In zugleich sinnlicher wie analytischer Sprache gehen die Erzählungen Lukas Bärfuss' der Liebe und dem Begehren nach. Der erste Erzählband von Lukas Bärfuss!
Die Liebe und das Begehren in all ihren Spielarten sind die Fluchtpunkte in diesen Erzählungen von Lukas Bärfuss. Wie begegnen wir uns? Welche Sehnsüchte treiben uns um? Nach welchen Vorlagen entwerfen wir die Geschichten unserer Leidenschaften? Bärfuss zeichnet eine Kartographie der Passionen. Seine Geschichten handeln von Grenzerfahrungen, die wir mitten im Alltag machen können. Sie zeigen die Momente der Verwandlung.
Ohne eine große Erwartungshaltung bin ich, relativ spontan, zur Lesung von Lukas Bärfuss gegangen. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich noch nichts von ihm, außer ein paar recht klugen Interviews. Neugier trieb mich, Neugier, wovon so ein Büchner-Preisträger wohl schreibt, und wie. Die Lesung war in vielerlei Hinsicht eine große Überraschung. Gleich die erste Geschichte, Was ist die Liebe, stiehlt mir das Herz (wie platt …). Und die namensgebenden Geschichte Malinois ist lang, aber bizarr-fesselnd, mit das anregendste, was ich in letzter Zeit gehört/gelesen habe. Sie lässt mich ein wenig ratlos zurück … oder nein! Sie lässt mich nicht zurück, vielmehr lässt sie mich nicht los. Immer wieder schweife ich gedanklich zurück und muss sie gleich am nächsten Abend einer Freundin am Telefon vorlesen.
Unrat und Gedanken stiftet aber nicht nur dieses faszinierende Stück, sondern viele der Geschichten. Ich muss zugeben, erfassen kann ich die meisten nicht auf Anhieb. Mit manchen, wenigen, kann ich rundheraus gar nichts anfangen. Aber Bärfuss' Kunst und Handwerk, die schönen Sätze, die kraftvollen, teils groben Bilder, all das fasziniert, gewinnt und begeistert mich.
Für den Moment stelle ich das (wunderschön gestaltete) Buch zurück ins Regal, und unwillkürlich reist mein Blick immer wieder hin, da mir dieser oder jene Fetzen in den Sinn kommt. Meine Überlegung ist, es mit der Zeit, vielleicht in einem oder erst in drei Monaten, vielleicht auch noch viel später, wieder vorzuholen und zu schauen, was ich nun in den Geschichten finde, ob sie mehr preisgeben wollen.
Wie nur soll ich diesen Band mit Erzählungen aus verschiedenen Jahren und Quellen bewerten? Erzählen kann Bärfuss selbstverständlich, stellenweise sogar richtiggehend beeindruckend. Anderseits strömt aus vielen von seinen Geschichten so viel Akamdemisches und Elitäres, dass es mir ablöscht - da möchte ich am liebsten aufhören zu lesen. Wenn er bei der einfachen, klaren Sprache bleibt und eine Sache zu erzählen hat, weiss er mich zu packen. Gut gefallen haben mir: "Was ist die Liebe?" oder "Los Angeles" Katastrophal waren: die Titelgeschichte (ausserdem ekelerregend) sowie "Ernesto".
Die zusammengestellten, kurzen Texte von Lukas Bärfuss stammen aus unterschiedlichen Jahren und sind dementsprechend nicht alle gleich gelungen. Trotzdem zeigt der Autor sein sprachliches Können und überrascht an einigen Stellen.