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Wir von der anderen Seite

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Zum ersten Mal sehe ich mich im komplett im Spiegel. Ich bin dünn und bucklig, meine Muskeln sind verschwunden, meine Haut ist gelb von der angeschlagenen Leber. Irgendjemandem sehe ich ähnlich. Wem denn nur? Dann fällt es mir ein: Ich sehe aus wie Mr. Burns von den Simpsons! Immerhin immer noch Körbchengröße C. Ihr seid die echten Survivor!“

Als Rahel Wald aus einem heftigen Fiebertraum erwacht, versteht sie erst mal gar nichts. Wo ist sie, warum ist es so laut hier, was sind das für Schläuche überall. Nach und nach beginnt sie zu verstehen: Sie ist im Krankenhaus, sie lag im Koma. Doch richtig krank sein, hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt: feierlicher, ja, heiliger. Als Komödienautorin kennt sich Rahel durchaus mit schrägen Figuren und absurden Situationen aus, aber so eine Reise von der anderen Seite zurück ins Leben ist dann doch noch mal eine eigene Nummer. Vor allem, wenn der Medikamentenentzug Albträume und winkende Eichhörnchen hervorruft. Zum Glück kann sie sich auf die bedingungslose Unterstützung ihrer verrückten Familie verlassen, die immer für sie da ist. Und noch etwas wird Rahel immer klarer: Ihr Leben ist viel zu kostbar, um es nach fremden Erwartungen auszurichten. Von jetzt an nimmt sie es selbst in die Hand.

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First published July 26, 2019

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Anika Decker

3 books6 followers

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1 star
10 (1%)
Displaying 1 - 30 of 96 reviews
Profile Image for Anika.
970 reviews325 followers
August 1, 2019
Ach, was ist das für ein schönes Gefühl, wenn man von einem Buch eigentlich nicht viel erwartet, es sogar eher mit einer gewissen Skepsis beginnt und dann so angenehm positiv überrascht wird! Ich muss zugeben, ich hatte durchaus Bedenken: Eine Drehbuchautorin, die sonst Stoffe für Schweiger- und Schweighöferkomödien schreibt? Und sich jetzt so eines ernsten Themas annimmt? Humor ist bekanntlich sehr subjektiv, und besagte Komödien treffen sonst eher nicht so meinen Geschmack - kann das gut gehen mit mir und diesem Buch hier? Oh ja, und wie! Frau Decker, ich muss aufrichtig Abbitte leisten.

Das vorliegende Werk ist sehr an die eigene Lebens- und Leidensgeschichte der Autorin angelehnt, aber sie betont, dass es sich um kein autobiografisches Werk handelt. Die äußeren Fakten zumindest stimmen: Sowohl Anika Decker als auch die Protagonistin Rahel Wald sind Drehbuchautorinnen, die den Durchbruch geschafft haben und mit den Stars und Sternchen der deutschen Film- und Medienbranche arbeiten. Und beide vereint ein schwerer Schicksalsschlag: Eine durch einen Nierenstein ausgelöste Sepsis, die zu mehrfachem Organversagen, einen dadurch bedingtem künstlichen Koma, dem erfolgreichen Überlebenskampf und den mühevollen Weg zurück "auf die andere Seite" geführt hat.

Ob nun Autobiografie oder nicht, Frau Decker weiß, wovon sie spricht, und das merkt man dem Buch auf jeder Seite an. Rahel kämpft sich nicht nur einfach zurück in ihr altes, sondern in ein ganz neues Leben. Die Erkenntnisse, die sie aus ihrer Krankheit, der drohenden stetigen Verschlimmerung und der Wiedergenesung zieht, sind schonungslos offen und kompromisslos echt dargestellt. Dabei umschifft die Autorin gekonnt jegliche Klischees, die sich so einer Erzählung in den Weg stellen könnten: Rahel erlebt keine komplette "vom Saulus zum Paulus"-Verwandlung, wird also nicht vom oberflächlichen Zicklein zum altruistischen Schwan. Auch ist die Gesichte nicht klamaukig bis an der Grenze zum Hysterischen erzählt, sondern wählt ihre (oft eher makabren) Pointen und komischen Szenen und Charaktere mit Bedacht. Ansonsten tummeln sich hier sehr viele, sehr kluge Gedanken, und das alles sehr straight, sehr direkt erzählt. Ob die eher oberflächliche Filmwelt oder die Beziehungen zu ihrer Familie, ihrem Freund und anderen Menschen - Rahel analysiert und hinterfragt alles. Dabei spart sie keinesfalls an Selbstkritik, dieses Buch ist erstaunlich selbstreflektierend:

"Fast lustig, wenn ich daran denke, wie verzweifelt ich oft um die Liebe und Anerkennung irgendwelcher Idioten gekämpft habe. Wie anstrengend das war, permanent meine Unzulänglichkeit mit möglichst viel Aktionismus zu überdecken. Wie dumm ich doch immer war, zu denken, ich müsste Kunststücke vollführen und Eindruck schinden, um das zu bekommen, was ich offensichtlich schon immer hatte."


Daneben kommen auch die "größeren" Themen wie Sexismus in der Filmbranche und allgemein, Fallstricke des Gesundheitssystems, Klassenunterschiede oder der Umgang mit schwachen, kranken und/oder alten Menschen zur Sprache - fast immer nebenbei, nie mit erhobenen Zeigefinger, sodass Menschen, die sich für derartige Themen sonst vielleicht nicht interessieren, trotzdem ein paar wichtige Botschaften mit aufnehmen. Beispiel: Da geht es in einer Szene um Rahels Wunsch nach Intimität, vor der sie sich aufgrund ihres Gesundheitszustands fürchtet (Sex bei schwachem Herzen und so), und dann versteckt sich mitten in diesem scheinbar eher halbtiefen Gedanken ein Satz wie dieser:

"Die Altersheim sind voll von Menschen, deren Hand niemand hält und deren Kopf sich nirgendwo anlehnen darf."


Hach!

Und noch ein ganz besonderer Pluspunkt: Rahel hat einen besten Freund, Kevin, der wirklich sehr gut und lustig geschrieben ist - und der nicht schwul ist! Ich bin Frau Decker sehr dankbar, dass sie auf diese "best gay friend"-Stereotype verzichtet hat. Wie auch auf so viele andere Klischees.

Dies wird nicht mein liebster Roman des Jahres sein, dafür gibt es schon jetzt zu viel Konkurrenz - aber auf den Titel für positivste Überraschung des Jahres ist "Wir von der anderen Seite" ein ganz heißer Anwärter!

"Hier geht es aber nicht um mich, hier geht es darum, was Attila will. Sie wollen, dass der Star happy ist, und gehen davon aus, dass den Zuschauern die Geschichte egal ist, und sie sowieso ins Kino gehen. Ich halte die Zuschauer für nicht ganz so blöd."


Und die Lesenden zum Glück auch nicht - vielen Dank dafür!

Tl;dr: Äußerst authentischer Unterhaltungsroman mit ordentlich Tiefgang.
Profile Image for frau.gedankenreich.
354 reviews124 followers
September 7, 2019
Stellenweise etwas plump, aber in emotionaler Hinsicht ein Volltreffer; gerade wenn man selbst eine langandauernde Krankheit durchmacht oder hinter sich hat. Das Gefühl, dass alles viel zu langsam vorangeht, die eigene Hilflosigkeit, sowie die der Angehörigen. Eine Hiobsbotschaft nach der anderen, von einem Spezialisten zum Nächsten, das Gefühl, endlich gesund sein zu wollen. Die Krankenhäuser, die Rechnungen, die Reha und und und.. So viel Gänsehaut hatte ich schon lange nicht mehr.
Katja Riemann liest großartig. Sie trifft immer genau den richtigen Ton, sodass alles so bei mir angekommen ist, wie die Autorin es beabsichtigt hat. Die emotionalen, die lauten, die lustigen, die nachdenklichen, wie auch die leisen Töne. Sie transportiert die Geschichte genau dahin wo sie hingehört, mitten ins Herz.
Profile Image for _Leselust_.
295 reviews38 followers
September 6, 2019
"Ich hätte so gern, dass ich sagen darf, wovor ich Angst habe, ohne dass du ein schlechtes Gewissen bekommst, weil du mir nicht helfen kannst." (S. 210)

Kurzmeinung:
Ein Buch über den schweren Weg zurück ins Leben. Erzählt mal sehr berührend, voller Weisheit und Sätzen, die man sich unbedingt merken möchte, mal mit viel Humor, so dass man sich das Lachen kaum verkneifen kann.


"Sie versteht nicht, dass man manches zwar verzeihen, aber nicht wiedergutmachung kann."
(S. 93)

Meine Meinung:
In "Wir von der anderen Seite" erzählt Anika Decker von Rahel Wald, die sehr plötzlich sehr krank wird und schließlich in ein Koma fällt, aus dem sie erst Tage später wieder erwacht. Ihr Körper ist schwach, viele Organe geschädigt. Und auch die Erinnerungen an die letzten Tage und Wochen vor dem Koma fehlen Rahel. Mit viel Mut macht sie sich auf den langen und schweren Weg zurück ins Leben. Neben Frust, Einsamkeit und Ängsten hat sie dabei aber auch immer eine ordentliche Portion Humor im Gepäck. Und so schaffe die Autorin Anika Decker hier beides: bewegende, tiefgründig Passagen über den Wert des Lebens, darüber, was eigentlich wirklich wichtig ist und was einem trotz aller Schwierigkeiten neuen Lebensmut gibt und locker-leichte Abschnitte mit sehr viel bitterbösem Humor. Durch diese Kombination wirken die ernsten Abschnitt nicht pathetisch und die witzigen Abschnitte nicht geschmacklos. Das ist der Autorin wirklich gut gelungen.


"Soweit ich das mitbekommen habe, war mein Immunsystem in puncto Abwehr nicht viel besser ausgestattet als unsere Bundeswehr mit ihren rumpeligen Siebzigerjahrepanzern. Es sieht ganz so aus, als hätte ich einen ziemlich guten Arzt gehabt. Also danke von Herzen – auch wenn es noch nicht so schlägt, wie es sollte." (S. 73)

Schön fand ich auch, dass die ganz realen, praktischen Konsequenzen so einer schweren Erkrankung aufgezeigt werden. Die bürokratischen Hürden und der Papierkram, den die Krankenhausaufenthalte und Reha-Behandlungen mit sich bringen. Die teils erschreckenden Zustände im Krankenhaus wegen Personalmangel und Co. Die Abläufe in Reha-Kliniken, von vorgeschriebenen Sitzplätzen bis unangebrachten Flirtversuchen. Und den Reaktionen von Personen aus dem Umfeld –von großem, teils erdrückendem Mitleid bis hin zu Ungeduld, wenn das mit der Genesung dann doch nicht so schnell voran geht.


"Seit alle Zugriff auf meinen Körper haben, habe ich wohl vergessen, dass er mir gehört, allein mir." (S. 153)

Nicht alles an dem Buch hat mir gefallen. Manchmal hat mir ein bisschen die Tiefe gefehlt, manche Personen waren für mich nicht ganz rund, bzw etwas übertrieben. Die Passage mit dem Schamanen fand ich überflüssig und etwas lächerlich und auch die teilweise sehr zugespitzte Darstellung vom Personal im Krankenhaus hat mir nicht ganz so gut gefallen. Aber insgesamt konnte mich das Buch wirklich überzeugen und ich kann es absolut weiterempfehlen.


Fazit:
Trauer und Wut. Liebe und Streit. Verzweiflung und Hoffnung. Ein Buch das alles hat –und trotzdem nicht perfekt ist. Aber das macht gar nichts, denn die schönen, bewegenden und witzigen Passagen überwiegen und so kann ich euch das "Wir von der anderen Seite" von Anika Decker mit gutem Gewissen empfehlen.
Profile Image for Natascha.
784 reviews101 followers
May 27, 2021
Wir von der anderen Seite stand schon länger auf meiner Wunschliste. Allerdings stehe ich humorvollen Büchern immer etwas skeptisch gegenüber und so hat es nun doch eine Weile gedauert bis ich dazu gegriffen habe.

Als Rahel aus dem Koma erwacht hat sie keine Ahnung wo sie ist oder was mit ihr passiert ist. Ihr Körper ist schwach, ihr Geist verwirrt und auch sonst scheint es das Leben momentan nicht allzu gut mit ihr zu meinen. Aber irgendwie muss es ja weitergehen und so begleitet man Rahel auf ihrem steinigen Weg zurück ins besagte Leben.

Ich bin begeistert davon wie eindringlich Anika Decker den Leidensweg von Rahel darstellt und ihn aber gleichzeitig mit einer ordentlichen Portion Galgenhumor versieht, so dass die Geschichte trotz des schwierigen Themas nie an Leichtigkeit verliert. Immer wieder wird man mit den Problemen der Protagonistin konfrontiert und ist geschockt über die Hilflosigkeit gegenüber des eigenen Körpers und besonders auch gegenüber des Gesundheitssystems. Die Vorstellung selbst in eine solche Situation zu kommen ist beängstigend und deswegen bewundere ich es umso mehr wie entspannt sich die ganze Geschichte durchweg anfühlt.

Manchmal schießt Anika Decker für meinen Geschmack mit der humorvollen Charakterisierung zwar ein bisschen übers Ziel hinaus, aber das hält sich in Grenzen und ist zum Glück nicht mit den übertriebenen Darstellungen in deutschen Komödien vergleichbar für die die Autorin sonst schreibt.

Am Ende bin ich sehr positiv überrascht von dieser wunderbar humorvollen Geschichte die durch Tiefgang überzeugt und einige Probleme unserer Gesellschaft gekonnt anprangert und in Frage stellt.
Profile Image for Meli  .
1,318 reviews244 followers
August 11, 2019
Rahel ist nun von der anderen Seite. Sie gehört nicht mehr zu den Gesunden, sie war sogar kurz tot! Daher kann man ihre anfängliche Verwirrung gut nachvollziehen, schließlich hat sie zusätzlich zu ihrem elenden Zustand auch noch einige Gedächtnislücken.

Mit Rückblicken und einer guten Prise Humor erzählt Anika Decker die Geschichte einer Drehbuchautorin, die für so viele Dinge im Leben kämpfen muss. Um ihre Karriere, ihre Gesundheit und auch um die Liebe.
Rahels Job steht auch bei generellem Erfolg mal auf der Kippe und sie muss sich immer wieder neu bemühen, um ihre Drehbücher auch zu verkaufen. Und Autoren werden absolut nicht genug gewürdigt! Dabei braucht sie nun das Geld noch dringender, da sie zig Arztrechnungen zu zahlen hat und das stresst sie nur noch mehr.

Das Koma und ihr furchtbarer Zustand - körperlich am Ende, Halluzinationen und ständige Alpträume - sind unglaublich hart für Rahel, aber sie ist nicht bereit, aufzugeben. Auch wenn es viele tolle Ärzte gibt, sind sie auch nur Menschen und manche sind absolut furchtbar und erschweren einem das Leben zusätzlich.

Und die Liebe ist schwierig. Rahels Familie unterstützt sie liebevoll und vor allem ihr Bruder ist für sie da, aber mit ihrem Freund ist die Lage seltsam und Rahel fühlt sich sehr unsicher. Bei so einer Zerreißprobe erfährt man erst, wer bereit ist, mit einem durch dick und dünn zu gehen.

All diese Punkte und dazu die zurückkehrenden Erinnerungen haben das Buch sogar unerwartet spannend gestaltet. Ich habe mit Rahel gelitten und mich mit ihr empört. Daher kann ich wohl ohne Zweifel sagen, dass mich das Buch mitreißen konnte und gut gefallen hat!

Fazit

Das Leben kann von einem Moment auf den anderen einen ganz anderen Verlauf nehmen und in "Wir von der anderen Seite" zeigt Anika Decker mit Humor und Spannung, wie sich der Sprung von der anderen Seite zurück ins Leben anfühlen kann.
Profile Image for MaggyGray.
673 reviews31 followers
August 13, 2019
Von winkenden Eichhörnchen und Mr. Burns mit Möpsen

Also - ich bin keine Expertin für medizinische Fallgeschichten und Krankheitsverläufe, und habe auch nicht rumrecherchiert, ob man bereits nach einer Woche Koma so lädiert ist, dass man alles (essen, trinken, sich bewegen, die Toilette benutzen etc.) komplett neu lernen muss. Ich hoffe auch nicht, dass ich es je erfahren werde müssen, denn auch wenn die Erzählung von Anika Decker dieses Thema teilweise doch recht humorvoll und (selbst-)ironisch rüberkommt, merkt man schon, dass Autorin und Romanfigur stellenweise miteinander verschwimmen und an diesem Erlebnis mehr als einmal fast (aber nur fast!) zerbrechen.

Als Rahel im Krankenhaus aufwacht, ist ihr nicht bewusst, dass sie eine Woche im Koma lag, die Folge einer Sepsis mit multiplem Organversagen. Sie hat keine klaren Erinnerungen mehr an den Auslöser des Krankenhausaufenthaltes, wird von Albträumen geplagt und ihr Freund benimmt sich ebenfalls komisch. Langsam kommt sie mit Hilfe ihrer Familie wieder auf die Beine und versucht, ihr Leben neu zu ordnen, denn vor allem das fehlende Geld durch ihren Arbeitsausfall macht ihr zu schaffen.

Das Problem bei Drehbuchautorinnen und -autoren, die ein "richtiges" Buch schreiben ist für mich immer der fehlende Tiefgang. Das war auch hier der Fall, auch wenn dadurch die Geschichte nicht langweilig oder unlesbar geworden wäre. Man erfährt viel von Rahel, ihren Eltern, ihrem Bruder und ihrem Freund; auch ihre Lebensumstände werden be- und durchleuchtet. Aber die ganze Zeit während ich das Hörbuch gehört habe, hatte ich den Film dazu vor Augen. Als Geschichte wirkt das Ganze sehr konstruiert und stellenweise betont auf lustig gemacht. Auch verlaufen manche angedeuteten wirklich intensiven Sachen zum Schluss ein bisschen zu sehr ins Bedeutungslose und Gewöhnliche. Zum Beispiel die ständigen und sehr schlimmen Albträume, die immer eine bestimmte Situation zeigen. Oder das mehr als seltsame Verhalten ihres Freundes, bis hin zum eigentlichen Auslöser ihres Krankenhausaufenthaltes mit anschließendem Koma.

Dass ich die Geschichte trotzdem sehr mochte, liegt an einzelnen wirklich berührenden Szenen, etwa, wenn Rahel ganz am Anfang, nachdem sie aufgewacht ist, mit schwerer Zunge davon spricht, nach Hause zu wollen, und um Hilfe beim Weihnachtsgeschenkeverpacken zu bitten (obwohl zu diesem Zeitpunkt Weihnachten schon vorbei ist). Auch die schiere Verzweiflung, wenn selbst einfachste Dinge nicht funktionieren (die Strecke zwischen Zimmer und Aufzug ohne Schwächeanfall zu meistern, die Rechnungen der privaten Krankenkasse, die Nebenwirkungen der Medikamente) hat mich sehr berührt. Vielleicht auch deshalb weil Katja Riemann den Text so gut liest. Anderes betont sie aber genau anders, als ich es gelesen hätte, was mich etwas irritiert hat.

Insgesamt ist "Wir von der anderen Seite" eine zwar etwas zu blankpolierte Geschichte, die aber stellenweise wirklich schöne Szenen hat. Bestimmt lässt der Film dazu nicht mehr lange auf sich warten.
Profile Image for Karschtl.
2,256 reviews61 followers
September 11, 2021
4,5 Sterne

"Wir von der anderen Seite" erzählt vom Krankenhaus- und Reha-Aufhalt einer 35jährigen Frau, deren lästiger Nierenstein zu einer Blutvergiftung mit multiplem Organversagen führte bis sie letztendlich ins Koma versetzt wurde. Nun muss sie sich auf den schmerzhaften Weg zurück zu einem normalen Leben machen. Dabei kann sie anfangs noch nicht mal einen Löffel halten...

Obwohl das Buch mehr ein 'Bericht' als ein Roman ist, so fand ich es extrem lesenswert. Trotz der Schwere des Themas hat Anika Decker, ihres Zeichens Drehbuchautorin für Komödien, einen leichten Ton gefunden (gespickt mit etwas schwarzem Humor) - ohne dass sie irgendetwas verharmlost oder übertrieben witzig darstellt! Aber es liest sich einfach super, und man fühlt mit Rahel auf jedem ihrer Schritte mit.

Das ist wohl auch deshalb so, weil ich beim Lesen immer im Hinterkopf hatte, dass die Autorin ihre eigenen Erfahrungen niedergeschrieben hat. Wobei man nicht weiß, wo sie sich dichterische Freiheiten genommen hat und wo etwas genau so passiert ist. Eine schreckliche und erschreckende Erfahrung ist es ganz bestimmt gewesen. Zum Glück hat sie eine so tolle Familie an ihrer Seite, die hatte ich sofort ins Herz geschlossen! Über ihre Tätigkeit als Drehbuchautorin, so ein bisschen "Hinter den Kulissen", hätte ich zu gerne noch mehr erfahren. Dafür hätte ich den ganzen Beziehungskram, der im letzten Drittel des Buches im Mittelpunkt steht, nicht in diesem Umfang gebraucht. Den Anfang, wo es allein um Rahel und ihre Genesung ging, fand ich deutlich interessanter. Aber es gehört wohl alles zum Prozess, den unsere Protagonistin durchlaufen ist, dazu.

"Lacht laut und heult leise!" - diesen 'Tipp' (oder ist es vielmehr eine Aufforderung?) von Bora Dagtekins Testemonial zu diesem Buch kann ich zu 100% weitergeben.
Profile Image for Franziska Buechertatzen.
142 reviews23 followers
January 25, 2021
Das Buch hat mich echt kalt erwischt. Während des Lesens kamen so viele alte Erinnerungen hoch, dass ich teilweise Pausen einlegen musste, damit ich erstmal wieder selbst klar kommen kann. Trotzdem habe ich es sehr gerne gelesen und bin begeistert.
Profile Image for MaggyGray.
673 reviews31 followers
August 26, 2019
Von winkenden Eichhörnchen und Mr. Burns mit Möpsen


Also - ich bin keine Expertin für medizinische Fallgeschichten und Krankheitsverläufe, und habe auch nicht rumrecherchiert, ob man bereits nach einer Woche Koma so lädiert ist, dass man alles (essen, trinken, sich bewegen, die Toilette benutzen etc.) komplett neu lernen muss. Ich hoffe auch nicht, dass ich es je erfahren werde müssen, denn auch wenn die Erzählung von Anika Decker dieses Thema teilweise doch recht humorvoll und (selbst-)ironisch rüberkommt, merkt man schon, dass Autorin und Romanfigur stellenweise miteinander verschwimmen und an diesem Erlebnis mehr als einmal fast (aber nur fast!) zerbrechen.

Als Rahel im Krankenhaus aufwacht, ist ihr nicht bewusst, dass sie eine Woche im Koma lag, die Folge einer Sepsis mit multiplem Organversagen. Sie hat keine klaren Erinnerungen mehr an den Auslöser des Krankenhausaufenthaltes, wird von Albträumen geplagt und ihr Freund benimmt sich ebenfalls komisch. Langsam kommt sie mit Hilfe ihrer Familie wieder auf die Beine und versucht, ihr Leben neu zu ordnen, denn vor allem das fehlende Geld durch ihren Arbeitsausfall macht ihr zu schaffen.

Das Problem bei Drehbuchautorinnen und -autoren, die ein "richtiges" Buch schreiben ist für mich immer der fehlende Tiefgang. Das war auch hier der Fall, auch wenn dadurch die Geschichte nicht langweilig oder unlesbar geworden wäre. Man erfährt viel von Rahel, ihren Eltern, ihrem Bruder und ihrem Freund; auch ihre Lebensumstände werden be- und durchleuchtet. Aber die ganze Zeit während ich das Hörbuch gehört habe, hatte ich den Film dazu vor Augen. Als Geschichte wirkt das Ganze sehr konstruiert und stellenweise betont auf lustig gemacht. Auch verlaufen manche angedeuteten wirklich intensiven Sachen zum Schluss ein bisschen zu sehr ins Bedeutungslose und Gewöhnliche. Zum Beispiel die ständigen und sehr schlimmen Albträume, die immer eine bestimmte Situation zeigen. Oder das mehr als seltsame Verhalten ihres Freundes, bis hin zum eigentlichen Auslöser ihres Krankenhausaufenthaltes mit anschließendem Koma.

Dass ich die Geschichte trotzdem sehr mochte, liegt an einzelnen wirklich berührenden Szenen, etwa, wenn Rahel ganz am Anfang, nachdem sie aufgewacht ist, mit schwerer Zunge davon spricht, nach Hause zu wollen, und um Hilfe beim Weihnachtsgeschenkeverpacken zu bitten (obwohl zu diesem Zeitpunkt Weihnachten schon vorbei ist). Auch die schiere Verzweiflung, wenn selbst einfachste Dinge nicht funktionieren (die Strecke zwischen Zimmer und Aufzug ohne Schwächeanfall zu meistern, die Rechnungen der privaten Krankenkasse, die Nebenwirkungen der Medikamente) hat mich sehr berührt. Vielleicht auch deshalb weil Katja Riemann den Text so gut liest. Anderes betont sie aber genau anders, als ich es gelesen hätte, was mich etwas irritiert hat.

Insgesamt ist "Wir von der anderen Seite" eine zwar etwas zu blankpolierte Geschichte, die aber stellenweise wirklich schöne Szenen hat. Bestimmt lässt der Film dazu nicht mehr lange auf sich warten.
Profile Image for Liesa.
293 reviews223 followers
September 22, 2019
Krankheitsbücher finde ich meist echt schwierig, sie ziehen mich irgendwie runter und ich bekomme ein ganz beklommenes Gefühl im Magen und denke, ich würde nicht genug wertschätzen, wie gut es mir eigentlich geht. „Wir von der anderen Seite“ erzählt die Geschichte von Rahel, die nach einer Sepsis aufwacht und bei der plötzlich nichts mehr so ist wie zuvor. Ihr eigentlich recht glamouröses Leben als Drehbuchautorin wird eingetauscht gegen ein Leben im Krankenhaus und in der Reha, mit der ständigen Angst, nicht wieder komplett gesund zu werden, zu viele Medikamente zu nehmen und mit alltäglichsten Situationen einfach nicht zurechtzukommen. Anika Decker schreibt authentisch und mit einer großen (aber genau richtig dosierten) Prise Humor über Rahels Rückkehr ins Leben und ihrem Umgang mit der Krankheit und hat mich mit diesem Buch für einen ganzen Tag an die Couch gefesselt, weil ich es gar nicht mehr loslassen konnte. Zum Schluss hab ich mir eigentlich nur noch eine Sache gewünscht: Rahel noch etwas länger begleiten zu dürfen.
Profile Image for Christina .
360 reviews40 followers
September 2, 2019
3,5 Sterne. Nett und lustig für zwischendurch und deutlich aufgewertet durch Katja Riemann's Erzählstimme. Es hatte zwischendrin schon ein paar Längen, aber alles in allem eine Runde Sache. Drehbuchautorin Rahel erkrankt plötzlich und heftig. Ihr Genesungsweg, körperlich und seelisch, ist die Geschichte dieses Buches.
Profile Image for Andrea.
928 reviews46 followers
June 8, 2022
"Ich hatte immer Angst. Als Kind vor dem Sterben. Als junge Frau davor, beim Sterben zu merken, dass ich mein Leben vertan habe. Dann davor, mein Leben zu vertun und zu sterben."
Rahel fällt ins Koma und muss sich ins Leben zurück kämpfen. Dies passiert nicht ganz ohne Verluste ... und mit einem ganz neuen Blick auf das Leben.
Die Autorin Anika Decker schafft den Spagat zwischen Humor und Tiefsinn. Einer schweren Krankheit noch etwas lustiges abzugewinnen ist sicherlich nicht leicht und auch die Protagonistin Rahel schafft dies nicht immer. Sie zweifelt, sie hat Rückschläge aber sie kämpft. Und ihren Kampf zu begleiten ist unterhaltsam und emotional. Man merkt dass die Autorin Drehbuchautorin ist, sie kennt den Beruf und das Business drum herum. Manchmal war das Buch vom Humor etwas drüber, hat nicht immer den für mich richtigen Ton getroffen. Rahel selber ist mir trotzdem ans Herz gewachsen und ich habe ihre Entwicklung gerne verfolgt. Ein schwieriges Thema leicht aber dennoch respektvoll verpackt.
Profile Image for Astrid.
197 reviews92 followers
August 21, 2019
Eine gute Mischung aus einem ernsten Thema und einer humorvollen Protagonistin.
Schnell, einfach und packend geschrieben und daher an einem Tag durchgelesen.
Unerwartet gut!
Profile Image for auserlesenes.
365 reviews17 followers
October 20, 2019
Als Rahel Wald in einem Krankenhaus wach wird, versteht sie erst mal gar nichts: Wo ist sie? Warum ist es so laut? Und was sollen die Schläuche? Sie ist fiebrig, wirr im Kopf, kann nicht normal essen und reden – und sie hat Schmerzen. Erst nach und nach begreift die junge Drehbuchautorin: Sie lag nach einer schweren Blutvergiftung im Koma. Unter dem Einfluss von Medikamenten hat sie Albträume und Halluzinationen. Sie glaubt unter anderem, winkende und tanzende Eichhörnchen zu sehen. Schafft sie es von der anderen Seite zurück ins Leben? Unterstützung bekommt sie von ihrer etwas verrückten Familie. Rahel wird immer klarer: Ihr Leben ist viel zu kostbar, um es nach fremden Erwartungen auszurichten. Sie will es von jetzt an selbst in die Hand nehmen.

„Wir von der anderen Seite“ ist der Debütroman von Anika Decker.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 19 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Die Geschichte wird im Präsens und in chronologischer Reihenfolge erzählt – und zwar in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Rahel. Zwischendurch gibt es kurze Rückblenden. Dieser Aufbau funktioniert gut.

Der Schreibstil ist locker und anschaulich. Trotz der ernsten Thematik trifft die Autorin einen humorvollen und selbstironischen, aber nicht zu übertrieben flapsigen Ton. Obwohl der Leser sehr unmittelbar in die Geschichte geworfen wird, fällt der Einstieg nicht schwer.

Mit Rahel steht eine sympathische und selbstbewusste Protagonistin im Vordergrund, deren Gedanken- und Gefühlswelt ich gut nachvollziehen kann. Auch die übrigen Charaktere wirken authentisch.

Angesprochen hat mich der Roman vor allem wegen seiner Thematik. Die Frage, wie es einem Menschen ergeht, der einen solchen Schicksalsschlag erleidet und sich wieder zurückkämpfen muss, stellt sich vielen von uns an dem einen oder anderen Punkt im Leben. Dass die Autorin selbst bereits ähnliche Erfahrungen machen musste und autobiografische Elemente eingearbeitet hat, wird an einigen Stellen deutlich, denn die Schilderungen kommen sehr realitätsnah rüber. Das hat dazu beigetragen, dass mich das Buch immer wieder nachdenklich gemacht hat. Doch zugleich ist das Buch mehr als nur eine Krankheitsgeschichte, denn es erzählt von der Entwicklung einer jungen Frau, die durch ihr Schicksal lernt, ihren eigenen Weg zu gehen.

Eine Stärke des Romans ist es, dass er auf mehrfache Weise berühren und unterhalten kann. Traurige, betroffen machende Passagen wechseln sich ab mit witzigen Momenten. Das verhindert, dass die Stimmung zu düster wird, und lässt die Geschichte trotz der fast 400 Seiten nicht langatmig werden.

Das Cover der gebundenen Ausgabe gefällt mir sehr. Darüber hinaus passt das winkende Eichhörnchen gut zum Inhalt. Der Titel macht neugierig und ist ebenfalls treffend gewählt.

Mein Fazit:
„Wir von der anderen Seite“ von Anika Decker ist ein außergewöhnlicher Roman, der mich sowohl gut unterhalten als auch emotional berühren konnte. Eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich nicht nur mit seichten Wohlfühlgeschichten beschäftigen wollen.
Profile Image for Doreen.
167 reviews5 followers
December 6, 2020
Abbruch auf Seite 276

Ich wollte es lieben, doch der Funke sprang nicht über. Ich hatte mir viel von dem Buch versprochen, doch was ich bekam war leider nicht das, was ich erwartet hatte. Über mehrere Wochen motivierte ich mich weiterzulesen, doch letztlich gab ich es auf.

Die Protagonistin Rahel weckte in mir leider keine Sympathie, vermutlich weil alles sehr oberflächlich blieb und man von einem zum anderen Ereignis gesprungen ist. Gefühle dienten eher der Unterhaltung, weniger dem Verständnis von Rahel. Für mich war das Lesen daher ein einziger Kampf, weil ich es doch eigentlich gut finden wollte. Für mich war es daher nichts, aber genügend Fans hat das Buch auch ohne mich 😉
Profile Image for Daniel Zent.
23 reviews
September 30, 2021
Seltenst macht man sich Gedanken darüber wie es wohl einer Person auf Intensivstation geht. Was hört und spürt diese Person ? Wie ist es aufzuwachen und nicht zu wissen was die letzten Wochen oder sogar Monate passiert ist. Wie ist es am Rande des Todes zu sein und wie findet man zurück ins Leben danach.
Viel zu selten macht man sich über das Innere eines kranken Menschen Gedanken, meist nur um die rein körperliche Funktion und wie diese wieder zu Heilen ist.
So ein faszinierender und harter Einblick wird in diesem Roman sprachlich präzise in Worte verpackt.
Selten war ich einen Buch dankbar, dies ist so ein Fall!
Profile Image for Juliane.
138 reviews2 followers
August 29, 2019
Was soll ich sagen? Ein wunderbares und schönes Buch. Das bisher für mich schönste Buch 2019.
Profile Image for Hauntedcupcake.
288 reviews7 followers
July 28, 2019
Inhalt
Als Rahel Wald, mehr oder weniger erfolgreiche Drehbuchautorin, eines Tages aufwacht, ist sie umgeben von piepsenden Maschinen, ihrer traurig-schockierten Familie und Ärzte mit ernsten Gesichtern. Nach und nach beginnt sie zu verstehen: Sie liegt auf der Intensivstation, ist gerade aus dem Koma erwacht, ihr Körper, ihr Herz sind schwach und ihr Leben schlagartig anders. Nur langsam kämpft sich Rahel zurück, begleitet durch ihre Familie, ihre Freunde und Olli - mit dem sie zusammen war, nur warum fühlt sich das so komisch an?

Meine Meinung
Das Buch gehört - und wer meinen Blog liest und mich kennt, weiss dies - so gar nicht in mein Beuteschema. Gleichzeitig habe ich beruflich viel mit Menschen zu tun, die in gerade so einer Situation stecken, wie die Protagonistin in Wir von der anderen Seite. Und vielleicht war es dieser Aspekt, vielleicht aber auch die Inhaltsangabe oder gar das Cover, das ich simpel aber toll finde, das mich dazu gebracht hat, zu diesem Roman zu greifen.

Recht schnell war ich verliebt - verliebt in die Tragik, die Traurigkeit und die Schwere der Geschichte, in diesen doch humorvollen, selbstironischen Schreibstil, der irgendwie so gar nicht und trotzdem perfekt in diese Geschichte passt, in die Charaktere, die so echt wirken.

Der Kampf des Lebens
Rahel Wald wacht eines Tages aus dem Koma auf und kann sich an nichts erinnern. Ganz langsam kämpft sie sich zurück in ein einigermassen normales Leben. Kämpft mit ihrem zu schwachen Herzen, ihrem unbändigen Hunger - als Folge der Betablocker, die sie einnehmen muss -, mit ihrer Familie, die sie nicht mehr allein lassen will, mit dem ganz alltäglichen Ärger in den deutschen Kliniken, mit der Reha und eingebildeten Eichhörnchen, mit den nächtlichen Albträumen, die Komapatienten angeblich immer haben, mit Enttäuschung und Hoffnung, mit der Existenzangst, mit neuen und alten Freunden, mit Beziehungsproblemen - aber vor allem mit sich selbst.
Die Autorin beschreibt diesen Kampf unglaublich feinfühlig und doch voller Humor. Ich habe schon lange nicht mehr so viele Stellen in einem Buch markiert, weil sie mir so nah gingen. Ich habe zwar nicht denselben Leidensweg hinter mir, aber viele Themen konnte ich trotzdem nachvollziehen, weil ich sie ähnlich erlebt habe.

Charaktere mitten aus dem Leben
Besonders auch die Charaktere haben es mir angetan. Zwar bin ich mit Rahel selber nicht unbedingt warm geworden - ich mochte sie als Protagonistin, konnte mit ihr leiden, aber ich kann mich nicht mit ihrer Art identifizieren - dafür sind die Nebenprotagonisten einfach bezaubernd. Allen voran die verrückte Mutter von Rahel - eine Dramaqueen wie sie im Buche steht, aber dennoch so herzlich, so rührend, ich würde sie gerne mal drücken. Der Vater, der sich um alles kümmert, obschon er selber fast daran zerbricht. Und der Bruder, Juri, der ein schlechtes Händchen für Frauen hat - aber für seine eigene Schwester die Welt bedeutet.
Ganz besonders ins Herz geschlossen habe ich indes den Kevster, bürgerlich Kevin, Autorenkumpel und ziemlich abgedrehter Freund von Rahel. Man braucht im Leben nicht hundert Freunde, ein Kevster reicht!
Der einzige Protagonist, den ich überhaupt nicht leiden konnte, war Olli, der Partner von Rahel. Er kam mir von Anfang an falsch vor, auch wenn seine Seite der Erzählung sehr wichtig ist in dieser Geschichte. Denn er leidet besonders darunter, dass sich Rahels Leben nun nur noch um ihre Krankheit und den Weg zur Genesung dreht, während seine alltäglichen Probleme nicht mehr berücksichtigt werden. Authentisch. Aber nicht sympathisch.

Meine (kleine) Kritik
Einen klitzekleinen Dämpfer bekommt meine Schwärmerei nur, weil mich persönlich (und es handelt sich hierbei wirklich nur um meine ganz eigene Meinung - ich bin gerne offen für Diskussionen) zwei Punkte gestört haben:
Rahel wird Opfer eines ziemlich schmierigen Physiotherapeuten, der seine Finger nicht bei sich lassen kann. Ich finde es wichtig, dass solche Themen angesprochen werden, denn sie sind sicherlich auch heute noch Realität. Dass sie aber später nochmals auf einen anderen Arzt trifft, der ihr ebenfalls unpassende Avancen macht, fand ich an dieser Stelle zu viel. Ja, es mag sein, aber nein, einmal hätte gereicht - und hätte meiner Meinung nach die ernste und wichtige Thematik wesentlich besser dargebracht.
Zweitens nimmt Rahel im Verlauf der Geschichte zu, als Folge der vielen Medikamente, die sie einnehmen muss, und die ihren Hunger ankurbeln. Aber nun ist sie bei einem Gewicht von 70 kg angekommen und nennt sich selber durch die Geschichte weg "fett". Das hat mich immens gestört. Sogar eine Frau (oder ein Mann) mit sagen wir 160 cm Körpergrösse ist mit 70 kg Körpergewicht nicht "fett" oder "dick". Das Buch legt viel Wert auf Bodypositivity, darauf, dass man seinen Körper lieben soll. Und dann sowas? Da war ich wirklich enttäuscht. Es mag wohl subjektive Empfindung der Protagonistin sein, aber als Leserin fand ich das stossend.

Fazit
Mit Wir von der anderen Seite hat Anika Decker eine tragische Geschichte voller Angst und Zweifel, voller Kämpfe mitten aus dem Leben und doch mit so viel Hoffnung und Humor geschrieben, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

4.5 Sterne
348 reviews
May 11, 2025
Eine zumindest autobiographisch angehaucht wirkende Geschichte über eine Frau, die im Krankenhaus aus dem Koma erwacht, und gesund werden und ihre letzten Wochen rekonstruieren muss. Gut gezeichnete Figuren, einige sehr lustige Momente trotz des schweren Themas.
Profile Image for Julia.
670 reviews
July 4, 2020
Hat mir sehr gut gefallen. Das Thema ist natürlich nicht unbedingt leichte Strandlektüre.
Profile Image for herrzett.
100 reviews5 followers
January 25, 2021
Von Anika Deckers Buch "Wir von der anderen Seite" habe ich ehrlich gesagt sehr viel erwartet. Aufgrund zahlreicher prominenter Vorschusslorbeeren und ihrer eigenen Geschichte, die im wesentlichen mit der, der Protagonistin des Buches übereinstimmt, sollte dies nun also ein vielseitig bewegender Roman sein... doch dem ist leider ganz und gar nicht so.
Aber zunächst: Worum geht's?

Rahel Wald ist eine recht bekannte Drehbuchautorin für Komödien aller Art. Doch von heute auf morgen sollte schlagartig alles anders sein und ihr Leben einem Drama gleichen. Sie ist im Krankenhaus. Intensivstation. Rahel erwacht aus dem Koma, umringt von Schläuchen und ihrer schrägen Familie. Seit Weihnachten liegt sie nun da, halb lebend, atmend und doch innerlich beinahe tot. Organversagen nach verklemmten Nierenstein. Und nun kämpft sie sich zurück. Schritt für Schritt ins Leben und erzählt von Hirngespinsten, winkenden Eichhörnchen, skurrilen Begegnungen, ganz viel Trauer und doch irgendwie auch Glück.

So oder so ähnlich könnte man es jetzt zumindest erzählen ohne ins Fragwürdige abzudriften, denn was sich dem Leser hier bietet ist wirklich eine mehr als fragliche Krankengeschichte. Dieses Buch gleicht einem simplen Samstagabend-Spielfilm, der kaum in die Tiefe geht. Die durchdringende Angst und Besorgnis, die die Protagonistin umtreibt, wird auf ein Minimum reduziert oder gleitet stets in äußerlich komisch unterhaltende Situationen ab. Rahel bepinkelt sich dabei nicht nur einmal. Dies scheint ihr peinlich, doch einen Blick auf ihr Innerstes lässt Decker nicht wirklich zu. Generell wechseln zahlreiche komische Situationen einander ab, es scheint, als ob krank sein eine reine Unterhaltungsshow wäre. Vielleicht stellt man sich als Nichtbetroffener die Genesung eines schwerstkranken Menschen so vor oder die Komödienvariante ist eben besonders unterhaltend, denn Selbstzweifel und Co. sind eben nicht sonderlich 'sexy'... Und das zieht dann für mich den ganzen Roman ins Lächerliche. Decker lag selbst im Koma und versucht nun anscheinend besonders witzig ihre Erlebnisse aufzuarbeiten, aber von wirklicher menschlicher Authentizität kann hier einfach keine Rede sein. Leicht und locker flockig schreiben, kann Decker und wahrscheinlich wäre es eine klasse Drehbuchgrundlage, aber inhaltlich fehlt einfach eine Menge. Meine einzigen Highlights waren tatsächlich Zitate aus Sibylle Bergs Romanen, aber ansonsten konnte ich, bis auf ein paar allgemeine Erkenntnisse kaum etwas Begeisterndes entdecken. So habe ich ihren Roman zwischenzeitlich zwei mal abgebrochen, weil ich einfach viel zu genervt war, um überhaupt noch Freude daran zu empfinden. Vielleicht ist es ein super Buch, für Menschen, die viel um die Ohren haben und etwas rein Unterhaltendes suchen, aber wer wirklich Anspruch hat, wäre hier jedenfalls äußerst schlecht beraten.
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304 reviews38 followers
July 15, 2019
Ich wusste nicht so recht was mich hier erwarten wird, und fand mich zwischen Mitgefühl und lautem Auflachen. Eine Geschichte über den Nahtod? Das schwierige Leben nach dem Koma? Rahel Wald, mittelmäßige Komödienautorin versucht nach einer anfänglichen einfachen OP, die doch tragischere Folgen mit sich bringt als gedacht, wieder zurück ins Leben zu finden. Mit Witz, frischer Ehrlichkeit und großartigem Humor erzählt die Protagonistin von ihrem Leben vor, während und nach ihren langen Krankenhausaufenthalten. Von einer Krankenstation zur Nächsten, bis zu einer Zeit in der Reha, schafft die Autorin Spannung, indem sie Andeutungen auf verdeckte Wahrheiten macht, sie aber nicht gleich auf den Tisch legt. Nach und nach erfährt man mit der Protagonistin, wie es zu ihrem Schicksalsschlag gekommen ist, hofft und fiebert mit jeder Untersuchung ihrer Genesung entgegen und dass sie bezüglich ihrer Beziehung die richtige Entscheidung trifft.

In einem lockeren Stil beschreibt die Autorin nicht nur die Zustände und Gedanken der Protagonistin, sondern gewährt uns auch einen Einblick hinter die Kulissen der Filmindustrie. Mit Zielstrebigkeit und Kampfgeist bringt sie ihre Hauptfigur zurück ins Leben, und zeigt wie wichtig es ist, hinter sich selbst zu stehen und gegen Erwartungen Aller das zu tun, was einem gut tut.

Rahel ist trotz ihrer traurigen Situation eine Figur, die sich treu ist, kein Blatt vor den Mund nimmt und ehrlich zu ihren Gefühlen ist. Authentisch, manchmal trotzig und doch liebenswert, kämpft sie sich zurück in ihren Alltag. Ihre spritzigen Bemerkungen und der kecke Humor den sie ihren Charakteren als Autorin zuschreibt findet sich auch in ihrer Person wieder. Sehr positiv empfand ich ebenfalls, wie offen und ohne Zögern sie sich ihre Macken und Maroden zugestehen konnte, und somit mit jeder Seite über sich hinauswachsen konnte.
Die Nebenfiguren wie ihre tolle, liebevolle Familie ist großartig, sowie auch ihr Kumpel, der Kevster. Auch ihre langjährige Beziehung Olli war eine gut geschnittene Figur, die anfänglich reserviert war, doch zum Verlauf der Geschichte sehr entsprechend porträtiert wurde.

Das Cover finde ich sehr gelungen. Das bunte Eichhörnchen, dass als Imagination immer wieder im Buch auftaucht, wird durch die Illustration sehr gut widergespiegelt. Auch die gelbe Typo auf dem dunklen Schwarz zeigt, dass am Ende des Tunnels immer ein Licht brennt.
Profile Image for Lisa.
224 reviews21 followers
August 26, 2019
Grundsätzlich hat mir das Buch sehr gut gefallen.
Ich mochte den Schreibstil der Autorin, die Charaktere waren mir sympathisch (Besonders die Mama) und es ließ sich insgesamt sehr angenehm lesen.

Allerdings hat es mich leider gleichzeitig nicht wirklich vom Hocker gehauen.
Auch wenn ich den Humor sehr angenehm fand und ich das Thema der „Reise“ zurück ins Leben als Thema großartig fand, war es mir doch ein wenig zu langweilig. Ich kann gar nicht genau mit dem Finger darauf zeigen, was etwas an dieser Langeweile hätte ändern können.
Mehr Infos rund um die Nebencharaktere vielleicht. Die Interaktionen mit diesen sind mir teilweise etwas zu kurz gekommen. Und meiner Meinung nach leben solche Geschichten von den Interaktionen zwischen den Charakteren. Hier bitte nicht falsch verstehen! Die vorhandenen Interaktionen und Dialoge fand ich wunderbar. Gerade deshalb hätte ich mir davon einfach noch mehr gewünscht.

Was mir aber definitiv nicht gefallen hat, war die Handlung rund um den Freund. Die Auflösung fand ich ganz persönlich einfach unbefriedigend. Vielleicht war sie mir zu offensichtlich, auch hier kann ich leider nicht genau sagen, was ich mir anders gewünscht hätte.

Trotz meiner Kritik würde ich dieses Buch dennoch Empfehlen. Besonders wenn man etwas für die Seele lesen möchte. Es ist eben kein super spannender Thriller oder abstrakte, weitreichende Fantasy. Aber es hat eine wunderschöne Message und ich könnte mir vorstellen, dass sich Menschen, die etwas ähnliches durchgemacht haben, durchaus mit der Protagonistin identifizieren können.

Fazit: Trotz kleiner persönlicher Kritikpunkte gibt es von mir für die Charaktere, den Schreibstil und den Humor vier Sternchen.
Profile Image for lesemama.
1,616 reviews1 follower
August 12, 2019
Bewertet mit 3.5 Sternen

Zum Buch:
Rahel Wald ist Drehbuchautorin und besucht zu Weihnachten ihre Eltern, als sie Aufgrund einer Sepsis ins Koma fällt. Nach und nach kämpft sie sich wieder zurück ins Leben ...

Meine Meinung:
Ich wusste nicht so recht, worauf das Buch zusteuert. Angezogen von dem verrückten Cover und einer interessanten Leseprobe macht ich mich daran, den Roman zu lesen. Einen Roman, den eine Schauspielerin geschrieben hat, dadurch erwartete ich eigentlich eine lockere, witzige Geschichte. Bekommen habe ich eine tiefgründige Erzählung über die Angst einer Komapatientin nicht zurück ins Leben zu finden. Lange wartete ich auf den Aha-Effekt, darauf zu erfahren, worauf die Geschichte hinausläuft. Im Endeffekt war es eine lange, zum Teil leider auch langatmige Erzählung einer Gesundung und davon, das die Protagonistin ihr Leben selbst in die Hand nahm.
Stellenweise war es mit Situationskomik gespickt, die reichte mir aber nicht aus, um den Hype hinter dem Buch zu verstehen.
Natürlich hat mich die Geschichte von Rahel berührt, sie hatte es nicht leicht, aber auf die große Auflösung musste ich tatsächlich bis zur letzten Seite warten. Zwischendurch passierte mir einfach zu wenig, es war mit zuviel drumrum, dem ich nicht immer folgen konnte.

Fazit:
Eine lesbare Geschichte, großartige Worte, aber letztendlich war es für mich viel Geschrei um nichts. Mich konnte die Story nicht erreichen.
2,299 reviews13 followers
July 9, 2019
Zum Inhalt:
Als Rahel erwacht, begreift sie nicht, wo sie ist, warum da so viele Schläuche sind. Langsam begreift sie, dass sie im Krankenhaus ist. Noch erschreckender als sie erkennen muss, dass sie im Koma lag und schwer krank ist. Und eine lange Reise liegt vor ihr, in der sie nicht nur körperlich gesunden wird.
Meine Meinung:
Erwartungshaltung und tatsächliches Buch gingen bei mir aber so was von in unterschiedliche Richtungen. Und das war keinesfalls schlecht. Man ist bei diesem Buch immer wieder zwischen lachen und weinen. Die Autorin schreibt einfach mitreißend und man kann sich schon in vieles sehr rein versetzen und leidet entsprechend mit. Die Protagonistin ist einfach herzerfrischend und hat mir richtig gut gefallen. Auch die Geschichte, die die Protagonistin wahrlich durch viele Täler schreiten lässt, ist richtig gut und wie bereits erwähnt, völlig anders als erwartet. Der Schreibstil ist richtig gut und lässt sich einfach sehr gut lesen, so dass ich das Buch in nicht mal einem Tag verschlungen habe.
Fazit:
Hin und her gerissen zwischen lachen und weinen.
Displaying 1 - 30 of 96 reviews

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