Dieser zweite Band der Tagebücher, der die Jahre 1912-14 der Eintragungen Kafkas umfasst, ist der weitaus dramatischere als der erste. Es sind die vielleicht richtungsweisenden zwei Jahre seines Lebens: Seine schöpferische Energie entfaltet sich zum ersten Mal auf produktive Art(erste Veröffentlichungen mit ,,Das Urteil“, ,,Der Heizer“, die Verwandlung entsteht Ende 1912, erste Anfänge seines ersten Romans ,,Der Verschollene“, von dem ,,Der Heizer“ bekanntermaßen der Anfang ist) - der faszinierende aber durchaus auch traurige Eindruck von dem Umfang an erzählerischen Fragmenten bleibt trotzdem. Auf der anderen Seite versucht Kafka mit aller Macht, alles, was in die Literatur - d.h. in seine schöpferische Gewalt - einzudringen versucht, auszuschalten. Nicht immer gelingt es ihm - die Verlobungen und Entlobungen mit Felice sind geradezu exemplarisch, darauf gehe ich aber nicht ein. In Erinnerung wird mir sicher vor allem auch die Erzählung ,,Ernst Liman“ bleiben, bei der man sich notwendigerweise fragt, wieso es nur Fragment geblieben ist. Sein literarisches Potenzial ist aber allgegenwärtig, selbst auch nur in Miniaturen ähnelnden Sätzen.