Wie ihren dritten Roman Das Liebesspiel fügt Dawn Tripp auch in Mondgischt (Moon Tide) kurze Kapitel zum Bild einer Familie und eines kleinen Ortes zusammen. Die Handlung spielt zwischen 1913 und 1938 in dem kleinen Ort Westport, der 1938 wie im Roman von einem Hurrican zerstört wurde. Es sit die Geschichte Elizabeths, die sich im alter in Gedanken immer öfter in ihre Heimat Irland zurückdenkt, ihrer Enkelin Eve und Maggie, einer Frau, die Elizabeth versorgt. Die Familiengeschichte wird ergänzt durch die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des kleinen Fischerorts zu einem Touristenort. Anders als andere Frauen ihrer Generation hatte Elizabeth andere Sehnsüchte als makellos gefaltete Wäsche, ihr war ihr sorgfältig nach Nationalliteraturen geordentes Bücherregal wichtig. Als Handwerker, Kaufmann und Schmuggler treten in der Geschichte interessante Männerfiguren auf, die noch auf der Suche nach einem Auskommen im Zeichen des Strukturwandels sind. Fischen, das Meer, das Wetter und die Landschaft mit ihren charakteristischen vor der See geschützten Flussarmen spielen ein wichtige Rolle im Buch.
Das Zusammenstückeln der Geschichte aus den Blickwinkeln mehrerer Personen hat mich in meinem zweiten Tripp-Roman nicht mehr begeisert, dafür bin ich vom historischen Hintergrund des Romans sehr angetan, der in den Quellenangaben nachzuverfolgen ist.
"Eve weiß, dass ihr Vater seit dem Tod der Mutter in Gedanken ungezählte Bücher verfasst hat - lange Romane, schmerzerfüllte Prosagedichte. Er hat an Absätzen gefeilt, sie laut rezitiert und so lange an der Sprache geschmirgelt, bis nur noch Staub übrig war. Er hat Sätze ersonnen, die originell und verblüffend genug sind, um Stein zu erweichen, und dennoch vermag er, wenn er den Füllhalter auf das leere Blatt setzt, kein einziges Wort Tinte herauszuquetschen. Im Laufe der Jahre haben sich die ungenützten Wörter um ihn herum aufgetürmt. Er ist durch die Sprache gewandert und hat in ihrer wunderbaren Unendlichkeit die Orientierung verloren." (S. 208)