Dennis Wilhelmson muss seinen Superjob in Göteborg für ein Weilchen ruhen lassen und landet deswegen im beschaulichen Smögen. Dann treibt eine Leiche im Hafenbecken, die örtliche Polizei ist verhindert und so muss halt doch Dennis ran und denn Fall lösen. Obendrein kehrt ein alter Freund nicht von einem Tauchgang zurück.
Soweit könnte das ein netter Schwedenkrimi mit überschaubarem Plot werden. Nette Landschaft, nette Leute, ein bisschen Mord und Totschlag. Aber…
(Achtung! Dieser Review enthält nicht gekennzeichnete Ironie.)
1. Dennis der Superbulle, dem jede Frau auf der Stelle und total verfällt. Und er ist ja auch noch Single! Und sieht so gut aus! Und überhaupt ist er der Jackpot in der Singlelotterie. Da kochen natürlich bei allen Singlefrauen die Hormone hoch. Ich empfinde den Typen einfach nur als übergriffig: seine Kollegin Sandra Haraldson sonnt sich auf ihrem Balkon? Kein Thema. Dennis latscht nicht nur ungefragt in ihre Wohnung, sondern entblödet sich auch nicht, ihr zu erklären, dass sie schließlich nicht die Tür abgeschlossen habe. Später, als sie wegen irgendwas in einer anderen Stadt bei seiner Schwester übernachten, fällt ihm, nachdem die beiden sich schon Gute Nacht gesagt haben, noch was gaaaaanz wichtiges ein, das er sie fragen muss. Ist ja logisch, dass man(n) dann noch mal eben in ihr Schlafzimmer geht… und auch sonst bevormundet er sie wo immer es geht. Sie ist ja schließlich noch ein Polizei-Küken.
Die Frau seines alten Freundes muss er selbstverständlich auch trösten, sie macht sich schließlich Sorgen und ist ganz verzweifelt.
Die Vermieterin des Kahns, auf dem er sich einmietet, verfällt ihm natürlich auch…
2. Alle Frauen in der Welt der Autorin sind entweder schon total erfüllte Mütter oder wollen ganz unbedingt Mama werden. Die Schwester von Dennis ist gerade Mama geworden, geht da zwar total drin auf, will aber was für sich machen, mietet sich bei der Vermieterin von Dennis ein Schreibstübchen und stolpert dann hinterher auch noch quasi in die Lösung des Falls. Ihr Baby hat sie natürlich immer dabei. Übergriffigkeit scheint in der Familie zu liegen oder warum dringen die dauernd ungefragt in die Privatsphäre anderer Menschen ein?
3. Die Vermieterin hat übrigens den Kumpel entführt und hält ihn auf dem Kahn, den sie Dennis vermietet hat, gefangen. Weil: der Kumpel hatte sich kurzfristig von seiner Frau getrennt und hat sie geschwängert. Und als er sie dann verlassen hat um zu seiner Frau zurückzugehen, hatte sie quasi kurz vor der Entbindung eine Totgeburt. Natürlich nur ausgelöst davon, dass sie verlassen wurde. Deswegen zieht sie in das beschauliche Dorf in den Schären, stalkt und entführt ihn, hält ihn erst mal eine Weile gefangen und will ihn dann im großen Finale auf hoher See über die Planke schicken.
4. Die Story um den Schatz ist Beiwerk genau wie die vollkommen überflüssigen historischen Rückblenden. Die werden dann am Ende noch dahingehend eingebunden, dass der arme, vaterlos aufgewachsene Dennis dann doch noch seinen Vater kennen lernt. Hier endet dann noch ein Nebenthread mit dem netten älteren Herrn aus Amerika, der immer wieder auftaucht und auch noch einen Zweck erfüllen muss…
5. Beim großen Finale kommt es zum Showdown bei dem der grantige Fischer sich als Ex-Bulle outet und der ganzen Truppe den Arsch rettet.
6. Und noch eine vollkommen überflüssige Nebenstory: die Freundin des Toten, einziges Kind reicher Eltern, die natürlich nicht mit der Beziehung einverstanden waren. Deren beste Freundin ist schwanger von ihrem Lehrer, dessen Frau wir in einer anderen Nebenstory kennen lernen, als sie in einem Luxusanwesen im Süden ihren Mann betrügt. Oh, und der Vater der schwangeren Freundin ist der Mann, der die Leiche gefunden hat. Er fällt natürlich aus allen Wolken, als seine Tochter die Schwangerschaft gesteht, freut sich dann aber total und hat auch gleich den passenden Ring für die anstehende Hochzeit. Dass er den Ring bei dem Toten gefunden und dann unterschlagen hat, ist ja auch nicht so wichtig. Die Frau des Lehrers kommt dann auch noch nach Schweden um sich scheiden zu lassen. In der heilen Welt der Autorin darf so eine Frau natürlich nicht ungeschoren davon kommen, weswegen sie bei ihrer Rückkehr die Polizei auf dem Anwesen vorfindet, die ihren untreuen Lover abführt und sie mit hohen Schadensersatzforderungen konfrontiert.
Faden verloren? Genauso ging es mir.
Die Charaktere bleiben farblos oder sind mir unsympathisch. Sie Story ist verworren und man hat oft den Eindruck, dass die Autorin da unbedingt noch eine Idee unterbringen wollte, was am Ende für mich eindeutig zu viel des Guten ist.
Ich fand es leider einfach nur anstrengend. Zwar ist die Geschichte nicht gehaltvoll, aber diese ganzen unwichtigen Nebenschauplätze nerven wirklich. Zum Schluss habe ich einfach nur noch quer gelesen, um das Ende zu erfahren.