,,Ich ließ den ganzen Bullshit hinter mir und brach in eine glänzende Zukunft auf So ist das wohl, wenn man dem Licht entgegengeht. Man sieht seinen eigenen Schatten nicht mehr.''
Dr. Harleen Quinzel hatte es nie einfach in ihrem Leben. Ohne einen festen Plan im Leben und häufig einsam, musste sie sich ihren Weg durch ihr Psychologiestudium erkämpfen und sucht nun fleißig nach Sponsoren für eine Studie. Diese will sie ausgerechnet im Arkham Asylum durchführen, in dem psychisch kranke Schwerstverbrecher für viele Jahre festsitzen. Und dort trifft sie auf den Joker, den gefährlichsten von ihnen allen, und ebnet damit ihren Weg für ihren zukünftigen Platz an seiner Seite als Clownprinzessin ...
Hach, es ist wirklich erfrischend, zu dieser düsteren Jahreszeit wieder in die dunklen Abgründe von Gotham City einzutauchen! Und umso schöner und schauriger ist es, dass wir dabei nicht Batman im Vordergrund haben, sondern die Hintergrundgeschichte von Harleen ,,Harley'' Quinzel, die in Sejics Neuinterpretation noch düsterer und verdrehter ist als im Comic Mad Love, der erklärte, wie Harley Quinn überhaupt dem Joker verfallen war.
Doch während Mad Love durch seinen schrillen Zeichenstil und Cartoonishness aus der Batman: Animated Series nur an einigen Stellen traurig und düster ist, erscheint Harleen (Band 1) nicht umsonst beim Black Label von DC. Die Panels sind überwiegend dunkel gestaltet und zeigen nicht nur Gotham in all seiner düsteren Dreckigkeit einer Großstadt mit hoher Kriminalitätsrate, sondern fokussieren sich auch viel auf die Mimik der Figuren, die mit Zynismus, Hoffnungslosigkeit und Bösartigkeit durch die Welt gehen, und das zu keinem Zeitpunkt in unrealistischem Maße. Harley selbst hingegen ist trotz einiger Schicksalsschläge motiviert, positiv gestimmt und in ihrer Naivität bereit, Dinge zu hinterfragen und ändern zu wollen. Umso interessanter, diese Harley von vor zwei Jahren zu verfolgen, und dabei die Kommentare und Erzählungen der gegenwärtigen Harley zu führen, die auf diesen Zeitabschnitt ihres Lebens zurückblickt. Normalerweise sind solche ,,Erzählungen aus dem Off'' nicht ganz mein Fall, doch in diesem Fall waren sie sehr stimmig und haben die Panels ergänzt, statt sie unnötig auszuerzählen. Besonders wenn diese symbolträchtig waren oder eher subjektive Wahrnehmungen gezeigt haben, hat das Harleys Erzählstimme umso authentischer gemacht.
Sejic hält außerdem so einige Überraschungen auf der Handlungsebene für uns bereit, die zeigen, dass Harley weder ein Dummchen ist, dass im Joker eine Herausforderung sieht, noch, dass sie und der Joker von Anfang an ineinander vernarrt waren. Es ist realistischer und gibt ihrer kranken Beziehung zueinander einen neuen Anstrich. Auch wenn die beiden noch nicht allzu viel Interaktion miteinander hatten, kann man gespannt bleiben auf die nächsten Bände, in denen sich sein Einfluss auf Harley noch eher bemerkbar machen wird als hier.
Ein überraschend psychologisches und düsteres Graphic Novel, der sich mit einer der faszinierendsten Frauen Gothams und ihrer kranken Liebe zu dem Clownprinz der Stadt beschäftigt. Schon jetzt überzeugt er durch seine detaillierte Bildgewalt, sein Foreshadowing und seine Charakterzeichnung. Da kann es in den nächsten Bänden nur noch genauso spannend weitergehen! Definitiv etwas für alle, die mal einen erwachseneren Anstrich über ihren DC-Charakteren haben möchten.
Gesamtwertung: 4,5/5 Punkten