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Wer, wenn nicht ich

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Eine Weile dachte ich, ich will Rache nehmen. Für meine Eltern, die mich mit Geschichten aus den KZs quälten, für meine Großeltern, die spurlos verschwunden sind, überhaupt für die sechs Millionen, die an meiner Wiege standen. Im Gegensatz zur land-läufigen Meinung halte ich Rache für ein legitimes Motiv. Ich habe kein Verständnis für Eltern, die eine Stiftung zugunsten von Flüchtlingen gründen, nachdem ihre Tochter von einem Flüchtling ermordet wurde. So ein moralisches Übermenschentum ist mir verdächtig, vor allem, wenn die Eltern sich auch dagegen verwahren, dass der Tod ihrer Tochter „politisch instrumen-talisiert“ wird. Als ob sie es nicht selber tun würden.
Inzwischen glaube ich zu wissen, was der Subtext meiner Texte ist, was ich sagen will: Ihr, meine lieben Mitbürger, ihr seid Versager. Und wenn nicht ihr, dann eure Eltern und Großeltern. Sie haben mit den Juden das gleiche Pech gehabt wie die Türken mit den Armeniern.
Wenn man einen Job anfängt, muss man ihn zu Ende bringen, ein Völkermord ist kein Kindergeburtstag, den man abbrechen kann, wenn es zu regnen anfängt. Schafft man es nicht, müssen sich die Nachkommen immer wieder dafür rechtfertigen, was die Altvorderen angestellt haben. Die Sache ist doch ganz einfach: Hätten meine Eltern nicht überlebt, wäre ich nicht da, dann wäre Deutschland nicht ganz so bunt und vielfältig, wie es heute ist, dafür aber eine Spur harmonischer.

200 pages, Hardcover

Published December 18, 2019

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About the author

Henryk M. Broder

42 books10 followers
Polish born German Jewish Journalist.

Broder is known for polemics, columns and comments in written and oral media.

He wrote for the magazine Der Spiegel as well as its online version and the daily Berlin newspaper Der Tagesspiegel.

Since 2010 he writes for Die Welt. He is co-editor of Der Jüdische Kalender (The Jewish Calendar), a compilation of quotes and texts relating to German Jewish culture, published annually.

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Simon Büttner.
30 reviews1 follower
June 2, 2022
Henryk M. Broder ist wie gewohnt bissig, rhetorisch ein Ass und legt den Fehler gekonnt in viele Wunden.
Bis zu einem gewissen Punkt sind seine Ausführungen, Analogien und Rhetoriken durchaus Unterhaltsam. Bis Broder sich dem Thema Klimawandel zuwendet und ein "Narrativ" aufbaut, das erschreckend an Querdenker-Äußerungen erinnert. Sätze wie "Wir leben in einer Öko-Diktatur" und offene Verleumdungen des menschengemachten Klimawandels gewannen an Häufigkeit.

Broders Vokabular ist zwar zeitgemäß und er ist politisch so überkorrekt, dass er schon wieder inkorrekt ist, aber seine Meinungen sind für einen weltoffenen Autoren erschreckend engstirnig und veraltet.

Ich fand seine (politischen) Positionen zunehmend nicht nachvollziehbar und einfach erschreckend - also redete ich mir mehrere Kapitel ein seinen Sarkasmus einfach nicht zu verstehen.
Spätestens zur Hälfte des Buches konnte ich meine Abneigung nicht mehr überspielen - echt enttäuschend, weil ich Broder, nach vielen gesehenen TV-Auftritten und einigen gelesenen Passagen, sehr mochte.
190 reviews8 followers
January 9, 2020
Es macht Spaß, dieses Buch zu lesen. Allerdings weiß man nicht - wie bei vielen Themen, derer sich Henryk M. Broder annimmt - ob man lachen oder weinen soll. In gewohnter Manier - bissig, vollkommen politisch unkorrekt, dafür aber mit einer gehörigen Portion gesundem Menschenverstand - knöpft er sich in diesem Werk, das von 26. Juni bis 26. September 2019 verfasst wurde, das Irrenhaus Deutschland vor.
Er geißelt die deutschen Obsessionen mit dem Dritten Reich, vermeintlichen Nazis, dem Islam, der Obrigkeitshörigkeit und vor allem dem Totalitarismus des 21. Jahrhunderts - der Ökodiktatur.
Ein wahnsinnig unterhaltsames Werk über den alltäglichen Wahnsinn im besten Deutschland, das es je gab.
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