"Wir Mütter tragen die Zukunft!", ruft Birgit Kelle. "Eine glückliche Mutter ist heute eine Provokation. Sie ist die selbstverständlich gelebte Weiblichkeit. Sie kann Leben schenken und Leben weitergeben. Was für ein Potenzial! Mutterglück - allein das Wort dreht den Fossilfeministinnen ja schlicht den Magen um. Haben sie nicht jahrelang gekämpft, um uns von diesem 'Mythos', von unseren Männern und auch von den Kindern zu befreien? Oder sollten wir nicht gleich von unserer weiblichen Natur? Früher legten wir Karrieren auf Eis, um Kinder zu bekommen. Heute sollen wir unsere Eizellen auf Eis legen, um Karriere zu machen und unsere besten Jahre der Firma statt unseren Familien zu schenken. Danke auch. Aber entgegen jedem Mainstream sind wir immer noch Beherzte Mütter. Weibliche Frauen. Wir sind die wahre Avantgarde. Ohne uns kein Leben. Wir sind die Muttertiere - wir spielen keine austauschbare Rolle, wir sind nicht dekonstruierbar, wir sind. Gekommen, um zu bleiben. Wir hüten die Brut, wir verteidigen sie wie Löwinnen. Wir geben ihr Wurzeln und Flügel. Wir lieben sie. Es ist nicht rational, es ist. Wir sind Muttertiere bis zum letzten Atemzug. Und das machen wir gut so."
Kelles Buch ist alles aber kein neuer Feminismus. Bereits in ihrem Vorwort schafft sie es, alle Feministen entweder alt und kinderlos oder jung und unerfahren darzustellen, noch dazu Lesben zu diskriminieren und für Leihmutterschaft verantwortlich zu machen. Wäre es kein Leserundenbuch gewesen und das Thema so wichtig für meine Dissertation, hätte ich an der Stelle vielleicht schon abgebrochen. Anderseits fand ich es auch wichtig, alles zu lesen und heraus zu finden, was da eigentlich kaputt ist. Was Birgit Kelle macht, ist tatsächliche Probleme zu erkennen. Das kann ich nicht abstreiten. Es ist idiotisch, dass eine Frau nicht in ihrer Mutterrolle aufgehen darf, sondern dann als Mensch zweiter Ordnung betrachtet wird. Hausfrau und Mutter ist kein Ziel, das in unserer Gesellschaft als erstrebenswert gezeigt wird. Das stimmt, ist aber regional unterschiedlich. Und gleichzeitig werden Frauen, die arbeiten gehen geradezu verteufelt. Auch von Birgit Kelle, die behauptet es würde dem natürlichen Wunsch jeder Frau widersprechen. Der Witz daran: Sie hat dieses Buch geschrieben. Auch Bücher schreiben ist Arbeit. Da spreche ich aus Erfahrung. Also, wenn ihr keine Kinder wollt oder Kinder wollt und gleichzeitig arbeiten, tut mir Leid, dann ist was verkehrt bei euch. Dann widersprecht ihr eurer natürlichen Weiblichkeit. Ich übrigens auch nicht. KiTas sind böse, Homosexuelle auch und Feministen der Teufel. Ich geh dann mal kurz kotzen. Das Problem für mich ist, dass diese Behauptungen zwar ohne Belege daherkommen, aber rhetorisch so verpackt werden, als wären es Fakten. Ein klassisches „Es ist halt so“, ein Frustbuch, kommt es mir vor. Ja, die für mich wirkt die Autorin konsequent gefrustet. Weil ihr die Bezeichnung der „Nur-Mutter“ auf den Zeiger geht und sie nicht versteht, dass Wahlfreiheit nicht heißt, dass alle Frauen nur noch zu Hause bleiben wollen. Das zeigt sie sehr emotional. Das Buch beginnt mit ihrem Gefühl der Mutterschaft. Der unumstößlichen Liebe zu ihrem Kind. Toll. Bilderbuch. Kenne ich auch. Und dann krätscht sie rein, dass es allen Frauen so ginge, wenn sie Mutter werden. Dass alle Frauen sich das natürlich wünschen, weil Frausein und Muttersein das gleiche bedeutet und Muttersein Weiblichkeit pur ist. Da schüttle ich entgeistert den Kopf. Was ist mit postnataler Depression. Frauen, die keine Kinder bekommen können. Frauen, die verdammt noch mal gar keine wollen. Mütter, die ihre Kinder verhungern lassen. Männer, die Hausfrau und „Mutter“ sind. Sie gibt selbst zu, dass es die gibt und sie sie ausklammert. Und ich komme mit der unterschwelligen Behauptung, das seien dann keine richtigen Frauen und Männer dazu schon gar nicht in der Lage, nicht klar. Vielleicht ist mein Erfahrungskreis größer oder aber einfach mein Leben nicht so frustrierend. Glaube ich beides nicht. Ich empfinde dieses Buch als Zumutung. Weil Brigit Kelle scheinbar keine Ahnung hat, was Feminismus heute ist und warum das wichtig ist. Weil sie nur sich selbst sieht und im Buch sehr egoman daherkommt. In jedem Punkt sieht sie sich als Opfer, tritt gegen Politiker und Menschen, die nicht in ihre Schubladen passen. So gut sie die Probleme erkannt hat, so falsch geht sie dagegen an. Mit Angriffen und Tiefschlägen, aber ohne Argumente, die schlüssig wären. Und vor allem ohne Lösungsvorschlag. Muttertier ist ein Wutbuch, ein Frustbuch, ein zorniges, mit dem Fuß aufstampfendes Kleinkind.
Birgit Kelles Buch ist eine Kampfansage an die political correctness, die sich auf dem Feld der Familie breitgemacht hat. Seit der kulturellen Revolution der 60er Jahre hat man systematisch versucht, die Mutter als Institution zunehmend aufs Abstellgleis zu stellen, was weitreichende Konsequenzen für die Gesellschaft als Ganzes hatte. Das Buch ist an Notwendigkeit unserer Zeit kaum zu überbieten. Es überschlägt sich geradezu in harschen - und durchaus notwendigen - Attacken auf den herrschenden Diskurs in Deutschland; kritisiert wird vor allem die Entfremdung von Mutter und Kind durch die gesamtgesellschaftliche Erwartung (die allerdings nicht immer in dieser Form existierte), Frauen hätten gefälligst - im Sinne einer Wohlstandsmehrung für alle auf dem real existierenden Arbeitsmarkt - ihre Energie in erster Linie in bruttoinlandsproduktrelevanten Tätigkeiten zu investieren. Kinder stören da nur. Wenn man es wirklich ernst meinte mit Entlastung für Mütter, müsse man den dominierenden Diskurs in Sachen Familienpolitik durchbrechen und Erziehung wieder als das würdigen, was es ist: harte und notwendige Arbeit. Wie kann es sein, dass man Erziehungsarbeit (oder, wie Frau Kelle es in ihrem Buch neudeutsch-ironisch ausdrückt "Care-Arbeit") nur würdigt, wenn sie von jemandem in einem sozialversicherungspflichtigen Job verrichtet wird? Wenn eine Frau also ihre Kinder von einer Erzieherin beaufsichtigen lässt, wird dies von der Gesellschaft als unverzichtbar wertgeschätzt, wenn sie es selbst tut, gilt sie wahlweise als "Heimchen am Herd" oder "Opfer überholter Rollenbilder". Dass es sich dabei um eine Rolle handelt, die Frauen seit Jahrtausenden selbstverständlich übernehmen, wird in der schönen neuen Welt der Revolutionären gerne unter den Teppich gekehrt. Mit diesen und anderen Kuriositäten räumt Birgit Kelle in diesem Werk gnadenlos auf. Das Buch ist unterhaltsam und angriffslustig geschrieben und kritisiert zurecht einiges, was in der sich selbst als modern betitelnden Familien- und Frauenpolitik schief läuft. Wer sich für das Thema interessiert und gute Argumente für traditionelle, bewährte Lösungen sucht, ist hier richtig. Ein Kritikpunkt muss jedoch auch angebracht werden: Die Autorin bringt immer wieder dieselben bzw. fast deckungsgleiche Argumente an unterschiedlichen Stellen, was auf Dauer recht repetitiv wirkt. Außerdem haben mir persönlich stilistisch etwas die elliptischen Sätze gestört, die häufig im Buch an allen Ecken und Enden auftauchen. Inhaltlich aber ist an dem Buch nichts auszusetzen - es kann mit Fug und Recht als ein Einspruch zur rechten Zeit bezeichnet werden.
Teilweise sehr provokativ, teilweise sehr rührend und aufrüttelnd. Viele wahre Worte. Sehr zu empfehlen, nicht nur für Mütter und zukünftige Mütter, sondern für alle die Kinder- und Familienpolitik etwas angeht - also eigentlich alle!
Ich finde dieses wertvolle Buch sehr lesenswert in unserer heutigen Zeit. Frau Kelle wendet sich gegen die immer mehr verbreitete Meinung, dass Frauen möglichst bald zurück in den Beruf kehren sollten, während ihre Kinder fremdbetreut werden. Dabei ist ihr Ton oft genervt, manchmal gar aggressiv. Man spürt, dass sie sich über die Intoleranz der Feministen gegenüber der „Nur“ Hausfrau ärgert. Dabei geht sie in den zwölf Kapiteln dieses Buchs auf verschiedene wichtige Themen ein. Man spürt ihre Sorge um die Kinder, die von mehr Nestwärme und Geborgenheit im eigenen Zuhause profitieren würden. Sie brauchen nicht nur qualitativ wertvolle Inseln der Zeit, sie brauchen den Alltag mit ihrer Mutter. Und dabei profitiert die Mutter am meisten, denn die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist eine wunderbare Liebeserfahrung. Sie prangert viele Missstände unserer Gesellschaft an, und nennt Übel mutig beim Namen. Kind auf Wunsch, vom Arbeitgeber bezahltes „social freezing“, das Kind und die Elternschaft so gestalten wie man will und natürlich auch selbst bestimmen wann der richtige Zeitpunkt für ein Kind gekommen ist – mit all dem wird dem Kind Unrecht getan, ja sie spricht sogar von Menschenhandel. Die gegenwärtige Transgender Diskussion ist ihr auch ein Dorn im Auge, denn zurzeit versucht man ja in den Medien die Ausnahme zur Regel zu machen. Dieses Buch hat einige wertvolle Diskussionen in unserer Familie ausgelöst, und der Titel und das Cover des Buchs allein sind schon Hingucker und Provokation. Ich bewundere Frau Kelle dafür, dass sie für das Dasein als Mutter eintritt, auch wenn das heute kein populärer Standpunkt ist. Sie gerät auch regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von ihren Erlebnissen als Mutter schreibt. Dieses Buch ermutigt Mütter sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen, und sich nicht abhalten zu lassen von den Kritikern, die Frauen möglichst schnell wieder am Arbeitsplatz sehen wollen. Ein wichtiges Plädoyer in unserer heutigen Zeit!