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Max Ernst: und die Geburt des Surrealismus

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Nach Max Ernsts Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg entstanden mehrere "vorsurrealistische" Bilder, in denen sich der Künstler einer neuen Form des Ausdrucks bediente: der Collage. Diese Gruppe von Werken, die zwischen 1918 und 1923 entstanden, markiert nicht nur die Schwelle zur surrealistischen Bildwelt - ohne sie hätte es, wie André Breton rückblickend bemerkte, überhaupt keine surrealistische Malerei gegeben.
Die Stimmung dieser Arbeiten unterscheidet sich von allem, was damals in den anderen Ateliers dominierte - sei es Kubismus, Futurismus, Expressionismus oder Neoklassizismus. Statt "retour à l’ordre" als Reaktion auf die Kriegserfahrungen geht es in Max Ernsts Collagen um das Gegenteil: Zerstückelung, Schneiden, Auslöschen, Übermalen. Im vorliegenden Buch unterzieht Werner Spies diese singulären Werke einer genauen Untersuchung, Bestimmung und Kontextualisierung. Neben den eigenen Erinnerungen und Beobachtungen als enger Vertrauter von Max Ernst zieht er dazu Briefe, Fotos und Vergleichswerke aus dem OEuvre des Künstlers heran; darüber hinaus viele wichtige Quellen aus der Literatur- und Geistesgeschichte (darunter Bezüge zu Beckett, Kafka, Joyce, Freud, E.T.A. Hoffmann, Proust, Eluard, Buñuel, Picasso, Duchamp). So entsteht ein faszinierender Einblick in eine entscheidende Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung, aus der als neue, große Kunstrichtung der Surrealismus hervorging. Mit ca. 48 Abbildungen.

224 pages, Kindle Edition

First published January 1, 1975

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Werner Spies

107 books4 followers

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
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82 reviews1 follower
April 21, 2026
Werner Spies’ Buch zu Max Ernst ist auf jeden Fall ein gutes und in vieler Hinsicht sehr faszinierendes Buch. Ich mochte es allerdings deutlich weniger als La Belle Jardinière. Beim Lesen wird wieder unglaublich viel wilde, hochinteressante Information gedroppt, und gerade die persönliche Nähe sowie die echte Freundschaft zwischen Spies und Ernst schaffen eine besondere Intimität, die in der neueren Max-Ernst-Literatur ziemlich einzigartig ist. Das macht das Buch oft extrem spannend.

Gleichzeitig habe ich aber große Probleme mit Spies’ Argumentationsführung. Vieles wird kaum oder gar nicht belegt; seine Interpretationen wirken oft nach dem Prinzip: *trust me, I’m the authority*. Er zieht teils sehr gewagte und letztlich nicht nachweisbare Verbindungen, präsentiert sie aber mit großer Sicherheit. Genau das gibt dem Ganzen für mich stellenweise einen etwas ominösen, wenig wissenschaftlichen Beigeschmack.

Wichtig ist dabei auch, dass Spies von einer grundsätzlichen Nicht-Interpretierbarkeit von Ernsts Hauptwerk ausgeht. Diese Linie wird zwar nicht völlig konsequent durchgehalten, gerade im Frühwerk, aber auch generell, gibt es natürlich Werke, die nicht völlig frei von Bedeutung sind und in denen durchaus politische oder andere Aussagen hervortreten. Dennoch folgt Spies bei vielen surrealistischen Arbeiten im Grunde jener Logik, die Ernst selbst dem Betrachter nahelegt: Das Bild ist nicht eindeutig interpretierbar, es ist keine klar entschlüsselbare Aussage intendiert.

Statt klassischer Deutung rekonstruiert Spies deshalb vor allem die Entstehungszusammenhänge der Werke: Einflüsse, Ursprünge, kulturelle Bezugssysteme und die verarbeiteten Elemente, aus denen sich ein Bild herausgebildet haben könnte. Diese Methode finde ich grundsätzlich hochspannend und oft auch produktiver als eine zu direkte Interpretation, gerade weil dabei so viele Verbindungen, Querverweise und kulturelle Netzwerke sichtbar werden. Besonders im Frühwerk, bei den Collage-Einflüssen und im weiteren kulturellen Umfeld Ernsts, ist das Buch deshalb extrem stark.

Was mir jedoch fehlt, ist eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Spekulativität dieser Vorgehensweise. Immer wieder kommt es zu sehr unoffensichtlichen, hochspezifischen Herleitungen, etwa zu einem bestimmten Satz irgendwo im Gesamtwerk Nietzsches, zu einem obskuren italienischen Künstler oder zu anderen sehr speziellen Referenzen, bei denen Spies im Grunde sagt: Max Ernst sei offensichtlich davon beeinflusst, auch wenn es dafür keinen Beleg gibt und ein eindeutiger Nachweis kaum möglich wäre. Problematisch ist weniger, dass er solche Hypothesen aufstellt, sondern dass er sie oft mit einer Selbstverständlichkeit präsentiert, die wenig Raum für Zweifel lässt.

Insgesamt fand ich das Buch trotzdem sehr spannend und oft mitreißend. Gerade die Darstellung des Frühwerks, der Collage-Bezüge und des kulturellen Netzwerks um Ernst herum hat mir sehr gefallen. Ich habe es wirklich gern gelesen. Aber methodisch und argumentativ bleibt bei mir ein deutlicher Vorbehalt: unglaublich anregend, oft brillant, aber an vielen Stellen eben auch spekulativ, autoritativ und nicht immer überzeugend abgesichert.
1 review
May 14, 2018
the best discription about max ernts collages
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