Das Buch war nix... Das liegt hauptsächlich daran, dass es nicht das ist, was es laut dem Titel sein will. Der Titel verspricht eine Art Ratgeber, der indirekt, in Form von Kurzgeschichten, eine Antwort auf die Frage gibt, wie man richtig die drei schönsten Worte überhaupt sagt. Der Leser wird sich an dieser Stelle schon bewusst sein, dass er von einem 285 Seiten langem Buch, keine Antwort auf diese höchst komplizierte Frage erwarten kann. Aber das ist auch nicht das Problem. Ein "So sagt man 'Ich liebe dich' richtig in nur 10 Schritten' Guide wird es nie geben und das ist auch gut so. Einen so individuellen und komplizierten Komplex wie Liebe in eine paar Schritte herunter zu brechen, die für jedes Individuum auf der Welt gelten ist nicht nur unmöglich, sondern einfach nur falsch. Jedoch erwartet der Leser trotzdem zumindest Anregungen und andere Perspektiven auf diese Frage, um den eigenen Horizont zu erweitern und um Blickwinkel zu finden, die man davor vernachlässigt hat. Das wird in der ersten Kurzgeschichte auch geboten.
War die Geschichte überragend gut? Nein, aber das hat der Leser auch nicht erwartet. Diese kurze Story hat eine andere Perspektive auf die Titelfrage geliefert, aus der der Leser die Lektion: lernen kann. War die Geschichte besonders spannend oder herzzerreißend? Nein, aber das muss sie auch nicht sein. Denn der Leser hat genau das bekommen was er wollte, nämlich hat er gelernt, dass der Zeitpunkt, in dem die drei Worte gesprochen werden, äußerst wichtig sind und dass zu langes Warten schädlich sein kann. Super. Wenn es jetzt nur so weiter gehen würde... Nach der ersten Kurzgeschichte habe ich noch 3 oder 4 weitere gelesen. Keine von ihnen hat die Titelfrage noch einmal so aufgefasst wie die erste Geschichte. Als Beispiel: Eine Kurzgeschichte geht um ein Ehepaar in den österreichischen Alpen, in der beide Ehepartner fremdgehen.
What? Wo geht es hier um die Titelfrage? Das einzige was die Geschichte noch mit Liebe zu tun hat ist, dass sie von einem Ehepaar handelt. Was soll der Leser daraus lernen, um richtig 'ich liebe dich' zu sagen? Dass Ehebruch ok ist wenn beide es machen und man nie darüber redet?
Fazit: Das Buch bekommt einen Stern, weil es sein selbst gesetztes Ziel nicht mal annähernd erreicht. Der Titel weckt einfach Erwartungen, die nicht mal ein 2000 seitiger Roman ordentlich erfülle könnte. Tatsächlich finde ich es frech, dass diese Sammlung von drittklassigen Kurzgeschichten sich anmaßt, sich diesem Titel zu geben.
Anna von Planta ist eine wunderbare Auswahl an Kurzgeschichten zur Liebe gelungen. Bei den Texten sind bekannte Autoren vertreten, wie z.B. Nick Hornby, Daniel Glattauer oder F. Scott Fitzgerald, aber auch unbekanntere Autoren. Es dreht sich um alle Sorten der Liebe, um zarte Bande im Kindergarten, Datingfrust und One-Night-Stands, sowie Geschichten wie Brokeback Mountain oder die Liebe verheirateter, älterer Paare. Insbesondere die letzte Geschichte von Laura de Weck hat mich fasziniert: auf nur 7 Seiten Kurzgeschichte wird das Liebesleben von Anton zusammengefasst: als er 8 Jahre alt ist, dann 16, 24 und 32 Jahre. Bei jeder seiner Lovestorys verhält er sich anders, erst zögernd, dann draufgängerisch, wieder zurückhaltend und am Ende völlig passiv. Wahnsinn, wie die Gefühle, Träume und Verwirrtheit in Beziehungen so zusammengepresst auf wenige Seiten passen, bis einem am Ende doch das Herz aufgeht, toll! Sehr kurzweilig, zum Weinen, Lachen, Schmunzeln und Träumen!