Der Neoliberalismus ist die dominante Ideologie unserer Zeit geblieben, daran hat sich auch seit dem Jahr 2008, dem Beginn der anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrise, nichts geändert. Beinahe hat er den Status einer Zivil- oder Alltagsreligion erreicht. Er liefert die Glaubenssätze, die Deutungsmuster und die Normen, an denen sich politische wie soziale Handlungen zu orientieren haben. Derzeit wird in verschiedenen Ländern Südeuropas eine verschärfte neoliberale Politik durchgeführt – mit zum Teil dramatischen Folgen für die Menschen in diesen Ländern. Wachsende Armut und Arbeitslosigkeit führen vielerorts zu heftigem Widerstand. An tieferem Wissen über das Wesen des Neoliberalismus mangelt es aber häufig. Gerade viele politische Aktivisten aus sozialen Bewegungen stellen sich eine Menge Fragen: Was ist Neoliberalismus eigentlich – außer, dass wir dagegen sind? Wem dient er? Und: Wie konnte die neoliberale Ideologie so dominant werden und den Sturm der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht nur überleben, sondern sogar gestärkt daraus hervorgehen? Das Buch klärt diese und andere Fragen auf kompakte Weise. Es zeigt, dass der Neoliberalismus als Ideologie ganz und gar nicht monolithisch ist, auch könnte man von Neoliberalismen sprechen. Und es legt offen, dass neoliberale Kräfte nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Unterstützung von Industriellen, Think Tanks und ausgefeilten Netzwerken eine ausgeklügelte Hegemonialstrategie verfolgten.
Gutes Buch, dass den Kern von neoliberaler Theorie gebündelt verdeutlicht. Mir gefällt besonders das Hinzuziehen von Gramcis Konzept kultureller Hegemonie als Argumentation zur Verbreitung neoliberaler Ideologien. Dabei wird seine Theorie nicht nur als mittelndes Element im Kontext der historischen Erzählung verwendet, sondern auch für die Analyse aktueller Gegebenheiten benutzt.
Aus persönlicher Perspektive fehlen mir (mehr) Gedanken zum “unternehmerischen Selbst” sowie der subjektiven Internalisierung von neoliberalen Logiken.
Absolut Lesenswert
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