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Kinder des Koran: Was muslimische Schüler lernen

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Unusual book

Perfect Paperback

Published May 2, 2019

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About the author

Constantin Schreiber

23 books6 followers
Constantin Schreiber is a German journalist, news anchor, nonfiction author, and writer. Since January 2017, he has been working for ARD-aktuell and moderates editions of the Tagesschau, the Nachtmagazin and news in the Tagesthemen.

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Displaying 1 - 7 of 7 reviews
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158 reviews7 followers
July 29, 2019
Zunächsten die guten Neuigkeiten. Das Buch ist interessant und unterhaltsam geschrieben. Der Inhalt ist relevant und wird deutlich presentiert. Schreiber scheint sich in vielerlei Hinsicht mit den Inhalten und Zusammenhängen auszukennen.

Also wo liegt das Problem?

Punkt 1. Auf Seite 51 steht da:
"Der Iran gehört [...] zu den wenigen Ländern, in denen Schiiten die Bevölkerungsmehrheit stellen. Bis zum Stury des Schahs war das Land ein Partner des Westens, doch verfolgen die Mullahs eine gegesätzliche Politik. Der Westen und insbesondere die USA werden als Feinde angesehen."

Diese Darstellung ist zwar grundsätzlich nicht falsch, lässt jedoch einige wichtige Informationen aus, die fuer das Verstehen der Zusammenhänge wesentlich wären. So zum Beispiel, dass der hier erwähnte Schah eine Marionettenregierung darstellte, die vom Westen im Iran installiert wurde, nachdem die CIA dort 1953 den demokratisch gewählten Premierministers Mosaddeq stuerzte. Im Buch wird dieses "Detail" ausgelassen, und obwohl ich Schreiber natuerlich keine bösen Absichten unterstellen möchte, scheint mir dieses "Detail" fuer das Verstehen der Zusammenhänge zu wichtig, als dass man dessen Auslausung als etwas anderes als "bewusst" beschrieben könnte. Denn so scheint, als ob die dortige islamische Regierung vollkommen willkuerlich einen Hass - oder zumindest Misstrauen - gegenueber dem Westen pflegt. (Aktuelle Ereignisse in der Strasse von Hormuz und deren Darstellung von westlichen Medien und Regierungssprechern können hier im Zusammenhang genannt werden.)

Punkt 2. Auf Seite 152 lesen wir:
Dabei schwingt durch die Art der Darstellung der Zionisten als "Juden", die in arabisches Terriotorium "eindrangen", natuerlich mit, dass diese böse seien und die Muslime zurueckdrängen wollten. Das entspräche einem klar antisemitischen Narrativ. [...] Normative Sprache schleicht sich dann aber im weiteren Verlauf doch immer wieder ein. Zum Beispiel die "israelische Aggression," die "sture Einstellung Israels," dann Unterstellungen wie "der Zionismus hat rein expansive Pläne," die dann nicht weiter belegt werden.

Hier gibt es einiges zu sagen. Fangen wir mit dem ersten Teil an. Nein, bei dem besagten Abschnitt handelt es sich nicht um ein "klar antisemitisches Narrativ." Ja, es gibt solche Narrative und sie werden in vielen der von Schreiber zitierten Schulbuecher deutlich. Die Unterstellung, dass eine Beschreibung israelischen Eindringens in arabische Gebiete ein "klar antisemitisches Narrativ" darstelle, ist jedoch nicht nur lächerlich, sondern schadet auch der gesamten Diskussion um Antisemitismus, indem sie die Bedeutung des Begriffs aufweicht. Und worin genau besteht die "normative Sprache," in der Beschreibung des israelischem Expanisionismus'? Streitet Schreiber diesen Expansionismus etwa ernsthaft ab, obwohl er nicht nur stattfindet sondern auch von im Prinzip der gesamten internationalen Gemeinschaft - mit der (wichtigen) Ausnahme der USA - als illegal angesehen wird?
Auch hier muss man Schrieber leider eine gewisse Voreingenommenheit unterstellen, denn die Darstellung von Antisemitismus beeindruckt vorallem durch ihre Einseitigkeit, die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Dabei möchte ich betonen, dass ich besagten Antisemitismus nicht abstreite. Im Gegenteil, Antisemitismus ist leider ein massgeblicher Bestandteil des sozio-politischen diskurses des Nahen Ostens. Schreiber schreit jedoch eher ein paarmal zu häufig "Wolf" und untergräbt damit nicht nur seine Glaubwuerigkeit sondern auch seine journalistische Objektivität.

Punkt 3 bezieht sich weiterhin auf das unter Punkt 2 angefuehrte Zitat. Schreiber kritisiert dort, dass Zionisten als Juden dargestellt werden. Auffallend ist jedoch auch, dass Schreiber selbst seine Analyse "muslimischer Schulbuecher" auf 6 Länder beschränkt, die sich durch ihre Lage im Nahen Osten auszeichnen (in Abhängigkeit davon, ob Afghanistan und Iran als Teil des Nahen Ostens definiert werden). Dabei wäre es eigenltich viel interessanter gewesen zu sehen, wie etwa Indonesische oder Senegalesische Schulbuecher in Schreiber's folgendes Narrativ passen wuerden:
"Ich bin auf kein Buch gestossen, das mir positiv aufgefallen wäre, aber auf viele, die ich erschreckend fand." Denn, obwohl es kulturell natuerlich grosse Unterschiede zwischen Afghanistan, der Tuerkei und Ägypten gibt, fällt dem Leser doch deren geografische Nähe und historisch-kulturelle Verworrenheit auf. Ich hätte mir hier etwas mehr Neugier gewuenscht, ob die von Schreiber als doch recht deutlich wahrgenommenen Tendenzen auch in Schulbuecher gelten wuerden, die wir in ganz anderen, ebenfalls muslimischen Teilen der Welt finden.

Punkt 4. Auf Seite 278 steht da:
Ich habe in meinem Jura-Studium gelernt, dass bestimmte Rechte universell sind, die Menschenrechte nämlich. Dazu zählen sogenannte Freiheitsrechte wie die Meinungs-, aber auch die Religionsfreiheit. [...]

Als westlicher Buerger möchte ich Schreiber hier natuerlich zustimmen. Auch ich wuerde mir wuenschen, dass alle Menschen auf der Welt gleich behandelt werden wuerden. Dabei handelt es sich gerade bei den Universal Declaration of Human Rights um ein Dokument, dass in vielen nicht-westlichen Teilen der Welt als weiteres Werkzeug der Westernisierung angesehen wird, die nationale Souveräntit und den dortigen gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. (Vgl. When Islam and Democracy Meet: Muslims in Europe and in the United States, S.157ff). Auch hier möchte ich betonen, dass ich Schreiber's Grundgedanken zwar grundsätzlich zustimme - gleiche Rechte fuer alle - und hier lediglich die löchrige und weitestgehend ein-dimensionale Argumentationsstruktur bemangele. Denn natuerlich hat schreiber hier einen Punkt. Aber einfach nur vollkommen anekdotisch darueber zu berichten, dass man ja die UDHR in der Schule gelernt hat, ist mir irgendwie zu faul und ich bin der Ueberzeugung, dass Schreiber durchaus die Fähigkeit besitzt sein Argument mit wesentlich mehr Durschlagkraft zu entfalten.

Es gäbe noch 1-2 andere Punkte, aber wir belassen es hierbei.
Wie gesagt. Schreiber hat ein paar gute Punkte und viele der von ihm angefuehrten Schulbuchauszuege sind in sich selbst vielsagend und aufschlussreich - vorallem fuer Leute, die eben noch nie Kontakt mit Schulbuechern aus muslimischen Ländern hatten. Ein interessantes Buch, dass mir aber irgendwie zu dogmatisch, zu ideologisch und zum Teil leider sogar wahrheitswidrig (siehe Punkt 1) erscheint. Vielleicht habe ich was falsch verstanden. Vielleicht, bin ich derjenige, der die Zusammenhänge falsch versteht. So jedoch, bleibt es erstmal dabei. Irgendwie interessant, fuer 3 Sterne reicht es aber leider nicht.
26 reviews
May 29, 2023
Dieses Buch verfolgt in der Kernthematik eine wirklich interessante Idee, die muslimische Glaubensgemeinschaft anhand der Schulbücher und damit verknüpften Bildung mehr zu verstehen.
Jedoch finde ich, dass die Einordnungen etwas zu kurz kommen und es nur ein Einblick ist und keine umfassende Analyse, die sowohl positive als auch negative Beispiele darstellt. Um einen Eindruck für negative Beispiele zu erhalten reicht aus meiner Sicht, das Fazit am Ende des Buches zu lesen.
Profile Image for Wandaviolett.
481 reviews70 followers
June 14, 2019
ALLE VORURTEILE BESTÄTIGT - WAS NUN?
Der Autor, Constantin Schreiber, beschäftigt sich in seinem zweiten Buch mit der Unterrichtssituation in islamischen Ländern. Beschrieben und mit Einzelfällen unterlegt wurden Schulbücher aus Afghanistan, Iran, Ägypten, Palästina und der Türkei.

Nun kann man keiner Nation vorwerfen, dass es seine Kinder in der „Staatsideologie“ unterweist. Kapitalistische Staaten tun dies nämlich auch und nicht zu knapp, wenn auch glücklicherweise ANDERS und die Schüler im Westen haben außerhalb der Schule Zugang zu Dutzenden von Medien. Was muslimische Schüler im Nahen Osten in der Regel nicht haben.

Die zitierten Expertinnen, die die islamischen Schulbücher mituntersuchten, kamen mir mitunter eine Spur überheblich vor.

DENNOCH bleibt es besorgniserregend, dass Kinder und Jugendliche mit Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Hass auf alles Westliche indoktriniert werden. Vor allem, da sie in den meisten der genannten Länder keine Chance haben, an objektivere Informationen zu gelangen und sowieso vor den Medien und investigativem Journalismus als westliche Beeinflussung gewarnt wird.

Derart gehirngewaschene Menschen kommen in Scharen nach Europa und dieser Strom wird nicht abreißen, weil die Lebensbedingungen im arabischen Raum in seinen Brennpunkten immer unerträglicher werden und die Muslime sich vor allem in Palästina ungebremst vermehren. (Krieg der Gebärmütter).

Mit Fakten kommt das Aufnahmeland gegen die in der Kindheit/Jugend emotional vermittelte nationale und demokratiefeindliche Denke gar nicht mehr an. Die Politik Deutschlands muss sich allmählich, ob sie will oder nicht, mit diesem Sachverhalt auseinandersetzen und entsprechend reagieren. Einige vernünftige Vorschläge werden vom Autor diesbezüglich unterbreitet.

Vor allem sollte Europa seine Finanzhilfe zur Bildungsvermittlung im arabischen Raum einstellen. Es ist nicht hinnehmbar, dass mit europäischem Geld, antieuropäische und antidemokratische, sowie frauenfeindliche und antisemitische Inhalte in großem Maßstab in allen diesen Ländern vermittelt werden.

ZUR KRITIK:
Fast zwei Drittel des Buches besteht aus wörtlichen Auszügen dieser Schulbücher. Einerseits ist dies gut, der Autor lässt den Leser selbst entscheiden, was er von dem Unterrichtsmaterial hält. Andererseits ist die Lektüre dieser Schulbücher auch langweilig und eintönig.

Am interessantesten ist es doch, was der Autor, der mit arabischem Hintergrund bestens vertraut ist, selber zu sagen hat. Seine Einschätzungen und Beobachtungen waren mir wertvoll. Ich hätte gerne mehr davon gehabt und erfahren. Zum Beispiel schildert er die negative Veränderung, die Kairo erlebte.


EINIGE ZITATE:
„Exotische, chaotische Großstädte können durchaus eine gewisse Faszination entwickeln, auch ich finde Shanghai, Neu-Delhi oder Bangkok aufregend. Und so ging es mir auch mit Kairo, als ich in den Neunzigerjahren das erste Mal dort war. Aber seitdem hat sich etwas verändert, ist Kairo irgendwie gekippt.“

ÄGYPTEN:
„2,8 Prozent bedeuten einen Zuwachs der Bevölkerung um etwa 2,5 Millionen pro Jahr – eine demografische Zeitbombe für ein Land, dessen Territorium zu mehr als 90 Prozent aus Wüste besteht und dem jetzt schon der Versorgungskollaps droht.“

ÄGYPTEN:
„Im größten Land der arabischen Welt hat sich mit der Zeit eine Alimentierungsmentalität entwickelt, die verhindert, dass Bürger und Politik Verantwortung übernehmen. Stattdessen werden Feindbilder gepflegt, plumper Nationalismus. Für Missstände sind andere verantwortlich – meistens gerade jene, die mit Finanzspritzen dafür sorgen, dass das Land nicht innerhalb kürzester Zeit zusammenbricht.“

PALÄSTINA
„Deutschland gehört mit neun Millionen Euro im Jahr zu einem der größten Beitragszahler.“

„Das Feindbild Israel eint die Palästinenser.“

„Israel [ist] in keinem der Bücher mit seinen heutigen Grenzen abgebildet.“

„Diese Bücher sind keine Basis für Frieden, sie schüren Hass und Dämonisieren den jüdischen Staat.“

Man spricht vom „Krieg der Gebärmütter“.

TÜRKEI
Fake-News.
„Athens Ziel sei die Gründung eines Großgriechenlands, das unter anderem Istanbul und große Teile Anatoliens umfasse.“


ALLGEMEIN
„Wenn man die Durchdringung der muslimischen Welt mit Antisemitismus abstreitet, das sehr häufig antiquierte Frauenbild, die tiefe Religiosität, die häufig Toleranz vermissen lässt, dann hat das etwas mit REALITÄTSVERWEIGERUNG zu tun. Denn auch, wenn es unbestreitbar tolerante, säkulare und moderne Muslime im Nahen Osten gibt, so ist der gesellschaftliche Mainstream, genauso unbestreitbar, ein anderer.“


Klingt das alles verurteilend und hart? Der Autor wünscht sich, Rassismus, Antisemitismus und Frauenfeindlichkeit, übertriebenen Nationalismus und Furcht vor europäischem Denken aufzuzeigen, um ein Umdenken einzuleiten, es geht ihm gerade nicht darum, „mit dem Finger auf jemanden zu zeigen.“

Es ist aber natürlich schwierig, eine Diskussion mit einer Mentalität zu beginnen, die die bloße Erwähnung von Kritik schon übelnimmt.

FAZIT: BESORGNISERREGEND!
Europa, Deutschland und insbesondere die Grünen werden nicht mehr länger darum herumkommen, sich damit zu beschäftigen, dass (in ihrer Mehrzahl) muslimische Migranten uns eine Menge Probleme der besonderen Art bescheren. In einer Schule in Neu-Kölln musste eine Podiumsdiskussion abgebrochen werden, weil muslimische Schüler die Veranstaltung durch das Brüllen von Koranversen unmöglich machten.
Nun kommt es darauf an, eben keine Realitätsverweigerung zu betreiben, wie bisher, sondern adäquate Antworten zu finden.
Besser wärs.

Kategorie: Sachbuch
Verlag: Econ, 2019

Profile Image for Meraki.
93 reviews16 followers
March 11, 2026
Hier hast du dein Marketing! Islamophobe und rassistische Schundliteratur. Nein, ich habe kein Geld für das verschwendete Papier ausgegeben.
Er macht also Marketing für seine Schundbücher, indem er anekdotische Geschichten erzählt, wie der böse Islam ihn im "dunklen Gang" (Methapher für Tod und Ungewissheit) bedroht, das ist nicht einmal geistreich, sondern plump und plakativ.

Wenn man sich die Mechanik hinter "Kinder des Korans" ansieht, wird schnell klar: Das ist im Grunde die gleiche Masche wie bei seinen anderen Büchern, nur dass hier die schwächste Gruppe der Gesellschaft – Kinder und Jugendliche – instrumentalisiert wird, um Angst vor einer angeblichen „Überfremdung“ und „Islamisierung“ zu schüren.

Die Methode: Angstpädagogik statt Analyse
Schreiber geht in diesem Buch in Schulen und spricht mit muslimischen Jugendlichen. Doch statt die komplexen sozialen und wirtschaftlichen Hintergründe von Integration zu beleuchten, reduziert er alles auf die Religion.

Die "Tickende Zeitbombe": Er zeichnet das Bild einer Generation, die angeblich geschlossen radikale Werte vertritt. Das ist kein Journalismus, das ist Angstpädagogik.

Suggestivfragen: In den dokumentierten Gesprächen wirkt es oft so, als provoziere er gezielt Aussagen, die in sein düsteres Narrativ passen, während differenzierte Stimmen kaum Platz finden.

Der Vorwurf: Pädagogischer Rassismus
Indem Schreiber muslimische Kinder pauschal als Problemfälle darstellt, betreibt er eine Form von pädagogischem Rassismus.

Stigmatisierung: Er liefert Lehrern und Mitschülern die Vorlage, muslimische Kinder unter Generalverdacht zu stellen.

Kulturpessimismus: Er behauptet implizit, dass der Islam mit demokratischen Werten grundsätzlich unvereinbar sei – und dass sich dies bereits in der Erziehung der Kleinsten manifestiere. Das ist eine gefährliche, islamophobe Behauptung, die jegliche Integrationsbemühungen torpediert.

Wissenschaftlicher Offenbarungseid
Auch hier gilt: Das Buch hält keiner soziologischen Prüfung stand.

Fehlende Repräsentativität: Er spricht mit einer Handvoll Schülern in Brennpunktschulen und verkauft das als "Zustand an Deutschlands Schulen". Das ist methodisch unsauber und grenzt an bewusste Täuschung.

Ignoranz von Milieustudien: Er ignoriert völlig, dass soziale Ausgrenzung, Armut oder Diskriminierungserfahrungen das Verhalten von Jugendlichen prägen. Für Schreiber zählt nur der Koran als Sündenbock.

Gift für den Schulfrieden
"Kinder des Korans" ist kein Lehrbuch und auch kein Sachbuch – es ist eine polemische Kampfschrift.

Es bietet null Lösungen für reale Probleme in Schulen.

Es dient einzig dazu, Eltern und Lehrer gegeneinander aufzuhetzen und den rechten Rand mit neuem "Beweismaterial" zu versorgen.

Wer dieses Buch ernst nimmt, schadet dem sozialen Frieden in den Klassenzimmern.

Es ist die klassische Schreiber-Formel: Man nehme ein hochemotionales Thema, garniere es mit subjektiven Gruselgeschichten und verkaufe es als "mutige Wahrheit". In Wirklichkeit ist es einfach nur lukrative Spaltung auf dem Rücken von Kindern.
Profile Image for Felix.
36 reviews3 followers
July 17, 2021
Schreiber lässt einen mit diesen fünf Schulbüchern teilweise über 40 (!) Seiten lang alleine. Sein persönlicher Input ist dadurch doch recht klein. Das ist nicht per se schlecht, ich hätte es nur nicht erwartet. Dadurch findet ein Querschnitt durch die Inhalte der Schulbücher nicht statt, eine Statistik wird nicht erhoben; angeblich nebenher berücksichtigtes Material geht selten in die Analyse ein und die konsultierten Expert*innen dürfen zum jeweiligen Buch immer sagen: "Nein, das ist nicht ok."
Die geübte Kritik an den Schulbüchern ist etwas unbeständig: Hier wird nationalistische Propaganda herausgearbeitet, dort attestiert Schreiber einen "schwachen Gemeinsinn der ägyptischen Gesellschaft", was immer das heißen soll. Öfter bemängelt Schreiber Konservatismus und meint damit, dass Gleichstellungsbestrebungen fehlen und die Religion großen Einfluss hat. Zur Arbeitsethik Marke Iran, der von Armen und Arbeitslosen eine Aufopferung bis zur Selbstaufgabe fordert, kein Wort. Dort wird einem Mann, der seine Familie nicht ernähren kann, vorgeschlagen, er solle in den Wald abholzen gehen, um durch den Verkauf von Holz Geld zu verdienen. Dieses Beispiel erschreckt mich zehnmal mehr als ein Kopftuchgebot für Frauen, die es mitunter tatsächlich tragen möchten.
Eine der problematischsten Stellen ist die positive Deutung der Kolonialzeit für Ägypten, das im Anschluss nicht in der Lage gewesen sei, von seinen europäischen Kulturgönnern nachhaltig zu profitieren und sich zu modernisieren.
Die politische Forderung, deutsche Gelder für Bildungs- und Entwicklungshilfe im Sinne einer strikten Durchsetzung von Menschenrechten zu regulieren und im Zweifelsfall abzuziehen, ist so falsch nicht, riecht aber nach Austeritätspolitik eines Journalisten, der sich darüber beklagt, dass es in Kairo von Jahr zu Jahr dreckiger wird, trotz immenser Förderung durch die EU. Sinnfälliges Zitat dazu: "Immerhin geht es nicht um 'Peanuts'."
Dass versucht wurde, reißerische Darstellungen zu vermeiden, erkenne ich an. Der Titel hätte vielleicht überdacht werden sollen, denn die Beispieltexte aus Ägypten und Türkei haben gar keinen Bezug zur heiligen Schrift.
Profile Image for Jana.
232 reviews3 followers
August 14, 2020
Abgebrochen auf S. 50/300.
Laaaangweilig. Ich weiß nicht, für welche Zielgruppe das spannend sein sollte.
Das Buch hat keinen genauen roten Faden, den ich erkenne. Ich weiß nicht, was das Ziel ist und worauf es hinausläuft. Ich bin verwirrt und alles ist uninteressant, was dargebracht wird. Die Interpretationen sind äußerst subjektiv und eurozentrisch. Interessanterweise hätte ich die Koranpassagen teils ganz anders interpretiert als es hier getan wird. Finde ich, als Lehrämtler mit Interesse an Religionswissenschaften, einfach lahm.
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