2 Sterne - Ich finde es gut, dass sensible Themen hier zur Sprache kommen und stellenweise - gerade gegen Ende - wurde es wirklich emotional. Doch mir fehlte ein Großteil der Details zur Empathie mit den Charakteren. Die Protagonistin war mir teilweise echt unsympathisch, weil sie so gar nichts begreifen wollte. Vielleicht hat sie dazu auch ein Trauma, was das erklären könnte, aber ich finde selbst wenn, wurde das letztlich dann nicht ausreichend behandelt. Ein weiteres Kriterium ist der Jugendslang, den ich an sich nicht schlimm fand, aber der die Geschichte für mich mehr so leicht dahin plätschern ließ, ohne ihr die entsprechende Tiefe zu verleiten, die sie bei solch einem sensiblen Thema gebraucht hätte, um realistisch zu wirken. Nicht falsch verstehen, sie war stellenweise realistisch, so rein vom Setting her und so, aber in der Tiefe der Entwicklung hätte doch mehr Potential gesteckt. Selbst mit Jugendslang als Stilmittel. Deshalb hat mich dieses Buch leider ein wenig enttäuscht. Leider. Ich hätte es gerne gut und wichtig gefunden. So habe ich es mehr ertragen.
Wer gerne feinfühlige, spannende, emotionale und lebensnahe Jugendbücher liest, die als Tüpfelchen auf dem „i“ noch einen ganz besonderen Kniff in petto haben, sollte unbedingt zu „Die Stille zwischen den Sekunden“ von Tania Witte greifen. Mich hat die Geschichte komplett von den Füßen gerissen und ich bin in jeglicher Hinsicht begeistert. Die Figuren, der Schreibstil, die Story, der Spannungsbogen – alles ist rund, alles ist plausibel. Und vor allem geht einem das Schicksal jeder einzelnen Figur nahe, sei es auch die kleinste Nebenfigur. Es geht um das Leben in einer multikulturellen Großstadt, den Schulalltag, die erste Liebe, Freundschaft, Blogs und YouTube. Darüber hinaus geht es um Kriegserfahrungen, Verlust und unverarbeitete Traumata und die Folgen wie eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und Schuldgefühle des Überlebenden.
Das ist natürlich viel Stoff für ein Jugendbuch, aber Tania Witte hat die Themen meinem Empfinden nach sehr feinfühlig verarbeitet und es trotz dieser Vielfalt geschafft, richtig in die Tiefe zu gehen und dort ihren Finger aufzulegen, wo es wehtut, wo es so richtig im Herzen schmerzt. Das erreicht sie, indem sie immer ganz nah an ihrer Protagonistin Mara bleibt. Es geht um ihre verwirrenden Empfindungen und nicht unmittelbar um medizinische und psychologische Fakten.
Mara ist eine äußerst interessante und vielschichtige Figur. Ihr Vater starb, ehe sie auf die Welt kam, sie wächst aber dennoch in recht behüteten Verhältnissen auf. Der Freund ihrer Mutter ist wie ein Vater für sie und sie liebt ihre kleine Schwester sehr. Allerdings begann sie schon früh damit, Verantwortung zu übernehmen, da ihre Mutter oft gedankenlos und zerstreut ist. Sie kocht, sie kümmert sich um den Haushalt, sie ist die zuverlässige Konstante in der Familie. Die Schule nimmt sie ernst, aber nicht zu ernst, Freundschaften pflegt sie wenige, doch die wenigen sind ihr sehr wichtig. Bei ihren Freundinnen Sirîn und Lyd kann sie Kraft tanken. Lyd ist ihr Ruhepol und Sirîn ist ihr so nah wie eine Zwillingsschwester. Gemeinsam führen sie einen Kochblog und nebenbei dient dieser Blog auch als Alibi, wenn sie immer Mittwochs heimlich in den Skaterpark gehen. Dort darf Sirîn nämlich nicht hin, strengstens verboten von ihren Eltern.
Doch mit einem Bombenattentat, dem sie auf dem Heimweg vom Skaterpark nur knapp entgeht, gerät ihr ganzes Leben aus den Fugen. Am gleichen Tag hat sich ihre Mutter verplappert und den Eltern von Sirîn verraten, dass sie nicht bei ihnen zu Hause ist. Plötzlich muss Mara nicht nur mit dem Schock des Unglücks umgehen, sondern auch damit, dass ihr der Kontakt zu ihrer Freundin beinahe vollständig verwehrt wird. Sie setzt alles daran, mit ihr zu sprechen, sie sehen zu dürfen, doch überall wird sie abgewiesen und die Eltern verhalten sich äußerst merkwürdig. Planen sie gar, Sirîn wieder in die Heimat zu schicken, nur weil sie ihnen den Skaterpark verheimlicht hatten? Noch dazu tritt auf einmal der Schulschwarm Chriso auf den Plan, der mit ihr über das Attentat sprechen möchte und auch darüber hinaus Interesse an ihr zeigt. Aber sicherlich will er das alles nur auf seinem YouTube-Kanal posten… oder?
Alles im Leben von Mara ist also ziemliches Durcheinander, von ihren Gefühlen ganz zu schweigen, und dennoch liest sich „Die Stille zwischen den Sekunden“ sehr mühelos. Der rote Faden ist immer da und so wie sich Mara an bruchstückhaften Informationen festhält, so hangelt man sich auch als Leser durch die Geschichte, immer auf der Suche nach Antworten. Man fiebert mit Mara mit, bangt um Sirîn, hofft bei Chriso und wird am Ende mit einer Wendung konfrontiert, die man vielleicht irgendwann ahnt, die einen aber dennoch so sehr berührt und mitreißt, dass jedes weitere Wort in der Geschichte es wert ist, gelesen zu werden. Tania Witte ist mit „Die Stille zwischen den Sekunden“ ein Buch gelungen, das ich nicht zum letzten Mal gelesen habe und das ich jedem ans Herz legen kann.
Fazit
„Die Stille zwischen den Sekunden“ von Tania Witte packt einen von den ersten Seiten an. Bei diesem Jugendbuch blieben bei mir keine Wünsche offen: Die Figuren sind sehr authentisch und ihre Gefühle sind äußerst nachvollziehbar, der Schreibstil ist jung und frisch und die Spannung spitzt sich immer weiter zu, bis am Ende alles ganz anders ist, als man vermutet. Die Geschichte ist sehr emotional in jeglicher Hinsicht, es geht um Freundschaft und Liebe, aber auch um Verlust und die Bewältigung von Traumata. Trotz des herausfordernden Themas wirkt „Die Stille zwischen den Sekunden“ nie gestelzt oder gekünstelt, sondern immer echt und aus dem Leben gegriffen. Mein Urteil: Lesen lohnt sich sehr!
Im Rahmen der Aktionswoche, die der Arena-Verlag in Kooperation mit der Autorin Tania Witte zu dem frisch erschienenen Titel „Die Stille zwischen den Sekunden“ veranstaltet, veröffentlichte ich vor nur wenigen Tagen einen persönlichen Blogbeitrag, in dem ich über das Thema „Social Media“ sinniere, sowohl über die Erkenntnisse, die ich aus der Lektüre gewinnen konnte, als auch über meine eigenen Erfahrungen. Die anderen sechs Blogger haben ebenfalls ziemlich coole Artikel geschrieben – schaut doch gerne dort noch vorbei!
In dem vorliegenden Text möchte ich mich jedoch weniger der Aktionswoche widmen, sondern einige Worte über das entsprechende Werk selbst verlieren. Welche Stärken, welche Schwächen weist das Buch auf? Lohnt sich das ganze Trara, das darum gemacht wird?
Schon auf den ersten Seiten beweist die Autorin, wie rasch sie ihre Leserschaft in den Bann ziehen kann. Mit einem lebendigen, authentischen Schreibstil entführt sie ihr Publikum in eine abwechslungsreiche, spannende Handlung. Dabei verwendet sie geschickt angenehm unauffälligen Jugendslang, der eine lockere Note in das Buch mitbringt und mit dem sich sicherlich ein Großteil der potenziellen Zielgruppe identifizieren kann. Ebenfalls webt sie, wie in meinem vorherigen Blogbeitrag bereits ausführlich erklärt, sogenannte „WhatsApp-Dialoge“ mit ein, die es möglich machen, die Erzählung aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten.
Mara ist eine Figur, die zwar die gesamte Handlung mühelos auf den Schultern tragen kann, mit der ich zwischendurch aber dennoch meine Probleme besaß. Viele ihrer Gedankengänge und folgernden Aktionen scheinen lange nicht nachvollziehbar. Sie bleibt für den Leser durch ihre wenig persönliche, etwas wechselhafte Art beinahe durchwegs unnahbar. Hier wünsche ich mir von der Autorin mehr Fokus auf die Figur selbst. Wenn sie fast in einem Attentat gestorben wäre, weshalb kümmert sie sich dann einen Großteil in der Erzählung um ihre Freundin?
Etwas allgemeiner ausgedrückt, fehlt mir während „Die Stille zwischen den Sekunden“ der rote Faden. Natürlich, so wirkt es unvorhersehbar und spontan, wie das echte Leben. Aber mir erschließt sich nicht, auf was die Autorin mit ihrem Werk besonderen Wert legen möchte. Es gibt so viele unterschiedliche, zweifelsohne wichtige Aspekte in dem Buch, die sie anspricht, aber diesen Bogen zieht sie nie wirklich zu Ende.
Apropos „Ende“: Ich weiß nach wie vor nicht genau, was ich davon halte. Es ist nun schon einige Zeit verstrichen, seit ich das Buch beendet habe. Ich kann an dieser Stelle nicht genau ins Detail gehen, weil es schlicht und einfach zu viel über den Inhalt preisgeben würde. Zwar konnte mich die Autorin sichtlich überraschen (und ich denke, wirklich niemand hat mit einem solchen Ende gerechnet), aber möchte sich diese ungeahnte Wendung nicht in das Erzähltempo, der Struktur des restlichen Werks anpassen. Hier wurde viel gewagt, aber nicht hundertprozentig gewonnen.
Dennoch möchte ich das Buch an dieser Stelle ausdrücklich weiterempfehlen! Es hat mich nie gelangweilt, sondern gut unterhalten. Es gibt definitiv viel Redebedarf, nachdem man die Lektüre beendet hat. Von mir gibt es hier neben einer Leseempfehlung aber den ausdrücklichen Hinweis, dass man sich nicht zu sehr auf den Klappentext verlassen sollte. Der verspricht nämlich etwas anderes, als das Buch letztendlich einhalten kann.
„Die Stille zwischen den Sekunden“ ist eine unterhaltsame Jugendlektüre, die in spannendem Tempo wichtige Aspekte einbringt, der es jedoch in der Struktur an einem roten Faden mangelt.
Deswegen vergebe ich hier gut gemeinte drei von fünf möglichen Sternen.
Als mir auf der Frankfurter Buchmesse „Die Stille zwischen den Sekunden“ vorgestellt wurde, wusste ich sofort: Das Buch muss ich unbedingt lesen! Hier sprach mich einfach alles auf Anhieb an. Das Cover finde ich klasse, es ist so herrlich schimmernd blau und wirkt so schön geheimnisvoll und düster. Der Klappentext klang auch richtig vielversprechend. Hier war ich mir wirklich absolut sicher, dass „Die Stille zwischen den Sekunden“ ganz genau das Richtige für mich ist.
Ein einziger Tag soll das Leben der 16-jährigen Mara auf einen Schlag verändern. Sie wird nur ganz knapp einem Bombenattentat entgehen, der ausgerechnet die U-Bahn in die Luft sprengen wird, in der sie eigentlich gesessen hätte, wenn sie sie nicht verpasst hätte. Viele Menschen sterben bei dem Anschlag, Mara aber überlebt. Ihre Mitschüler nennen sie seitdem „Das Mädchen, das überlebt hat“. Der Vorfall macht Mara schwer zu schaffen, allerdings beschäftigt sie eine andere Sache noch viel mehr: Ihre allerbeste Freundin Sirîn meldet sich kaum noch bei ihr. Mara beginnt sich Sorgen um Sirîn zu machen. Sie versucht Kontakt zu ihr aufzunehmen, scheitert dabei aber ziemlich. Ständig wird sie abgewiesen. Warum das Ganze? Warum benehmen sich plötzlich alle so merkwürdig, was verheimlichen sie ihr? Mara ist verwirrt. Noch größer wird diese Verwirrung, als plötzlich ihr Schwarm Christo, der Star der Schule, Interesse an ihr zeigt. Mit Christo zusammen wird sich Mara auf die Suche nach der Wahrheit begeben. Eine sehr erschütternde Wahrheit, wie sich schließlich herausstellen wird…
Mich konnte Tania Witte mit „Die Stille zwischen den Sekunden“ zutiefst beeindrucken. Ich war bereits von den ersten Seiten an wie gebannt von der Handlung und wollte das Buch gar nicht mehr aus Hand legen. Mir hat die Story einen richtigen Wow-Effekt beschert. Vor allem das Ende. Also, das Ende ist...echt krass. Und so überraschend. Ich schätze mal, dass nicht jeder so lange im Dunkeln tappen wird wie ich, manche werden wahrscheinlich schon viel früher eine Vermutung haben, worauf alles hinauslaufen könnte. Ich jedenfalls hatte diese Vorahnung nicht. Mich hat das Ende richtig geflasht und noch eine ganze Weile nach dem Lesen sehr beschäftigt. Buch zuklappen, weglegen und sofort zur nächsten Lektüre greifen, ist bei „Die Stille zwischen den Sekunden“ ein Ding der Unmöglichkeit. Zumindest war es bei mir so.
Die Geschichte, die hier erzählt wird, ist unheimlich tiefgründig. Sie ist authentisch, emotional und fesselnd. Sie handelt von Freundschaft, Familie, Liebe, Verlust, Verdrängung, Trauma, den Sozialen Medien und noch so einigem mehr. Ja, es hört sich nach viel an, die Story wirkt aber an keinster Stelle zu überladen an zu vielen Themen. Die Themen wurden einfach perfekt miteinander verknüpft, alles ist so gut durchdacht – für mich war „Die Stille zwischen den Sekunden“ wirklich ein absolutes Highlight!
Was ich gar nicht genug loben kann, ist der Schreibstil. Tania Witte hat eine tolle Art zu schreiben. Ihr Schreibstil ist flüssig, jugendlich und sehr einfühlsam. Für mich hat er sich super angenehm lesen lassen.
Was mir ganz besonders gut gefallen hat, sind die vielen WhatsApp-Nachrichten. Diese wurden in coolen Sprechblasen gedruckt, sogar mit Emojis! So etwas liebe ich in Büchern, ich finde, dass sich solche Textnachrichten-Gespräche immer so schön und witzig lesen.
Als lustig würde ich die „Die Stille zwischen den Sekunden“ allerdings nicht bezeichnen. Das Buch ist sehr ernst und düster. Aber keine Sorge, zu beklemmend wird die Handlung nicht. Ein Gute-Laune-Buch hält man hier zwar definitiv nicht in Händen, aber so ein paar Stellen haben mich dann doch sehr zum Schmunzeln gebracht. Was hier auf jeden Fall Programm ist, ist das Mitfiebern! Wie oben bereits erwähnt: Ich habe das Buch richtig weggesuchtet. Es hat einfach so einen Sog auf mich ausgeübt, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte.
Erfahren tun wir alles aus der Sicht von Mara in der Ich-Perspektive. Mit ihr ist Tania Witte eine wundervolle Protagonistin gelungen. Mir war sie vom ersten Moment an richtig sympathisch. Mara ist ein recht schüchterner Mensch. Auf mich hat sie immer einen sehr verschlossenen und irgendwie auch einsamen Eindruck gemacht. Da wir einen sehr tiefen Einblick in ihre Gefühls- und Gedankenwelt erhalten, fiel mir zu der Zugang zu ihr extrem leicht, sodass ich mich wunderbar in sie hineinversetzen konnte.
Wen ich ebenfalls richtig gerne mochte, war Maras beste Freundin Sirîn. Sirîn stammt aus einem ganz anderen Kulturkreis als Mara. Sie ist Kurdin und hat streng gläubige Eltern. Sirîn macht sich nicht groß was aus ihrer Religion, hält sich aber dennoch an die Regeln in ihrem Elternhaus, obwohl sie viel lieber anders handeln würde.
Mara und Sirîn sind beide wahnsinnig interessante und hervorragend ausgearbeitete Charaktere. Generell muss ich sagen, dass die Ausarbeitung der Figuren Tania Witte erstklassig gelungen ist. Sie wirken mit ihren Ecken und Kanten so herrlich authentisch. Bei vielen weiß man nicht so recht, woran man ist, was die Handlung nur noch spannender macht. So war mir zum Beispiel Christo, der Mädchenschwarm der Schule, anfangs ein ziemliches Rätsel. Man denkt zuerst, dass er dieser typische Bad-Boy ist, aber das ist Christo tatsächlich nicht.
Worauf ich noch mal gerne etwas genauer eingehen möchte, ist die tiefe Freundschaft, die Mara und Sirîn verbindet. Obwohl sich die beiden Mädchen erst gute zweieinhalb Jahre kennen, sind sie dennoch so etwas wie Schwestern füreinander und haben das Gefühl, sich schon ewig zu kennen. Sie bezeichnen sich gerne als Schwestern-im-Geiste und können alles miteinander teilen. Die beiden verbindet viel, so haben sie zum Beispiel einen gemeinsamen Kochblog mit stolzen 17 Followern (hey, jeder fängt mal klein an!), sie hegen beide eine große Leidenschaft für Marvel-Verfilmungen und lieben Pistazieneis. Durch Rückblenden erfahren wir, wie tief die Freundschaft der beiden Mädchen ist und dass sie wirklich etwas ganz Besonderes verbindet. Dass das Thema Freundschaft hier so im Vordergrund der Geschichte steht, hat mir persönlich sehr gut gefallen.
Ich habe in meiner Rezension ehrlich gesagt nur an der Oberfläche gekratzt und bin bewusst auf viele Themen nicht genauer eingegangen. Zu groß war meine Sorge, doch noch irgendwie zu spoilern. Ich möchte in diesem Absatz nur noch mal betonen, wie wichtig ich dieses Buch finde. In meinen Augen hat es das Zeug zu einer Schullektüre. Es ist ein Buch, dass unter die Haut geht und sehr zum Nachdenken anregt.
Fazit: Mich hat „Die Stille zwischen den Sekunden“ zutiefst beeindruckt. Auf mich hat die Handlung von den ersten Seiten an eine richtige Sogwirkung ausgeübt, der mich einfach nicht mehr entziehen konnte. Tania Witte ist hier in meinen Augen ein großartiges Werk gelungen. Sie behandelt viele wichtige und schwere Themen und das auf eine sehr emotionale, bewegende, eindringliche und fesselnde Weise. Mich hat das Buch sehr berührt und nachdenklich gestimmt. Besonders krass fand ich das Ende. Es kam für mich einfach so überraschend, sodass es mir einen absoluten „OMG“- Moment beschert hat. Ich kann „Die Stille zwischen den Sekunden“ wirklich nur empfehlen, sowohl Jugendlichen als auch Erwachsenen. Von mir gibt es volle 5 von 5 Sternen!
Das ist wohl das erste Buch, dass ich richtig klasse fand, obwohl ich die Protagonistin nicht mochte.
Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr leicht. Der Schreibstil ist sehr flüssig und super zu lesen, so dass ich mich sofort voll und ganz drauf einlassen konnte. Zu Beginn erfährt man auch noch nicht so viel von Mara. Sie entgeht nur ganz knapp einem Terroranschlag und das wirft sie natürlich zu recht leicht aus der Bahn. Doch jetzt kommt das große ABER.
Ich mochte Mara ehrlich gesagt überhaupt nicht. Ich fand sie egoistisch und arrogant. Zum Einen macht sie sich kaum Gedanken über den Terroranschlag, sondern sorgt sich nur um ihre beste Freundin, die zuhause eingesperrt wird. Ihre Eltern sind Kurden und weil sie sich nicht an die Regeln gehalten hat, darf sie nun nicht mal mehr in die Schule und Handyverbot hat sie auch.
Dann findet Mara einfach alles und jeden doof. Ihre Klassenkameraden, teilweise ihre eigene Familie und sogar ihren Schwarm Chriso. Also mal ehrlich, sie findet ihn toll, weil sie 30 Sekunden mal “sein wahres Ich” gesehen haben will. Ansonsten findet sie den “Möchte-gern YouTube Star” aber ziemlich beschränkt. Sie mag nicht, was er macht und wie er sich gibt. Aber aufgrund dieser tollen 30 Sekunden mag sie ihn eigentlich doch. Sorry, aber da kam ich aus dem Augenrollen einfach nicht raus.
Auch sonst hat Mara eine Attitüde an sich, die ich einfach überhaupt nicht mochte und ich habe es selten erlebt, dass mir eine Prota so sehr missfiel. Und dennoch ist die Geschichte so krass und der Plottwist echt heftig. Irgendwas hatte das Buch an sich, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen. Deswegen fällt es mir diesmal auch total schwer, das Buch zu bewerten.
Die Protagonistin hat mich echt genervt und war mir absolut unsympathisch. Dennoch ist die Geschichte so krass und spannend und das Buch hatte einfach eine Sogwirkung auf mich. Und trotzdem überwiegt das “nicht mögen” der Prota und deswegen gibt es von mir
Mara ist noch am Leben. Hätte sie die U9 nicht verpasst, wäre sie ein weiteres Opfer des Bombenanschlags geworden, bei dem 132 Menschen umgekommen sind. Die Besorgnis ihrer Familie und die Neugier ihrer Mitschüler findet sie dennoch übertrieben. Nur ihr Schwarm Chriso, der sonst jeden Mist auf seinem Videochannel ausschlachtet, überrascht sie positiv, auch wenn er das Ganze stattdessen zu sehr an sich heranzulassen scheint. Ausgerechnet die Einzige, die verstehen würde, wie es Mara geht und wie sehr Chriso ihre Gefühle ins Chaos stürzt, wird jetzt von ihren hyperbesorgten Eltern von Mara ferngehalten: ihre beste Freundin Sirîn. Mara muss um jeden Preis verhindern, dass sie sie in ihre Heimat zurückschicken, weil sie nach dem Anschlag glauben, sie in Sicherheit bringen zu müssen ...
Was mich neugierig gemacht hat:
Ich bin durch die Autorin zu dem Buch gekommen, die ich als Teil des Duos Ella Blix mit „Der Schein" kennengelernt habe. Auf den ersten Blick hätte ich das Ganze eher in der Thriller-Ecke verortet und wäre wegen der Altersempfehlung ab 12 Jahren wahrscheinlich zögerlich gewesen, weil ich mich normalerweise eher im älteren Jugend- bzw. jungen Erwachsenenbuchbereich bewege. Ich bin aber sehr froh, dass dieses Buch mir nicht entgangen ist – mehr dazu unten. Noch ein Tipp: Am besten nicht den Originalklappentext lesen. Ich bin mir nicht sicher, weil ich selbst ihn bei meinem Lesestart nicht angeschaut hatte, aber im Nachhinein finde ich, dass er etwas zu verdächtig wirkt.
Wie es mir gefallen hat:
Kennt ihr diese Bücher, über die man nicht gut sprechen kann, ohne zu viel zu sagen? Mit so einem Fall haben wir es hier absolut zu tun. Trotzdem hier mein Versuch, meine Eindrücke spoilerfrei auf den Punkt zu bringen: Dieses. Buch. schlägt. ein.
Ich habe bei meiner Lektüre der letzten Monate eher wenige Sog-Bücher dabei gehabt. Es gibt viele, die cool und unterhaltsam sind und natürlich auch bewusst ruhige, aber nicht so viele, die sich an deinen Händen und in deinen Gedanken festkrallen und dich nicht loslassen, bevor du nicht alles weißt. Allerspätestens in der zweiten Hälfte entwickelt „Die Stille zwischen den Sekunden" sich zu so einer Geschichte. Nachdem ich es beendet hatte, musste ich erst mal alles sortieren. Was mir ehrlich gesagt immer noch nicht ganz gelungen ist. Es handelt sich nämlich auch um die Art von Buch, die man am besten gleich noch mal lesen will, um aus der Perspektive von allem, was man jetzt über die Figuren weiß, verschiedene Szenen noch einmal zu betrachten.
Ich könnte mir vorstellen, dass Mara mit ihrer Art nicht bei jedem auf Verständnis stößt, aber mich hat sie in einigen Punkten sehr an mein Schul-Ich von damals erinnert. Sie ist aus vielerlei Gründen nicht die zugänglichste Protagonistin, aber gerade das macht sie so spannend. Was die Nebencharaktere betrifft, stehe ich am Ende mit vielen Fragen da. Bei vielen von ihnen würde ich zu gern wissen, was zu verschiedenen Zeitpunkten der Geschichte in ihnen vorgegangen ist.
Besonders beeindruckend ist, wie realitätsnah und detailreich Tania Witte Maras Leben samt ihrer Gedankenwelt und ihrem Umfeld gezeichnet hat. Man gewinnt den Eindruck, ihr persönlich begegnet zu sein bzw. alles als Beobachter miterlebt zu haben. Das Neben- und vor allem Miteinander verschiedener Kulturen ist ein großes Thema des Buches und fließt völlig ungekünstelt und dafür umso warmherziger und unglaublich lebensklug mit ein. Ein besonderer Augenmerk liegt dabei (durch Sirîns Familie) auf der Mentalität und den Traditionen des Kurdischen. Die Tiefe von Maras und Sirîns Freundschaft, die sich über alle Unterschiede hinwegsetzt, ist mutmachend und wirklich nachahmenswert. Auch die Art und Weise, wie die „Neuen Medien" Eingang in die Geschichte finden, ist aus meiner Sicht sehr authentisch. Von Chrisos Kanal und Maras und Sirîns Kochblog bis hin zu den Songs, die im Buch eine Rolle spielen und Maras Spotify-Listen zu verdanken sind – am Ende hat man fast das Gefühl, nicht „nur" ein Buch gelesen, sondern gleich auch noch visuelle und akustische Komponenten mit dazu bekommen zu haben.
(Für wen) Lohnt es sich?
Dieses Buch lohnt sich sehr, wenn man bereit ist, sich auf einen nicht ganz leichten Weg zu machen. Es ist eine spannende Geschichte mit einer unerwarteten Komposition, tatsächlich auch eine Liebesgeschichte (nicht nur im herkömmlichen Sinne), sie rüttelt auf, nimmt einen mit. Ich kann sie auch Lesern weit über der Altersangabe des Verlags (ab 12 Jahren) empfehlen und sie mir außerdem gut als Klassenlektüre vorstellen.
In einem Satz:
„Die Stille zwischen den Sekunden" ist kein Gutelaunebuch, sondern eines, das etwas zu sagen hat und das - nicht nur in den Sekunden danach, sondern weitaus länger - in der Stille nachhallt.
In „Die Stille zwischen den Sekunden“ geht es um Mara, die nur knapp einem Bombenattentat in der U-Bahn entkommen ist. Nun gilt sie, als das Mädchen das überlebt hat und sie selbst hat aber ganz andere Sorgen. Warum bekommt sie von ihrer Freundin Sirîn keine Antwort mehr und keine Nachricht wie es ihr geht. Wissen, die anderen aus Klasse mehr als sie? Hilfe bekommt Mara unerwartet von Christo ihrem Schwarm. Auf welche Wahrheit werden sie stoßen?
Mara ist eine interessante Protagonistin, die für mich eher wie eine Außenseiterin gewirkt hat und sie auf den ersten Blick wie ein normales Mädchen ist, das zur Schule geht. Doch ein Erlebnis scheint alles zu ändern und auf einmal redet jeder über sie... Sie lebt mit ihrer Mutter, Stiefvater und mit ihrer kleinen Schwester zusammen und es scheint ein stabiles Umfeld zu sein.
Christo ist der männliche Protagonist, den ich neben Mara näher kennen lernen konnte und er scheint für sie wie eine Art Hilfe in dieser Zeit zu werden und bei dem Lösen der Fragezeichen in ihrem Kopf. Welche Absichten hat er gegenüber Mara und kann sie ihm vertrauen?
Der Schreibstil ist angenehm flüssig und wird am meisten aus der Perspektive von Mara erzählt. Der Leser kann sie so noch näher kennen lernen und ihre Gedanken und Gefühle erfahren während der Handlung. Die Kulisse der Stadt passt zur Geschichte und man entdeckt viel Neues durch, die Charaktere. Die Nebenfiguren sind ebenso authentisch und gestalten, die Geschichte mit.
Die Spannung und Handlung haben langsam in die Geschichte von Mara gezogen. Man erfährt durch den Klappentext schon ein wenig und erfährt, dass sie nur knapp einem Bombenattentat entkommen ist. Nun gilt sie, als das Mädchen, das überlebt hat und jeder in ihrer Schule scheint über sie zu reden. Was ist mit ihrer Freundin Sirîn passiert, die sich nicht mehr bei ihr meldet? Erst durch, die Hilfe von Christo ihrem Schwarm kommt, die Handlung langsam ins Rollen. Bei diesem Buch spürt man deutlich, das Thema Traumata, denn Mara hat etwas sehr Schlimmes erlebt und bekommt immer wieder Flashbacks, die sie an Dinge davon erinnern. Wird sie endlich ihre Antworten bekommen auf, die Fragen die sie hat? Das Ende war mehr als nur aufwühlend und ich kann einfach nicht glaube, dass die Autorin es so stehen lässt …
Das Cover sieht einfach toll aus und hat mich direkt in der Verlagsvorschau neugierig gemacht mehr dahinter zu sehen. Die Farbe Blau finde ich sehr schön gewählt und das Mädchen passt perfekt zum Gesamtbild.
Fazit
Mit „Die Stille zwischen den Sekunden“ schafft, die Autorin eine aufwühlende Jugendbuch-Geschichte, die zum Nachdenken anregt und man am liebsten wissen würde wie es mit Mara weitergeht.
Dies ist eins der Bücher, die nachwirken. Eins, das die Kraft hat zu verunsichern. Das man zuschlägt oder nein … das man schließt, ganz leise, weil laute Geräusche nicht mehr passen. Da ist plötzlich so viel Gefühl. Erschütterung. Da ist diese Stimme im Innern, die nur bei besonderen Büchern spricht und ein „Wow“ formt.
Mara ist nur knapp einem Bombenattentat in der U-Bahn entgangen. Der Roman thematisiert die Tage danach. Das klingt nach „lastender“ Literatur, nach Schwere, aber Tania Witte versteht es, mit ihrer Fähigkeit, Figuren zu echtem Leben zu erwecken, so ein Thema federleicht zu erzählen.
Entkommt Mara zwar dem Zug, so entkommen wir Lesenden ihm nicht, er rast durch uns hindurch, jeder Waggon voller Leben, Farbe, Wortakrobatik und Details, die uns durchzischen, anzünden, dunkle Ecken erhellen und uns die Seele und das Leben einer jungen Frau offenbaren, die von einem Schicksalsschlag getroffen wurde, dessen wahres Ausmaß uns erst sehr spät klar wird. Erst dann nämlich, wenn wir dieses Buch schließen. Leise. Durchatmen. Uns die Tränen aus den Augen wischen. Und denken: Wow.
Also zuerst fand ich das Buch langweilig, weil alles so oberflächlich war. Aber die letzten 2 Kapitel haben es wieder etwas rausgerissen. Mit diesem Ende hätte ich überhaupt nicht gerechnet, dass das Trauma von der Protagonistin so tief ist, dass sie alles verleugnet, was passiert ist und in ihrer eigenen Welt lebt. Am Ende hat mich aber auch gestört, dass sie immer noch nicht ganz merkt, was passiert ist und immer noch das Geschehene verleugnet, da sie ihr einen Brief schreibt. Es ist aber trotzdem toll, dass sie für Sirin weiter machen will, sagt aber trotzdem, dass sie eine Welt ohne sie nicht ertragen kann, was zu Suizid führen könnte. Es ist ein bisschen widersprüchlich...
Ich konnte die Hauptfigur einfach nicht leiden. Teilweise ziemlich langatmig. Die Pointe gegen Schluss wirkt zu weit hergeholt und passt irgendwie nicht zur vorherigen Handlung. Dadurch wirkt die Geschichte ziemlich unglaubwürdig. Ich mochte aber den lockeren und flotten Schreibstil der Autorin.