Ein Rudel Wölfe in einer Geisterstadt mitten in der Provence – ein ungewöhnlicher und dramatischer neuer Fall für Capitaine Roger Blanc
Anfang Januar in der Provence. Schnee fällt, und die Tage verlaufen ruhig für die Gendarmen, denn in der Kälte scheint selbst das Verbrechen erstarrt zu sein. Mitten in der Nacht werden Capitaine Blanc und Lieutenant Tonon jedoch zu einem rätselhaften Einsatz gerufen. Der Ort: Vieux Vernègues, ein mittelalterlicher Ort, der eine Idylle wie aus dem Bilderbuch sein könnte, hätte nicht ein Erdbeben ihn vor gut hundert Jahren zerstört. Jetzt ist Vieux Vernègues eine Geisterstadt, ein verlassenes Trümmerfeld im Schatten einer düsteren Burgruine. Alarmiert wurde die Gendarmerie von zwei alten Schafhirten. Zwölf Tiere ihrer Herde wurden in weniger als einer Stunde getötet – von Wölfen. Schnell spricht sich herum, dass ein Wolfsrudel durch die Gegend streift. Diese Tiere stehen unter strengstem Naturschutz, doch die Angst ist stärker – Schäfer, Jäger und sogar der Bürgermeister scheren sich nicht um die Gesetze und greifen zu den Waffen. Blanc und seine Kollegen merken zudem bald, dass noch weitere Gestalten nachts durch die Wälder streifen und seltsame Dinge tun. Jeder misstraut jedem, und alle fürchten den Wolf – eine explosive Lage, die schließlich außer Kontrolle gerät. Denn tatsächlich wird ein Toter zwischen den Ruinen gefunden …
1965 in Flensburg geboren, studierte in Köln und Washington Anglo-Amerikanische Geschichte, Alte Geschichte und Philosophie und lebt heute mit seiner Familie in der Provence.
Seit einigen Jahren Redakteur bei GEO sowie Geschäftsführender Redakteur des Geschichtsmagazins GEO EPOCHE. Außerdem schreibt R. historische Romane und Sachbücher.
In der Nähe von Vernégues nahe Aix-en-Provence soll es im winterlichen Januar trotz eines wehrhaften Hütehundes zum Angriff von Wölfen auf eine Schafherde gekommen sein. Von Capitaine Roger Blanc und seinem Team wird erwartet, dass sie den Fall aufnehmen, damit der Schäfer den materiellen Schaden ersetzt bekommt. Eine DNA-Probe muss beweisen, dass der Angreifer tatsächlich ein Wolf war und nicht etwa ein jagender Hund. Kollege Marius, stets gut informiert, weiß, dass Wölfe aus den italienischen Alpen ins südliche Frankreich wandern. Dieser Fall scheint von Beginn an mysteriös, weil in Frankreich Wölfe bisher noch nicht im Rudel gejagt haben, wie das Schäfer-Paar Locez den Ermittlern berichtet.
Blanc, Tonon und Fabienne Soulard ermitteln in einem historisch interessanten Setting, denn das „alte“ Vernègues wurde 1909 beim bisher letzten Erdbeben in der Provence zerstört und verfiel zur Geisterstadt, nachdem die Bewohner ihren Ort in der Nähe neu gründeten. Vieux Vernégues liegt geschützt am Rand eines Plateaus und wird deshalb von Schäfern gern als Nachtlager genutzt. Die Ermittlungen führen Roger Blanc als Zugezogenen auf glattes Eis, da der Bürgermeister eng mit dem örtlichen Jagdverband verbandelt ist und dieses Bündnis sich ungern in die Karten gucken lassen will. Presseberichte über Wölfe will Bürgermeister Melleton deshalb unbedingt verhindern. Blanc findet im Ort einen tiefen Graben vor zwischen Wolfsgegnern/ängstlichen Bürgern auf der einen Seite und Naturschützern/Wolfsexperten als Gegenpol. Als wäre das nicht konfliktreich genug, sind im Wald von Vernégues u. a. eine Seismologin und ein Ufo-Experte unterwegs, die die Wege der Jäger wie der Ermittler stören könnten. Als es in den alten Gemäuern auch noch zu einem Mord kommt, geht Blanc mit seinem Team ungewöhnliche Ermittlungs-Wege.
Cay Rademacher verknüpft im Setting eines verlassenen provencalischen Ortes einen mit harten Bandagen ausgetragenen Konflikt um ein angebliches Wolfsrudel mit äußerst originellen Figuren und deren jeweiligen Spleens. Allein die Landkarte in der vorderen Klappe und die Aufzählung von Wolfsexperte, Försterin und Seismologin im Personenregister wecken schon die Neugier auf Rademachers 7. Roger-Blanc-Krimi. Informationen über Wölfe, die regionale Geschichte und einige technische „Gadgets“ sind geschickt eingewoben, weil auch Blanc sich damit erst auseinandersetzen muss. Wie er diverse Skills im Team nutzt, hat mir imponiert. Neben dem im Frankreich-Krimi schon unvermeidlichen Lästern über die Drangsalierung der Provinz durch Paris und die EU-Vorschriften stehen sich hier u. a. klassische Ermittlungsmethoden „zu Fuß“ und technische Finessen gegenüber.
Die spannende Mischung aus historischem Hintergrund, originellen Figuren und abenteuerlichem Privatleben Blancs empfehle ich gern.
Es ist Winter in der Provence. Captaine Roger Blanc hätte nicht geglaubt, dass es so kalt werden kann. Es ist jederzeit mit Schnee zu rechnen. Nachdem es jetzt über ein halbes Jahr her ist, dass er in die Provence versetzt wurde, ist es sein erster Winter hier. Die Tage sind ruhig. Doch eines Abends kommt die Nachricht, dass Wölfe mehrere Schafe gerissen haben sollen. Obwohl eigentlich nicht zuständig, übernehmen Blanc und Tonon den Fall. Es wird sich wohl nur um eine kurze Ermittlung handeln, schließlich sind noch nie Wölfe in der Gegend gesichtet worden. Am Ort des Geschehens stellt sich die Sache doch recht unheimlich dar.
In seinem siebten Fall bekommt es Capitaine Roger Blanc mit einer Urangst der Menschen zu tun, der Angst vor dem Wolf. Die Menschen in der Umgebung meinen, dass die Wölfe zu viele Tiere töteten. Wie lange mag es dauern bis sie einmal einen Menschen erwischen? Doch die Tiere stehen unter Naturschutz und die ortsansässige Försterin versucht, die Bewohner des Ortes zur Vernunft zu bringen. Denen jedoch reicht die Entschädigung nicht, die sie für die toten Schafe erhalten. Der Wolf muss getötet werden, bevor er schlimmeres anrichtet. Und so gestaltet sich der vermeintlich einfache Fall doch schwieriger. Es gilt nicht nur, aufzuklären, wie der Wolf ins Tal kam, nein, es müssen auch die Menschen davon abgehalten werden, erst richtiges Unheil anzurichten.
So ein gut durchdachter und dabei doch leicht zu lesender Krimi ist gerade das Richtige für einige laue Sommerabende. Da stört es auch nicht, dass die Handlung im Winter angesiedelt ist. Vielleicht erhöht ein kühles Getränk noch die Urlaubsstimmung, in die einen das Buch versetzt. Besonders in diesem Jahr, wo es mit dem echten Urlaub nicht so weit her ist, bietet dieser Roman eine schöne Ablenkung. Das Wiederauftauchen der Wölfe ist ein spannendes Thema, dass nicht nur in Frankreich immer häufiger auf der Tagesordnung steht. Interessant, wie unterschiedlich die Menschen damit umgehen. Vom Aberglauben bis zur Vernunft ist alles dabei. Das Setting zwischen alten Häuserruinen trägt ein Übriges dazu bei, einem einen Schauer über den Rücken zu jagen. Und das nur, um im nächsten Moment erstaunt zu sein, wer sich nächtens alles so im dunklen Wald herumtreibt. Alles in allem ein packender Krimi, der gekonnt aus dem Alltag entführt.
Es ist der siebte Fall von Capitaine Blanc. Für mich war es der erste Fall in der Provence und auch der letzte Fall. Der Krimi war leider kein Highlight.
Der Einstieg fiel mir schwer, nicht ich weil die Charaktere nicht kannte, sondern weil die Handlung so langsam und schleppend voranging. Es passierte auf den ersten Seiten einfach nichts besonders. Es gibt ein paar Wölfe, die ein paar Schafe reißen und natürlich auch ein paar Menschen, die entweder für oder gegen den Wolf waren. Zu wenig für einen Krimi. Die Landschaftsbeschreibungen waren ganz schön, aber ich wollte keinen Landschaftsführer, sondern einen Krimi lesen. Dank der Wölfe konnten alle Klischees und Vorurteile gegenüber den Tieren und der Jagd hervorgeholt werden, aber auch da war nichts Neues dabei. Es war ein zäher Abschnitt, den man schon in der regionalen Presse mehrfach in ähnlicher Form gelesen hat. Selbst die später noch auftauchenden Morde waren leider nicht so richtig spannend. Die Ermittlungen wirkten sehr konstruiert und etwas lieblos herunter geschrieben.
Ach, schade, aber für mich leider kein Krimi, der mich fesselte und bei der Aufklärung mitfiebern ließ.
Roger Blanc ist wieder zurück mit einem neuen Fall, der an einem sehr interessanten Ort spielt und zwar in Vieux Vernègues, einem Dorf, das vor ungefähr hundert Jahren nach einem verheerenden Erdbeben verlassen wurde. Nun ist das mittelalterliche Städtchen zu einer Geisterstadt geworden (den Ort gibt es übrigens tatsächlich). Capitaine Roger Blanc hat im Winter nicht viel zu tun; es ist ruhig in der Provence, bis er nach Vernègues gerufen wird, dort soll sich ein Rudel Wölfe herumtreiben. Das Ganze ist etwas sonderbar. Und dann wird auch noch ein Toter gefunden. Und vorbei ist es mit der beschaulichen Ruhe. Ein etwas ruhiger Teil der Krimireihe, aber dennoch sehr interessant und man erfährt viel über Wölfe und die Urängste der Menschen vor diesen Tieren. Mir haben der Fall und seine Auflösung gut gefallen - gerade weil er sich so von seinem Vorgänger abhebt.
Die Menschen in der Provence sind in Aufruhr. Seit kurzem scheint ein Wolfsrudel sein Unwesen und tötet Schafe. Aber dabei soll es nicht bleiben. In dem durch eine Erdbeben zerstörtem Ort wird auch noch eine Leiche gefunden .
Meine Meinung:
Das Buch ist thematisch anders als so manches Buch, weil es sehr viel um Wölfe geht, was man so nicht unbedingt erwartet. Insgesamt kommt das Buch sehr ruhig daher, große Spannung ist also nicht zu erwartet, aber was den Schreibstil angeht, ist der Autor schon ein Wortkünstler. In der Hinsicht hat mir das Buch schon gefallen. Ich hatte aber mehr Spannung erwartet, deshalb kann ich das Buch nicht höher bewerten. Die Geschichte ist ungewöhnlich und mal was anderes.
Cay Rademacher bringt in jeden Fall von Roger Blanc ein aktuelles Thema ein. Dieses Mal sind es die Wölfe, die in Europa wieder heimisch werden und auch in Vernègues nicht nur Freunde haben. Schäfer und Försterin stehen hier auf unterschiedlichen Seiten. Die Fronten sind so verhärtet, dass der Mord fast schon zur Nebensache gerät. Auch das ist so bei den Fällen von Roger Blanc. Das Verbrechen steht nicht notwendigerweise im Vordergrund, sondern ist einer von vielen Handlungssträngen. Davon gefallen mir nicht immer alle gleich gut, aber die Mischung macht es für mich aus. Bei Verlorenes Vernègues fand ich einige der Charaktere ein wenig überzeichnet und ich würde mir wünschen, dass Rademacher seine Charaktere ein bisschen weniger mit dem ausstatten würde, was wohl typisch französisch sein soll, seien des die Zigaretten, der Pastis oder der eine oder andere französische Begriff, der immer wieder einfließt. Ansonsten war auch dieser Teil der Reihe wieder eine runde Sache.