Ich habe dieses Buch seit Jahren auf dem Radar, weil ich Stoff über Romeo und Julia sehr reizvoll finde, auch wenn ich Shakespeares Version nicht mag. Nur habe ich bis jetzt nie zu diesem Buch gegriffen, weil ich insgeheim fürchtete, dass es mir nicht gefallen könnte, zumal der Klappentext so wenig über den Roman aussagt. Und meine Befürchtung hat sich als berechtigt herausgestellt.
Ein Aspekt, der mich an Shakespeares Version so stört, ist die Insta-Love. Wahrscheinlich die Mutter aller Insta-Loves, und in der Hinsicht hat Stefanie Hasse es ihm leider nachgemacht. Bei der zweiten Begegnung ein elektrisierender Kuss, bei der vierten die Liebesschwüre. Einfach so. Ohne Entwicklung, ohne Kennenlernen, denn die erste und dritte Begegnung sind kaum nennenswert, so knapp fallen sie aus. Normalerweise tue ich das nicht, aber als sie sich hier ihre Liebe geschworen haben, musste ich tatsächlich lachen, so lächerlich war das.
Der Roman lässt keinerlei Gefühle aufkommen, und der Schreibstil war leider nicht besser, sondern dilettantisch und unbeholfen. Das Ganze liest sich wie der erste Schreibversuch einer 15-Jährigen, sämtliche Figuren wurden nur oberflächlich dargestellt, und ihre Interaktionen wirken gestellt, künstlich. Allegra hat die Hälfte der Zeit bloß geweint und war auch sonst wenig sympathisch. Dabei hatte mich die Tatsache, dass sie und Luca fast 20 und nicht noch, wie erwartet, 16 oder 17 waren, positiv überrascht. Der Versuch, Luca als arrogant, unnahbar und draufgängerisch zu porträtieren, ist wiederum vollkommen nach hinten los gegangen, weil man eben gemerkt hat, dass er so wirken sollte. Es aber nicht tat. Tried too hard.
Darüber hinaus war fast die gesamte Handlung vorhersehbar, die Prüfungen am Ende waren bis auf eine einfallslos und zu einfach. Der Fluch hat stellenweise keinen Sinn ergeben, weil die Autorin ihn nur bruchstückhaft erklärt hat (bis zuletzt ist nicht ganz klar geblieben, was es mit der Konsequenz am 20. Geburtstag genau auf sich hat), und offensichtliche Zeitfehler gab es auch. Wenn es anfangs heißt, bis zu einem Ereignis bleiben noch zwei Wochen, kann man drei, vier Tage später nicht sagen, dass nur noch fünf Tage übrig sind.
Und von der formalen Aufmachung will ich gar nicht anfangen, die Lektorin hat offenbar geschlafen, denn von allen Parenthesen – das meine ich – war nur eine geschlossen, bei allen anderen fehlte der zweite Gedankenstrich. Und es waren viele.
Zwar gab es auch einige Aspekte, die mir gefallen haben, z. B. die Gaben der Familienmitglieder, die Verbindung zur römischen Mythologie und dass Allegra und ihr ihr bisher unbekannter Bruder so schell ein geschwisterliches Band knüpfen, aber das kann nicht einmal annähernd alles Schlechte ausgleichen; ich musste mich regelrecht zum Weiterlesen zwingen, und dabei sind es nur 200 Seiten.
Das war definitiv ein Riesen-Flop.