Wer sind die sogenannten "kleinen Leute"? Was sind ihre Werte? Konflikte? Warum sind sie teilweise empfänglich für rechtes Gedankengut? Wohin führt die Reise? Auf 130 Seiten führt geht Misik der sogenannten "working class" auf den Grund. Insgesamt fand ich das Büchlein ganz gut und interessant, habe jedoch das Gefühl, auch nicht wirklich etwas Neues erfahren zu haben, eine tiefgehendere Analyse gesellschaftlicher Probleme geliefert bekommen zu haben. Es war mehr ein wenig "anything goes" und working class kann man sehr unterschiedlich definieren. Vielschichtig wie die Gesellschaft, ja. Aber ein wenig beliebig und ein bisschen viel Allgemeinplatz für meinen Geschmack. Mich hätte mehr der Aspekt Macht durch Meinungsbildung interessiert. Wie spaltende Polemik bewusst und konkret erzeugt wird. Kein links und rechts, gut und böse. Aber doch ein wenig konkreter. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die sogenannten "einfachen Leute", von denen das Buch handelt, diesen Text nicht lesen werden, weil er für sie kaum lesbar ist und sehr wissenschaftlich geschrieben . Als simple Strandlektüre dürfte die Schrift eher zu anstrengend sein, wobei ich grundsätzlich auch an komplexeren Analysen sehr interessiert bin. Aber trotzdem ist der Text etwas trocken und anstrengend zu lesen, selbst für mich als Vielleserin. Fazit: Ich fürchte, gebildetere Menschen werden aus der Lektüre nicht viel Neues ziehen können. Und die "einfachen Leute" wird der Text aufgrund seiner hohen Komplexität gar nicht erreichen. Vier Sterne für einen alles in allem soliden Text, aber ich hätte mir mehr neue Erkenntnisse erwartet :).