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Und ich war da

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Wie kommt es, dass der eine Widerstand leistet, während der andere zum Mitläufer wird?

August Unterseher haben sich im Laufe seines Lebens viele Möglichkeiten geboten, sich gegen das Nazi-Regime zu stellen. Doch keine davon hat er genutzt. "Und ich war da" ist die Geschichte eines Mannes, der hineinstolpert in die Dunkelheit seiner Zeit: erst in die Hitlerjugend, dann als Wehrmachtssoldat in den Russlandfeldzug. Und später, als Kriegsversehrter zurück auf dem Bauernhof seines Vaters, verdingt er sich als Henkershelfer der NS-Schergen bei den Hinrichtungen der Geschwister Scholl. Ein Mann ohne Eigenschaften, der am Ende seines Lebens zu verstehen sucht, weshalb alles so gekommen ist, weshalb er überlebt hat, wo andere gefallen sind, weshalb er zum Täter wurde, wo andere für ihre Ideale gestorben sind.

192 pages, Hardcover

First published August 30, 2019

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About the author

Martin Beyer

53 books3 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Helena Pupkes.
37 reviews3 followers
April 12, 2020
Ein paar stichpunktartige Gedanken:
* Interessanter Aufbau: Zunächst Prolog ("Das Ende am Anfang"), in dem August berichtet, dem Tod drei Mal "begegnet" zu sein, der Roman ist nun in diese drei Begegnungen unterteilt:
- Erste Begegnung auf dem Bauernhof seines Vaters vor dem Krieg und bevor August eingezogen wurde
- Zweite Begegnung an der Ostfront
- Dritte Begegnung wiederum auf dem Hof, nachdem August versehrt von der Front zurückkehrt
-> Auf jede Begegnung folgt ein Abschnitt mit immer dem selben Wortlaut ("Es war nicht schwarz um mich herum, und es war nicht weiß, es war kein Licht, es war kein Schatten, es war nicht laut, es war nicht leise, […]"), der zugegeben etwas plakativ wirkt, aber die Begegnungen verbindet.
Enden tut der Roman mit einem Epilog ("Der Anfang am Ende"), der unmittelbar eine Brücke zum Prolog schlägt (größtenteils der selbe Wortlaut wie Prolog) diesem Kontext gibt und den Kreis wunderbar schließt.
* Roman rückblickend erzählt, was allerdings erst mit der zweiten Begegnung klar ersichtlich wird
* Die zweite Begegnung besteht aus drei Träumen über den Krieg, die der Erzähler Jahrzehnte später hat. Zunächst war ich etwas skeptisch, was die Träume anbelangt, aber sie sind doch sehr faszinierend:
- Leicht surreal ("Drei Sonnen über mir, und dort drüben spielt der gefrorene Alte mit starren Fingern, was er kann, und ich lasse mich nach hinten fallen, in den Schnee." Seite 96 und die schleifenartige, sich wiederholende Struktur des dritten Traumes), wobei ich mir gewünscht hätte, dass das Surreale und Unwirkliche noch stärker vertreten gewesen wäre.
- In den Träumen kommt es zu zahlreichen einnehmenden und brutalen Szenen (besonders im Gedächtnis bleibt der dritte Traum)
* Konflikt des Romanes das Mitläufertum Augusts
- Er hat in keiner Hinsicht irgendeine Überzeugung (kein Hang zu NS-Ideologie), wird in Situationen geworfen und ist eben einfach da (Titel und Motto somit hervorragend gewählt). Ändert aber auch nichts, obwohl er Möglichkeiten hatte
- August wirkt somit recht naiv und einfältig, Leser verurteilt ihn aber kurioser Weise selten (zumindest nicht direkt während des Lesens), obwohl er an Kriegsverbrechen beteiligt war
- Augenblicke, in denen er sein Handeln und seine Schuld hinterfragt, existieren, läuft allerdings meist auf Todessehnsucht hinaus (Prolog und Epilog sein Suizidversuch, wobei er nicht einmal den hinkriegt, sondern wieder denen hinterherläuft, die ihn davon abhalten wollen)
- Roman beantwortet Frage, warum er zum Mitläufer wurde, nicht direkt (vermutlich aber, wegen seiner ersten Begegnung mit dem Tod, bei der er nach einem kleinen Widerspruch seinem Vater gegenüber eine unverhältnismäßig schwere Strafe herhällt)
- Entschuldigt Mitläufertum allerdings auch nie
->August kein einfacher Protagonist, aber gerade darum interesssant
* Nebenfiguren allerdings sehr grob gezeichnet. -> Roman hätte ein paar Seiten mehr vertragen können, um gewisse Beziehungen zu vertiefen (zu Paul, Isa und den Bruder Konrad), und um gewisse Handlungen mehr auszuarbeiten (mehr zu Ostfront und auch die Scholl-Ermordung, in die August auch noch verwickelt ist, wurde allzu schnell abgehandelt)
- Lieblingszitat, das mich auch dazu bewegte, mir das Buch überhaupt zuzulegen: "Du hättest eine Flamme sein sollen August, und bist doch nur eine Funzel geworden." ; Seite 179 (steht auch stellvertretend für eine merkwürdige, leicht zynische Komik, die manchmal durchblickt)
- -> "Und ich war da" hat viele fesselnde Szenen, eine stimmige Komposition, einen fordernden Konflikt, einen interessanten Protagonisten. Das Lesen war eine Freude!
Profile Image for hanna.
271 reviews
Read
April 23, 2020
"Und ich war da" ist ein Roman über den zweiten Weltkrieg, ist dabei aber viel mehr eine Erinnerung, ein Zurückblicken. August Unterseher denkt zurück an sein Leben, an das Aufwachsen am Bauernhof des Vaters und in der Hitlerjugend, den Tod seines Bruders, die Verletzungen durch den Krieg, und wie er zum Henkershelfer der NS-Schergen wurde. Vor allem aber stellt das Buch die Frage, warum der Protagonist, wie viele andere, diesen Weg geht
Ich fand es durch den flüssigen, direkten Schreibstil des Autors einfach schön zu lesen und verhandelt dabei Fragen nach Motivation und Handlungsfähigkeit. Am besten gefiel mir aber, dass sich der ganze Roman liest wie eine Erinnerung. Eins zieht sich durch die Geschichte: Die Hauptfigur August Unterseher. Eigene Entscheidungen scheint er keine zu treffen — weil er das nicht kann, weil sich alles irgendwie ergibt? Beim Lesen fragt man sich ständig: Was hätte er wohl anders machen können?
Profile Image for yvonnelesenundso.
167 reviews43 followers
September 15, 2024
"Die Erinnerung ist nicht zu kontrollieren, sie spielt ihr Spiel mit mir, sie ist manchmal wie ein Hund, der sich einmal dahin und einmal dorthin legt. Wenn sich der Erinnerungshund aber in eine bestimmte Position begibt und ich die Bilder von jenen Tagen im Kopf habe, erscheint es mir, als wäre ich erst mit den Worten zur Welt gekommen. Als ich dem Tod das erste Mal begegnete, war ich siebzehn, aber eigentlich nur wenige Stunden alt."
Profile Image for Kathrin Schröder.
Author 11 books3 followers
November 3, 2020
Martin Beyer "Und ich war da"

gelesen dank Netgalley

Fiktiver Erfahrungsbericht eines Mannes, der im 3. Reich heranwächst, an die Ostfront gerät und als Kriegsversehrter zurückkommt.

Wäre dasselbe Buch von dem geschrieben, der als Ich-Erzähler der Geschichte auftaucht, wäre die Geschichte zwar immer noch trotz ihrer Kürze sehr sperrig zu lesen gewesen, aber ich hätte sie dennoch als eher stimmig empfunden.

Als ausgedachte Geschichte ist die Jugend zu viel Klischee, die Ostfront zu sehr Traumerleben und die dritte Phase des Lebens zu Kriegszeiten zu sehr an einem echten Ereignis angelehnt. Der Aufhänger das Buch im hohen Alter für die Tochter geschrieben zu haben, verleiht einer Geschichte auch keine Authentizität, die lange vor der Begegnung mit der Frau endet, die die Mutter werden soll.

#UndIchWarDa #NetGalleyDE #MartinBeyer #KathrinliebtLesen #Rezension #Bookstagram
Profile Image for Achim ('akim) Schmidt.
227 reviews
January 12, 2025
Nein, „und ich war da“ ist definitiv nicht die „Geschichte eines Mitläufers, der hineinstolpert in die Dunkelheit seiner Zeit“!

Der Bauernsohn August Unterseher ist eher ein Opfer seiner prekären bäuerlich-bayrischen Umgebung gepaart mit seiner träumerischen Rückratlosigkeit. Dies führt dazu, dass ein vor Selbstmitleid triefender Kriegsverbrecher, Mörder und Opportunist entsteht, der sein (fiktives) Leiden auf knapp 200 Seiten erzählt.

Kurz: Ekelhaft & Disgusting!
Profile Image for yellowdog.
865 reviews
August 30, 2019
Jahre des Krieges

Martin Beyer hat mit „Und ich war da“ ein ambitioniertes und bewegendes Buch geschrieben. Mit Themen, über die es sich lohnt, nachzudenken.
 
Die Hauptfigur August Unterseher ist ein Junge, später junger Mann in den schlimmen Jahren 1936 bis 1943 in Deutschland. Sein tyrannischer Vater hat einen Bauernhof und behandelt seine beiden Söhne streng. Nicht selten geht es gewalttätig zu. Die Kindheit ist sowohl von der Gewalt des Vaters als auch das der Umgebung und der Gesellschaft geprägt. August Schicksal scheint vorbestimmt. Und nur zweimal glaubt August, auch andere Möglichkeiten zu haben. Zuerst durch seinen intellektuellen Freund Paul, der immerhin Widerstand leistet. August schafft das nicht. Und später durch die Widerständlerin Isabella, in die er sich verliebt, der er aber am Ende doch nicht helfen kann.
 
Später werden die Söhne in den Krieg ziehen und nur August wird versehrt zurückkehren. Aus einer Perspektive aus dem Jahr 1988 versucht der alte August sich durch Traumtherapie an die Kriegsjahre zu erinnern und es folgen grausame Kriegsszenen, in der August immer wieder an die extreme stößt. Er tötet viel und es gibt auch Erschießungsszenen, wo er blind gehorcht. Auch nach dem Krieg wird der traumatisierte August beim Töten helfen.
 
Die Frage ist nun, warum August zum Mitläufer wurde und man kann sich die Frage stellen, wie man selbst reagiert hätte.
Die Fragestellung löst sich durch den Roman meiner Meinung nach nicht auf. Die Beschreibungen der einzelnen Szenen zeigen, dass August Möglichkeiten zu begrenzt waren. Dass er sich innerlich nicht befreien konnte, kann ich verstehen. Aber ein Roman muss die Lösung nicht unbedingt in sich tragen, um zu überzeugen.
 
Man kann sich der Intensität des Romans nur schwer entziehen.
Ich halte den Roman daher für lesenswert.
Profile Image for Marley Thomspon.
258 reviews
August 22, 2019
August Unterseher. Seine Geschichte. Gewaltvoll, heroisch und doch naiv. Das Leben, beschrieben vom Aufwachsen auf dem Bauernhof unter dem tyrannischen Vater. Hin zum Krieg und Pflichterfüllung. Fragen nach dem Leben. Nach dem Warum.
Brutal ehrlich schildert der Autor seinen Lebensweg und lässt dabei nichts aus. Er präsentiert sich nicht als Held sondern als Mitläufer und auch als Zweifler. Sprachlich geschickt verfasst lässt er die LeserInnen durch seine Geschichte schweifen. Manchmal verwirrend. Ist es Traum oder Wirklichkeit was geschah? Reue. Hätte er mehr tun können als hinzunehmen, was geschehen ist?

Mir hat das Buch sehr gut gefallen obwohl ich zwischendurch ein wenig Mühe hatte, es zu lesen. Ich war mir nicht ganz sicher, was wirklich passiert war. Trotz allem hat die Geschichte etwas beeindruckendes. Er beschreibt sich selbst als Mitläufer, als jemand, der tat, was eben verlangt wurde. Genau das hat mich überzeugt, denn es ist kein Buch, in dem es sich um phrasenlange Absätze über Vergebung handelt, sondern um die ehrliche Geschichte eines jungen Mannes, der in den Kriegswirren gefangen war.
Leseempfehlung!
61 reviews
October 23, 2025
This should be read in 12th grade. An excellent exploration of how an ordinary person can become a nazi, not by being ideologically indoctrinated, but by simply following the flow of social developments, even though the resistance is present. This is probably what your grandparents did in that time.

Also, the design of the book is gorgeous.
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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