Karen Köhler lädt ein zur literarischen Konfrontation: „Briefe an den Täter“ – unter dieser Überschrift verfassen zwölf Autorinnen ihre Nachrichten. Ob fiktiv oder nah an der Wirklichkeit, ob literarisch auserzählt oder in sachlicher Kühle: Das Reden über Schuld und Schuldige hat sich in den vergangenen Jahren verändert. So hört es sich heute an.
Prosatexte an Täter: sexualisierte Gewalt verschiedenster Art, generell 'Arschlöcher', aber auch öffentlich bekannte Täter und Metatäter oder Bystander. Mir ist der schmale Herausgeberinnenband als Empfehlung von Maria-Christina Piwowarski in Zusammenhang mit "Die schönste Version" von Ruth-Maria Thomas begegnet. Als Anschlusslektüre und auch für sich, ist dieser Titel sehr zu empfehlen! Allein die Briefe von Nora Gomringer an Anders Breivik ins Gefängnis haben sich mir nicht erschlossen und für mich nicht zu den anderen Texten gepasst. Ihre Verbindung zu ihm oder warum sie gerade ihm schreibt, konnte ich nicht herauslesen, sodass es für mich, ohne Erklärung dafür, unangemessen erschien.
Angst, Ohnmacht, Ekel, Rachegefühle, Irritation, Wut, aber auch Neugier, Auseinandersetzung und Zuversicht. Einige sehr berührende Texte, die sicher bei mir bleiben werden.