Was noch in den 1990er Jahren undenkbar war, ist mittlerweile Alltag: Ganze Bevölkerungsgruppen verlassen den Boden der gemeinsamen Wirklichkeit, kehren etablierten politischen Narrativen zornig den Rücken oder bestreiten gar die Gültigkeit wissenschaftlichen Wissens. Der Aufstieg des Rechtspopulismus markiert nach Dekaden der Konsenskultur eine erneute Politisierung der Gesellschaft. Gängige Erklärungen für die Entstehung des Rechtspopulismus ziehen die Ereignisse der Fluchtmigration von 2015 oder vorgebliche Persönlichkeitsdefizite seiner Anhänger als Ursachen heran. Cornelia Koppetsch dagegen sieht die Gründe in dem bislang unbewältigten Epochenbruch der Globalisierung. Wirtschaftliche, politische oder kulturelle Grenzöffnungen werden als Kontrollverlust erlebt und wecken bisweilen ein unrealistisches Verlangen nach der Wiederherstellung der alten nationalgesellschaftlichen Ordnung. Konservative Wirtschafts- und Kultureliten sowie Gruppen aus Mittel-und Unterschicht, die auf unterschiedliche Weise durch Globalisierung deklassiert werden, bilden dabei eine klassenübergreifende Protestbewegung gegen die globale Öffnung der Gesellschaft.
Das Buch ist ein sehr wissenschaftlicher Versuch den Aufstieg des Rechtspopulismus zu erklären. Es sind einige sehr interessante Gedanken darin, die jenseits des "AFD Wähler sind alles sozial-schwache Ostdeutsche" o.ä. liegen. Dabei schafft es die Autorin ganz gut die Sichtweisen von Personen aus diesem Spektrum objektiv darzulegen. Diese speisen sich vermutlich aus den Interviews, die sie in diesem Milieu geführt hat.
Leider ist das Buch länger als es sein müsste, einige Kernpunkte werden öfter wiederholt. Auch ist die Sprache unnötig kompliziert und es werden sehr viele Fremdworte aus der Soziologie (?) verwendet.
"Die Gesellschaft des Zorns: Rechtspopulismus im globalen Zeitalter" liefert nicht nur eine wichtige Erklärung zur Entstehung des Rechtpopulismus. Dieses Buch bietet prägnante Beispiele, wie diese Entwicklungen geschehen sind. Mit einer wissenschaflichen Brille, etabliert Koppetsch eine Methode, um eine objektive Linse ihrem Publikum anzubieten. Das Buch handelt von der Globalisierung und den Wirkungen der vernetzenden Welt bspw. von Konflikten der Transnationalisierung und der Supranationalisierung. Durch ein besonderes Ereignis, den Fall der Mauer als prägender Umbruch, ist die spätere Enstehung des Rechtspopulismus plausibler zu verstehen. Koppetsch bringt wichtige Argumente in ihrem Werk vor, gegen einfache Modelle. Durch ihre Modelle bringt Koppetsch den Fokus auf einen Kulturkampf zwischen den Anhängern des Rechtspopulismus und den Anhänger der globalen Städte oder der Bohemiankultur. Obwohl es keine klare Prognose für die Zukunft des Rechtspopulismus gibt, bietet Koppetsch eine Botschaft der Veränderungen an, die nicht immer schlimm sein müssen.