Der zartbesaitete Arthur wächst bei seiner alleinerziehenden Mutter an der deutschen Ostseeküste auf. Seinen Vater kennt er nicht, Freunde hat er kaum.
Von den Nachbarn geächtet, leben Mutter und Sohn in ihrer eigenen Welt, in der Träume so wirklich scheinen wie die unkontrollierte Wirkung leise geflüsterter Zaubersprüche. Dann verschwindet die Mutter ohne Worte des Abschieds, und die Unschuld zerbricht.
Für Arthur beginnt eine lange Reise des Erwachsenwerdens, die er antritt, um all jene Rätsel seiner Kindheit zu lösen.
So melancholisch, magisch und bitter wie das Erwachsenwerden selbst.
Einerseits eine interessante queere coming-of-age Geschichte, die mich stark an englischsprachige Bücher aus dem Genre erinnert hat. Andererseits ist in diesem Buch das Magische, Lyrische und Ätherische so präsent, dass es oft schon zu viel ist (man kann Orangensaft auch einfach so nennen, und muss nicht "orangefarbene Tränen sonnengereifter Zitrusfrüchte" sagen oder statt "Ich sog einen Stängel Nikotin durch meine Bronchien" wär "Ich rauche eine Zigarette" auch ok 🤠) Außerdem bin ich mit dem Protagonist irgendwie nicht warm geworden, seine naive, zarte Seite war nicht sympathisch, sondern eher verachtend und verurteilend anderen gegenüber. Insgesamt lässt mich das Buch mit einem "hm"-Gefühl zurück 🤷🏻♀️
Der berlinerische Journalist und Schriftsteller Dennis Stephan präsentiert uns mit "Und in mir ein Ozean" seinen bereits zweiten Roman. Dieser beschäftigt sich mit dem Protagonisten Arthur und der Suche nach sich selbst. Lediglich positive Resonanz eilte ihm voraus, der zugrunde liegende Klappentext und das Cover weckten ebenfalls Interesse in mir, sodass ich recht schnell zu dem Buch nach dem Einzug in mein Bücherregal griff – welche Erwartungen kann es aber letztendlich erfüllen?
Der Titel "Und in mir ein Ozean" führt die Leser*innen stimmig in die Richtung ein, die die Handlung einschlägt. Arthur, der sich von den gischtspritzenden, aufschäumenden Wellen des Lebens treiben lässt, fungiert als äußerst greifbarer Protagonist, den wir auf der intimen Entdeckung des eigenen Ichs begleiten dürfen. Das Lesepublikum wird dabei oftmals selbst zum Denken angeregt – ich ertappte mich mehrfach dabei, während den Zeilen in Gedanken abgeschweift und eigene, ungewisse Zukunftsvisionen, -hoffnungen und -befürchtungen vor dem inneren Auge durchgegangen zu sein.
Die Lektüre trifft dabei einen weltoffenen, quicklebendigen Erzählton, der nicht nur herrlich schnell mitreißt, sondern eine impulsive, übersprudelnde Motivation zum Loslassen und Entdecken gibt. Man möchte geradezu einen Rucksack schultern, den nächsten Zug erwischen und seine ganz eigene Geschichte erleben (natürlich immer mit dem inspirierenden Buch im Gepäck). Dennis Stephan besitzt die Gabe, sich poetisch und sprachgewaltig auszudrücken, ohne dabei allzu pathetisch-verschraubt zu wirken. So gut wie jeder zweite Satz schien es mir wert, in einer Sammlung bewegender Zitate festgehalten zu werden – ein großartiger Schreibstil!
"Und in mir ein Ozean" ist in fünf Akte gegliedert, die jeweils Arthurs bewusst gesetzte Neuanfänge in unterschiedlichen Städten und somit eigene Lebensabschnitte mit völlig anderen Erlebnissen darstellen. In jedem Teil wird die Figur durch neue Erfahrungen und Erkenntnisse bereichert, die sie auf ihrer Reise sammelt. Diese Aufenthalte werden in abwechslungsreich schillernden Montagen festgehalten, die einen tiefen Einblick in das Innenleben der Figur geben – und sich dabei so realistisch, lebensecht anfühlen. Somit werden durchaus auch Momente zutage gefördert, in denen man wie Arthur nicht richtig weiß, wie man sich fühlen soll. Dieses jugendliche emotionale Chaos und die stete Orientierungslosigkeit (ironischerweise als einzige Konstante in Arthurs Leben) bieten für die Leser*innen eine große Identifikationsfläche.
Einzig und allein die Beziehung zu seiner Mutter und ihr mysteriöses Verschwinden sind es, die Arthur in seinem sonst sich ständig wandelnden Leben erden. Puzzlestückhafte Erinnerungen an ihre gemeinsame Vergangenheit, die mittels überzeugender Rückblenden illustriert werden, machen die Erschütterung und Enttäuschung des Protagonisten begreiflich. Daher ist es der letzte Akt, der nicht so hundertprozentig schmecken möchte: Für die erneute Annäherung zwischen Sohn und Mutter lässt sich der Autor zu wenig Zeit, die über Arthur einstürzende Gefühlsflut erlebte ich aus unangenehmer Distanz, da ich mich hier nicht in den Charakter einfühlen konnte. Dennoch endet "Und in mir ein Ozean" in einem herzerwärmenden und rührseligen Schluss, der Freude macht und ein rundum außergewöhnliches Werk zu Ende führt.
Letztendlich möchte ich für das vorliegende Werk nichts anderes als eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen – lange schon hat sich Literatur nicht mehr so lebendig angefühlt.
"Und in mir ein Ozean" ist ein inspirierender, sprachgewaltiger Roman über den Fluss des Lebens und die Suche nach sich selbst.
„Und in mir ein Ozean“ von Dennis Stephan ist ein Roman über das Erwachsenwerden, über die Liebe, über Familie und all die Steine, die man auf seinem Weg findet und über all die Päckchen, die man zu tragen hat. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Sexualität mit so vielen Facetten, und letztlich ist es Arthurs ganz eigene, holprige und emotionale Geschichte. Sein Weg führt ihn vom Haus in den Dünen durch einige andere Städte, in denen er seine Zelte aufschlägt und doch führt alles immer wieder zu diesem einen Haus, zu seiner Mutter, die der wichtigste Mensch in seinem leben war und ihm vielleicht mehr denn je das Herz brach. Doch trotz allem merkt man fortwährend den Funken Hoffnung in Arthur und spürt sein gutes Herz, Wärme und doch sieht er vieles durch seine eigenen Erfahrungen zunehmend klarer... Ich kann jedem wärmstens empfehlen dieses Buch zu lesen. Es ist sehr wortgewandt und bildhaft geschrieben und neben den Emotionen und vielen Gefühlen, konnte der Autor für mein Leseempfinden die gesamte Stimmung so wunderbar mit dem jeweiligen Ort verknüpfen, dass es einfach unheimlich schön und traurig zugleich war, Arthur auf seiner Reise zu folgen. Was ich gerne auch noch unbedingt erwähnen möchte: dieses Buch ist im Bezug auf gleichgeschlechtliche Liebe, Liebe in seinen vielen Form eben, sehr aufgeschlossen und das hat mir sehr gefallen! Denn Liebe ist Liebe, mit allem was dazu gehört und sollte auch genauso gelebt und nicht in Schubladen gesteckt werden...
Story: Als Arthurs Mutter an seinem 18. Geburtstag plötzlich verschwindet, bricht für den zartbesaiteten Jungen eine Welt zusammen. Bisher drehte sich sein Leben um die seltsame Frau, die mehr auf die Götter der Natur, geheimnisvolle Zaubereien und ein Dasein am Rand der Gesellschaft geführt hat. Für Arthur beginnt eine lange Reise des Erwachsenwerdens, die ihn nach Hamburg, Amsterdam und Berlin verschlägt, immer auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Erst als er in das verwunschene Haus an der Ostseeküste zurückkehrt, findet er den Frieden, den er immer gesucht hat und löst die Rätsel um das plötzliche Verschwinden seiner Mutter …
Eigene Meinung: „Und in mir ein Ozean“ ist der neue Roman von Dennis Stephan, dessen Debüt „Der Klub der Ungeliebten“ vor Jahren beim Incubus Verlag erschienen ist. Sein neues Werk hat eine ähnlich lange Reise hinter sich, wie der Protagonist Arthur und erschien im Herbst 2019 schließlich beim Querverlag.
Die Geschichte spielt über mehrere Jahre hinweg und erzählt auf sensible, einfühlsame Weise von Arthur, der den schwierigen Weg vom Jugendlichen zum Erwachsenen allein bestreiten muss, um in einer Welt zu bestehen, die vollkommen anders ist, als er sie kennengelernt hat. Statt Träumereien und mysteriös-gemurmelten Zauberworten, die mythische Aura seiner Mutter und die stille Ruhe der Ostsee erwartet ihn der hektische Alltag großer Städte, eine ganze Palette verschiedener Menschen, von verschiedenen Künstlern, über Partygängern bis hin zu Naturforschern. Sein Weg führt ihn nach Hamburg und Amsterdam, und schließlich nach Berlin und in jeder Stadt testet er neue Lebenswege aus, stets begleitet von der schier übermächtigen Präsenz seiner Mutter, die er trotz allem nicht vergessen, geschweige denn der er für ihren Verrat vergeben kann. Der Leser begleitet ihn auf seinem Weg, durchlebt mit ihm die verschiedenen Etappen seiner Reise und erfährt in Rückblenden, wie Arthur aufgewachsen ist und welche innige Beziehung er zu seiner Mutter hat. Erst zum Ende hin löst der Autor das ein oder andere Rätsel, gewährt dem Leser Einblick in die Hintergründe und beantwortet die dringendsten Fragen. Bis es soweit ist, muss man ein wenig Geduld mitbringen, denn zwischendurch hat man mit einigen Längen zu kämpfen. So schön und lyrisch die Passagen geschrieben sind, da es keinen wirklich roten Faden gibt, dem Arthur folgt und man nicht weiß, wohin Dennis Stephan den Leser letztendlich führen will, man braucht einen langen Atem und Geduld, um das Buch nicht vorzeitig beiseite zu legen.
Die Figuren sind, wie vom Autor nicht anders zu erwarten, sehr lebendig und authentisch in Szene gesetzt. Man kann sich sehr gut in Arthur hineinversetzen, durchlebt hautnah mit ihm die verschiedenen Etappen seiner Reise und lernt durch seine Augen auch die Personen kennen, denen er im Laufe der Zeit begegnet. Sie alle wirken realistisch und natürlich, nie übertrieben und gestelzt. Besonders Arthurs Mutter mit ihrer geheimnisvollen Aura und ihrer ganz besonderen Art ist sehr gut in Szene gesetzt – sie ist omnipräsent, erinnert ein wenig an die Rolle der Mutter, wie sie Hermann Hesse in seinen Werken umgesetzt hat. Auch sonst erinnert die Geschichte und die Entwicklung der Hauptfigur ein wenig an Hesses Romanen, allen voran „Demian“.
Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Dennis Stephan hat einen sehr feinen, poetischen Stil, der durch Melancholie, Ruhe und sprachliche Eleganz besticht. Er weiß, wie man Worte einsetzt, um Bilder zu erzeugen, ohne dabei kitschig zu werden oder gestelzt zu klingen. Die Sätze fügen sich harmonisch zusammen und entfalten ihre Wirkung erst dann, wenn man dem Buch genügend Zeit gibt und es mit Ruhe und Bedacht liest. „Und in mir ein Ozean“ ist kein Roman für Zwischendurch, man sollte ihm all seine Aufmerksamkeit schenken, um die Schönheit der Sprache, wie Dennis Stephan sie beherrscht, auch wirklich genießen zu können. Denn diese hebt das Buch erst aus der breiten Masse heraus – es bewegt sich sprachlich fernab der gängigen Mainstream Romane.
Fazit: „Und in mir ein Ozean“ ist ein stilistisch herausragender, sehr berührender Coming-of-Age Roman einen feinfühligen, sensiblen jungen Mann, der seinen eigenen Weg finden muss. Trotz einiger Längen im Mittelteil, lohnt sich der Roman allein wegen Dennis Stephans Sprache und die Art, wie er Ereignisse und Dinge beschreibt. Er hat ein Händchen dafür, in jeden Satz und in jeden Dialog einen ganz besonderen Zauber zu weben, der zu Herzen geht und zu berühren weiß. Ein stilles, außergewöhnliches Meisterwerk, das man unbedingt lesen sollte. Zu empfehlen!
„Und in mir ein Ozean“ von Dennis Stephan erzählt vom Leben des jungen Außenseiters Arthur. Im Roman begleiten wir den Protagonisten bei seinen Versuchen, sich aus einer gestörten Mutter-Sohn-Beziehung zu lösen und später der Umklammerung der Vergangenheit zu entkommen. Arthur landet in Hamburg, Amsterdam und Berlin. Er trifft Menschen, die es gut mit ihm meinen und Menschen, die ihm nicht guttun. Er verliebt sich, er verwundet andere und wird verwundet. Und immer bleibt er auf der Suche, rastlos, fest im Griff seiner eigenen vermeintlichen Unzulänglichkeiten. Wer meinen Blog kennt weiß, dass ich Entwicklungsromane heiß und innig liebe. Ob dieser Roman mich ebenfalls überzeugen konnte, erfahrt ihr hier.
Der Reifeprozess von Arthur umfasst insgesamt vier Stationen. Seine Kindheit verbringt er auf Rügen, wo er mit seiner alleinerziehenden Mutter in einem abgelegenen Haus in den Dünen lebt. Die Inselbewohner begegnen ihnen mit Skepsis, denn die Mutter eckt mit ihrem Glauben und ihrer Weltanschauung an. Die wenigen Freunde die Arthur hat, verliert er und am Ende, kaum dass er volljährig ist, verliert er auch seine Mutter.
Auf sich allein gestellt, ergreift er die Flucht nach vorne. Er landet in Hamburg, wo er als Zivi in einer Pflegeeinrichtung arbeitet. Anschluss findet er auch dort nicht, er bleibt für sich, bis er nach einer Prügelei vom stinkreichen Gunther von der Straße aufgesammelt wird. Gunther nimmt ihn unter seine Fittiche, stattet ihn mit einer Kreditkarte aus und entführt Arthur in die Welt der Schönen und Reichen. Denn Arthur ist schön, und Geld und Schönheit bedeuten Macht, so lehrt Gunther ihn. Immer tiefer versinkt er in einem Sumpf aus Drogen und Alkohol, genießt es, auf diese Weise seinen Gedanken entfliehen zu können, nur um am Ende zu merken, dass dieses Entkommen nur oberflächlich und unecht ist.
Nach einem tragischen Vorfall und einem Autounfall flüchtet er erneut und wagt einen Neuanfang in Amsterdam. Dort lernt er Daniëlle und Ruben kennen, die ihn bei sich aufnehmen, ihn durch den kalten Entzug begleiten und ihm ein Zuhause bieten. In Amsterdam dreht sich alles um die Kunst und um die Liebe. Arthur wird Teil der Beziehung, doch nur Ruben wird seine erste große Liebe. Er versinkt in ihr und erlebt den zweiten großen Verlust seines Lebens. Mit gebrochenem Herzen reist er nach Berlin, wo er Fleur kennenlernt und in einem Bioladen jobbt. Die innige Freundschaft zu Fleur und die halbherzige Beziehung zu Thomas, einem Amerikaner, markieren diese Station.
Es sind Zufallsbekanntschaften, die Arthur auf seinem Weg begleiten und die ihn in seiner Entwicklung unterstützen, prägen und herausfordern. Die an dem Kern seiner Schwierigkeiten nagen, die ihn schlussendlich dazu bringen, sich mit seiner Vergangenheit und der Beziehung zu seiner Mutter auseinanderzusetzen. Denn wohin Arthur auch flieht, immer überschattet eine tiefe Traurigkeit all seine Freundschaften und Beziehungen.
In Berlin beginnt er mit einer Therapie und hier wird der Roman richtig intensiv. Die Fäden kommen zusammen, alles, was Arthur in Hamburg, Amsterdam und Berlin erlebt hat, macht auf einmal Sinn. Man leidet mit ihm, man beginnt die vielen Schichten zu sehen, die Arthur sich wie einen Schutzmantel umgelegt hat. Am Ende schließt sich der Kreis, Arthur kehrt nach Hause zurück und hat die Chance, Wunden heilen zu lassen.
Dennis Stephan hat mich mit „Und in mir ein Ozean“ vollkommen gepackt. Ich habe jede Seite geliebt und die Geschichte wird noch lange nachklingen. Neben der Geschichte an sich und der sehr glaubwürdigen und sympathischen Figur von Arthur, hat mir außerdem der selbstverständliche und durchweg offene und vorurteilsfreie Umgang mit Transgender, Homosexualität, jedweden Beziehungsformen und Religiosität sehr gut gefallen. Das sollte heutzutage einfach Standard sein. Hinzu kommt ein Schreibstil, der hier und da vielleicht etwas übertrieben wirken mag, der für mich aber genau die richtige Dosis Gefühl und Tiefgang enthielt.
„Und in mir ein Ozean“ von Dennis Stephan ist ein feinfühliger Entwicklungsroman, in dem der Autor ganz nah an seinem Protagonisten bleibt. Er befasst sich mit einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung und damit, welche Kerben solch eine Beziehung im Herzen eines Kindes hinterlässt. Liebe, Vertrauen, Nähe und Vergebung sind dabei zentrale Motive. Für mich war dieser Roman ein großartiges Leseerlebnis, er steckt voll überraschender Wendungen, er ist tiefsinnig und berauschend schön.
also, mein erster Roman von diersem Autor und diesen Schreibstil muss man moegen, ist an sich eine sehr schoene Story, aber teilweise langatmig, fuer die einen mag sie kitschig, blumig sein, fuer die anderen poetisch, bei der Laenge dieses Buches musste ich mich zusammenreissen, um bis zum Ende durchzuhalten, im Endeffekt hat sich mein Standvermoegen gelohnt
Zwischendurch echt hart zu lesen, irgendwie kams mir einfach zu oft wie angeberei des Autors vor (Anlehnung an zu viel Bekanntes, zu viel Symbolik, zu Überladen in der Sprache), das Ende hat mich aber versöhnt…
Arthur ist eine Seele, die seit Geburt auf ein Podest gestellt wurde...bis das Podest zertrümmert wird, als seine heilige Mama verschwindet. Erster Stopp für den jungen Mann nach dem Verschwinden ist eine Dienstperiode in einem Pflegeheim in Hamburg. Da muss der verlorene Arthur lernen, wie man mit anderen Menschen im Alltag umgeht (hat mich an dieser Stelle irgendwie an "Ich, Eleanor Oliphant" erinnert UND die liebe Frau Albrecht hat mich auch an die unbezähmbare Madame Porzellan von dem Klub der Ungeliebten erinnert). Er macht Freunde, er macht Feinde, aber letztendlich zerbricht alles und er findet eine neue elterliche Figur in Form von Gunther. Geld, Kontakte, Drogen, Alkohol, Frauen, Sicherheit, Glaube - Gunther gibt Arthur alles, was sein Herz begehrt (außer ein Lebenszeichen von seiner Mutter). Allmählich sieht er allerdings, dass dieser trashy Lebensstil nicht das Gelbe vom Ei ist...
(Die Story entfaltet sich von dort weiter, aber ich werde hier keine komplette Zusammenfassung geben... dann würde es keinen Sinn mehr machen, den Roman zu lesen NE.)
Als nicht-Muttersprachler ist ein Buch wie dies echt eine Freude zu lesen, weil die Vokabeln so reich, so voller Farbe, so idiosynkratisch sind. Immer wieder ging ich zu meinem Wörterbuch, um irgendein Wort nachzuschauen. Und die allgemeine Stimmung: Wenn man liest - egal wo man ist, egal ob man mit Arthur, seiner Mama, Gunther, Fleur, Yusuf oder sonst wer ist - hat man das Gefühl, dass man eine Skizze eines Traumes einer anderen Person erlebt (wenn das halbwegs Sinn macht). Für mich persönlich will Stephan die anscheinende Absurdität und Sinnlosigkeit des Lebens hervorheben. Und dies gelingt ihm auf eine schöne Art und Weise. In dem Sinne ist es nicht allzuweit weg von literarischen Heavyweights wie Murakami, DeLillo oder Gerard Reve (aus Holland). Ich hatte das Gefühl, dass Arthur für die Mehrheit des Romans geistig nur halbwegs da war, als ob er immer ein Auge auf die mögliche Wiederescheinung seiner Mutter hatte. Er ist ein Rätsel sowohl für mich als Leser und für ihn selbst. Und deshalb ist sein Erwachen umso belohnender. Nur die besten Bildungsromane können so eine emotionale Wucht abliefern. Stephan hat das mit "Und in mir ein Ozean" soverän geschafft.
Ein Bildungsroman mit Biss - kann ich nur empfehlen.