Obwohl ich bereits auf Seite 7 ahnte, dass dieses Buch wenige neue Erkenntnisse für mich bereithalten würde und obwohl mich die recht stereotypen Zuschreibungen für Männer und Frauen ermüdeten und auch die einfache Sprache mäßig unterhaltsam war, habe ich fleißig weitergelesen, um mir nicht vorwerfen zu müssen, ich würde meiner Vaterrolle zu ungeduldig begegnen.
Sicher sind manche Absätze zum Hormonhaushalt (Testosteron) und zur Unterstützungsbedürftigkeit von Jungs in der Schulzeit Ermahnungen zur Sorgfalt. Vor allem als Lehrer vieler Jungs im gefährdeten Alter zwischen 6 und 14 war das ein erhobener Fingerzeig, der durchaus mal angebracht ist: Auf die Jungs zu achten, die häufiger unter Schulproblemen leiden als die anpassungsfähigeren Mädchen. Das deckt sich insgesamt mit meinen Erfahrungen.
Meistens fasst der australische Psychologe Biddulph in diesem Grundlagenwerk aus den 90ern, das mir das Youtube-Phänomen Vera Birkenbühl empfahl, verschiedene Themen (Liebe, Vorbilder, Elternbeziehung, Schule, Sexualität, Clique...) in recht offensichtlichen Denkbewegungen, die wenig Neues bieten, oft unsystematisch und vor allem recht beliebig wirken.
Direkte Handlungsansätze für meinen 8 Monate alten Floh konnte ich nicht mitnehmen. Erheiternd waren eher die Zeitbezüge zu den 90ern, etwa die Frage mancher Väter, ob kleine Jungs durch ein übermäßiges Kuscheln mit dem Papa nicht schwul werden könnten. Dass Biddulph hier noch ganz ernsthaft (und im modernen Sinn) antwortet, kann man als Klischee-Mief vor 30 Jahren abtun, aber natürlich auch als a-moralischen wissenschaftlichen Gestus. Ich mochte diese Direktheit. Mir gefällt auch die Idee, dass Männlichkeit wieder als Gemeinsinn durch Riten zelebriert werden sollte. Nicht gegen den Feminismus, sondern als gleichzeitige Stärkung positiv besetzter Männlichkeit.
Ok. Keine schlechte Lektüre, aber auch keine, die ich unbedingt weiterempfehlen würde.
5 von 10 Punkten.