jetzt, übereinander, die asiatische, die ihrer eigenen Undurchdringlichkeit, und als Dritte den ebenso verhüllenden Schirm des Schlafs.“ S.59
-Der Fokus des Buches liegt auf der Tatsache, dass der Fotograf in eine japanische Frau verliebt ist, weil sie japanisch ist und nicht, weil sie ihn als Person interessiert. Wäre sie nicht japanisch, wäre er nicht interessiert. Er verliebt sich nur in sie, weil er sich auf der Jagd nach einem japanischen Idealbild befindet - nicht ihretwillen oder auch nur seiner eigenen Projektion wegen.
-Der innerliche Kampf des Protagonisten, das wirkliche Japan anzuerkennen, nachdem es nicht mit seinem idealen Weltbild Japans übereinstimmt, finde ich respektlos der Kultur gegenüber. Dem Fotografen ist Japan nicht japanisch genug, obwohl er nicht imstande ist, sich überhaupt ein akkurates Bild über die Kultur zu machen.
-Das Buch war mir viel zu oberflächlich.
+Folgendes Zitat hat mir aber gefallen: „Jemand, der schläft, ist nahe und zugleich weit weg, von dir und sich selbst, machtlos und dennoch machtvoll, gerade durch diese Abwesenheit.“ S.68