Einen Tag vorm Muttertag beendet - das passt doch perfekt :D
Silia Wiebe legt hier eine Sammlung von Schicksalsberichten vor, die die Gemeinsamkeit haben, dass Töchter (und ein Sohn, was im Kontext absolut Sinn ergibt) vom Verhältnis zu ihren Müttern erzählen. Die Bandbreite der Geschichten schöpft so ziemlich alles aus: Von Vernachlässigung, Sehnsucht und Ausnutzung bis hin zu unerschöpflicher Liebe, Aufopferung und dem Wunsch nach Anerkennung. Da ist z.B. die Tochter, die ihre stest unzufriedene Mutter Ewigkeiten pflegt und sich darüber fast selbst vergisst, die adoptierte Tochter, die ihre leibliche Mutter sucht, und die junge Influencerin, die endlich von ihrer Mutter respektiert werden möchte. Es gibt die scheinbar verantwortungslose Hippie-Mutter und eine Mutter, die sich mit ihrer Tochter auf die Flucht begeben muss.
Die Töchter erzählen jeweils aus ihrer Perspektive, ohne einordnenden Kommentar, aber der ist auch nicht nötig, denn die Erzählungen sind gut niedergeschrieben. Abgerundet wird das Paket durch ein abschließendes Interview mit einer Psychologin sowie ein Nachwort, das noch einmal aktuelle Entwicklungen seit den Interviews zusammenfasst. Vor allem hier merkt man, wie respekt- und liebevoll Silia Wiebe dieses Projekt umgesetzt hat.
Als Tochter konnte ich die Vergleiche natürlich nicht lassen. Auch die Beziehung zu meiner Mutter ist nicht immer einfach - aber welche ist das schon? Bei einigen Geschichten dachte ich mir also schon, dass es schön wäre, wenn meine Mutter auch etwas mehr wie die eben geschilderte wäre. Andererseits waren auch viele Geschichten dabei, bei denen ich glücklich war, dass meine Mutter so ganz anders ist - und dieses Gefühl überwog dann letztlich auch :)
Kein Ratgeber - vielmehr eine Sammlung interessanter Kurzgeschichten über die unterschiedlichsten Mutter-Tochter-Beziehungen, die unterhalten und zum Nachdenken anregen.
Vielleicht lag es an mir, aber ich hatte eine total falsche Vorstellung von dem Buch. Ich habe mir psychologische Tiefe und Analysierungen und Interpretationen von gestörten Mutter-Tochter-Beziehungen anhand verschiedener Beispiele vorgestellt. Zumindest hätte ich mir das gerne gewünscht. Der Großteil des Buches erzählt von (realen) Personen aus der Ich-Perspektive, wie deren Beziehungen zu ihrer Mutter war. Insgesamt war das Paket gut gefüllt: Kontrollzwängen, Suizid, Adoption, Unverständnis, Traumata, Krieg, etc. Mich haben die verschiedenen Ich-Perspektiven in dem Fall gestört, dass ich einfach mit dem meisten Frauen nicht wirklich mitfühlen konnte. Sie erzählten pro Kapitel ihre Lebensgeschichte und wie die gestörte Beziehung zu ihrer Mutter verlaufen ist. Einige Geschichten hatten Potential das noch tiefer führen zu lassen: vielleicht aus Sicht eines/r Psychologen/in noch mal Revue passieren zu lassen, Ratschläge zu geben, etwaige Ursachen zu suchen, vielleicht eine oder zwei Studien in den Raum zu werfen, aber nichts da. Stattdessen blieb es bei den Geschichten. War für mich inhaltlich einfach zu wenig.
Und das kleine Pseudo-Interview mit der Frau Stahl am Ende hätte man sich wirklich schenken können.
„Unsere Mütter“ beleuchtet unterschiedlichste Lebensgeschichten, die in diesem Buch ein vielschichtiges Bild über die ganz besondere Beziehung von Müttern und Töchtern entstehen lassen.
Im Vordergrund stehen die persönlichen Stories erwachsener Töchter, die die Autorin für einen Beitrag in ihrem Buch gewinnen konnte. Eine spannende Einleitung, ein Gespräch mit einer bekannten Psychologin sowie ein Kapitel zum Thema „Was danach geschah“ runden das Buch ab.
Empfehlenswert für alle, die sich für das Thema Mutter-Tochter-Beziehung interessieren und hoffen, Anregungen zu finden. Es ist jedoch kein Arbeitsbuch. Die Einzelschicksale nehmen den Großteil des Textes ein. Gut geeignet als Ausgangspunkt, um sich mit dem Thema zu befassen. Wer sich jedoch Tipps und Ratschläge therapeutischer Art verspricht, sollte zu einem Ratgeber greifen.
Danke an den Klett-Cotta Verlag und NetGalley für ein Leseexemplar.
Jede Frau ist Tochter, nicht alle werden Mutter. Diese Sammlung von Berichte unterschiedlichster Frauen ist bemerkenswert und ging mir sehr nahe - es wird mit einer großen Offenheit und Ehrlichkeit erzählt. Natürlich fand ich nicht alle Geschichten persönlich ansprechend, aber alle waren lesenswert und interessant.
Allerdings ist das Buch kein Ratgeber - am Ende des Buches ist ein Interview mit der Psychotherapeutin Stefanie Stahl, zum Thema Mutter-Tochter Beziehungen, die mir nochmal Anstöße zum Nachdenken gab.