Die Geschichte der mit Armut kämpfenden burgenländischen Auswanderer nach Amerika in den 1920er Jahren war mir neu, obwohl mir bewusst war, dass es mehrere europäische Auswanderungswellen nach Amerika gab.
Anhand einer tragischen und zutiefst erschütternden Familiensaga erzählt die Autorin vom Schicksal vieler. Der Traum vom besseren Leben bleibt in den meisten Fällen Schaum, und während in Amerika die große Depression die Menschen an den Rand des Existenzminimums bringt, sieht es in Österreich um die Zeit noch schlimmer aus, mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus. Eindrücklich beschreibt Theodora Bauer diese Geschichte aus der Sicht einfacher Menschen. Die Protagonistin Ana ist weise trotz mangelnder Bildung, hat ein Verständnis über die menschliche Natur die den meisten fehlt. Erschreckend ist für mich die Aktualität vieler ihrer Beobachtungen.
"Vielleicht ist das der Preis gewesen für das ganze Gerede vom großen Führer und vom reinen Blut. Man hat ihm Taten folgen lassen müssen, dass man sich besser fühlen hat können als jene, denen es genauso schlecht gegangen ist wie einem selbst.", so einer der Gedanken von Ana.
Die Sprache ist fast durchwegs in diesem Erzählton gehalten, erinnert mich an die Erzählungen meiner Großmutter, die auch aus dieser Generation stammte.
Allerdings begeht die Autorin plötzlich wenn es um "Joe" und andere in Amerika geht einen sprachlichen Stilbruch. Da ist plötzlich nicht mehr die Rede von "der Feri" und "die Ana", sondern von "Joe" und "Lily", die Gedanken werden plötzlich in Mitvergangenheit statt in der Vergangenheit formuliert, bis Joe dann wieder im Burgenland landet und zu "Der Josef" mutiert. Ein befreundeter Schriftsteller hat mir erklärt, dass dies oft verwendet wird, da in einem Roman im Grunde in jedem einzelnen Kapitel die Erzählperspektive geändert werden, und dass das oft auf kulturelle Unterschiede hindeuten kann.
Eine wirklich schön erzählte Geschichte und eine klare Leseempfehlung.
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