ENGLISH VERSION BELOW
------------------------------------
Elektrische Fische war ein interessantes Buch. Es war kurzweilig (es ist auch nicht sehr dick), vermittelt ein wenig das Gefühl einer Kurzgeschichte (dafür ist es aber viel zu dick), zeitgleich erscheint es wie ein kurzer Ausschnitt aus einem Leben, irgendwie fehlen Elemente, gerade am Ende. Die Geschichte verteilt sich über mehrere Wochen. So gibt es etwa den Hinweis, dass Emma mehrere Wochen nicht mit ihrem Klassenkameraden Levin gesprochen hat. Dabei erfährt man aber nichts über diese Wochen, außer dass Emma immer noch wartet. Emma zieht zu Beginn des Buches mit ihrer deutschen Mutter zurück in ein Kaff in Deutschland, gemeinsam mit ihrem großen Bruder und ihrer kleinen Schwester Aoife (die gälische Form von „Eva“). Dieser Name und eine Situation am ersten Schultag führen dazu, dass Aoife beschließt nicht mehr zu reden. Emma wiederum hat beschlossen, abzuhauen und zurück nach Dublin zu gehen. Aoife will sie mitnehmen, was erst geht, wenn diese wieder spricht. Darauf wartet Emma nun. In der Zwischenzeit freundet sie sich mit Levin und der Ostsee an.
Susanne Krellers Schreibstil ist ein ganz besonderer. Einfühlsam und warm, er lässt einen auch regelrecht durch die Geschichte fliegen, obwohl wenig passiert. Die Erzählung ist extrem auf Emma fokussiert. Obwohl diverse andere Personen vorkommen, bleiben diese oberflächliche Schatten, was der Geschichte aber keinen Abbruch tut, man erfährt so viel über sie, wie es gerade für den Fortgang des Buches notwendig ist. Zeitgleich wünscht man sich beim Lesen, etwas mehr über die Großeltern oder die Mutter zu erfahren oder auch mehr Details über die Situation in Irland. Dann wäre das Buch aber nicht mehr so kurzweilig und auch nicht mehr so kurz. Oder es hätte nicht mehr diese Fülle an Emotionen. Denn diese bringt der Fokus auf Emma mit sich. Ich bin fasziniert davon, wie schön Einsamkeit und Heimweh beschrieben werden können, ohne einen selbst traurig zu machen. Susanne Kreller spielt mit Metaphern, schreibt bildhaft und man merkt, dass sie viel Zeit in das Buch investiert hat. Der Schreibstil ist etwa gehobener und schön.
------------------------------------
------------------------------------
Electric Fish was an interesting book. It was entertaining (it's not very thick either), gives a bit of a short story feel (but it's way too thick for that), at the same time it seems like a short slice of a life, somehow missing elements, especially at the end. The story is spread out over several weeks. For example, there is a hint that Emma has not spoken to her classmate Levin for several weeks. However, we learn nothing about these weeks, except that Emma is still waiting. Emma moves back to a little village in Germany with her German mother at the beginning of the book, along with her older brother and younger sister, Aoife (the Gaelic form of "Eva"). This name and a situation on the first day of school lead Aoife to decide to stop talking. Emma, in turn, has decided to run away and go back to Dublin. Emma wants to take Aoife her with her, which can only be done when she speaks again. Emma is now waiting for that. In the meantime, she makes friends with Levin and the Baltic Sea.
Susanne Kreller's writing style is very special. Sensitive and warm, it also makes you literally fly through the story, although little happens. The narrative is extremely focused on Emma. Although various other people appear, they remain superficial shadows, but this does not detract from the story, you learn as much about them, as it is just necessary for the progress of the book. At the same time, while reading, one wishes to learn a little more about the grandparents or the mother, or even more details about the situation in Ireland. But then the book would not be as entertaining or as short. Or it would no longer have this abundance of emotions. Because this brings the focus on Emma with it. I am fascinated by how beautifully loneliness and homesickness can be described without making you sad. Susanne Kreller plays with metaphors, writes pictorially and you can tell that she invested a lot of time in the book. The writing style is about upscale and beautiful.