Ich war ziemlich gehypt auf die "Single Bells" Reihe und habe mich wahnsinnig auf den ersten Teil gefreut. Von Kimmy Reeve hatte ich bis dahin noch nichts gelesen und hatte auch nicht so hohe Erwartungen. Immerhin sind es eher kurze Geschichten und für mich war klar, dass es eher etwas zur lockeren Unterhaltung sein soll. Auch die Storyline ist nichts Neues, aber ich habe momentan echt einen Narren an Office-Romanzen gefressen und war dementsprechend happy damit.
Der Schreibstil ist passend für das Genre. Er lässt sich relativ gut gelesen, hin und wieder bin ich aber doch über einige Sätze gestolpert.
Die Figuren... Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll. Am Anfang war ich noch positiv gestimmt. Die Protagonisten mögen sich nicht besonders - was ich in einer Office-Romance mittlerweile ziemlich nervig finde, aber nun gut. Es war in Ordnung. Das erste Drittel hat mir sogar echt noch Spaß gemacht. Dann sank meine Euphorie und ab etwa der Hälfte hatte ich eigentlich genug gelesen.
Bailey Wilson wird als sture und selbstbewusste Frau dargestellt, die sich nichts gefallen und sich nicht unterkriegen lässt. Bei "Wright & Turner" macht sie ein Praktikum/Anerkennungsjahr und ihr Chef Wesley Wright treibt sie regelmäßig in den Wahnsinn, weil er sie "schlecht behandelt". Anrufe außerhalb der Arbeitszeiten müssen wirklich sehr grausam sein, denn sie will ihn ständig umbringen. Das wäre so ungefähr mein erster Kritikpunkt. Ich weiß nicht, was es ist, aber ich finde diese Witze nicht lustig. Für mich haben die sich irgendwie aufgebraucht und sind mittlerweile ein sehr alter, stinkiger Schuh.
Wesley Wright ist desinteressiert, hält an seinen Prinzipien fest - kein Sex mit Mitarbeiterinnen und Kundinnen - und ist ansonsten auch nicht wirklich der interessanteste Mensch. Beide Figuren waren für mich viel zu blass. Der Grund dafür ist ihre Gedankenwelt. Diese dreht sich im Kreis. Ständig. Ausschließlich. Die Geschichte ist das reinste hin und her, Wirrwarr und eine Karussellfahrt, die mir keinen Spaß gemacht hat.
Den Anfang fand ich wirklich gut, weil man erstmal einen Einblick bekam, aber nachdem sich die Geschichte dann nur noch wiederholt hat, war mir das echt zu langweilig. Für mich ist die Story - Gefühle inklusive - total konstruiert und zäh. Die ersten paar Seiten spielt die Handlung im Büro und dann geht es auch schon in die Karibik. Dort bleiben sie auch bis kurz vor Ende. Ein Happy End ist in Romanzen keine wirkliche Überraschung, aber wer sich nicht spoilern möchte, springt am besten zum nächsten Absatz, denn ich gehe nun ein wenig detaillierter darauf ein, was mich so genervt hat; Ihre Gefühle: Sie hasst ihn, dann küssen sie sich und plötzlich ist er ein ganz anderer Mensch - Wow! Dann schlafen sie miteinander und zack, ist sie verliebt. Was zur Hölle? Bei ihm ganz ähnlich. Er hat sie ein Jahr lang nicht beachtet, findet sie plötzlich aber total faszinierend und begehrenswert und liebt sie zum Schluss "über alles". Aber zwischendurch wird schön gestreckt mit "Ich muss mich von ihm/ihr fernhalten, aber er/sie ist sooo toll und ich kann nichts dagegen tun". Surprise: Sie haben es nicht einmal ansatzweise versucht. Also für mich ist das nicht süß oder romantisch, sondern überstürzt und nicht ordentlich ausgearbeitet. Vor allem, weil die Geschichte über ein paar Wochen läuft und nicht über ein paar Monate, wo ich diese unsterbliche Liebe eventuell verstehen könnte.
Spoilerende. Natürlich hat man innerhalb von 240 Seiten nicht sonderlich viel Zeit um eine Bindung aufzubauen, aber mir fehlte gänzlich die Chemie zwischen den Beiden. Da kam kein Hauch an Emotionen bei mir an. Meiner Meinung nach wurde da einfach nur ordentlich überdramatisiert (bezogen auf das Gedankenkarussell der zwei: "Ich kann nicht, ich will aber, ich muss mich fernhalten, aber sie/er ist so toll, auch wenn ich ihn/sie gar nicht kenne, ach, f*ck it, ich versuch' erst gar nicht mich fernzuhalten, tu' aber so, damit ich jammern kann") und am Ende wurde der ganze Klumpen in ein Zuckerbad geworden.
Die Dialoge und Gedankengänge wirkten zum Teil aufgesetzt und generell ist die gesamte Handlung total überkonstruiert. Ich hatte damit leider überhaupt keinen Spaß, weil mich dieses Gejammer die ganze Zeit so genervt hat. Ständig wurde irgendwas eingeschoben, damit Bailey nochmal so richtig auf die Tränendrüse drücken kann - Hach, die Arme! Sie wird die ganze Zeit als "Mädchen" betitelt und mich hat das wahnsinnig gestört. Für mich ist man mit 22 Jahren schon bei "Frau" angekommen. Als dann aber deutlich wird, wie naiv und blöd sie ist, konnte ich verstehen, warum man sich hier für die "Mädchen"-Anrede entschieden hatte.
Achja. Diesem ganzen "Reverse Harem"-Ding kann ich auch überhaupt nichts abgewinnen. Für alle, die unter dem Begriff nichts verstehen: Er kommt aus dem Animebereich (zumindest kenne ich ihn daher) und beschreibt ein Werk, in dem mehrere Figuren auf die Protagonistin stehen. Wirklich jeder Kerl in dem Buch fand Bailey heiß und wollte sie am liebsten ins Bett zerren. Ugh. Ich bekomme da immer das Gefühl, dass die Figur sich unbedingt ganz besonders fühlen musste und deswegen wird sie von allen Kerlen angegraben. Mag ich nicht.
Des Weiteren ist mir eine Unstimmigkeit aufgefallen, bei der ich wirklich lachen musste. Bailey und Wesley unterhalten sich zu Beginn des Buches über Verbindungen in der Uni. Sie ist dann ganz überrascht, dass er ja auch auf der Columbia war. Das hätte sie ja nicht gewusst. Später im Buch schwärmt sie dann aber von seinen Arbeiten (er ist Architekt) und wie sie vor einigen Monaten eine Projektgruppe leitete, um eins seiner Werke vorzustellen, was sie sehr bewundert. Ihr Professor hatte ihr dann mitgeteilt, dass Mr. Wright ebenfalls bei ihm studiert hatte. Und sie hat diese Information dann urplötzlich wieder vergessen oder wie?
Ich habe wirklich Hoffnung, dass die anderen Autorinnen mehr aus ihren Figuren und dem Plot herausholen. Bei Aurelia Velten und Rose Bloom - die Autorinnen von Band 2 und 3 - weiß ich bereits, dass ich einige ihrer Geschichten mag und freue mich dementsprechend auf die Stories der Freundinnen von Bailey.
"Single Bells - Ein Boss zum Verlieben" hat, trotz der gewöhnlichen Story, mein Interesse wecken können. Durch die vielen Kritikpunkte hat die Geschichte mich letztendlich leider enttäuscht. Die Figuren, die Gedankengänge, die Entwicklungen und die Geschichte an sich konnten mich am Ende nicht überzeugen, weil mir alles viel zu sehr mit Drama vollgepackt war. Die Handlung wirkte künstlich in die Länge gezogen und vieles war für mich zu aufgesetzt und konstruiert. Von mir gibt es 2 Sterne.