Schweinepfoten à la chinoise
Eine meiner Leibspeisen wird in diesem Band ausgiebig verkostet: Geschmorte Schweinepfoten. Herrlich, ein kulinarisches Vergnügen, das hierzulande leider immer weniger Gaumen erfreut. Doch im alten China kennt man solche Schnäkigkeiten nicht, und die Beschreibung der für westliche Gemüter sehr exotischen Speisekarte ist ein immer gern gesehenes Stilmittel in solchen Romanen.
Ich hatte bei den Rezensionen zu den Vorgängerbänden immer die ausgiebigen Zitate und kunstvolle Verwebung von diesen mit Sprichwörtern und anderen Verweisen auf Drittwerke lobpreist. Ein Beispiel dieser Kunstfertigkeit des Autors gefällig? In einer Szene werden zwei Säuglinge zweier Familien einander versprochen. Zur Feier des Anlasses wird ein Lied gesungen, und beim Text des Lieds lässt der Autor eine Strophe absichtlich aus. Genau in dieser Strophe des Lieds geht es darum, dass beklagt wird, wie schlecht es sei, zwei so junge Wesen auf die Schnelle miteinander zu verheiraten. Einem gebildeten damaligen Leser wäre diese hintersinnige Auslassung gewiss aufgefallen, und die dadurch versteckt geäußerte Kritik am Vorgehen der Familien eindeutig gewesen. Natürlich ist es dem heutigen, westlichen Leser unmöglich, dies zu erkennen - um so wertvoller sind deshalb die Anmerkungen des Übersetzers.
Trotz dieser ausgesprochen feinen Kunst beginnt sich aber doch langsam stellenweise eine gewisse Langeweile einzustellen. Die Besuche und Gegenbesuche der wichtigen Familien untereinander, die immer wieder gleichen intriganten Szenchen von Pan Jinlian, die dauernde Aufzählung von Geschenken und Bestechungspräsenten - wären da nicht die immer wieder eingestreuten Flussbrecher, wie die Untersuchung wegen Bestechlichkeit gegen Ximen Qing, der einen Mörder gegen Geld freikommen lässt.
Laut Übersetzer sind 5 der Kapitel dieses Bands (53-57) nicht vom Originalautor erhalten, sondern wurden von nachträglichen Editoren neu zusammengestellt; als Leser spürt man den Unterschied aber nur wenig, auch wenn der Übersetzer hier im Original einen literarischen Qualitätsunterschied feststellt - dies wurde vielleicht durch die Übersetzung etwas ausgeglichen.
Ein Wort noch zum Unterschied zwischen Hard- und Softcoverausgabe. Die Hardcover-Fassung unterscheidet sich praktisch nur durch die Bindung und den Einband von der Taschenbuchausgabe - und durch das zusätzliche Gewicht wird der eh schon dicke Wälzer noch unhandlicher. Hübsch ist der Band ohne Schutzumschlag auch nicht wirklich in einem hellen Cremeton, so dass niemand etwas fehlen wird, wenn er nur die Taschenbuchausgabe besitzt, insbesondere, da die Taschenbuchausgabe auch schon mit einer festen, guten Bindung aufzuwarten weiß.