Insiderbericht aus den Elite-Universitäten Cambridge und Oxford und Liebesbrief an ein eigensinniges Stück Europa: Nele Pollatschek analysiert klug, komisch und wütend eine turbulente Liebesbeziehung zu einer verwirrenden Insel.
Als Nele Pollatschek am 23. Juni 2016 nach Oxford unterwegs ist, wo sie jahrelang studiert hat, ahnt sie nicht, dass sie am nächsten Tag zum Brexit Profiteur wider Willen werden wird. Über Nacht löst sich wegen des Währungszerfalls ihr Studienschuldenberg fast in Luft auf – gleichzeitig aber durchlebt sie den Schock ihres Lebens: Die Briten wollen mit Europäern wie ihr nichts mehr zu tun haben.
Wenn jemand eine Obsession hat, dann ist es schwer, ihn davon abzubringen. In Nele Pollatscheks Fall heißt die Obsession seit ihrer Jugend Oxbridge. Nichts konnte sie abhalten, dort hinzukommen, wo ihre Helden, die mitunter exzentrischen englischen Geistesriesen, studierten. Irrsinnige Anstrengungen nimmt sie auf sich, um dorthin vorzudringen, erleidet das Hochstaplersyndrom, als es endlich gelingt, lernt das bizarre Verhalten der englischen Eliten kennen, kommt der Abwasserwirtschaft und dem Pillenkonsum der Briten auf die Schliche, verbringt die Nächte zwischen High-Society-Partys und Bibliothek. Gerade denkt sie, sie gehöre dazu – da erfolgt dieser Schlag.
Wie jede verstoßene Geliebte geht Nele Pollatschek in ihrem Abschiedsbrief an England der Frage nach, wie es zum Bruch kommen konnte. Was ist nur los mit diesem England? Und mit dem Scharfblick einer Miss Marple erkennt sie: der Schlüssel zur Misere liegt da, wo sie gerade war! Das System Oxbridge bringt jene Mentalität und jenen englischen Politikertyp hervor, der gerade das Land zugrunde richtet. Mit abgründigem Humor schreibt sie ein augenöffnendes Buch und setzt ihrer großen Liebe, dem alten England, ein hochunterhaltsames und kluges Denkmal.
Die Autorin brennt ein Feuerwerk ab: Jedes Kapitel dieser Folge von Essays entreißt mir ein “AaaahOoooh”. Anlass des Feuerwerks ist der Brexit, der in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar gewürdigt werden sollte – ihm widmet Pollatschek einige Einträge und schafft es, die Verständnislosigkeit über die offensichtliche Dummheit zu mildern. Pointiert und facettenreich feuert sie etliche Einsichtsraketen über den britischen Mikroskosmos der Universitäten Oxford und Cambridge ab und die überwiegende Mehrzahl zündet bei mir – ich kann das Buch nicht weglegen und lese es am Stück durch. Nur bei ihrer etwas länglichem Versuch, die Genderdebatte aufzuräumen und die Vorteile der englischen Sprache herauszukehren, langweile ich mich etwas und finde es weniger mitreißend.
Flott und fröhlich ziehen die Essays mit lockeren Stil in den Bann. Popcorn ist her angesagt, wer auf der Jagd nach tiefen Einsichten ist, ist falsch aufgehoben. Genauso wie die Suche nach Statistiken oder anderen Nachweisen, die die persönlichen Eindrücke der Autorin untermauern würden.
Es verbleibt also die faszinierte Viertelstunde, in der ich zurückgelehnt die Show bewundere und die mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert. Hoffentlich zaubert Pollatschek bald wieder.
A funny and well-observed portrait of England (with special focus on Cambridge and Oxford) as a place to study from the perspective of a German. As personal as this is, Pollatschek's experiences are so similar to my own that this ended up being an unexpectedly personal and nostalgic read for me.
Dear Oxbridge is a memoir of sorts of the German author Nele Pollatschek, whose dream it has been to study at Oxbridge. With no idea how to actually apply to England's elite universities, her way there has been a rocky, albeit an adventurous one. She uses her story to take us on a journey to Great Britain with all its political and social confusions in the aftermath of Brexit.
A clever look at Great Britain from an outsider's perspective with inside views. I enjoyed Pollatschek's take on this strange not-so-insignificant island. As somebody who has moved from Germany to England herself to study, most of what the author writes about here resonated with me: from details like weird water taps to horrible infrastructure, it was funny to me so fee my own experiences mirrored here.
It's analytical, but never patronising. After Brexit happened, it felt easy to dismiss the UK as an island full of uninformed ignorance, but Pollatschek writes with empathy and wit and instead explores questions of how England ended up being the country it is today. It's a balanced mix between social analysis, political examination and personal anecdotes that make for a smart, but short-whiled read. And she manages to cover an extraordinary amount of subjects as well: from her own imposter syndrome and Britain's consumption of psychotropic drugs over to high-society parties and politicians' strange ways.
I personally think the cover of this looks quite generic, if not even boring, so I admit I probably wouldn't have picked this up hadn't I enjoyed the author's most recent novel (which on the other hand has an excellent cover). Unexpectedly, this turned out to be my favourite read of hers, so I if you speak German and are interested in Great Britain, this will be fun to invest your time in.
Auf dieses Buch wurde ich vor kurzem von E. Goldbach hingewiesen (ich weiß gar nicht, aus welchem Anlass) - allerdings direkt mit dem Hinweis, es handle sich nicht direkt um eine Empfehlung. Naja. Es ist in jedem Fall ganz unterhaltend und gut beim minecraften nebenbei auf spotify gehört werden. Worum geht es in "Dear oxbridge. Liebesbrief an England"? Irgendwie tatsächlich um diese beiden Dinge: um Oxbridge (dieses anfangs ganz lustige, aber sehr schnell furchtbar nervige Kofferwort aus Oxford und Cambridge) und um eine Liebeserklärung an England. Nele Pollatschek frühstückt dabei beide Themenkomplex nur sehr bruchstückhaft ab: Wer sich einen tollen Insiderbericht über die Englischen Eliteunis wünscht, wird von allerhand Bemerkungen über englische Politik (Hintergrund ist der Brexit) und die Englische Sprache (sehr ausführlich: gendern) abgelenkt, wer sich hingegen eine ambitionierte Liebeserklärung an die Insel wünscht, mag sich an manchen kritischen Berichten aus dem Privatleben - und vielleicht auch wieder an der Politikanalyse stören. Was das eigentliche Problem des Buches ist, benennt Pollatschek selbst: Sie schreibt, in Oxbridge lernt man - anders als an Deutschen Unis - in den Geisteswissenschaften anstatt sich sehr kompetent zu einem sehr ausgewählten Thema, viel eher sich zu allen Themen so halb kompetent zu äußern. Eine Fähigkeit, die, dort liegt sich sicherlich richtig, für Führungskräfte und Politikerinnen von unschätzbarem Wert ist. Ob sie auch zum Schreiben non-fiktionaler Literatur bemächtigt, sei dahingestellt. In jedem Fall äußert sich die Autorin zu einigen Themen, die ihrem Studienfach (Englische Literatur) nicht direkt entsprechen (Brexit-Analyse, Thatcher-Regierung, ÖPNV, Hausbau und vor allem: Gendern) eher nur so halb-kompetent. Ihre langen Ausführungen zum Gendern insb. sind vielerorts doch linguistisch nicht ganz stichhaltig. So geht sie z. B. ausführlich auf die Sprachgeschichte geschlechtlich markierter Berufsbezeichnungen in der englischen Sprache ein, ordnet diese dann aber unmittelbar als den deutschen überlegen ein, ohne zunächst deren Geschichte zu untersuchen. Als einzigen Grund für das Gendern kann sie etwas angeben, was manchmal "Inklusion" heißt und wahrscheinlich etwas wie "inklusive Repräsentation" meint. Dass es viele andere sprachpolitische Gründe und Pragmatiken für das Gendern gibt, kann sie nicht in Betracht ziehen. Im Großen und Ganzen erweckt sie den Anschein, von sehr vielen Themenbereichen Ahnung zu haben und zu wissen, wie es richtig geht. Ob ein Roman, der doch irgendwo fiktionale Elemente ist, dafür der richtige Ort ist, würde ich bezweifeln.
Am Vorabend der Brexit-Abstimmung reist die Autorin nach Oxford, um ihr WG-Zimmer zu räumen, weiß sie noch nicht, dass sie um einige Schulden ärmer also reicher aufwachen wird. Zum Erstaunen und Entsetzen der Universitätseliten haben die Briten, die zur Wahl gegangen sind, sich für den Brexit entschieden. Die Autorin bleibt den Briten dennoch zugetan, auch wenn sie manchmal mit ihnen hadert. Ihr Traum war es immer, in Oxford oder Cambridge oder an beiden Orten, die dann Oxbridge genannt werden, zu studieren. Doch vor das Studium haben die Verantwortlichen ein Auswahlverfahren gesetzt, das es zu bestehen gilt.
In ihren Essays, die hier zu einer Sammlung mit Zusammenhang gefasst sind, schildert die Autorin ihren Weg und Umweg durch das Studium der Philosophie und Englischen Literatur in Heidelberg, Cambridge und Oxford. Auch wenn man selbst keine Essays schreiben kann, weil man das hier in Deutschland auch nicht lernt, so kann man doch verstehen, wie schwer es Nele Pollatschek gefallen ist, sich den Anforderungen der englischen Unis anzupassen. Es war ihr Traum und sehr zielstrebig hat sie alles drangesetzt, dass sie ihn sich erfüllen konnte. Durch den jahrelangen Aufenthalt in England hat sie einen Einblick und tiefes Verständnis von der englischen Mentalität gewonnen, welches sie hier nun weitergibt.
Abseits von allem Brexit-Geschrei, das möglicherweise so manch einem inzwischen zu viel wird, herrscht in England eine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die ihresgleichen sucht. An Englische Toiletten erinnert man sich sicher aus dem Urlaub und kann mit der Autorin schmunzeln, schließlich standen einem schon selbst die Haare zu Berge beim Kampf mit dem Abfluss. Wie das unsägliche Bild aus Zeitungs- und TV-Berichten zustande kommt und welchen Hintergrund die britischen Eliten haben, die nach dem Studium häufig an die Macht kommen, erläutert die Autorin sehr eindringlich. Da empfindet man mehr Verständnis für das Handeln der Briten, aber auch eine gewisse Hoffnungslosigkeit, dass sich an der Situation nochmal etwas ändern könnte. Und so werden wir uns an die britische Freundlichkeit erinnern und versuchen die kulturellen Unterschiede zu verstehen. Und es vielleicht mit einem ähnlichen Stoizismus ertragen, dass es eben so ist wie es ist.
Direkt, witzig und mit scharfer Beobachtungsgabe skizziert Pollatschek ein sehr persönliches und doch übertragbares Bild der britischen Wesensart und Gesellschaft. Ihr Stil ist gut und schnell lesbar und trotzdem nie flüchtig oder oberflächlich.
Den immer noch hochaktuellen Prozess des Brexit flicht sie dabei charmant und pointiert ein, sodass man ein richtiges Gefühl dafür entwickeln kann, wie und warum sich dieser zugetragen hat.
Absolute Empfehlung für's eintauchen in das, was die britische Gesellschaft antreibt!
Der Brexit ist nach jahrelangem Tauziehen seit 31. Januar vollzogen – Zeit also, auf unsere nicht mehr ganz so geliebten Nachbarn jenseits des Kanals zu blicken. Nele Pollatschek kennt sie gut, die Engländer, wobei das eigentlich nicht ganz stimmt. Mit Studium und Promotion in Cambridge und Oxford – kurz Oxbridge – hat sie Einblick in die Welt der Eliteinstitutionen gewonnen, die die Geschehnisse im Land maßgeblich bestimmen. Kaum ein führender Politiker oder Wirtschaftsboss, der nicht die exklusive Bildung einer der beiden Universitäten genossen hat, der sich nicht diese ganz eigene Mentalität angeeignet hätte, die die Absolventen schon von weitem erkennbar von ihren Mitbürgern unterscheidet. Es ist ein Mikrokosmos, der dort entstanden ist, der jedoch nur wenig mit dem Rest des Landes gemein hat. Da er aber der Nährboden für politische Entscheidungen ist und vor allem all jene, die den Brexit letztlich verantworten, hervorgebracht hat, lohnt der Blick auf diese ganz eigene Welt.
Nele Pollatschek beginnt mit dem schicksalsvollen Tag, dem 23. Juni 2016, der fortan die Nachrichten bestimmen würde. Sie ganz persönlich war von der Entscheidung, die EU zu verlassen betroffen. Nicht so sehr, weil sie als Deutsche nun um ihren Aufenthaltstitel bangen musste, sondern weil sie über Jahre hohe Schulden durch das teure Studium angehäuft hat, die durch den Absturz des Pfunds schlagartig reduziert wurden. Es gab also individuell doch auch ganz positive Aspekte des Brexit. Auf diese Anekdote folgt jedoch der Blick auf die harte Realität: der Weg an die exklusiven Universitäten ist steinig und war auch für sie zunächst von Misserfolg gezeichnet. Endlich angekommen, lernt sie eine völlig andere akademische Welt kennen als die, in der sie in Deutschland lernte. Aber nicht nur das Studium folgte eigenen Gesetzen, auch der Wohnungsmarkt hat seine Tücken. Es folgen eine Reihe von kurzweiligen Episoden über die kleinen aber feinen Unterschiede der beiden Länder, die man nur dann erkennen kann, wenn man lange genug in die fremde Kultur eintaucht und so manches Vorurteil entpuppt sich dann doch eher als weit verbreiteter gesellschaftlicher Wesenszug.
Es sind viele Versuche unternommen worden, das fatale Wahlergebnis jenes Junitages zu erklären. Vielfach wurde der Blick auf den vermeintlich „einfachen“ Bürger gerichtet, der gar nicht verstanden habe, was er eigentlich entscheidet oder gar gleich zu faul war, überhaupt an die Urne zu treten. Insofern ist Nele Pollatscheks Ansatz ein gänzlich anderer, blickt sie doch auf das andere Ende der sozialen Klasse, jenen kleinen Teil, der sich seit Jahrhunderten abschottet und selbst reproduziert. Genau hierin liegt eines der Probleme: es fehlt vielen Absolventen der Bezug zur Realität der sozialen Mittel- und Unterschicht, sie sind jedoch diejenigen, die wesentliche Entscheidungen über deren Alltag treffen. Dies klingt nun viel geißelnder als Pollatschek dies beschreibt, ihr Buch ist keine Klageschrift, sondern eine scharfsinnige Beobachtung, aus der sie schlichtweg die richtigen Schlüsse zieht. Der Brexit ist natürlich ein ganz zentraler Punkt, aber letztlich nur eins von vielen Phänomenen, die die beiden renommierten Universitäten hervorgebracht hat.
„Dear Oxbridge. Liebesbrief an England“ trägt den passenden Untertitel. Trotz all der Marotten der Briten, die sie nerven und die sie erst mühsam erkennen und erlernen musste, liebt sie dieses Land und die kleine Welt von Oxford und Cambridge. Besonders gefallen haben mir der unterhaltsam leichte Plauderton, mit dem sie ihre Erfahrungen schildert, witzig und auch mit einem Schuss Selbstironie schildert sie Erfolg wie Niederlage. Bei all der Kritik an der Exklusivität der Bildung kann sie aber auch überzeugend darlegen, warum genau die Art, wie dort gelehrt wird, sich eben drastisch von anderen Universitäten unterscheidet und diesen letztlich überlegen ist. Sie schließt ihren Bericht mit einem Kapitel über „kindness“, einen im deutschen nur schwer wiederzugebenden Begriff. Aber es ist genau diese Milde oder liebenswerte Güte, die wir in der aktuellen Situation gegenüber unseren britischen, jetzt etwas entfernteren Nachbarn walten lassen sollten.
Eigentlich wollte ich nur mal kurz „reinlesen“. Das Buch ist schließlich als Geschenk bzw zum Verschenken gedacht. Reinlesen hat nicht funktioniert…. Jetzt ist es gelesen, in einem Rutsch.
Die Einblicke in und Erzählungen von Oxbridge sind faszinierend, charmant erzählt und gerade die Erklärung der Unterschiede oder unterschiedlichen Sichtweisen von englisch / deutsch haben dazu geführt, dass ich das Buch nicht weglegen konnte. Danke dafür: von mir eine Leseempfehlung
Nach vielen Jahren des Studiums und der Zeit als Doktorandin in Cambridge und Oxford schreibt sich die Autorin in „dear oxbridge“ alles von der Seele, was sie auch heute noch sehr beschäftigt. Entstanden ist damit ein persönliches Dokument ihrer Studienzeit, das dem Leser wertvolle und vielseitige Einblicke in das Oxbridger England ermöglicht.
Klug und pointiert formuliert liest sich dieses Buch schnell weg, treffend und vielseitig analysiert die Autorin Erlebnisse, Zusammenhänge und das große Ganze.
Dadurch entsteht ein facettenreiches Bild Großbritanniens, welches nicht nur für diejenigen lesenswert ist, die sich mit dem Brexit oder dem Studium an Englands besten Unis befassen möchten.
Die Liebe zu England und ihre Wehmut, mit der die Autorin zurückblickt, werden spürbar. „dear oxbridge“ ist ein Zeitzeugnis, an dem man nicht vorbeigehen sollte, möchte man kulturelle Zusammenhänge und Hintergründe dieses Landes verstehen.
Ich weiß nicht, warum dieses Buch ein Liebesbrief an England sein soll. Abseits von einigen Schwenkern über die Medizinkultur, verspätete Züge und Margaret Thatcher fokussiert sich das Buch hauptsächlich auf die Studienzeit der Autorin und ist für einen Liebesbrief stellenweise zu kritisch. Abseits davon gefiehl mir das Buch jedoch.
Read it one Sunday morning in bed - so a quick read, but funny, thoughtful, and surprisingly accurate. This is not just a regurgitation of cliches about Britain. Full review here: https://findingtimetowrite.wordpress....
Großartiges Buch! Pollatschek schreibt sehr einleuchtend über ihre Zeit in Cambridge und Oxford und lässt mich Brexit und ihre Vorantreiber viel besser nachvollziehen. Nun ja, vielleicht eher verstehen als nachvollziehen, aber gut.
Ihre Einsichten sind zutiefst von einem dauerhaften kulturellen Austausch geprägt, es gibt teilweise sehr witzige und immer sehr scharf beobachtete Erklärungen die nie oberflächlich wirken. Dabei fand ich vor allem dem Kapitel interessant wo sie das Deutsche und Englische System and der Uni vergleicht, da neigt die Niederlande eher zum Deutschen, obwohl das Englische doch sehr verlockend klingt.
Vier und keine fünf Sterne weil es irgendwie zu kurz war, als wäre noch nicht alles erschöpft.
Oxford und Cambridge. Welche Assoziationen verbindet man mit diesen Begriffen? Englische Eliteuniversitäten, Jobgarant für die Absolventen, traditionsreich, teuer. Traum vieler angehender Akademiker, speziell im geisteswissenschaftlichen Bereich. So auch für Nele Pollatschek, die besessen von dem Wunsch ist, dort zu studieren. Bis sich dies erfüllt, gilt es aber einige Hindernisse zu überwinden. Nicht zuletzt, muss sie die komplizierten Auswahlverfahren erfolgreich absolvieren. Das gelingt, allerdings erst im zweiten Anlauf, und so kann sie in die altehrwürdigen Hallen (und eine zugige Schuhschachtel-Kammer) einziehen.
In „Dear Oxbridge. Liebesbrief an England“ resümert sie ihre sechsjährige Studienzeit als Innenansicht eines akademischen Betriebs. Mit viel Wohlwollen und wenig Distanz beschreibt sie den studentischen Alltag, den immensen Druck durch kurzfristige Deadlines für die Abgabe der Hausarbeiten und ein System, das darauf ausgerichtet ist, die Fähigkeit des eigenständigen Denkens zu fördern und zu fordern. Nichts, was man nicht auch über das Studium an einer Traditionsuniversität hierzulande berichten könnte. Mit einer Ausnahme. Bei uns wurden/werden Studenten nicht mit Psychopharmaka abgefüttert, wenn sie eine Erkältung haben.
Das interessanteste Kapitel ist jenes über die „Rote Hosen Gang“. Stiff upper lip, die Abgehobenheit, Realitätsferne und der Empathiemangel derjenigen, die bereits in teuren Privatschulen auf den Studienabschluss in Oxbridge vorbereitet werden, ist zwar bekannt, aber dennoch nicht minder erschreckend. Zumal es ja hinreichend bekannt sein dürfte dass sie dort auf ihre späteren einflussreichen Positionen in Politik, Wirtschaft und Industrie gedrillt werden. Und hier stellt sich mir die Frage, was ein Oxbridge-Abschluss wirklich wert ist. Um dies zu beantworten, muss man sich nicht nur den jetzigen Premier sondern auch seine Vorgänger anschauen, um zu begreifen, welche Funktionen diese Universitäten haben.
Randbemerkung: Den abgründigen Humor habe ich vergeblich gesucht, und Augen öffnen können diese Essays nur dem Leser, der England und seine Historie nicht kennt. Die Ursachen des Brexit haben sie jedenfalls nicht erklärt.
"Dear Oxbridge" habe ich quasi als Vorbereitung für ein vom Verlag organisiertes Treffen mit der Autorin an der Leipziger Buchmesse gelesen.
Nele Pollatschek schildert im Buch ihren Weg, wie sie es erst nach Cambridge und dann nach Oxford schaffte, beschreibt damit auch das "Hochstapler-Syndrom", dass ich eher als "Bin ich gut genug?" lese. Die junge Autorin erklärt zudem die Unterschiede zwischen einem Studium in England und einem in Deutschland.
Der "Liebesbrief an England" - so ganz nachvollziehen kann ich den Untertitel nicht - richtet sich einerseits wohl vor allem an junge Leute, die sich ein Studium in England überlegen und andererseits erklärt er gewisse kulturelle Unterschiede. Zum Beispiel das Denken der vielen Oxbridge-Politiker, das durch deren Standesdünkel erklärbar ist oder deren Wissen, das aufgrund des Studiums zwar sehr breit, aber nicht sehr tief, weniger wissenschaftlich als anderswo, ist.
Letzteres ist interessant zu wissen, es erklärt einiges des englischen Politgeschehen, doch für mich als nicht Brexit-Betroffene (weil Nicht-EU-Land) war das zu wenig spannend. Für mich gehört das Buch ins "andere-Kulturen-verstehen"-Regal und war in dem Kontext okay zu lesen, mehr aber nicht.
Die Autorin machte das, was sie in Oxbridge gelernt hat: ihre Gedanken zu den Themen des Buches in Essays zu packen. Man könnte sie jetzt aber auch fragen, ob sie das in deutscher oder englischer Manier verfasst hat, ob mit Deadline morgens um 9:00 Uhr oder nicht...
Was mir fehlt, ist nun das "Tutorial", für mich die Lesung in Leipzig, um über das Geschriebene zu diskutieren.
Fazit: Ein Buch über das Studium in Cambridge und Oxford, das zudem versucht, die englische Politmentalität zu erklären. 3.5 Punkte.
Weniger ein "Liebesbrief an England" als ein persönlicher Erfahrungsbericht über Oxbridge. Als selbst seit mehr als 5 Jahren in London Lebende (wo man übrigens sehr wohl "kindness" erfährt) weiß ich die versucht vorsichtigen Analysen und das Hervorheben lobens- und liebenswerter Eigenschaften zahlreicher Engländer zu schätzen. Doch es fehlt der Blick über den eliteuniversitären Gartenzaun. Auch wenn diese Kaderschmieden der politischen Riegen großen Einfluss auf das Geschehen im Rest des Landes haben, sind sie doch nur ein Teil und nicht Spiegel der gesamten englischen Gesellschaft. Und letztendlich kommt leider auch dieses Buch nicht ohne das Aufgreifen und Wiederholen nie enden wollender Stereotypen aus ... Beispiel: Wenn man die unterschiedlichen E-Mail-Schreibstile zweier Kulturen vergleicht, dann kann man entweder beide bewerten, wenn man denn möchte, oder man lässt es einfach so stehen, der kulturellen Bildung zuliebe. Warum einer der zwei Stile dann auf ein grundsätzlich pedantisches, unhöfliches, herrisches, aber Hauptsache pünktliches Volk zurückgeführt werden muss, verstehe ich nicht. Das unterstreicht nur negative, althergebrachte Vorstellungen, die vieles Positive, was die Autorin aufgebaut hat, wieder zerstört.
Was nicht im Lebenslauf steht, ist das Scheitern, die unzähligen Versuche, die durchwachten Nächte - und dabei sind es genau die, die so ein Menschenleben ausmachen.
Ich schwanke sehr zwischen drei und vier Sternen. Zu gerne würde ich 3,5 Sterne vergeben. Auch wenn das Buch sehr schön zu lesen war, vor allem, wenn man selbst schon in England gewesen war, und manche Erfahrungen mit einem Nicken bekennt, erscheint mir der Untertitel "Liebesbrief an England" doch eher irreführend. Meiner Meinung nach kritisiert sie England mehr als dass sie es lobt.
Zudem gab es auch sehr vieles, was ich selbst einfach schon wusste. Es war dennoch schön, zumindest durch ein Buch, wieder nach England zu gehen.
Some chapters in this book are self-aggrandizing and turn in circles without ever getting anywhere. But other chapters are funny and insightfulabd give me a new viewpoint on my own experiences living in England. The one about the standard of living in the UK, especially as regards windows and toilets, is hilarious and so true. The chapter about why the Tories vehemently reject and government subsidies to the poor after having lived in a highly subsidized society at Oxbridge gave me a new insight into this mindset that I hadn't considered before. All in all, a mixed bag.
Leider geht es weniger um England, die Briten und ihre speziellen Macken, sondern mehr um Studium und Bewerbungsprozess an bzw. bei Cambridge und Oxford. Hilfreich für diejenigen, die Ambitionen in die Richtung haben. Liebhaber englischer Schrullen kommen bis auf die auf dem Klappentext vermerkten zugigen Fenster leider nicht wirklich auf ihre Kosten.
Das Buch ist der verschriftlichte Beweis dafür dass Pollatschek den Unterschied zwischen equality und equity mehr als offensichtlich nicht versteht. Zwei Sterne weil ich meine eigenen Erfahrungen an einigen Stellen des Buches schon auch wiederfand.
Was dieses Buch jetzt genau sein will – ein Roman mit erkennbarem Plot sicher nicht, ein Brief an Oxford und Cambridge, wie der Buchtitel fälschlicherweise suggeriert, auch nicht – sei einmal dahingestellt. Am ehesten wohl ein Essay. Sei es drum! Ich habe diese kurzweile Lektüre aus verschiedensten Gründen sehr genossen: Nele Pollatschek schreibt in meinen Augen erfrischend aufrichtig und authentisch, klug und zu einem guten Maß emotional zugleich. Platte Bewertungen oder Vorurteile spart sie sich und bleibt stets respektvoll, egal, wie ihre Einstellung zu den genannten Themen auch ausfällt.
Auch wenn in vorherigen Rezensionen zu recht festgestellt wurde, dass die Autorin viele ihre Themen im besten Fall anreißt (sie scheint allerdings auch keinen Anspruch auf den Stellenwert eines in die Tiefe analysierten Sachbuchs zu erheben), hatte ich beim Lesen dennoch einige wunderbare Aha- und Erkenntnismomente, z. B. über den Brexit, Margaret Thatcher oder die mangelhaften sanitären Anlagen im Königsreich. Am meisten aber hat mich das Kapitel „They: Gendern auf Englisch“ fasziniert und mit seiner grundlegenden Argumentierung absolut überzeugt. Danke dafür!
Ein sehr persönlicher Einblick in die Erfahrungen einer deutschen Oxbridge-Studentin, schwungvoll und kurzweilig geschrieben. Die Herangehensweise an ein Studium an den traditionellen Elite-Unis lernt man dabei ebenso kennen, wie deren nicht unwesentliche Rolle im Bezug auf den Brexit. Die Autorin zeigt allgemeine Unterschiede im Selbstverständnis zwischen Großbritannien (oder in diesem Falle vielleicht doch eher England) und Deutschland, aber auch unterschiedliche Herangehensweisen an aktuelle Herausforderungen wie das Gendern in der jeweiligen Sprache, Insgesamt ein wohlwollender, aber auch kritischer Einblick in die Befindlichkeiten der Briten in den letzten 10 Jahren.
Brilliant von vorn bis hinten: Klug, clever, ausgesprochen lustig und zärtlich. Nele Pollatschek erklärt England und nimmt es so hart ins Gericht, wie man das nur mit jemandem machen kann, den man zutiefst kennt und liebt, trotz konsequent verstopfter Toiletten. Das Buch hilft, den Schmerz über den Brexit anzunehmen und irgendwie zu hoffen, dass Großbritannien irgendwann wieder zur Besinnung kommt. Bis dahin rät Frau Pollatschek: "Trauern, trösten, trinken." Bitte alle lesen, jetzt sofort.
I had this book for a long time in my must reads and am happy I finally got to it. The author as an alumni of both Oxford and Cambridge and someone who has lived in the UK for a long time, gave a funny and accurate picture of live in England and the history of Oxbridge, her experience and the politics behind BREXIT. I can recommend for anyone interested in the UK or looking for a light informative read.
As a student who went through nearly exactly the same, it was an absolute pleasure to read this book! Couldn’t agree more and definitely found myself laughing that someone agrees with me: windows aren’t isolated, toilets are always blocked and if you screw things up we’ll tell you... but it’ll still be polite :)
Durch Nele Pollatscheks Augen sieht man England auf einmal ganz anders. Es hat nichts mit den touristischen Zielen, nichts mit dem speziellen Frühstück oder den vielen dunklen Pubs zu tun. Sie geht mit dem Leser hinter die Bühne und zeigt, wie es funktioniert - dieses Oxbridge. Warum ist es so faszinierend, so besonders, dass man sich freiwillig verschulden möchte, nur um dort zu studieren? Was macht es mit einem, wenn man dort studiert?
Für die Autorin ist es eine Obession und für mich als Leserin eine interessante Geschichte von einer Deutschen, die unbedingt nach Oxford und Cambridge will. Ich war erstaunt von ihrem eiserenen Willen und vorallem ihrem Ehrgeiz es doch noch an diese Eliteuniversitäten zu gelangen. Wer sich ebenfalls mit diesem Gedanken beschäftigt, sollte das Buch lesen, denn es erklärt sehr gut das Prozedere der Aufnahmeprüfung und wie schlecht wir Deutschen darauf vorbereitet sind. Es zeigt die Unterschiede der beiden Bildungssysteme und wo die Prioritäten bei den Briten liegen.
Nach der Lektüre versteht man die britische Politik etwas besser und man erfährt, dass fast alle PolitikerInnen von den gleichen Universitäten geprägt worden. Man den englischen Toiletten nicht trauen und stets warme Sachen einpacken sollte und, dass es trotz der kulturellen Unterschiede zwischen den Engländern und den Deutschen ein gutes Miteinander (nicht nur auf dem Campus) geben kann.
Das Buch ist unterhaltsam, kurzweilig und interessant für Jeden, der schon immer mal in England studieren oder einfach nur nach England reisen wollte.