Erich Mühsam, der sein anarchistisches politisches Denken und Handeln mit Haft und Internierung während des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik und mit dem Tod im KZ bezahlte, wird mit einer Auswahl aus Lyrik und Publizistik als Literat gewürdigt.
Erich Mühsam (6 April 1878 – 10 July 1934) was a German-Jewish antimilitarist anarchist essayist, poet and playwright. He emerged at the end of World War I as one of the leading agitators for a federated Bavarian Soviet Republic.
Also a cabaret performer, he achieved international prominence during the years of the Weimar Republic for works which, before Hitler came to power in 1933, condemned Nazism and satirized the future dictator. Mühsam was murdered in the Oranienburg concentration camp in 1934.
Der Anarchismus der Essays wirkt in seiner idealistischen Überhöhung des menschlichen Miteinanders heute leicht verstaubt, oder wie Magnus Klaue es ausdrückt: Mühsam propagiert hier "Kameradschaft" statt "»Solidarität« - die nichts damit zu tun hat, ob man jemanden kennt". Die politischen Gedichte leiden darunter. Ist die propagierte Anschauung falsch oder zumindest klischeehaft, ist es mit der ganzen "Tendenzlyrik" nichts; auf expressive Sprachkraft sind Verse ohnehin nicht aus. Dafür mit einer gehörigen Portion Herzblut und Testosteron versehen, was ihnen verglichen mit Kästner, Tucholsky und Co. zugute kommt, zumal Mühsam auch nicht versucht, wie Brecht und viele andere in proletarische Rollen zu schlüpfen, sondern als lyrisches Ich vor allem sich selber spielt. Überraschend bewegend ist die Liebes- und Seelenlyrik vor allem des Kapitels "Ich bin ein Pilger" - einfach, aber niemals kunstgewerblich.
+ sehr schöne Lyrik, für mich der Hauptpluspunkt an dem Büchlein + die Gedichte sind, soweit ich das sehe, auch gut ausgewählt und haben in der Auswahl selbst einen dramaturgischen Bogen + gerade der junge Mühsam schreibt für politische Texte sehr lebendig und mitreißend - ich versteh die Auswahl der Aufsätze nicht ganz, scheint mir sehr einseitig, und mindestens einer hätte hier nicht hin gemusst (kenn das Gesamtwerk aber zu wenig für eine endgültige Einschätzung) - Huiuiui, wenn Mühsam komplizierte Sätze schreiben will, schreibt er schon kleine Monster auf die Seite. Aber ich geh mal davon aus, in den 1920ern war das eher Standard für Sachliteratur.