Sanft und magisch erzählt Joana Osman in ihrem Debütroman davon, dass ein kleiner Augenblick der Furchtlosigkeit Welten überwinden kann. Malek Sabateen, ein neunzehnjähriger Palästinenser mit dem Zorn eines Heiligen, dem Herz eines Weisen und dem Gemüt eines Kindes, besitzt eine besondere Fähigkeit: Durch seine Gabe gelingt es ihm, nicht nur die Menschen in seiner Umgebung zu beruhigen, sondern sie für einen Moment durch die Augen des Anderen, des Feindes, sehen zu lassen. In Israel, dem Heiligen Land, ist das jedoch gleichsam Wunder wie Bedrohung. Denn während die Einen in ihm einen Engel sehen, schürt er bei den Anderen Panik und Hass. Als Malek schließlich verhaftet wird, braucht es den Mut einer palästinensischen Journalistin, eines ausgefuchsten kleinen Jungen und eines bis über beide Ohren verliebten israelischen Doktoranden, ihm zu helfen.
Wunderschön beschriebene Atmosphäre, authentische Charaktere und glaubwürdige zwischenmenschliche Momente ohne Klischees und Allgemeinplätze. Habe ich sehr gerne gelesen.
Dieser sehr atmosphärische Roman beschreibt eher die menschliche Seite des Konfliktes, nicht so sehr die politischen Hintergründe. Die Autorin zeigt deutlich, dass zu den wesentlichen Voraussetzungen solcher Konflikte gehört, dass beide Seiten sich als Opfer sehen und sich gleichzeitig weigern, Mitglieder der gegnerischen Seite als Menschen wahrzunehmen, weil man ihnen dann ja auch Gefühle zugestehen würde und Mitgefühl entwickeln würde.
Das Stilmittel des magischen Realismus wurde hier gekonnt eingesetzt, um auf der einen Seite eine Figur zu erschaffen, die diese Voraussetzungen eben nicht erfüllt, aber auch, um eine junge Frau zu ermöglichen, in ihren Träumen das Leid einer anderen Person zu erleben und Mitgefühl zu entwickeln.
Ein interessanter Debütroman, der meiner Meinung nach noch ein wenig mehr in die Tiefe hätte gehen können, aber mich neugierig gemacht hat, das Werk der Autorin weiter zu verfolgen.
Ein unbeholfener Debütroman. Ein paar schöne Szenen am Anfang und am Schluss, eine zähe Mitte. Ausführliche Rezension auf meinem Blog: https://nouw.com/cwidmann/joana-osman...
Am Boden des Himmels ist Israel mit allen seinen Bewohnern, den Juden, den Arabern, den Palästinensern und was dort sonst noch lebt. Niemand versteht seinen Nachbarn oder versucht ihn zu verstehen. Es gibt nur die oder wir. Doch dann ändert sich etwas. "Layla beginnt zu verstehen, warum manche Leute es vermeiden, ihre Feinde als Menschen zu bezeichnen. Wenn man das tut, stellt man fest, dass man nicht anders kann, als Mitgefühl mit ihnen zu empfinden, und dann steht plötzlich alles auf dem Kopf. "
Ein unglaublich schöner und bewegender Roman, der das Wesen des Nahostkonflikts so meisterhaft umschreibt wie kein anderer. Beim Lesen man das Gefühl, wirklich dort zu sein und mitzufühlen. Ich habe schon lange nach einem Werk gesucht, das nicht urteilt, sondern versucht, beide Seiten zu verstehen. Das ist der Autorin durch ihre lebhaften Charaktere sehr gut gelungen. Wenn man dann noch einen Bezug zu dieser Region hat, kommt die Geschichte einem sehr sehr nahe. Mit all den Zitaten und kreativsten Wahrnehmungen ist dieses Buch eine wahre Bereicherung und für mich (auch als Autorin) eine große Inspirationsquelle. Bravo Joanna, ich freue mich schon auf den nächsten Roman!