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Serpentinen

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Ein Vater unterwegs mit seinem Sohn. Ihre Reise führt zurück in das Hügelland, aus dem der Vater stammt, zu den Schauplätzen seiner Kindheit. Da ist das Geburtshaus, dort die elterliche Hochzeitskirche, hier der Friedhof, auf dem der Freund Frieder begraben liegt. Ständiger Reisebegleiter ist das Schicksal der männlichen Vorfahren, die sich allesamt das Leben nahmen: "Urgroßvater, Großvater, Vater. Ertränkt, erschossen, erhängt." Der Vater muss erkennen, dass sein Wegzug, seine Bildung und sein Aufstieg keine Erlösung gebracht haben.
Vielleicht helfen die Rückkehr und das Erinnern. Doch warum bringt er seinen Jungen in Gefahr? Warum hat er keine Antwort auf dessen bange Frage: "Um was geht es?" Er weiß nur: Wer zurückfährt, muss alle Kurven noch einmal nehmen. Wenn er der dunklen Tradition ein Ende setzen will.

266 pages, Hardcover

Published January 31, 2020

30 people are currently reading
804 people want to read

About the author

Bov Bjerg

18 books47 followers
Bov Bjerg ist ein deutscher Schriftsteller und Kabarettist. Sein bürgerlicher Name ist Rolf Böttcher. Sein Pseudonym wählte er nach der dänischen Stadt Bovbjerg.

Bov Bjerg wuchs am Rande der Schwäbischen Alb auf. Er studierte Linguistik, Politik- und Literaturwissenschaften in Berlin und Amsterdam. Er ist Absolvent des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Um keinen Wehrdienst leisten zu müssen, zog Bov Bjerg 1984 nach Westberlin. Dort gründete er 1989 mit einigen Studienfreunden die Literaturzeitschrift Salbader. Zwischen 1989 und 1996 rief er mehrere Berliner Lesebühnen ins Leben: Dr. Seltsams Frühschoppen, Mittwochsfazit und die Reformbühne Heim & Welt. Bei verschiedenen Produktionen des Musikkabaretts Zwei Drittel arbeitete er als Schauspieler, Autor und Koch. Von 1992 bis 2002 schrieb er für die Berliner Stadtzeitung scheinschlag (im Wechsel mit Hans Duschke) die Kolumne „Nachgefragt“. Von 1997 bis 1998 war Bov Bjerg Redakteur der Satirezeitschrift Eulenspiegel.

Mit der Kurzgeschichte Howyadoin über „German Hermans“ Abenteuer auf einem amerikanischen Campingplatz nahe einer Eisenbahnlinie und eines US-Bundesgefängnisses gewann er im Jahr 2004 den MDR-Literaturpreis 2004. Er lebt seit 1984 mit kurzen Unterbrechungen in Berlin.

Im Dezember 2019 wurde die auf seiner Vorlage basierende Romanverfilmung Auerhaus veröffentlicht. 2020 gelangte Bjergs Roman Serpentinen auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises.

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Community Reviews

5 stars
179 (20%)
4 stars
329 (38%)
3 stars
245 (28%)
2 stars
81 (9%)
1 star
21 (2%)
Displaying 1 - 30 of 64 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book4,977 followers
September 15, 2020
Now Shortlisted for the German Book Prize 2020
Bov Bjerg has written a formally ambitious novel about intergenerational trauma, depression, addiction and classism, and it is equally intelligent and moving. After reading the other heavyweight on the list (when it comes to selling books, that is), Seethaler's reductive kitschfest Der letzte Satz, this one proves that you can push copies with quality literature - props to you, Mr. Bjerg. In the text, our narrator is a depressive alcoholic who goes on holiday to Swabia (the author's home region) with his 7-year-old son. In numerous flashbacks, we learn about the family history: The narrator's father, grandfather and great-grandfather have killed themselves (drowned, shot, hanged), and his own affliction, the "black God", makes him ponder suicide over and over again. What holds him back is his love for his son. (Intergenerational trauma is also the main topic of fellow nominee Herzklappen von Johnson & Johnson.)

And Bjerg dives deep into the perceptions of a depressive - the unsettling part is that many things that drive his protagonist into alcoholism are so relatable. This anti-hero fails his son and makes bad decisions, but he is also a victim, and Bjerg does not judge. Not only did the protagonist grow up with the image of his dead father who strangled himself (the rope plays a gruesome role in his childhood), he also learns that it's taboo to talk about mental illness, so he drowns out his feeling, just like his father did. He became a sociologist (yes, a guy who professionally studies society and human interaction) working at a university, but he feels like he doesn't belong because he grew up in the working class and displays a different habitus, which leads to him being haunted by the idea that he must always outperform everyone to cover his roots and his past (here, the book relates to another nominee, Streulicht, and even refers to Retour à Reims / En finir avec Eddy Bellegueule by French sociologists Didier Eribon and Édouard Louis).

Until the very end, the reader ponders what happened to the kid's mother, whether the protagonist will kill himself - or even himself and his son - and why his ancestors committed suicide. The narrative steers up and down the hairpin turns (German: Serpentinen) of memory, uncovering a past of violence, fascism, forced displacement, alienation, and most importantly: speechlessness - and that's the spell the narrator can finally break by telling his story. Nevertheless, it is sometimes hard to pin down what really happens as our protagonist is often intoxicated. And still, the language is fascinating: The sentences are quite short, and the keen depictions are relentless, often both foggy and lucid - how does Bjerg achieve this? This is art, folks.

We do not learn all too much about the son or the son's mother, because the protagonist is so closed up in himself, alienated and struggling to hold on to dear life. And the fact that he is caught up in himself makes for an amazing twist ending - people who long for clean resolutions will complain, but I had an epiphany of Fight Club-like proportions. This text is so touching and smart, I was deeply impressed by Bjerg's achievement. At the Bachmann Competition 2019 (one of the biggest literary competitions for German-language authors), Bjerg read parts of "Serpentinen" and entranced the judges, which won him the Deutschlandfunk Prize - and this road novel / family drama / bildungsroman / tragicomedy about German history would also be a great choice for the shortlist of the Book Prize. Fingers crossed.

You can learn more about the book in our podcast special Book Prize Battle Royale, #2 (in German).
Profile Image for Semjon.
766 reviews504 followers
April 2, 2025
Nachdem ich gerade zuvor einen Roman über eine psychische Erkrankung beendet hatte, war ich gar nicht so erpicht, dieses mittlerweile auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreises nominierte Buch zu lesen. Ich tat mir dann auch sehr schwer auf den ersten 40 Seiten, was zum einen an der abhakten Sprache des Ich-Erzählers hing, zum anderen weil es mir inhaltlich zu nahe ging. Zum Glück ist mein Leben nicht ganz so verkorkst wie das der Hauptfigur im Buch, aber Depression und Suizid sind auch Bestandteil meiner Familiengeschichte. Mir ist das Thema eigentlich zu wichtig, als das es in einer literarischen Kunstform zum Zwecke der intensiven Betroffenheitsauslösung bei der Leserschaft missbraucht wird.

Mit dieser negativen Einstellung ließ ich mich also berieseln von den fotografischen Momentaufnahmen des depressiven, alkoholkranken Soziologieprofessors, der mit seinem 7jährigen Sohn eine Reise in seine schwäbische Vergangenheit unternimmt. Das Verhalten des Vaters wirkt hier und da auffällig, insbesondere ist sein Hass gegenüber den Menschen im Jetzt und in der Vergangenheit zu spüren. Sukzessive merkt man, dass sich hinter dieser Aggressivität eine Depression versteckt, die mit zunehmenden Verlauf des Buchs auch immer mehr zu einem eigenen Vernichtungsdrang sich auswächst. Spätestens als der Vater daran denkt, seinen Sohn umzubringen, um ihm die Schande der Familienvergangenheit zu ersparen, merkt man, dass man hier auf einer abschüssigen Serpentinenfahrt mit defekten Bremsen ist. Das Buch entwickelte gegen Ende einen immer stärkeren Sog. Es kann nicht gut gehen und das tut es auch so auch nicht.

Mich hat fasziniert, wie Bjerg mit dieser einfachen Sprache, die oft ohne Verben auskommt, ein Gefühl über den Ich-Erzähler erzeugt, der uns ja nie von einen auktorialen Erzähler beschrieben wird. Der Autor benötigt keine wortreichen Ausschmückungen. Teilweise reichen einzelne Nomen aus, um eine grobe Kontur des Menschen zu erkennen. Oder um es mit der Malerei zu sagen: Wenn Knausgard Fotorealismus ist, ist Bjerg Expressionismus. Interessanterweise sind die kurzen Sätze nur bei der Beschreibung des Jetzt und der Kindheit zu finden, während Erzählungen über beispielsweise die Ehe oder seinem Beruf dann viel detaillierter erfolgen. Wie wenn es dem Professor leicht fallen würde, sein Leben außerhalb seines ursprünglichen Milieus zu beschreiben. Aber sobald er erzählt, aus welcher Schicht er kommt mit gewalttätigen Eltern und einer Selbstmordtradition bei den männlichen Verwandten, verschlägt es ihm die Sprache und er beginnt stockend zu erzählen. Während ich also noch am Anfang dachte, dass dieser Schreibstil bloße Effekthascherei sei, merkte ich im Verlauf des Lesens, wie sich durch das Reduzierte erst die völlige Einfindung in den Charakter des Vaters ermöglicht wird.

Wenn ein Buch so viel in mir bewirkt, Bilder und Gefühle entstehen läßt und dabei auch noch einen einwandfreien Spannungsbogen aufweist, dann kann es nur von mir hoch gelobt werden. Das Buch wäre nach meinem Empfinden ein würdiger Preisträger.
Profile Image for Anna Carina.
683 reviews346 followers
September 23, 2022
Huch , habe nicht erwartet dass mir das Buch so gut gefallen wird.
Ich hatte die ersten 80 Seiten ein bisschen Schwierigkeiten zu verstehen worum es jetzt wirklich geht, was dem sehr reduzierten Schreibstil der Vegangenheitselemente und aktueller Dialoge mit dem Sohn geschuldet ist. Ich war stellenweise sehr verwirrt.
Mit so einer heftigen Auseinandersetzung zum Thema Depression und Vergangenheits-Aufarbeitung hatte ich nicht gerechnet.
Er springt gedanklich viel rum.
Allerdings trifft mich das Buch ab der Hälfte mit einer Wucht und Intensität, dass ich völlig fasziniert war.
Im Nachhinein finde ich die eigenwillige Art die Sätze auf ein Minimum zu reduzieren und andere Passagen deutlich ausschmückender zu gestalten sehr gelungen und gibt dem Buch den richtigen Drive.

Das Buch geistert nach einem Jahr noch im Kopf herum. Die Bewertung habe ich auf 5 Sterne angehoben. Beeindruckend welche Macht dieses Buch ausübt.
Profile Image for Kingofmusic.
271 reviews54 followers
September 28, 2022
Krass

„Um was geht es?“ Diese Frage, die sich wie ein roter Faden durch „Serpentinen“ von Bov Bjerg zieht, habe ich mir genauso oft gestellt, wie sie im Buche steht *g*.

Und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich sie jetzt – nach Beendigung der Lektüre und beim Verfassen dieser Rezension – kompetent und richtig beantworten kann. Dafür hat mich das Buch zu sehr mitgerissen (auf der einen Seite) und verwirrt (auf der anderen Seite). Aber die Frage ist ja: will ich das überhaupt? Jeder setzt schließlich andere Prioritäten. Wir können zwar alle dasselbe Buch lesen, aber jeder wird für sich die Geschichte anders lesen.

Ich habe es so gelesen: Es ist eine Vater-/Sohn-Reise. Es ist eine Reise in die Vergangenheit. Es ist eine Reise durch die dunklen Gedanken des Vaters, der eine „Tradition“ seiner Familie unterbrechen will, nämlich die der Selbsttötung (Vater, Großvater, Urgroßvater).

Kurvig wie eine Serpentinenstraße verfolgen die Leserinnen und Leser dem Erzähler durch sein Leben. Dabei befindet man sich mal am Anfang, mal am Ende der Straße ohne direkt zu wissen, wo oben und unten ist. Soweit so unklar? *g* Genauso ging es mir während der Lektüre.

Die Gedanken und Zeiten springen munter hin und her, so dass einem schon mal schwindelig werden kann ob der Detailfülle auf der einen und dem Nichtgesagten auf der anderen Seite. Und doch kann man sich dem Fahrtwind die Serpentinen rauf und runter nicht entziehen, wird um eine Kurve nach der anderen geschleudert, obwohl man angeschnallt ist und die Geschwindigkeit durch eigene Gedanken(pausen) drosseln kann – und sollte.

Denn der Autor fordert seine Leserinnen und Leser heraus – nachzudenken, was war, was ist, was ist „vererbt“, was kann ich oder was lässt sich überhaupt ändern…

Das Buch hallt nach. Definitiv. Und ich bin noch nicht am Ende meiner „Serpentinen“ sprich meiner Gedanken zu dieser Geschichte. Darum zücke ich auch noch nicht die Höchstnote, aber wie ein Auto vier Reifen hat, ziehe ich 4* und spreche eine klare Leseempfehlung aus für alle, die es auch mal experimentell und kurvig mögen.

©kingofmusic
Profile Image for Kaltmamsell.
233 reviews54 followers
January 22, 2020
Serpentinen ist ein Männerbuch, erzählt Männerdinge - von Vätern und Söhnen, von Freunden und Brüder -, von einem Mann erzählt. Ein Männlichkeitsroman? Auf jeden Fall ein bitterer, schmerzlicher. Keine Spur ist geblieben vom ausgelassenen Lachen in Auerhaus, vom komischen Blick in Die Modernisierung meiner Mutter: Geschichten. (Auch wenn eine Kaltmamsell drin vorkommt, also eine echte bei einer Feier.)

In Serpentinen fährt ein Erzähler mit seinem Sohn in Grundschulalter in der Schwäbischen Alb herum, aus der er stammt. Schon im ersten Kapitel wird klar, dass er nicht gefunden werden will, dass er auf den Spuren seiner Kindheit unterwegs ist, dass er einen Weg aus dem Teufelkreis sucht, der seinen Vater, Großvater, Urgroßvater in den Suizid gesogen hat. Auch dass er Alkoholiker ist wie sein Vater.

Man könnte Serpentinen als Fortsetzung von Auerhaus lesen: Der Ich-Erzähler trägt sich im Hotel als Höppner ein, ein Frieder taucht auf. Der Ich ist weggegangen nach Berlin, ist aus seinem Herkunftsmilieu ausgebrochen, Professor für Soziologie geworden (ausgerechnet - und ja: Eine ausführliche Anspielung auf Didier Eribons Rückkehr nach Reims legt noch eins drauf, dann ist das Leben halt rekursiv). Die vielfältigen Fremdheiten, die dieser Ausbruch nach sich zieht, prägen sein Leben in Berlin.

Das im Jetzt Erlebte steht auf derselben Erzählebene wie Vorgestelltes und Erinnertes - immer wieder tauchen die Fossilien in der und aus der Schwäbischen Alb auf, die schon die Jury des Bachmannpreises als Allegorie auf des Erzählers Suche nach seiner Vergangenheit las. Vor allem aber sind sie ebenso interpretationsbedürftig und unzuverlässig wie Erinnerungen, wie Vorstellungen. Die Bewegung der Serpentinen findet ihre Fortsetzung im wiederkehrenden Bild von Fließendem, von Wassern und Rinnsalen, die sich vereinen und auf das eine große Wasser zufließen.

Parallele zwischen Form und Inhalt: Die titelgebenden Serpentinen spiegeln sich in der Erzählstruktur. Bestimmte Elemente und Passagen tauchen immer wieder auf, "Um was geht es", die Vorstellung von den Rinnsalen, der um den Tisch laufende Vater, "ersoffen, erschossen, erhängt", die Braut und zukünftige Witwe. Als Leserin kommt man immer wieder daran vorbei wie auf Serpentinen an der immer gleichen Aussicht aufs Tal - die sich durch die leicht wechselnde Höhe dann doch immer wieder ein wenig unterscheidet.

Der Erzähler erinnert sich an Brutalität und Willkür, mit denen er aufgewachsen ist - und muss sich dann doch zusehen, wie er immer wieder selbst empathielos auf seinen Sohn losgeht. Wie "der Junge" das alles wahrnimmt, bleibt schemenhaft, ebensowenig greifbar wie alle anderen Figuren der Handlung. Sehr konkret ist der Umgang von Vater und Sohn miteinander: Anders als in der Literatur gewohnt ist er handfest mit Erinnerungen an Babywickeln, auf dem Arm Halten, Krankenpflege, dieser väterliche Blick enhält auch Sorge um kalte Füße.

Im Erzählfluss immer wieder kleine Strudel um kryptische Einwürfe, manchmal verliert sich der Erzähler ganz in seinen inneren Schrecken, die Tragödie scheint unausweichlich. Mir hat die Lektüre weh getan.
Profile Image for Anika.
967 reviews320 followers
September 15, 2020
ETA: [Dieses Buch haben wir auch im Papierstau Podcast besprochen: Folge 117: Buchpreis Longlist #2]/ETA

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2020 (Shortlist)

Ein düsteres, sehr bedrückendes, teils geradzu ängstigendes Buch: Depression, Suizid(gedanken), Trauma, Alkoholsucht - die grobe Themenauswahl fungiert hier schon als Triggerwarnung.

Der Erzähler reist mit seinem jungen Sohn zurück in seine Heimat. Dort lauern natürlich an jeder Ecke Erinnerungen - für den Erzähler sind diese meist qualvoll und schmerzhaft, denn seine Vergangenheit wird von "unaussprechlichen" Tragödien geprägt. Sowohl Vater als auch Groß- und Urgroßvater haben sich umgebracht, die Umstände wurden danach jeweils totgeschwiegen. Nun ist der Erzähler selbst in dem Alter, in dem seine Ahnen meist schon aufgegeben hatten - und er weiß nicht, ob er stark genug ist, dem Schicksal zu entfliehen und seinen Sohn davor zu beschützen.

Bov Bjerg erzählt die Geschichte in Fragmenten - die Serpentinen sind nicht nur die kurvigen Straßen der Schwäbischen Alb, sondern auch die Erinnerungsverläufe, Wiederentdeckungen, Reminiszenzen. Außerdem wabert, je nach Alkoholspiegel, das Bewusstsein des Erzählers hin und her ("Reich mir mal noch ein Bier rüber"). Neben den bereits erwähnten Themen - intergenerationelles Trauma, versinnbildlicht durch Depression und Suizid - spielt auch Klassismus eine Rolle. Der Erzähler, mittlerweile studierter Soziologe, traut seinem eigenen Bildungsweg nicht; zu hoch hinaus ist er, der einfache Arbeiterjunge, gekommen, merkt das denn keiner?

Kurzum: Gesellschaftliche relevante Themen, die weh tun, das Ganze innovativ erzählt. Was mir hier besonders gefallen hat, ist die Darstellung der Krankheit Depression. Das Thema hält ja immer mehr Einzug, nicht nur im Sachbuch, und ist natürlich, wie die Krankheit selbst auch sehr unterschiedlich empfunden wird und "wirkt", auf verschiedene Weise darstellbar. Bov Bjerg wählt hier den steinigsten Weg. Sein Charakter steckt ganz tief drin in der Depression, seine Gedankenwelt sind von Suizidgedanken und dem Nachdenken über den (familiären) Suizid bestimmt, und auch die Zukunftsgedanken sind überwiegend düster bis grausam. Das ist schwere, harte Kost, auf die sich sicher nicht jede*r Leser*in einlassen will, was verständlich ist. Ich lobe Berg für seinen Mut, die dunklen Seiten der Krankheit so böse und direkt "nackt" zu zeigen - das zu lesen ist teils sehr ungenehm, aber manchmal nötig.
Profile Image for Babette Ernst.
346 reviews82 followers
January 2, 2021
Sollte ich das Jahr mit einer Fünf-Sterne-Bewertung beginnen? Verderbe ich meinen eigenen Maßstab? Dieses Buch ist aber so viel mehr als eine Vater-Sohn-Geschichte, und mit einer so präzise eingesetzten Sprache, dass es weit über dem Durchschnitt steht und mich stark beeindruckt hat.

Ein Vater, Professor für Soziologie, fährt mit seinem Sohn in die Schwäbische Alb, in der er aufwuchs. Widerstreitende Gedanken beschäftigen ihn, denn er fühlt sich als Vater gescheitert. Es war sein Ziel, eine „Familientradition“, nach der der Vater des Vaters, der Großvater und der Urgroßvater Suizid begingen, zu brechen, aber jetzt fühlt er sich am Abgrund.

In oft sehr kurzen Sätzen folgt man den Beobachtungen, Erinnerungen und Überlegungen des Vaters und erfährt von Depressionen, Alkoholsucht, Gewalt, Krieg und Vertreibung der Vorfahren. Man erfährt, was es bedeutet, wenn Eltern traumatische Erfahrungen gemacht haben, depressiv sind, und wie es ist, ohne Vater aufzuwachsen. Man liest, wie schwer es ist, der Familiengeschichte zu entkommen, die einen immer wieder einholt, wie schwer gesellschaftlicher Aufstieg ist und welche schrecklichen Gedanken aus dem Gefühl, die eigenen Ziele nicht erreicht zu haben, entstehen kann. Das war für mich absolut überzeugend, sowohl die Hintergründe, als auch der Werdegang der Personen. Mir fielen Familien aus meiner Heimat ein, Kinder aus meiner Klasse, die ähnliches erlebten. Es ist erstaunlich, wie lange Familientragödien fortwähren und doch zeigt das Buch bei aller Tragik auch auf, wie sich das Verhältnis Vater-Sohn im Vergleich zu den vorigen Generationen verändert hat, dass Heilung möglich wäre.

Die Ausdrucksweise des Autors hat mich stark beeindruckt. Das ist kein weitschweifiges Erzählen, sondern ein präzises Einsetzen jedes einzelnen Wortes. Wenn der Protagonist über unverfängliche Dinge spricht, sind die Sätze länger und ironischer, wenn er sich heiklen Themen zuwendet, werden die Sätze kurz und abgehackt. Einige sprachliche Bilder unterstreichen gezielt die Stimmung, besonders das wiederkehrende schwarz, das bis ins Blut vordringt. Dabei bleibt der Text leicht verständlich. Manche bewusst eingesetzte Wortkombination, manche Metapher habe ich wahrscheinlich verpasst, ein zweites Lesen könnte sich lohnen, aber auch so war das ein sprachlicher Hochgenuss. Angesichts der schweren Thematik kann man sicher nicht von Hochgenuss sprechen, aber empfehlenswert ist das Buch unbedingt!
Profile Image for Britta.
399 reviews39 followers
October 15, 2020
Abgebrochen. Mir ging dieses latente "arme Söhne, böse (Stief-)Väter", "wir können unseren Genen nicht entkommen" und diesem nicht ganz subtilen Selbstmitleid des Protagonisten auf die Nerven. Habe nur fast 100 Seiten durchgehalten, weil der Schreibstil ganz gut war, aber selbst das wird irgendwann redundant mit den Sprüngen und kurzen Sätzen. Einfach nicht mein Bier (höhö).
Profile Image for Mark Swatek-Evenstein.
Author 1 book8 followers
April 11, 2020
Dieses Buch ist "bei der Kritik" insgesamt gut angekommen, so kann man es bei Perlentaucher nachlesen. Dieses Buch ist dennoch in erster Linie ein Ärgernis. Nun soll man gewiss Bücher nicht lesen, in der Annahme, der Autor spreche darin über sich, aber ein Autor, der eine solche Hauptfigur kreiert, wird mir dadurch trotzdem unsympathisch. Dieses Buch will unbedingt berührend sein, will anrühren, dabei möchte man der Hauptfigur, dem namenlosen Vater, der sich davor sieht, seinen Sohn im Schlaf zu töten, doch nur zurufen: Ja, Depressionen sind schlimm, aber Du wirst ja wohl intelligent genug sein, zu wissen, dass es eine Krankheit ist, kein Schicksal. Stattdessen gefällt sich das Buch darin, die Krankheit als Schicksal zu inszenieren und das dann auch noch als quasi-antifaschistische Selbstfindung. "Du immer mit Deinen Nazis", sagt Ehefrau M. zum namenlosen Erzähler, und natürlich spuken im Hintergrund Nazis, Heimatvertriebene und ermordete Juden rum, aber doch letztlich nur mit dem Zweck, dem Selbstmitleid der Hauptfigur einen Sinn zu geben, den es nicht gibt. Weder im Kontext des Buches, noch sonst. Dabei fand ich Auerhaus zumindest unterhaltsam.
Profile Image for Anna Lngnr.
94 reviews21 followers
August 28, 2020
Ein Vater. Ein Sohn. Beide namenlos.
Eine Suche nach der Vergangenheit, nach Antworten auf große Fragen und nach einem Entkommen vor dem, was vielleicht Schicksal ist.

Schnell merkt man, dass dieses Buch dem Leser viel abverlangt, und das in vielerlei Hinsicht.
Thematisch bewegt man sich überwiegend zwischen Depressionen, Alkoholismus und Suizid. So ist dieses Buch schon emotional kein leichtes. Wer grade selbst eher gedrückter Stimmung ist, der tut sich hiermit vielleicht keinen Gefallen.

So ergründet der Vater seine düstere Familiengeschichte, indem er seinen Sohn mit in seine Heimat nimmt, sucht nach Antworten, die es vielleicht gar nicht gibt und sucht vor allem nach einem Ausweg aus dem, was er für unausweichlich zu halten scheint. Dabei lässt er vieles Revue passieren und scheint zudem nicht gefunden werden zu wollen.

Stilistisch ist das Buch nicht nur außergewöhnlich, sondern auch sehr herausfordernd. Die Geschichte erfährt man nur in Form von Fragmenten, wobei Gegenwart und Vergangenheit scheinbar wahllos wechseln. Erst durch bestimmte immer wiederkehrende Elemente ("Worum geht es?", das frisch bezogene Kissen, das um den Tisch Herumgehen, ...) entwickelt man langsam ein Gefühl für die tiefere Bedeutung hinter all der literarischen Verpackung. Zugegeben, hier ist mir sicher auch einiges entgangen. Denn sosehr mich der Stil beeindruckt und mitgerissen hat, so überladen fand ich es doch auch teilweise. Dass vieles für Interpretationen offen bleibt und nicht klar und deutlich zu Ende gebracht wird, das tut dabei sein Übriges - wobei das eigentlich ein Element ist, das ich an sich in der Literatur sehr schätze.

Vieles hat mich irritiert, viele Gedankenanstöße fand ich sehr spannend, ein paar Dinge hätte ich definitiv nicht gebraucht (zum Beispiel auch noch die Nazi-Anspielung, denn es ist ja schließlich ein deutsches Buch und da gehören Nazis ja zumindest am Rande mal mit rein, oder?), insgesamt hat es aber vor allem eines: fasziniert und mich wie ein Sog mitgerissen. Und das schafft auch nicht jedes Buch.

Drei Sterne, weil es für mich doch an einigen Stellen zu viel und zu unstrukturiert war, aber doch definitiv eine Leseempfehlung, wenn man denn mit einer düsteren Grundstimmung umgehen kann und literarisch gern gefordert wird. Die Vater-Sohn-Beziehung, so speziell und unklar sie auch streckenweise sein mag, war für mich doch immer wieder ein Lichtblick und hat mich in gewisser Weise auch berührt.
Profile Image for Annika Renker.
12 reviews1 follower
June 2, 2020
Ich hatte meine Schwierigkeiten mit dem Buch. Es ist gut geschrieben, liest sich toll und flüssig. Ich kann den literarischen Wert erkennen, auf einer intellektuellen Ebene. Einige Passagen sind auch bewegend, rührend, schmerzhaft. Gleichzeitig ließ mich der Roman emotional kalt. Die Hauptfigur, ein in der Vergangenheit verhafteter Vater mit schweren Depressionen, Alkoholproblem und Selbstmordabsicht, war mir unsympathisch und kam mir losgelöst von allem vor. Vielleicht ist das eine akkurate Darstellung einer Person mit Depressionen, aber mich hat es verärgert und keine Empathie aufkommen lassen. Unglücklich fand ich die Familiengeschichte, das scheinbar Schicksalhafte der Biografie, das Hineinmischen von Nazi-Thematik und Vertriebenen-Geschichte, gepaart mit häuslicher Gewalt und dem Mythos des Arbeiterkindes, welches in bürgerliche Kreise aufsteigt, von seinem Umfeld aber angeekelt ist. Das war einfach eine Nummer zu viel. Vielleicht lag die Schwierigkeit auch darin, dass für mich persönlich die Geschichte einen zu dunklen, zu schwarzen, zu fatalistischen Ton hatte, was auch das Ende nicht aufzulösen vermochte. Fazit: sicherlich ein gutes, interessantes Werk, aber definitiv not my cup of tea. Schade, ich hätte es gerne gemocht.
6 reviews6 followers
May 29, 2021
Männer fahren eher durch Baden-Württemberg, als zur Therapie zu gehen: Die deutsche Literatur hat mittlerweile die Vergangenheit so oft bewältigt, das diese Bewegung ziemlich sinnentleert geworden ist. Das Erinnerungstheater, in dem man seine eigene Geläutertheit demonstriert, nur um sich im nächsten Atemzug wieder seiner eigenen Vormachtstellung zu vergewissern, bewältigt so weder Vergangenheit, noch Gegenwart. Christian Kracht hat kürzlich in Eurotrash mit dieser Tradition gebrochen, die Verantwortung für die eigenen Fehler auf die Nazigroßeltern zu schieben. Insofern hatte ich beim Lesen von Serpentinen Angst, wieder zu diesem Alten zurückkehren. Der Protagonist bemerkt selbst: Überall sieht er Nazis. Und tatsächlich scheint er sich über weite Strecken über seine Vorgänger Absolution verschaffen zu wollen, wenn wieder und wieder die Familiengeschichte aufgerollt wird. Stark ist Serpentinen aber genau dann, wenn der Protagonist sich mit seinem eigenen Leben auseinandersetzt, mit seiner eigenen Depression und mit seiner eigenen Männlichkeit. Erst in diesem Kontext gewinnt die Vergangenheit ihre Bedeutung und erst, wenn der Protagonist sich von ihr in der Beziehung zu seinem Sohn abgrenzt, beginnt so etwas wie Heilung. Alles in allem steht so ein - auch durch seine Montagetechnik - lesenswerter Roman, für den ich mir jedoch einen leicht verschobener Fokus gewünscht hätte.
Profile Image for Matthias.
405 reviews8 followers
August 22, 2020
Die Parabel vom Verlorenen Vater,
oder Der Fluch der Wiederholung


Wieviel darf ein Erzähler seinen Helden (und damit seinen Lesern und Leserinnen) zumuten?
Darf man den eigenen Tod suchen, um dem Teufel in sich selbst zu entgehen? Dies ist eine Geschichte von Männern (und den Frauen an ihrer Seite), die über drei Generationen Hand an sich legten. Wir erfahren keinen Grund, ahnen aber, daß es die Angst war, ihren Söhnen Gewalt anzutun. Der Erzähler der vierten Generation leidet unter genau dieser Angst, und begibt sich mit seinem Sohn auf eine Reise in seine Vergangenheit, um Antworten zu finden.
Er erfährt keine Aufklärung, aber er lernt langsam, seinem Sohn davon zu erzählen. Die ist denn auch die Antwort auf meine einleitende Frage: Zumutbar ist, was erzählt werden kann.
Wenn Geschichte Erzählung wird, kann der Fluch ihrer Wiederholung überwunden werden.
Profile Image for Anna.
605 reviews40 followers
February 21, 2021
This is a hard book to review. I didn't really enjoy it, but then again, it isn't really made to be enjoyed. It was very intense, very reduced in a way, and I do admire the technique - it just didn't resonate with me. It seemed a bit too much, especially the resolution rather melodramatic, and while I appreciated the subtle humor in the middle part, the beginning dragged. I really wish I could give it more than three stars, because it is a very good book - it just wasn't for me.

But it is very possible that i'll read it again, and if the time is right, i might just love it. So, I guess, you'll just have to try for yourself.
Profile Image for Anka.
1,115 reviews65 followers
March 19, 2021
Ein Roman darüber, dass man immer das Kind seiner Eltern bleibt, selbst wenn sie tot sind. Und darüber sämtliche Traumata aus der Kindheit mit sich rumzuschleppen und an die eigenen Kinder weiterzugeben.

Außerdem geht es noch ums Katholischsein und das Aufwachsen auf dem Dorf.

Wahrscheinlich brauche ich mehrere Durchgänge, bis ich das Buch verstehe und nicht nur an der Oberfläche kratze.
Profile Image for anjabuchkind.
148 reviews4 followers
February 1, 2022
“Nichts von dem, was war, war wichtig. Wichtig war, was alles nicht war.”
S. 160


Wirr, wirrer, Serpentinen. Zu Beginn!
Ich dachte, ein noch unzusammenhängenderes Buch als “Triceratops” werde ich nicht mehr finden und lesen, doch dann kam “Serpentinen”.
Ein Vater der von einem “Familienfluch” entfliehen möchte, macht mit seinem Sohn einen Roadtrip in seine alte Heimat und wird auf diesem immer wieder von alten Erinnerungen überrollt.
Was sich für mich irgendwie super interessant angehört hat, entpuppte sich als verrückte, wirre, merkwürdige Zusammenstellung von kurzen Ereignissen, die oft keinerlei Zusammenhang hatten. Bis zu einem bestimmten Punkt, denn nach circa 100 Seiten ergeben so viele Geschichten Sinn, es gibt quasi einen roten Faden, dem man folgen kann.
Bevor ich an diesen Punkt der Geschichte kam, hatte ich bereits überlegt das Buch abzubrechen, konnte mich dann jedoch wieder überwinden und habe weitergelesen. Zum Glück!
Mit jedem weiteren Satz, Absatz und Kapitel setzt sich die Geschichte unseres Protagonisten mehr zusammen. Die Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart setzen sich auch in den späteren Kapiteln fort, machen aber mehr Sinn und erscheinen nicht wahllos wie zu Beginn der Geschichte.
Auch am Schluss haben sich nicht alle Fragen, die im Laufe der Geschichte aufkamen, geklärt, jedoch stört mich das nicht wirklich.
Am Ende bin ich froh dem Buch die Chance gegeben zu haben mich doch noch zu begeistern.
Profile Image for kallis.ema.
166 reviews
July 24, 2022
“Ich tippte die Fingerspitze ins Weihwasser, als ob ich es nie anders gemacht hätte. “Was machst du?” Es war eine Kindergewohnheit. Ich hatte sie abgelegt, als ich nicht mehr an Gott, Jesus Christus, den Heiligen Geist und schon gar nicht mehr an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben glauben konnte. Abgelegt für lange Zeit. Dann nahm ich die Gewohnheit wieder an. Ein verlorener Sohn, der in der vertrauten Geste Geborgenheit fand. Wenn ich eine Kirche betrat, bekreuzigte ich mich wieder, als ob es die Zeit dazwischen nie gegeben hätte. Ich tat, als ob ich dazugehörte.”

“Ein Suizid war keine Handlung für die Bühne. Es gab kein Drama zu sehen, der Kampf blieb unsichtbar, Gut und Böse fielen in eins. Ein Suizid war nicht mehr als eine Angabe im Lexikon. Täter und Opfer schrumpften zu einem Namen und einem Datum. Genealogisches Zeichen: die Schlinge.”

“Heute konnte ich Hochdeutsch sprechen. Die Großeltern hätten gesagt: “Er redet nach der Schrift.” Ich sprach mit den Schwaben Hochdeutsch und mit den Hochdeutschen Englisch, ganz wie es nötig war um Bildung und Weltläufigkeit zu behaupten.”

“Ich war nie sicher, wann ich zu leise war und wann zu laut. Wann zu exzentrisch und wann zu mundfaul. Wann zu direkt und wann zu lauwarm. Ich fand nicht das Maß.”
Profile Image for Ronsens.
114 reviews23 followers
August 29, 2020
Uff. Konnt's lang nicht zuende lesen, hits too close to home.
Profile Image for Marco Walter.
2 reviews
August 22, 2025
“Ich wusste immer bereits alles, doch ich vergaß es immer wieder neu.”
Profile Image for Iamthesword.
331 reviews23 followers
July 7, 2025
A middle aged professor of sociology from Berlin returns to his birthplace in the Swabian Jura (thanks, Wikipedia) accompanied by his seven year old son. He told nobody about this trip. His phone is in a metal box to avoid being tracked. He didn't tell anybody about the trip. All is unclear.
We only get the perspective of the man. The narration is very reduced. Small pieces like a jigsaw puzzle that we have to tesselate (thanks, Concise Oxford Dictionary) while reading. Descriptions of the trip are mixed with pieces of memory. Step by step, we enter his mind.

The return is also a voyage back in the past. "Someone who returns, has to get through all the curves once again" as the jacket text says - the serpentines up the Swabian Jura and back in time.
His father, grandfather and greatgrandfather committed suicide. As a child, he discovered his father, hanged. But nobody spoke about it. He grew up in a net of halftruths and lies - "family blah" as he calls it. Everyone just moved on - they even keep the rope for other purposes. And he? He askes if the death was his fault - he askes mainly himself, because nobody answers.

Can you leave your past behind? This is the question at the center of this book and it comes in several variations. As a young man, he fled from that conservative (to put it mildly) small world, went to Berlin, entered academia, had success - trying to build a different life. But he's haunted by doubts: He sees that he comes from a differnt world, he doesn't feel to be part of that urban bourgeoise elite. The fear not being able to leave the past behind, of falling back, of not being good enough developes into alcoholism and a severe depression.

Now he's going back. Together with his son. A last attempt to save himself. He doesn't want to expose his son to the same fate he suffered from. How can we raise a child in a way that it doesn't have to pay the price for the childhood of their parents?, Bov Bjerg askes.

The strengh of this book lies in its complexity. There is not the one reason, the one problem, the one answer. It's a thick net of different problems, experiences and fears, all intertwined and seemingly impossible to disentagle. It is the story of someone who desperately tries to understand his past. He tries to find a narrative that puts a logic into his life - personality, history, society, culture: he tries everything, but nothing fits. There is always a rest of chaos, a rest that cannot be fit into a narrative. It's complex and captivating at the same time.

The reduced language and the composition in small passages manages to replicate the thought structure, his uncertainty and stumbling, often changing his opinion between paragraphs (also a kind of serpentines). At the same time, it's surprisingly light (not really light, but lighter than you might expect from such a dark book). There is even a strand of dry humor in the comments of the father that adds further to the complexity of the book. It's a perfect match of structure and content.
Definitely not for everybody, but I liked it very much.
Profile Image for Wal.li.
2,547 reviews69 followers
June 21, 2020
Generationen

Gemeinsam mit seinem Sohn, der Schüler ist, geht er auf eine Wanderung in den heimatlichen Bergen. Eine Heimat, die er verlassen hat, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Mit dem Wissen, dass sich Urgroßvater, Großvater und Vater das Leben genommen haben, lebt es sich nicht so leicht. Immerhin lebt er schon länger als sein Vater und er lebt für seinen Sohn. Alles will er dafür tun, dass seinen Sohn nicht das gleiche Schicksal ereilt. Er will ein Vater sein, der für seinen Sohn da ist. Doch auch den Erinnerungen will er sich stellen.

Die Eltern sind in der Nachkriegszeit in die Gegend gekommen. Ihre Vergangenheit haben sie nicht verarbeitet. Und er als Sohn will sich auseinandersetzen, doch seine Eltern und die anderen Verwandten lassen ihn nicht so recht. Wenn der persönliche Hintergrund nicht so rühmlich ist oder alte Überzeugungen nicht reflektiert werden, wird es schwierig für die nachkommenden Generationen. Auch wenn man einiges nicht gutheißt, Familie bleibt Familie. So ganz trennen kann man sich nicht. Soll man die Debatte suchen oder aufgeben und heikle Themen fallen lassen. Leicht hat man es nicht unbedingt als derjenige, der mit dem Leben der Vorfahren leben muss und diese Bürde nicht an seinen Sohn weitergeben möchte.

Es ist ein sehr eindringliches Buch, besonders wenn man im ähnlichen Alter ist wie der Autor und auch Ähnliches im Verwandtenkreis erlebt hat. Vielleicht wurde viel unter den Tisch gekehrt, vielleicht gab es Streit und letztlich die Erkenntnis, dass nichts zu ändern ist. Wie soll man dem am Besten begegnen? Wie soll man die Vergangenheit dem Kind nahe bringen, ohne es zu überfordern oder zu überfrachten. Manchmal witzig, manchmal bitter, manchmal düster depressiv, doch auch hoffnungsvoll und irgendwie lebensbejahend. Ganz leicht zu ertragen ist dieses (Hör)Buch nicht. Dieses am Leben verzweifeln, dieses Spielen mit den Gedanken, dann wieder der Aberwitz und die Erkenntnis, dass man nicht entfliehen kann. Man bleibt hin und her gerissen, ob dieser nachdenklich stimmende Roman, einen runterzieht oder weiterbringt. Nichtsdestotrotz fesselt die Geschichte von Vätern und Söhnen.

3,5 Sterne
Profile Image for Hoot.
35 reviews13 followers
October 26, 2020
Ein überraschend großartiges Buch.

Zunächst war ich skeptisch, was die zentrale Frage der Geschichte anging:
Wird der traumatisierte Vater seinen Sohn umbringen?
Soll das jetzt ein Thriller werden oder kann ich auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Trauma erwarten?

Das Buch hätte mit diesen Setup krachend und effektheischend scheitern können... Tut es aber nicht.
Ich verrate an dieser Stelle nichts (allein, dass man das bei einem "literarisch" ambitionierten Buch sagen kann, ist eine gute Sache).

Natürlich ist das ein Roman über Väter und Söhne. Frauen kommen nur am Rand vor.
Als Leserin störte mich das nicht, denn der verengte Blick kommt dem Buch zugute.

Trauma, Suizidalität und Vergangenheitsbewältigung sind schon harte Brocken. Doch das Buch kommt weder weinerlich noch dröge daher, sondern emotional packend.

An einigen Stellen musste ich sogar lachen. Und nicht etwa, weil der Autor lustig sein wollte, sondern weil er es schaffte die Absurdität der Situation ins fast schon Surreale zu steigern und damit genau den Kern der Sache getroffen hat.
Eine Kindheit wie sie hier geschildert wird, ist eben genau das: Absurd und für die betroffenen Überlebenden kaum zum Abgleich mit der sogenannten Normalität zu bringen.

Mich hat das Buch schwer beeindruckt, weil es trotz seiner treffenden Tiefe nicht vergisst, den Leser abzuholen und bei der Stange zu halten. Es ist erzählerisch wirklich gut gemacht und damit ein echter Lichtblick für mich in einer Zeit, in der mir immer mehr reine "Themenbücher" begegnen, die zwar Diskurse anstoßen wollen, aber dabei einfach nicht die Mittel des Mediums "Roman" ausreizen.
Profile Image for Esther.
Author 3 books50 followers
August 2, 2023
Selten habe ich die Gelegenheit, unmittelbar nach dem Beenden des Buches Zeit für meine Bewertung zu finden. Aber heute ist das ausnahmsweise so und ich glaube, das wird diesem Buch mehr gerecht als eine rationale Analyse Tage später.

Denn jetzt, unmittelbar nachdem ich es beendet und zugeschlagen habe, spüre ich die Emotionen, die es in mir bewirkt hat, sehr deutlich. Ich bin berührt von dieser Vater-Sohn-Geschichte, die sich im Heute zwischen dem Vater und seinem etwa 6jährigen Sohn abspielt, die aber beeinflusst ist von all dem, was sich zwischem dem Vater des Vaters und dessen Vater und dessen Vater in den letzten Jahrzehnten abgespielt hat. Denn unser heutiger Vater stammt aus einer Familie, in der sich die Väter auf unterschiedlichste Weise selbst das Leben nehmen. Unser Vater war 7 Jahre alt, als sein Vater sich quasi in seiner Gegenwart aufgehängt hat. Unser Vater verzweifelt an der Last dieser Kindheit, die darüber hinaus von einer gewalttätigen Mutter geprägt war. Unser Vater weiss nicht, ob er es schafft, sich nicht umzubringen, seinen Sohn nicht demselben Drama auszusetzen, das er durchlebt hat. Oder ob er seinen Sohn auf andere Weise davor bewahren sollte.

Es ist eine Geschichte so unruhig und unstrukturiert wie die Gedanken und Erinnerungen unseres Vaters. In Teilen so eklig und unberechenbar und unglaublich wie die Alkoholabhängigkeit des Vaters und der Väter vor ihm. Und mt all diesen Tiefen und Schwierigkeiten fühlt es sich echt an. Wie unser Vater Stück für Stück und irgendwie mit Hilfe seines Sohnes, der eben (noch) nicht total innerlich zerstört ist, seine Vergangenheit neu begreift, und gleichzeitig seine Zukunft dabei neu gestaltet - und es doch nur so wenig braucht, um zu kippen.

Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Buch endlich gelesen habe. Mich hat es sehr nachdenklich gemacht, aufgewühlt, bewegt, berührt.
Vielleicht braucht man eine ähnlich wenn auch ganz anders chaotische Familiengeschichte, um sich hier wiederzufinden.
47 reviews1 follower
July 24, 2024
Mir ist es sehr schwergefallen, in den Roman reinzukommen. Die Ereignisse werden nicht chronologisch erzählt, die Handlungsebenen wechseln sehr abrupt und ich war mir auch nicht immer sicher, ob der Erzähler sich in der Realität befindet. Es geht um Vater-Sohn-Beziehungen, familiäre Traumata, Suizid und Depressionen - so ist es auch wenig überraschend, dass man nach dem Lesen in einer eher traurigen Stimmung verbleibt. Ich würde es nicht unbedingt weiterempfehlen, ärgere mich aber auch nicht, es gelesen zu haben.
Profile Image for Jonas Keen.
213 reviews3 followers
January 24, 2025
2,25/5- Dieses Jahr ist es irgendwie echt noch nicht bei mir mit Büchern. ChatGPT kann übrigens vieles, aber leider nicht gute Bücher empfehlen, naja.
Ich mache es kurz: Die Erzähl- und Schreibweise habe ich eigentlich gemocht, es gab mir aber zu viele pseudo poetische Sätze (gerade an der kurzen Wortzahl in vielen Sätzen erkennbar).
Das größte Problem an dem Buch war, das gefühlt nichts passiert und ich es auch irgendwie nicht so richtig verstanden habe bzw. irgendwann einfach nicht mehr verstehen wollte, daher eher ein enttäuschendes Leseerlebnis.
Profile Image for Marcel.
141 reviews
July 24, 2020
Als Hörbuch gehört. Passend zum Inhalt wird das Hörbuch recht eintönig gelesen, eine Handlung im klassischen Sinne gibt es nicht. Die vor sich hin tröpfelnde Erzählung mag als Abrechnung mit ländlichem Raum und Darstellung von Depressivität intellektuelle Großstädter begeistern, ich fand noch am interessantesten die Sprache, die im Hörbuch aber kaum zur Geltung kommt, da man nicht innehalten kann.
Profile Image for Frau Motte.
36 reviews1 follower
March 6, 2021
Düster. Melancholisch. Tief verwurzelt ist die Angst so zu werden wie das genetische Abbild. Der Alkohol hilft, wirre Gedanken folgen, und der Schmerz versinkt im Nebel.

Stellenweise konnte ich dem Handlungsstrang schlecht folgen, das Ende ist mir persönlich unklar.
Profile Image for Christian Müller.
133 reviews2 followers
April 4, 2021
Konnte mich überhaupt nicht begeistern. Erst verliert sich der Autor in seinen Formulierungen ein und derselben Sache, schweift dann irgendwie ab und wenn man denkt alles fügt sich zusammen, wird es einfach nur noch konfus.
44 reviews23 followers
November 5, 2020
Ein sehr dunkles Buch, das mich mit seinem einfachen, aber deshalb umso aussagekräftigeren Schreibstil beeindruckt hat. Der Autor stellt einen depressiven, alkoholabhängigen und zur Selbstverletzung neigenden Ich-Erzähler ins Zentrum, der mit seinem Sohn eine Reise in das Dorf unternimmt, in dem er aufgewachsen ist - stets wird zwischen Kindheit und Präsens hin- und hergeswitcht, was den Leser mehr über die Vergangenheit des Erzählers erfahren lässt. Dieser ist sowohl körperlich als auch seelisch stark missbraucht worden, sein Vater war suizidgefährdet und hat sich schlussendlich dann auch tatsächlich umgebracht, wie auch dessen eigener Vater dies zuvor getan hat.

Es ist klar ersichtlich, dass der Erzähler sich in einer Art Sog befindet, von dem er panisch zu flüchten sucht: Er spürt, dass er so enden wird wie seine Vorfahren, wenn er seine Geschichte nicht aufarbeite, und überlegt sogar, seinen eigenen Sohn umzubringen, um diesem Generationen"fluch" ein Ende zu setzten. Stets stellt er auch die Frage in den Raum, warum der Vater sich umgebracht habe, ob es seine Schuld gewesen sei oder ob er ihn überhaupt geliebt habe - Vorwürfe und Selbstzweifel spalten sein Gewissen. Es ist schmerzhaft mitanzusehen, wie der Erzähler zwar von seinem alkoholabhängigen Vater tyrannisiert worden und völlig willkürlich grausam behandelt worden ist, und er doch dasselbe Verhalten gegenüber seinem eigenen Sohn an den Tag legt, als könne er nicht aus diesem Verhaltensmuster ausbrechen.

Die Serpentinenthematik spiegelt sich interessanterweise in der Schreibweise wider, da Handlungen und Erinnerungen oft wiederholt erwähnt werden, es müssen alle Kurven (Erinnerungen) also wieder und wieder genommen werden, wie z.B. der Sohn, der dem Vater um den Tisch nachläuft.

Es gibt viele Dinge in diesem Buch, die ich nicht verstehe, weil ich es zu wenig aufmerksam gelesen habe. Ist die grosse Brille eine Richterin, und wieso braucht er eine solche, hat er den Jungen doch umgebracht? Inwiefern spielt die Nazivergangenheit des Vaters eine Rolle? Was hat es mit dem abrupten Schluss auf sich?

Insgesamt sehr düster, aber interessant - durch die abgehackte Sprache verlor sich aber ab und an der Fluss und ich wurde nicht richtig in einen Lesesog gefasst, was sonst oft vorkommt- es gibt keinen Spannungshöhepunkt, aber vielleicht ist das genau der Sinn der Sache: Es soll alles auswegslos und monoton wirken, so wie das Schicksal von Vater und Sohn.

Habe mir eventuell etwas mehr spirituelle Generationsgeschichte erhofft, also mehr noch die Thematik Familienstellen im Zentrum.

Ein sehr gelungenes Buch, das mich verwirrt und mit vielen offenen Fragen zurückgelassen hat.
Displaying 1 - 30 of 64 reviews

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