Pourquoi avons-nous cette étrange impression que la ville ne nous appartient pas ? De n’être que de passage alors même que nous y résidons ? Quel est ce malaise que nous ressentons à la vue d’un banc design segmenté en places individuelles, de pics au rebord d’une vitrine, de grillages et de caméras tous azimuts ? Ce sont autant de symptômes de suspicion et de mépris de la ville à notre égard, autant de sensations de dépossession. Loin d’être une chose inerte, l’espace urbain formé par les urbanistes et architectes est politique, vivant et signifiant. Il envoie des signaux de reconnaissance et de mépris à destination de ceux qui y vivent. C’est pourquoi il est plus que temps d’apprendre à décrypter le langage urbain pour pouvoir reprendre place en son sein et exiger de ceux qui la fabriquent, architectes et politiques en tête, qu’ils prennent en compte sa destination véritable : servir ses habitants.
In "Platz nehmen. Gegen eine Architektur der Verachtung" (dt. 2023, Übersetzung Felix Kurz) schreibt Mickaël Labbé über städtischen Raum. Dabei geht er von Henri Lefebvres Konzept des Rechts auf Stadt (1968) aus. Labbé zufolge können wir die Orte unseres täglichen Leben immer weniger selbst gestalten. Öffentliche Räume werden privatisiert und auf Sicherheit und Sauberkeit ausgerichtet. Defensive Architektur (etwa obdachlosenfeindliches Mobiliar) verdrängt die schwächsten sozialen Gruppen. Die sichtbaren Folgen einer gescheiterten Sozialpolitik (Betteln, Kleinkriminalität, Drogenkonsum) werden aus dem Blickfeld verbannt. Die Architektur sendet auf subtile Weise Botschaften, die wir umso deutlicher wahrnehmen, je stärker wir von Ausgrenzung betroffen sind. Die Gestaltung der Stadt orientiert sich an kommerziellen Interessen. Gesellschaftliche Bedürfnisse werden bei der Stadtplanung vernachlässigt. Das "Wir" wird so zu einer "Ansammlung von produktiven und konsumierenden Körpern" (S. 90).
Labbé schlägt daher eine Wiederbelebung des Rechts auf Stadt vor. Zentral dafür ist die Aneignung durch die Bewohner*innen selbst. Aneignung meint nicht individuellen Besitz oder Eigentum, sondern die gemeinsame Nutzung eines Gemeinguts. Es geht um mehr als bloße Beteiligung (an Projekten anderer), sondern um echte eigene Gestaltungsmöglichkeiten. Diese sind aber nur möglich, wenn die Orte sie zulassen. Hier wiederum spielt die Architektur eine unverzichtbare Rolle. Sie konzentriert sich heute auf technische und ästhetische Fragen. Das Recht auf Stadt setzt voraus, dass die Architektur sich ihrer stadtpolitischen Aufgabe stärker annimmt und auf soziale Belange fokussiert. Sie ist "die politische Kunst schlechthin" (S. 179).
Gerade die Überlegungen in den ersten beiden Kapiteln fand ich großartig. Zum Ende hin wird das Buch - leider gerade bei den konkreten Beispielen - schwächer und für meinen Geschmack auch etwas zu theatralisch. Ich frage mich auch, ob nicht ein noch stärkerer Fokus auf nicht-kommerzielle Orte notwendig wäre, um Städte wirklich für alle Menschen zugänglich zu machen. Trotzdem finde ich das Buch insgesamt sehr interessant und lesenswert.