Zunächst einmal muss ich zugeben, dass ich mir unter diesem Buch etwas anderes vorgestellt habe. Der Titel und die knuffige Schildkröte und der Klappentext ließen mich vermuten, dass es sich hier um ein nettes, optimistisches Buch für zwischendurch handelt.
Und dann stellt sich heraus, dass die Autorin wirklich keine Katastrophe ausgelassen hat, die sich in einer Familie ereignen kann. Gewalttätige Männer (mehrere), Tod in jungen Jahren (mehrfach), Fehlgeburt und Kinderlosigkeit, Vergewaltigung und Rachemord, Demenz, Alkoholismus, Sexsucht, Scheidung, Depression, Selbstmordversuch, Hass und Mobbing und und und. Es kommt mir vor, als habe die Autorin - die im Zivilberuf Psychotherapeutin ist - das gesamte Panoptikum von Dingen, die im Leben so schief gehen können, in einer einzigen Familie zusammengefasst, und als bestünde die Funktion jeder Figur nur darin, Leinwand für eine bestimmte Art von Tragödie zu sein.
Dadurch wirkt die Geschichte ein Stückweit konstruiert - natürlich passieren solche Dinge, und es gibt kaum eine Familie, die nicht irgendetwas davon erlebt hat, aber nach meiner Erfahrung nicht alles auf einmal. Außerdem hat die Autorin durch die Vielzahl von Problembereichen keine Zeit, sich auf die einzelnen Handlungsstränge einzulassen - wenn man sich für eine der angerissenen Personen mehr interessiert (bei mir wäre das Max gewesen), dann bleibt eben alles skizzenhaft. Und zumindest auf mich wirkte das Buch auch sehr negativ - durch ein angedeutet hoffnungsvolles Ende lösen sich zumindest für mich die ganzen Probleme nicht einfach in Luft auf.
Auf der positiven Seite ist zu erwähnen, dass die Autorin eine angenehme Schreibweise hat und ihren Charakteren trotz ihrer Fehler viel Sympathie entgegenbringt. Dadurch fällt der Gesamteindruck dann doch etwas versöhnlicher aus.