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Ich wollte Liebe und lernte hassen!

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Displaying 1 - 9 of 9 reviews
Profile Image for Rebecca.
722 reviews47 followers
Read
October 15, 2023
Dieses Buch ist vor einigen Jahren auf meiner Leseliste gelandet, nachdem es in einem Podcast (Zeit Verbrechen? I don’t remember) erwähnt wurde.

Fritz Mertens, der 1982 als 19-Jähriger zwei Menschen ermordete, schildert darin ausführlich seine Kindheit, die ihn zu dem Menschen machte, der er zum Zeitpunkt der Tat war. Der Mord selbst ist überhaupt kein Thema in diesem Buch, er wird zweimal kurz erwähnt, aber genaueres erfährt man als Leser nicht. Der Fokus liegt wirklich auf dem familiären Umfeld, in dem Mertens groß wird.

Seine Eltern, die sich ewig nicht einig werden und trotzdem nicht voneinander lösen können, ziehen die ganze Familie mit ins Unglück. Mertens‘ Kindheit ist geprägt von Gewaltexzessen, Krankenhausaufenthalten und Alkoholismus. Während die Eltern sich streiten und mit Gelegenheitsarbeiten rumschlagen, muss Fritz sich um Haushalt, Geschwister und das familiäre Gasthaus kümmern. Zeit für Hausaufgaben und Lernen bleibt nicht, manchmal schafft er es nicht einmal, in die Schule zu gehen. Dass das Zeugnis dementsprechend aussieht, dafür haben die Eltern jedoch kein Verständnis. Es folgen Schläge und Peitschenhiebe.

Auch als der Junge älter wird, fällt es ihm schwer, sich aus dem prädestinierten Weg zu lösen: Er selbst wird gewalttätig und trinkfreudig. In verschiedenen Abschnitten liest man durch die Zeilen immer wieder durch, was für ein Mensch Mertens hätte sein können, wäre ihm ein besserer Start ins Leben vergönnt gewesen.

In der U-Haft entsteht schließlich auf Anregung seines Anwalts dieses autobiographische Werk (erschienen 1984), in dem Mertens sich mit seinem bisherigen Leben auseinandersetzt. Nach acht Jahren Jugendhaft wurde Mertens schließlich 1991 entlassen, starb jedoch schon 2008 an einem Schlaganfall.

________________________

Rezension ohne Wertung, da ich es schwierig finde, eine Autobiographie irgendwie zu bewerten. Schreibstil war natürlich schlecht, dafür aber authentisch – so schreibt halt ein Jugendlicher, der ohne größeren Bildungserfolg im Gefängnis landet. Anstrengend war es bisweilen trotzdem, auch, wenn man irgendwie reinkommt.

Ich glaube außerdem wirklich, dass Mertens‘ Kindheit furchtbar war und dass sein Leben höchstwahrscheinlich anders hätte verlaufen können, wäre er in einer anderen Familie großgeworden. Diese Eltern sind schrecklich und abusive³, dass das Jugendamt nicht eingegriffen hat, ist wohl vor allem der damaligen Zeit geschuldet. Trotzdem ist dieser Bericht natürlich total subjektiv, der Autor selbst ist nie an irgendwas Schuld, es sind immer nur die anderen, die ihn schlecht behandelt haben. Etwas Selbstreflexion wäre bisweilen schon angebracht gewesen.

Insgesamt lohnenswert zu lesen, wenn man sich für True Crime interessiert.
Profile Image for Joni 与仁.
37 reviews
December 28, 2025
4,5 Endlich!

Was ich bei Romanen immer vermisse, in denen Kinder vor und zu Wort kommen, ist die Authentizität der Dialoge. Zufriedenstellend habe ich das bisher nur bei Tarjei Vesaas erlebt. Allein deswegen hat sich für mich dieser Bericht gelohnt, denn - wer hätte es gedacht - für eine authentische Erzählung muss man die Gruppe selbst zu Wort kommen lassen.

Diesen Bericht als "True-Crime" zu kategorisieren, kommt mir zu banal vor. Der Mord selbst wird nur in einem Satz erwähnt und Mertens' Handschrift liest sich nicht a la "... und deswegen bin ich zum Mörder geworden", sondern als durch und durch subjektive (zugegeben sehr unreflektierte und egozentrische) Erfahrung systematischer Gewalt.

Mertens' Bericht ist kein schriftstellerisches Meisterwerk, aber es erzählt aus einer Lebenswelt, die vielen Lesenden wohl sonst verborgen bleibt. Vor allem erzählt sie von dem Irrglauben, dass jeder Erwachsene eine Kindheit hatte. Hat mich an das ein oder andere Kind aus den Kindernotdienst-Zeiten erinnert.

Weihnachtsgeschenk von Pita
Profile Image for Mary Hope.
117 reviews3 followers
May 17, 2019
Wie bewertet man ein Buch wie dieses?
Einen ungeschönten, gnadenlosen Tatsachenbericht, einen Einblick in die tiefsten, dunkelsten Abgründe der menschlichen Leidensfähigkeit?

Die meisten Bücher, die wir spannend finden, die Spaß machen beim Lesen und die uns sogar wünschen lassen, wir könnten in die gedruckte Welt eintauchen, sind unheimlich, tragisch oder auch wirklich gefährlich.
Die Freude beim Lesen braucht das Wissen, dass die Welt, in die wir uns hineinträumen, eben nur fiktiv ist.

Das fällt bei so einem Buch natürlich weg.

Zu behaupten, man fühle sich gut beim Lesen dieses sich über Jahrzehnte erstreckenden Missbrauchs an Leib und Seele eines bis dahin unschuldigen Kindes, wäre mehr als gelogen.
Trotzdem hat auch dieses Genre seine Daseinsberechtigung und wer sich einfach gerne informiert, was wirklich dran sein soll an dem abgedroschenen "ach, der Täter hatte eine schwere Kindheit", der sollte - sofern starke Nerven vorhanden - unbedingt zugreifen.
Der Schreibstil wirkt kindlich aber dadurch umso authentischer.

Auch wenn die letztliche Bluttat nicht eigentlich in Zusammenhang steht so ging ihr doch ein Martyrium voraus, welches die Verwunderung, warum ein Mensch zu so etwas fähig ist, eigentlich restlos aufklärt.
Profile Image for Hanna.
117 reviews
September 5, 2023
Ich weiß gar nicht wie ich das bewerten soll…
Mega erschreckende Biografie eines Mörders, durch die man sogar am Ende in irgendeiner Weise nachvollziehen kann, was Menschen zu einer solchen Tat bringt bzw. was man in einem gewalttätigen Elternhaus erleiden muss
131 reviews
October 23, 2024
Heftig. Wie abgestumpft der Autor durch die permanente Misshandlung geworden ist, wurde für mich besonders in dem Zwischenfall mit dem Hund deutlich... an der Kette erwürgt, und er schreibt "Das mit Candy hatte ich bald vergessen, aber trotzdem ging es mir fast zwei Tage nach, daß ich den Hund verloren hatte. Mit Candy konnte ich über alles, was mir gestunken hat, sprechen, und sie schien mich zu verstehen. Naja, mit solchen Sachen muss man sich eben abfinden."

Es ist völlig unverständlich, wie diese Verhältnisse so lange ohne eine Einmischung von staatlicher Seite bestehen konnten.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Vivienne Pohl.
9 reviews3 followers
March 7, 2024
Sprachlos.. echt heftige story. Macht mich traurig und wütend zugleich wie manche Menschen mit ihren Kindern umgehen:(
Profile Image for Isi.
26 reviews
May 10, 2025
Erzählt von seiner schlimmen Kindheit & wie er zu dem Menschen wurde, der er zuletzt war. Sehr bewegend
Profile Image for Tina (Sips & Scares).
277 reviews20 followers
June 23, 2018
Das grausame Portrait eines Mörders, der in seiner Kindheit durch die Hölle gehen musste.

Bei diesem Buch habe ich mich dazu entschieden, euch den langen Klappentext voranzuschicken, damit ihr direkt alle Hintergrund-Informationen zur Verfügung habt. Dieses Buch, zuerst 1984 erschienen, kurz nachdem die Tat verübt wurde, hat mich mit diesem Klappentext direkt gefesselt. Ich wollte unbedingt lesen, wie es zu einer solch ungeheuerlichen Tat kommen kann, welche Motive dahinterstecken und wie das oben erwähnte „grausame Elternhaus“ wohl ausgesehen haben mochte. Makaber, aber irgendwie war ich fasziniert. Fritz Mertens‘ „Ich wollte Liebe und lernte hassen!“ beginnt bei seinen jüngsten Erinnerungen und erzählt, wie er aufwuchs, wie sein Verhältnis zu seinen Eltern war — kurz, dieses Buch ist eine Autobiographie. Da das Lektorat möglichst wenig an diesem Rohtext verändern wollte, wurde tatsächlich nichts bis auf die Orthographie geändert, Fehler ausgebessert — das gesamte, grausame Material ist also fast komplett so geblieben, wie Fritz Mertens es damals verfasst hat. Es verschlägt einem oft die Sprache, man will gar nicht glauben, dass Dinge wie dort beschrieben überhaupt irgendwo geschehen können, wie Kinder dermaßen misshandelt werden können, doch die Neugier, ob Fritz oder seine Geschwister sich jemals zu Wehr setzen würden, trieb mich an, weiterzulesen.

"Ich glaube, ich habe nie etwas richtig gemacht in meinem Leben, immer war etwas dabei, was falsch war."

„Ich wollte Liebe und lernte hassen!“ ist definitiv kein Buch für zarte Gemüter. Nüchtern und gerade heraus erzählt Fritz Mertens über seine Kindheit und Jugend, über seinen Alkoholiker-Vater und seine allem Anschein nach sehr überforderte Mutter. Und das ist wirklich noch vorsichtig ausgedrückt. Seine Geschwister erfahren leider dieselben „Erziehungsmaßnahmen“ wie er und mehr als einmal spielt er sogar in Kindheitstagen(!) mit dem Gedanken, sich umzubringen. Während die Mutter ihn also wegen unfassbaren Kleinigkeiten blau und grün prügelt, schwärzt sie ihn auch bei seinem Vater an, der mal bei der Familie, mal getrennt wohnt. Hinterrücks arbeitet Fritz Mutter also gegen ihn, den „Liebling“ seines Vaters, der nichtsdestotrotz auch von ihm verprügelt wird. Fritz‘ Kindheit ist geprägt von Krankheit und Krankenhausaufenthalten, denn als er in jungen Jahren über Hüftschmerzen klagt und nicht mal mehr richtig gehen kann, wird er von seinen Eltern nur verlacht, er solle nicht so „gehen wie eine Schwuchtel“ und sich „nicht so anstellen“. Doch die Schmerzen werden schlimmer und als Fritz endlich zu einem Arzt kommt, stellt man einen schweren Bruch der Hüfte fest und er verbringt das nächste Jahr fast komplett abwechselnd in Gips, im Rollstuhl, mit Krücken oder im Krankenhaus — wo er am Ende seines Aufenthalts auch gar nicht mehr weg will, da sich dort alle so liebevoll um ihn kümmern. Kaum ist Fritz genesen, ist die „Schonzeit“ der elterlichen Gewalt vorbei und teilweise schwärzen ihn sogar seine Geschwister bei der Mutter an, wobei die geschwisterlichen Bande auch ins Wanken geraten. Fritz muss sich seit seinen jungen Jahren auch um den Haushalt kümmern, hat keine Zeit mehr für seine Hausaufgaben, zur Schule zu gehen fällt ihm nach und nach schwerer, da er nie vorbereitet ist. Zum Geburtstag bekommen die Kinder keine wirklichen Geschenke; Fritz erzählt in seinem Bericht vom Geburtstag seines Bruders, der ein Papier geschenkt bekommt, auf dem in der Mitte ein Pfennig aufgeklebt war, mit den Worten: »Für mehr hat es nicht gelangt, du warst ja auch dieses Jahr nicht brav.«

Fritz Mertens erzählt schonungslos von allen Grausamkeiten, die ihm und seinen Geschwistern in Kindheit und Jugend bis hin ins junge Erwachsenenalter widerfahren sind, und ich habe mir stellenweise wirklich an den Kopf gefasst, wieso denn niemand das Jugendamt verständigt hat, der diese Zustände mitbekommen hat. So führt Fritz‘ Mutter später eine Gaststätte, und als es zu einem Missverständnis kommt, prügelt sein Vater ihm im Hinterzimmer die Seele aus dem Leib, sodass seine Augen geschwollen sind und seine Lippe bluten. In diesem Zustand soll er sich dann bei einem Gast entschuldigen. Spätestens da hätte ich mir für die Kinder gewünscht, dass irgendjemand endlich zur Polizei geht und die Kinder den Eltern weggenommen werden. Oder dass die Geschwister sich verbünden und gemeinsam weglaufen oder selbst zur Polizei gehen. Selbst Fritz‘ kleine Schwester wird, als sie noch keine zwei Jahre alt ist, von der Mutter halbtot geschlagen. Was die Kinder von einer Flucht aus dem Elternhaus abgehalten hat, weiß ich beim besten Willen nicht.

Die vollständige Rezension findet ihr auf dem Blog: https://killmonotony.de/rezension/fri...
Profile Image for Johannes Mirus.
Author 3 books11 followers
May 8, 2016
Extrem harter Tobak, der deshalb so schlimm ist, weil er wahr ist. Literarisch sicherlich nicht Premiumklasse, aber inhaltlich fesselnd wie wenige Bücher meines Leselebens.
Displaying 1 - 9 of 9 reviews

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