Es erinnert ein bisschen an Alice im Wunderland, wenn Maja bei einem Spaziergang durch den neuseeländischen Regenwald durch ein Loch in die magische Welt „Amuria“ stürzt. Doch anstatt Spielkarten-Männchen zu begegnen und mit Flamingos Cricket zu spielen, sieht sich Maja mit etwas ganz anderem konfrontiert: Amuria ist das letzte Paradies auf Erden – genauer gesagt unterhalb der Erdoberfläche. Dort leben die Amurier im Einklang mit der Natur, seit es vor vielen, vielen Jahren zum Bruch mit den Menschen kam und sie im Untergrund ihre neue Heimat fanden. Fern der Menschen, die sie fürchten und verachten. Die Menschen hingegen vergaßen im Laufe der Zeit, dass es Amurier jemals gegeben hat. Umso überraschter ist Maja, als sie diese Welt und die Amurier kennenlernt und schnell merkt sie: So friedlich, wie Amuria zu sein scheint, ist es gar nicht.
Die Idee der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Auf den Leser wartet ein Reichtum an schönen und wichtigen Botschaften. Bettina Belitz spricht in „Amuria“ Themen an, die uns in unserem Alltag berühren, wie Tier-, Natur- und Umweltschutz sowie die Angst vor dem Fremden. Deutlich stellt die Autorin den Kontrast zwischen beiden Welten heraus. Amuria, dessen Bewohner die Natur und die Tiere respektieren und schützen, und im Gegensatz dazu die Menschen, von denen viele die Erde ausbeuten, die Tiere töten und die Natur zerstören. Gleichzeitig sind aber auch die Amurier nicht perfekt, denn sie fürchten diejenigen von ihrem Volk, die in die Verbannung gegangen sind und in den unwirtlichen Dunkelsümpfen leben müssen. Und sie fürchten die Löcher, die sogenannten Portale, die eine Verbindung zwischen der Menschenwelt und Amuria darstellen, und die immer mehr werden. Werden am Ende gar die Menschen Amuria entdecken und auch dieses Paradies zerstören?
Maja und Nalu werden mit der Mission betraut herauszufinden, weshalb immer mehr Portale entstehen und diese dauerhaft zu verschließen. Die beiden bilden eine sehr gegensätzliche Gemeinschaft, denn beide mögen, verstehen und trauen einander nicht, zu unterschiedlich ist ihre Weltanschauung, zu stark wiegen Vorurteile. Die Figur von Nalu war mir sympathisch. Seine ruhige und besonnene Art, seine Nachdenklichkeit und seine Verschwiegenheit sprachen mich absolut an. Auch seine Entwicklung ist gut gelungen. Mit Maja hingegen konnte ich mich von Anfang bis Ende leider überhaupt nicht anfreunden. Sie ist launisch, laut, ungeduldig und schlicht nervig.
Diese Tatsache machte es mir schwer, die Geschichte mit einem durchweg guten Gefühl zu lesen. Das Verhalten von Maja trübte die Lesefreude einfach zu sehr. Schade, denn die Grundidee ist faszinierend und das Thema vielschichtig. Auch die abschließende Botschaft regt zum Nachdenken an. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Themen und Botschaften noch ein wenig klarer herausgearbeitet worden wären. Teils war die Handlung etwas verworren, es entstanden Längen, und teilweise konnte ich dem Geschehen nicht richtig folgen.
Was mir hingegen sehr positiv auffiel war die Tatsache, dass es zwar in erster Linie um das Wohl der Erde geht, der Mensch – oder natürlich Amurier – dabei jedoch nicht außer Acht gelassen wird. Ebenso von Bedeutung ist es, zu sich selbst zu finden und sich so zu akzeptieren, wie man ist. Und es geht darum zu erkennen, was einem im Leben fehlt und dieses Gefühl zuzulassen. Einsamkeit zum Beispiel, aus Angst davor, Freundschaften zu schließen, nur weil man diese wieder verlieren könnte. Das rundet die Geschichte wundervoll ab und verleiht den Figuren mehr Tiefe.
Fazit
„Amuria – Der Himmel unter der Erde“ von Bettina Belitz ist ein Jugend-Fantasybuch, das voller faszinierender Ideen steckt. Zusätzlich verbindet die Autorin fantastische Elemente gelungen mit dem Thema Umweltschutz. Weniger überzeugen konnte mich hingegen leider die Protagonistin Maja, mit ihrem Charakter wurde ich nicht warm, im Gegenteil, ich empfand ihn als anstrengend und er ging mir alsbald ziemlich auf die Nerven. Insgesamt trübte das die Freude an dem Buch, zumal ihre Entwicklung im Vergleich zu der von Nalu nicht befriedigend war. Um der Idee und der Denkanregungen willen habe ich „Amuria“ zwar sehr gerne gelesen, uneingeschränkt empfehlen kann ich das Werk jedoch nicht.