Staatsfeind Nummer 1 zu sein ist nicht leicht. Das gilt auch dann, wenn dieser Staat einer der kleinsten der Erde ist: das Fürstentum Liechtenstein. Johann Kaiser, Sohn eines Fotografen, Weltenbummler, Meister der Manipulation, lebt unter falschem Namen an einem unbekannten Ort. Mit dem Verkauf gestohlener Kundendaten einer großen Bank hat er so gut verdient, dass es sich unbesorgt leben ließe – wären da nicht die Verleumdungen aus seiner Heimat, die aus ihm einen Verräter machen wollen. Im Versuch, die Deutungshoheit über sein Leben zurückzuerlangen, greift Johann zu Stift und Papier.
Benjamin Quaderer hat einen tollkühnen Debütroman geschrieben über die Macht des Geldes und die Macht des Erzählens. Das Porträt eines Hochstaplers, der die Gesellschaft spiegelt, die er betrügt.
Stellenweise gefällt mir das Buch richtig gut und die Idee ist originell - ich könnte nicht behaupten, schon einmal ein Buch über liechtensteinische Steuerhinterziehung im weitesten Sinn gelesen zu haben. Ein paar der Schachtelsätze hätten im Lektorat ruhig durch Punkte getrennt werden können, aber manche Beobachtungen sind sehr treffend und witzig formuliert und die Charaktere gut gezeichnet. Leider fand ich die erzählerischen Stilmittel, derer sich der Autor bedient, zu inflationär eingesetzt: Die Ausschwärzungen, Fußnoten und die parallelen Perspektiven gegen Ende sind sicher das Ergebnis von intensiven Überlegungen und vermutlich liegt es im Endeffekt nur an meiner persönlichen Präferenz, aber mir hätte das Buch letztendlich besser gefallen, wenn es auf diese Gimmicks verzichtet hätte und einfach ein "normaler" Roman gewesen wäre. Alles in allem kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass man diesen Roman ohne nennenswerten Verlust auch um gut 50-100 Seiten kürzen hätte können - ich habe kein Problem mit langen Büchern, im Gegenteil, aber manche der Exkurse erschienen mir nicht nötig, um den Plot oder die Charaktere weiterzuentwickeln.
Ein Buch, das sowohl inhaltlich als auch optisch Spaß macht zu lesen. Benjamin Quaderer schafft es, beim Lesen Lust auf Liechtenstein und zusätzlich auf das Schreiben eines Buches zu vermitteln. Tolles Buch. Gerne wieder.
Eine fiktive Biografie, die doch so authentisch ist. Nicht nur, weil sie sich ganz klar am Leben des Liechtensteiner Staatsfeinds Nr. 1 orientiert, sondern weil sie auch eine Biografie des Fürstentums ist. Benjamin Quaderer weiss, wie die Menschen in seiner Heimat ticken. Und als Liechtensteiner kann ich ihm nur beipflichten.
«Für immer die Alpen» ist ein überraschendes Buch. Ich muss zugeben, dass ich vor Beginn der Lektüre mit vielem gerechnet habe. Nicht aber mit dem, was es bot. Der Erzählstil ist verstrickt und erfordert oft volle Konzentration. Doch fügt Quaderer für die Leser:in Puzzleteil für Puzzleteil zusammen. Am Ende ist der Erzählstil nämlich nichts Anderes als ein Abbild des unsteten Lebens, das sein Protagonist führt, beziehungsweise der Gedanken, die ihn plagen.
„Um verstehen zu können, wieso ich gehandelt habe, wie ich gehandelt habe, muss ich nicht nur ein umfassendes Bild meiner Person und meiner Lebensgeschichte, sondern gleichzeitig der Rahmenbedingungen zeichnen, in denen ich mich hin und her geworfen fand wie eine Kugel in einem Flipperautomaten.“ (Zitat Seite 13)
Inhalt Am 31. März 1965 wird Johann Kaiser als Sohn von Soledad und Alfred Kaiser im Krankenhaus in Vaduz, Liechtenstein, geboren. Schon in jungen Jahren zeigt sich, dass er fremdes Eigentum als etwas ansieht, dass er sich bei Bedarf oder auch im Notfall jederzeit ausborgen kann, auch wenn er den Vorsatz, es dann zurückzugeben, meistens nicht einhalten kann. So erging es ihm auch mit den Kundendaten des Treuhandsektors der bekannten liechtensteinischen Bank des Fürstenhauses, die er für den Eigengebrauch kopiert hat und beinahe auch zurückgegeben. Doch aus diesmal blieb es beim „beinahe“ und so schreibt er, nun vierundfünfzig Jahre alt, mit neuer Identität irgendwo auf der Welt im Zeugenschutzprogramm lebend, seine Geschichte, seine Erlebnisse und seine Sicht der Dinge auf. „Ein Satz ist je schöner, desto mehr Wahrheit er enthält.“ (Originalzitat Seite 13)
Thema und Genre In diesem Roman wird die Lebensgeschichte von H. K., im Buch Johann Kaiser, geschildert, der mit dem Verkauf der zuvor im Treuhandbereich der bekanntesten Bank Liechtensteins kopierten Kundendaten an den deutschen BND und weitere Länder einen internationalen Steuerskandal mit entsprechenden Ermittlungsverfahren ausgelöst hat. Es geht um den Finanzplatz Liechtenstein, internationale Finanzmärkte und den Wunsch eines Einzelnen, Teil davon zu sein.
Charaktere Johann Kaiser, der an seiner Biografie schreibt und uns so die Geschichte seines bisherigen Lebens aus seiner Sicht, anhand seiner Aufzeichnungen und Erinnerungen schildert, sieht sich selbst nicht als kriminellen Betrüger, denn seine abenteuerlichen Aktionen waren nur teilweise geplant, oft sind seine Handlungen erst aus ausweglos scheinenden Situationen entstanden. „Im Nachhinein wünschte ich, ich hätte anders gehandelt, aber weil es jedes Nachhinein erst im Nachhinein gibt, ist jedes Nachhinein sinnlos. (Zitat Seite 259)
Handlung und Schreibstil Der Ich-Erzähler schildert die Ereignisse chronologisch in vierzehn und einem letzten Buch, wobei jedes Buch einen durch Jahreszahlen definierten Zeitabschnitt umfasst und in Kapitel eingeteilt ist. In der Zeit zwischen dem 6. Januar 2003 und dem 2. Juni 2003 stellt der Autor Johann Kaisers Schilderung der Ereignisse auktorial Seite für Seite den Tagesablauf des Dr. Jan Mayer gegenüber, ein Kriminalpsychologe, der das Fürstentum als Experte berät. Dies ist nur einer der vielen Sprachspielereien und Literaturformen, die der Autor in diesem Roman mit offensichtlicher Freude und Neugier an der Sprache vor den Lesern ausbreitet. Da gibt es leere Seiten, dort, wo Johann Kaiser Erinnerungslücken hat, Abschnitte, die kaum eine halbe Seite füllen, während der Rest der Seite jeweils mit einer Reihe von Fußnoten gefüllt ist, wo Johann Kaiser selbst seine Erinnerungen mit Erklärungen, Ereignissen und Gedanken ergänzt, oder mit ebenfalls fiktiven Quellenangaben. Zwischendurch lässt der Autor seinen Protagonisten Haikus schreiben, erklärt die Geschichte Liechtensteins seit der Entstehung und plötzlich befinden wir uns mit Captain James Cook im Jahr 1768.
Fazit Wer neue Interna über diesen Steuerskandal erwartet, wird enttäuscht sein, denn der Autor verwendet nur Fakten, die aus Sachbüchern und Artikeln eines namhaften deutschen Nachrichtenmagazins längst bekannt sind. Wer jedoch einen spannenden, sprachlich mit großem Vergnügen zu lesenden Roman sucht, dessen Autor den Leser immer wieder überrascht und der die Balance zwischen Sozial- und Gesellschaftskritik und dem humorvollen Augenzwinkern eines begeisterten Fabulierers zwischen Fiktion und Realität gefunden hat, wird begeistert sein.
Super interessant und spannend / sehr witzig zugleich / intelligente Aussagen, die zu denken geben / Fiktion basierend auf der krassen Geschichte von Heinrich Kieber / teilweise ziehen sich manche Passagen etwas dahin / wechselnde Erzählperspektive gegen Ende (rot-schwarz) sehr mühsam / gefiel mir trotzdem gut!
I didn't think I would love this book so much. It's nearly perfect. I love the setting and the way it is written, it seems so new and innovative but also traditional. The story is amazing as well, it was so good i didn't even wanted to finish it. Reading the last sentence was horrible.
Endlich: Ein grosser Roman aus dem kleinen Fürstentum Liechtenstein. Ein wirklich dicker Wälzer ist es geworden, das Erstlingswerk des jungen liechtensteinischen Autors Benjamin Quaderer, in dem er vieles abhandelt, was die jüngere Geschichte des sechstkleinsten Staates der Erde zu bieten hat. Dieses Debüt ist grossenteils sehr amüsant und locker flockig zu lesen… Vor allem auf den ersten 150 Seiten hat die Geschichte eine Leichtigkeit und herrlichen Humor, dass man das Buch gar nicht mehr beiseite legen möchte. Vor allem die jugendlichen Abenteuer als Aussteiger, der Roadtrip nach Barcelona inklusive Aufenthalt im Kloster, aber auch die erste Zeit nach der Rückkehr und die pubertären Beschreibungen der ersten grossen Liebe samt sexueller Erfahrungen mit Elisa aus Zürich sind einfach wunderbar und witzig. Danach jedoch beginnt es stellenweise sehr zu harzen. Denn der unbedingte Wille originell zu sein, geht dem Leser ziemlich schnell auf die Nerven. Vor allem von den ewigen Fussnoten hat man schnell die Nase voll, auch die späteren Schwärzungen zeugen davon, wie sehr sich der Autor um Originalität bemüht. Insgesamt jedoch ein origineller Plot über die Macht des Geldes und die Wichtigkeit von Sein und Schein – davon zeugt die grosse Lüge des Protagonisten, bereits in jungen Jahren vorzugeben, Sohn der Hilti-Bohrmaschinen-Dynastie zu sein. Johann Kaiser ist ein Hochstapler, ob selbstgewollt oder von der Gesellschaft dazu gemacht. Das ist interessant und trotz der vielen schelmenromanhaften Übertreibungen ein Spiegel unserer Zeit. Quaderer nimmt den Fall Heinrich Kieber als Basis, ein Liechtensteiner Bankangestellter, der vor gut 10 Jahren einen Skandal auslöste, in dem er Daten an den BND weiterleitete und damit Steuerhinterziehung in grossem Umfang im kleinen Fürstentum aufdeckte. Viele Figuren von Quaderer sind fiktional, viele der Realität entliehen, dies macht den Roman aber so sympathisch, etwa in den ersten Kapiteln die einzigen Freunde Johanns – Landesfürstin Gina und ein bekannter Bergsteiger (Heinrich Harrer). Der Autor hat viele tolle Ideen, häufig etwas zu viel davon – aber das ist Geschmacksache – und wenn der Ich-Erzähler auf Seite 585 dann endlich schreibt: „Mein Name ist Johann Kaiser. Ich klappe den Laptop jetzt zu“, dann ist man fast ein wenig erleichtert und froh, dass es nun vorbei ist.
Mit einem Schalk im Nacken des Steuerhinterziehers
Lichtenstein, der 4. größte Zwergstaat (Fläche betrachtet) in Europe, der sich nicht nur geografisch an die Schweiz schmiegt ist selten im Rampenlicht. Nun kommt Benjamin Quaderer mit seinem Debütroman daher und beleuchtet Lichtenstein wie mit einem Röntgengerät aus dem All. „Für immer die Alpen“ ist ein fiktiver Roman der sich allerdings als Inspiration eines ehemaligen Bankmitarbeiter bedient: Heinrich Kieber. Er übergab die Steuerdaten an deutsche Behörden, die millionenschwere Steuerhinterziehung belegte. Der Protagonist in diesem Debüt heißt Johann Kaiser und erzählt uns aus der Retroperspektive wie er zu dem Mann wurde, der die Daten wie ein Akt des Verrats an seiner Heimat, dem Fürstentum, an die Deutschen gab und somit Lichtenstein eine Schmach verpasste, die schwer zu verkraften war. Begonnen wird früh in seiner Kindheit und wir folgen ihm bis in die Bank und dann wieder hinaus in die Verbannung. Benjamin Quaderer, selbst aufgewachsen in Lichtenstein, schrieb hier nicht nur seiner Heimat einen maßgeschneiderten Roman, sondern machte auch sich selbst einen Namen. In der Tat merkt man dem Roman den jungen energiegeladenen, ideenvollen Autor an. Was leicht beginnt, wird an mancher Stelle zu viel. Klar, er möchte sich ausprobieren und Alleinstellungsmerkmale wie Pflöcke in den Boden Ramen und postulieren: Auch ich bin jetzt auf dem literarischen Parkett. Aus meiner Sicht gar nicht notwendig. Weniger hatte dem Roman auch gutgetan, etwas mehr Stringenz hätte mir gefallen und sicher das Knistern und die Spannung erhöht. Aber alles in allem ein wirklich sehr gelungenes Buch! Wer sich also mit der Steueraffäre und Lichtenstein auf fiktive Art beschäftigen möchte, greifen sie zu diesem gelungenen Debüt! Erwartet werden kann eine gut ausformulierte Prosa mit Witz und Drama, aber kein spannungsgeladener Roman, was aus meiner Sicht auch nicht der Anspruch des Autors war.
Für immer die Alpen hat mich total überrascht und begeistert. Es ist ein längeres Buch, aber ich konnte es so gut durchlesen, dass ich es regelrecht verschlungen habe. Die Geschichte ist nicht typisch für das, was ich sonst lese, aber genau das hat sie so spannend gemacht. Besonders die Atmosphäre und die Reise nach Liechtenstein waren etwas ganz Neues für mich – ich hätte mir das Buch vielleicht gar nicht ausgesucht, wenn ich vorher mehr gewusst hätte, aber ich bin so froh, dass ich es gelesen habe.
Es ist unglaublich vielseitig, mit so vielen spannenden Details zwischen den Zeilen, dass ich immer wieder darüber nachdenken musste. Ich habe das Buch vielen Leuten empfohlen, und alle waren begeistert. Wer etwas sucht, das man nicht aus der Hand legen kann, dem kann ich Für immer die Alpen absolut empfehlen!
Ein grossartiges Debut! Benjamin Quaderer saugt den Leser durch eine tolle Sprachmelodie schnell in den Rhythmus des Lebens des "Datendiebs" und Urheber des Liechtensteiner Steuerskandals Johann Kaiser. Quaderer verwebt Fakt und Fiktion, immer wieder erkennt man Textbausteine aus dem 'Tatsachenbericht' der Romanvorlage vom wirklichen Datendieb Heinrich Kieber (den ich mir im Nachhinein angesehen habe). Nur konsequent erscheint einem jeder Schritt auf dem anderen zu beruhen, jede Lüge zur nächsten zu führen. Unbedingt lesen, um sich für eine Weile nach Liechtenstein (und die Welt) versetzen zu lassen und, vor allem, viel Lesespass zu haben!
Der Schelmenroman "Für immer die Alpen" beschreibt möglichst detailliert das Leben des Lichtensteiner Datendiebs Johann Kaiser. Zunächst beginnt die Erzählung in Ich-Form, die Einschübe (in einem späten Kapitel stehen die Geschehnisse von Johann Kaiser und seinen Ermittlern nebeneinander), Fußnoten und (geschwärzten Protokollauszüge) machen die Lektüre besonders spannend. Quaderer schafft, dass sich nicht nur Leserin und Leser sondern auch die Figuren im Buch mit Johann Kaiser sympathisieren und sich für sein Schicksal interessieren. Und passieren tut Johann Kaiser im Laufe seines Lebens unfassbar viel.
Völlig irre Lebensgeschichte von Johann König, dem Staatsfeind No 1 in Liechtenstein, der sich aus dem Waisenhaus über ein spanisches Internat, reiche „Freunde“, einen Job bei einer Airline und eine Entführung nach Argentinien zum Whistleblower entwickelt - und dabei im Kopf Liechtenstein nie wirklich verlässt. Klingt verrückt? Ist es auch. Aber auch toll geschrieben, wenngleich ein paar Stellen etwas langatmig waren.
Unterhaltsam, jedoch ziemlich zäh. Katastrophal fand ich das Stilmittel, zwei Erzählperspektiven über mehrere Kapitel parallel auf zwei Seiten gegenüberzustellen. Mit so wenig Freude hab ich schon lange nicht mehr gelesen, wie in diesem Teil des Buches. Das Ende hingegen war überraschend feinsinnig!
Die Geschichte ist phantastisch, das Buch gut geschrieben. Der Protagonist ist teilweise wahnsinnig anstrengend und doch fiebert man mit ihm und kann sein handeln größtenteils verstehen. Zudem ein spannendes porträt über die finanzwelt unserer Zeit. Anstrengend leider der teilweise künstlerische Anspruch des Autors wenn z.b. ganze Kapitel in Form von Fußnoten verfasst sind.
Die ersten dreiviertel des Romans 5/5 das letzte Viertel dann nur noch 3/5, aber es hat mir so viel Spaß gemacht, dass man da guten Gewissens aufrunden kann.
Erfrischend anders! Manchmal zu viel gewollt. Dadurch wirken einige Charaktere nicht vollständig und manche Handlungsstränge gehen verloren. Trotzdem unterhaltsam