In "Sagen, was Sache ist" berichtet der FDP-Spitzenpolitiker Wolfgang Kubicki über sein politisches und privates Leben, erläutert diverse politische Sachverhalte und erklärt, was bei den verschiedenen Affären und Skandalen aus seiner Perspektive wirklich passiert ist (und davon gab es einige: die Schönberg-Affäre, der Selbstmord von Möllemann etc.). Spannend ist, dass er den Bogen bis in die Gegenwart schlägt und auch seine Meinung zu Fridays for Future oder den gescheiterten Jamaika-Koalitionssondierungen der letzten Bundestagswahl äußert.
Ich persönlich bin keine FDP-Wählerin (und werde ich auch nach der Lektüre nicht sein). Dennoch entspricht es meinem Demokratieverständnis sich mit den verschiedenen politischen Standpunkten und Parteien auseinanderzusetzen - und das nicht nur einmal, Meinung gebildet und gut ist. Sondern immer wieder aufs Neue. Das neue Buch von Wolfgang Kubicki war somit für mich eine tolle Möglichkeit zu hören, wofür Kubicki selbst, aber auch seine FDP gerade steht. Natürlich sollten alle Leser*innen sich selbst ihre Gedanken zum Gelesenen machen, Aussagen hinterfragen und abwägen - denn am Ende des Tages vertritt Kubicki hier seine eigene Meinung, aber daraus macht er auch an keiner Stelle ein Geheimnis. So offen wie der Titel vermuten lässt, empfand ich auch dieses Buch, auch wenn er jetzt keine Skandale oder anderes aufdeckt, wie der Untertitel vielleicht andeuten will.
Auch wenn ich Kubickis Schlussfolgerungen nachvollziehen konnte, würde ich persönlich nicht immer die Gleichen ziehen. Aber es war spannend für mich zu lesen, welche Verbindungen und Begründungen er sieht. Dabei setzt er eigene Schwerpunkte vor allem im politischen Bereich und klammert andere politische Themen, die man selbst eventuell als wichtig erachtet aus. Bei den gerade mal 200 Seiten kann er natürlich auch nicht zu allem Stellung beziehen. Ich persönlich fand den geringen Umfang aber in Ordnung, denn wenn er wesentlich höher ausgefallen wäre, hätte ich wahrscheinlich nicht zu dem Buch gegriffen. Doch für mein persönliches Empfinden hätten die persönlichen Kapitel zu seinen Ehefrauen und Kindern auch ausgeklammert werden können.
Im Endeffekt also ein interessantes Buch, dass einem die FDP näher bringt - ob man den politischen Ansätzen nun folgt oder nicht.