Nach zwei spektakulären Kriminalfällen, die er aufklären konnte, ist Nicholas Meller vom Underdog zum Staranwalt geworden - doch die Verbrechen, die er hautnah erleben musste, hinterlassen ihre Spuren. Zudem hat er sich die Polizei nicht gerade zum Freund gemacht. So überrascht es Meller, als ihn Kommissar Rongen um Hilfe bittet. Rongen ist des Mordes angeklagt! Alte Konflikte sind vergessen, denn für Rongen geht es jetzt um alles oder nichts. Nach und nach gerät Meller in ein Netz aus Korruption, Gewalt und Leidenschaft - ein Netz, aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint ...
Drei Polizisten wurden angegriffen, zwei von ihnen starben bei den Angriffen. Kommissar Thomas Rongen untersucht die Verbrechen. Einem Verdächtigen ist er auf der Spur. Frank Brenner wurden von zwei der Beamten ins Gefängnis gebracht. Er hat seine Strafe abgesessen und könnte auf Rache sinnen. Rongen verfolgt den Verdächtigen eigenmächtig in ein Waldstück. Eigentlich sollte er auf Verstärkung warten. Als er Brenner stellt, hat dieser eine Waffe in der Hand. Rongen schießt in Notwehr und der Verdächtige stirbt. Zu Rongens Erstaunen entwickeln sich die Ermittlungen der Kollegen aus Bonn anders als erwartet. Sie scheinen in Zweifel zu ziehen, ob er tatsächlich in Notwehr gehandelt hat.
In seinem dritten Fall wird Nicholas Meller zum Anwalt des Polizisten Thomas Rongen. Seine on/off Freundin Nina arbeitet inzwischen als Juristin im Polizeipräsidium. Doch Dienstliches und Privates müssen getrennt sein. Und so versucht Meller mit seinem Mandanten zusammenzuarbeiten. Rongen und er sind schon früher zusammengetroffen. Befreundet sind sie nicht, aber inzwischen haben sie Respekt füreinander entwickelt. Wieso Rongens Stand bei den Kollegen nicht so gut ist, bleibt zunächst ein Rätsel. Der überlebende der drei angegriffenen Beamten hat Brenner schließlich als Täter identifiziert, also muss Rongen doch auf der richtigen Spur gewesen sein.
Der in Tomsk geborene Anwalt Nicholas Meller ist schon ein Charakter für sich. Obwohl schon als Kind nach Deutschland gekommen, verleugnet er seine Herkunft nicht. Vielleicht beflügelt diese Mischung der Einflüsse seine Findigkeit als Jurist noch. Auch wenn er mehrfach betont, dass er als Verteidiger nicht ermitteln, sondern nur berechtigte Zweifel wecken muss, forscht er doch solange nach, bis er eine plausible Lösung gefunden hat.
Es ist eines dieser Bücher, die man fast in einem Rutsch durchliest. So interessant und spannend ist die Ausgangsposition und die überraschenden Entwicklungen, die sich aus ihr ergeben. Man hofft zwar, dass ein Polizist nicht vor allem geschützt ist, man rechnet jedoch nicht damit, dass er so plötzlich von der Behörde fallen gelassen wird. Wie kann das denn sein? Man ist gepackt und will es wissen.
Anwalt Nicholas Meller und Kommissar Rongen standen sich bisher auf verschiedenen Seiten gegenüber. Deshalb wundert sich Meller, dass sich Rongen ausgerechnet ihn als Anwalt nimmt. Rongen steckt tief in der Klemme. Er hat nachts im Wald einen flüchtenden Verdächtigen erschossen, weil der ihn mit einer Waffe bedroht hatte. Doch obwohl die Suche nach der Waffe umgehend beginnt, lässt sie sich nicht auffinden. Hat Rongen etwa die Gelegenheit genutzt, den flüchtenden Polizistenmörder selbst zu richten? Nicholas Meller nimmt den Fall an.
„Opferfluss“ ist ein Kriminalroman von Lorenz Stassen, der 2020 im Heyne Verlag erschienen ist. Dies ist der dritte Band um den Rechtsanwalt Nicholas Meller.
Zum Autor: Lorenz Stassen, geboren 1969, wuchs in Solingen auf und wurde zunächst Chemielaborant. Er wechselte ins Film- und Fernsehgeschäft und arbeitet seit 1997 als freischaffender Drehbuchautor, u. a. für »Soko Köln / Soko Stuttgart«. Mit seiner Kriminalserie um Nicholas Meller und Nina Vonhoegen tritt er jetzt als Autor hervor. Lorenz Stassen lebt in Köln.
Klappentext: Nach zwei spektakulären Kriminalfällen, die er aufklären konnte, ist Nicholas Meller vom Underdog zum Staranwalt geworden - doch die Verbrechen, die er hautnah erleben musste, hinterlassen ihre Spuren. Zudem hat er sich die Polizei nicht gerade zum Freund gemacht. So überrascht es Meller, als ihn Kommissar Rongen um Hilfe bittet. Rongen ist des Mordes angeklagt! Alte Konflikte sind vergessen, denn für Rongen geht es jetzt um alles oder nichts. Nach und nach gerät Meller in ein Netz aus Korruption, Gewalt und Leidenschaft - ein Netz, aus dem es kein Entkommen mehr zu geben scheint ...
Meine Meinung: Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, da ich viel Gutes darüber gehört hatte. Vieles davon hat sich bewahrheitet. Die Figuren Nicholas Meller und Kommissar Rongen sind ungewöhnlich, tiefschichtig und mit einem dunklen Touch, genauso wie ich es mag. Die dritte Hauptfigur fällt etwas ab, da mir zu sehr und zu oft auf ihre körperliche Behinderung hingewiesen wurde. Der Fall selber ist komplex und auch originell, weil sich Kommissar Rongen, der in den vorhergehenden Bänden gegen die Klienten Mellers ermittelte, in die Obhut Mellers begibt. Der Staatsanwalt ist der Gegenspieler Mellers und auch er ist mit allen Wassern gewaschen. Schwierig wird es für Meller und Rongen auch dadurch, dass russische Kriminelle auch ihre Interessen vertreten. Der Fall bleibt lange Zeit undurchsichtig und nimmt mehrfach eine unerwartete Wendung. Auch persönliche Beziehungen und ihre Entwicklung spielen eine wichtige Rolle, zumal sie den harten Grundstoff auflockern. Explizite Gewaltdarstellung gibt es an einigen Stellen. Sie war für mich teilweise grenzwertig. Schnelle Szenen- und Ortswechsel prägen mit kurzen Kapiteln prägen den Erzählstil, der viel Spannung zusätzlich zur Handlung erzeugt. Zum Abschluss gibt es einen denkwürdigen Showdown, der zur Geschichte passt.
Fazit: Ein recht harter Thriller, der mit komplexer Handlung, tief gezeichneten Figuren und viel Spannung überzeugt, für mich manchmal aber etwas zu brutal. Trotzdem vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine Leseempfehlung aus.
Das Buch steigt mit einer Szene aus der Vergangenheit ein: Eine Prostituierte stirbt, aber richtig einordnen kann man diesen Vorfall zu Beginn des Buches noch nicht. Vor allem, weil man mit dem nächsten Kapitel ein Jahr nach vorne springt.
Hier beginnt dann auch die eigentliche Handlung des Buches. Sofort trifft man wieder auf Nicholas Meller und weitere bekannte Personen. Hier hat mir sehr gut gefallen, dass ich keinerlei Probleme hatte, sofort wieder mitten drin zu sein. Auch wenn es schon eine Weile her war, konnte ich mich gleich wieder erinnern, wie es um die Anwalt, seine Kanzlei und sein Liebesleben bestellt war. Deswegen empfehle ich, die Vorgänger zu lesen, bevor man sich "Opferfluss" widmet, auch wenn die Fälle eigentlich abgeschlossen sind.
Der eigentliche Fall ist diesmal etwas verzwickter, denn Nicholas muss keinen geringeren als Kommissar Rongen verteidigen bzw. dessen Unschuld beweisen - und das, obwohl dieser eigentlich immer sein Gegenspieler war. Dieser Twist war einfach unglaublich spannend, denn er hat die eigentlichen Rollenverhältnisse aufgehoben.
Und spannend ging es dann auch weiter. Ich war vom Plot total gefesselt: Wendungen, wo man keine erwartet, Intrigen, Mafia-Machenschaften und und und. Lose Enden, die mal angeschnitten wurden, werden jetzt zu einem großen Ganzen verbunden, das sehr stimmig ist. Auch das erste Kapitel, dass sich auf Geschehnisse von den Vorgängern bezieht, macht auf einmal total Sinn.
Unterstützt wird die Spannung durch den tollen, flüssigen Schreibstil. Ich bin nur so über die Seiten geflogen, die Erzählung aus Sicht von Nicholas Meller passt hier einfach perfekt dazu. Auch die Kapitel haben eine angenehme Länge.
Das Ende hat mich dann richtig geschockt zurückgelassen. Ich konnte nicht fassen, was der Autor und Lesern hier antut. Wer ein Happy End sucht, wird hier nur teilweise auf seine Kosten kommen - auf der anderen Seite wiederum ist es auch passend und hebt den Thriller damit auf eine Ebene, die sehr realistisch erscheint.
Ich bin wirklich traurig darüber, dass es mit dem Anwalt nicht weitergeht. Denn alle drei Teile haben mich komplett überzeugt. Allerdings soll man aufhören, wenn es am schönsten ist. Deswegen werde ich mich damit abfinden und vergebe 5 Sterne!
Chapeau lieber Lorenz Stassen. Für mich der beste Teil der Trilogie.
Vertraut mit den allbekannten Protagonisten, war ich sofort wieder mittendrin und voll dabei. Lorenz Stassen hat echt ein sehr gutes Händchen interessante Charaktere entstehen zu lassen, egal in welche Richtung, und egal ob es Nebencharaktere oder Hauptcharaktere sind. Sie alle machen diese Geschichte aus, sie alle sind auf ihre Art stark und authentisch und sind besonders mit ihren Eigenarten, Ecken und Kanten.
Opferfluss ist ein Thriller der süchtig macht. Von der ersten bis zur lezten Seite ist man gefangen in dem Geschehen, das mit vielen unverhergesehenen Wendungen überrascht. Die kurzen Kapitel und die ständig wechselnden Stränge lassen einen das Buch nicht aus der Hand legen. Erst im letzten Viertel werden alle losen Fäden verknüpft und alles schlüssig aufgeklärt. Selten habe ich so daneben gelegen.
Nicholas Meller hat sich super entwickelt und auch Nina ist erwachsen geworden. Die beiden sind einfach ein sehr gut eingespieltes Team. Egal, ob sie zusammen als Anwälte arbeiten oder Nina als Juristin bei der Polizei. Sie ergänzen sich einfach.
Opferfluss ist ein Thriller nicht unbedingt für schwache Nerven: Gewalt, Folter, Korruption, Russenmafia wechseln sich ab mit Szenen aus dem Privatleben, etwas Romantik, nicht nur von Nina und Nicholas. Diese sind in diesem Teil allerdings nicht vorrangig, aber wichtig für den Verlauf und zum Durchatmen. Eine gute Mischung.
"Wenn es heißt, ein Mensch sei unbestechlich, frage ich mich unwillkürlich, ob man ihm genug geboten hat." (Joseph Fouché) Nach seinen letzten beiden grandiosen Fällen die Nicholas Meller schlussendlich alle aufklären konnte, scheint er am Ziel zum Staranwalt zu sein. Doch die Verbrechen haben Spuren bei Nicholas und besonders bei seiner Partnerin Nina hinterlassen. Außerdem hat er sich bei der Polizei durch manche Aktionen nicht gerade Freunde gemacht, allen voran Thomas Rongen. Deshalb verwundert es Nicholas sehr, als eines Tages Kommissar Rongen vor seinem Büro steht und ihn als Anwalt um Hilfe bittet. Rongen steckt tief in einem Schlamassel. Den er hat seiner Ansicht nach einen Täter in Notwehr erschossen, wird jedoch nun des Mordes angeklagt, weil die Pistole des Täters fehlt. Trotz ihrer Konflikte steht für Nicholas fest, dass er Rongen helfen wird. Allerdings steckt er schneller, als er denkt wieder einmal in einem Netz aus Korruption, Gewalt und Macht, die ihn in eine überaus gefährliche Vergangenheit katapultieren.
Meine Meinung: Das helle, frostig aussehende Cover, passt meiner Ansicht nach sehr gut zu der eisigen, brutalen Geschichte. Bisher kenne ich alle Fälle dieser Reihe und ich muss sagen, das mir besonders das Verwirrspiel in diesem Band am besten gefallen hat. Der Schreibstil ist flüssig, gut durchdacht, jedoch trotz kurzer Kapitel nicht immer einfach zu lesen. Von Vorteil ist es sicher, wenn man die beiden Bücher zuvor gelesen hat, da man einiges besser versteht. Es geht um Korruption, Intrigen, Machtspiele, Gewalt und teils um die Vergangenheit. Nina und Nicholas sind inzwischen wieder ein Paar, doch die Liebe ist nicht mehr so wie zu Beginn. Deshalb beschließen die beiden ihre Beziehung, als Freunde zu beenden, was mich ein wenig traurig macht. Das dann ausgerechnet Kommissar Rongen sich an Nicholas wendet, hat mich mehr als erstaunt. Doch noch mehr hat mich überrascht, wie teilweise brutal hier wieder die Opfer malträtiert wurden. Ebenso haben mich die vielen Wirrungen bei den Ermittlungen total in die Irre geleitet, je mehr ich las, desto weniger hatte ich eine Ahnung, wer der Täter sein könnte. Chapeau an den Autor, das war mal wieder eine Meisterklasse an Verwirrungen um den Leser an der Nase herumzuführen. Dadurch bleibt der Krimi stetig interessant, aber vor allem spannend, als Nicholas wieder mal in ein Wespennest sticht. Dass wie schon bei den letzten beiden Büchern, hier ebenso wieder die Russen ins Spiel kommen, hatte ich nicht vermutet. Der Autor scheint irgendwie ein Faible für Russland bzw. die russische Mafia zu haben. Doch dadurch wird das Ganze noch gefährlicher und unberechenbarer. Die Charaktere waren wieder sehr gut durchdacht und ausgearbeitet. Erschüttert haben mich besonders die brutalen Morde in dem Buch, weil sie wirklich schonungslos und grausam waren. Für mich war dies eines der besten Bücher der Nicholas Meller-Reihe, weil ich bis am Ende auf die Auflösung gespannt war. Und mit einem hinterlistigen Cliffhanger vermute ich, dass sie weiter geht. Von mir gibt es eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne, aber mit dem Hinweis an die Leser, doch bitte zum besseren Verständnis die komplette Reihe zu lesen.
Der dritte Teil der Thrillerreihe um den Kölner Strafverteidiger Nicholas Meller kommt mit einer überraschenden Ausgangssituation daher, denn der mittlerweile zum Staranwalt aufgestiegene Meller bekommt es diesmal mit einem ganz besonderen Klienten zu tun: Thomas Rongen, seines Zeichens Kommissar bei der Kölner Kriminalpolizei und Mellers großer Rivale aus den ersten beiden Bänden "Angstmörder" und "Blutacker", wo die beiden zumeist auf gegensätzlichen Seiten der Ermittlungen standen.
Nun steckt Rongen aber in der Klemme, denn dieser hat bei der Verfolgung eines mutmaßlichen Polizistenmörders den Tatverdächtigen vermeintlich in Notwehr erschossen. Bei der Leiche des Opfers findet sich aber keine Waffe, sodass Rongen nun im schlimmsten Fall sogar eine Anklage wegen Mordes droht – und in dieser Situation wendet sich der Kommissar ausgerechnet an den Mann, der ihm bei zwei Fällen zuvor schon reichlich Widerstand geleistet hat...
"Opferfluss" bringt also ein spannendes Szenario mit und es ist wirklich interessant, diesen Fall einmal mit etwas vertauschten Rollen anzugehen. Der sonst so selbstbewusste Kommissar Rongen ist auf Nicholas Mellers Hilfe angewiesen und auch wenn sich die beiden in der Vergangenheit das ein oder andere hitzige Wortgefecht geliefert haben, so stellt sich hier doch schnell heraus, dass die früheren Scharmützel zu einem recht hohen gegenseitigen Respekt geführt haben. So ist die Zusammenarbeit der beiden Alphatiere nicht immer einfach, setzt aber gute Reizpunkte. Diese Konstellation wird auch dadurch noch interessanter, dass anscheinend auch Rongen nicht unbedingt eine blütenweiße Weste in seiner bisherigen Polizeikarriere hat und sich dies nicht gerade positiv auf seine Glaubwürdigkeit auswirkt...
Bereits die ersten beiden Bände der Reihe waren spannend geschrieben und auch "Opferfluss" schließt nahtlos daran an. Der Fall ist packend konstruiert und deutlicher komplexer, als es zunächst den Anschein hat und hier empfiehlt es sich auch, zuvor die beiden Vorgänger gelesen zu haben, da teilweise Handlungsstränge der ersten Bücher aufgegriffen und auch für diesen neuen Fall relevant sind. Natürlich ist auch wieder Mellers On/Off-Freundin und -Kollegin Nina mit von der Partie, welche sich nach ihrem doch sehr nervigen Auftritt in Band 2 zum Glück wieder etwas gefangen hat und inzwischen auch bei der Polizei arbeitet, sodass Nicholas und Nina auch beruflich nicht mehr ständig anecken. Somit wurde ein für mich sehr großer Störfaktor aus den zweiten Buch wieder etwas entschärft, wobei die Beziehung der beiden nach wie vor kompliziert bleibt.
Insgesamt ist "Opferfluss" wieder ein gelungener deutscher Thriller, der sich inhaltlich manchmal ein wenig wie ein Abschluss des bisherigen Storybogens anfühlt. Aufgrund der interessanten Figuren und der bisher immer spannenden Fälle bleibt aber zu hoffen, dass die Geschichte um Nicholas Meller und Co. doch noch nicht zu Ende erzählt ist... auch weil Uve Teschner als Hörbuchsprecher hier wieder eine erstklassige Performance abliefert.
*Inhalt* Komissar Rongen ist eigentlich kein Freund von Rechtsanwalt Nicholas Meller und doch bittet er ihn um rechtlichen Beistand...denn er ist des Mordes angeklagt. Doch der Mord ist völlig undurchsichtig und Meller gerät immer tiefer ins Netz der Intrigen...
*Erster Satz des Buches* "Ivana starrte an die Decke." LORENZ STASSEN - OPFERFLUSS, S. 11
*Meine Meinung* "Opferfluss" ist der dritte Band der Reihe um Nicholas Meller und Nina VanHoegen.
Da in diesem Band relativ viele Anspielungen auf die vorherigen Bände zu finden sind, empfiehlt es sich auf jeden Fall, die beiden Vorgänger gelesen zu haben.
Lorenz Stassen begeisterte mich mit "Angstmörder" und "Blutacker" und ich laß beide Bücher ruckzuck - denn sie fesselten mich ziemlich. Bei "Opferfluss" war das anders, denn gefühlt drehen wir uns - gemeinsam mit Nicholas Meller - ständig im Kreis. Die Ermittlungen gehen nicht vor- oder rückwärts und so richtig interessant sind die Erkenntnisse, die er im Laufe des Buches gewinnt, dann auch nicht.
Zudem ging mir die On/Off Beziehung zwischen Nicholas Meller und Nina VanHoegen irgendwann ziemlich auf den Geist und das ständige Ansprechen ihrer Behinderung (und deren Probleme mit Akzeptanz) nervten irgendwann nur noch. Ja, ich weiß durchaus, dass Menschen mit jeglicher Form der Behinderung in aller Regel ein schwierigeres Leben haben als andere - auch weil ich mit ihnen arbeite - aber muss man es wirklich ständig erwähnen?
Die Verstrickungen der russischen Mafia fand ich auch irgendwann nur noch anstrengend und erst die letzten 50-100 Seiten fand ich dann doch wieder richtig spannend - doch das davor hätte man auch anders regeln können.
Der Start ist hui, die Mitte Pfui.... das Ende hingegen gefiel mir wieder ziemlich gut - auch wenn ich die "Option auf Fortsetzung", die durch das Ende geschaffen wurde, irgendwie unnötig fand.
Der Schreibstil ist nach wie vor angenehm und gut lesbar, die Sprache nicht kompliziert gehalten.
*Infos zum Autor* "Lorenz Stassen, geboren 1969, wuchs in Solingen auf und wurde zunächst Chemielaborant. Er wechselte ins Film- und Fernsehgeschäft und arbeitet seit 1997 als freischaffender Drehbuchautor, u. a. für »Soko Köln / Soko Stuttgart«. Mit seiner Kriminalserie um Nicholas Meller und Nina Vonhoegen tritt er jetzt als Autor hervor. Lorenz Stassen lebt in Köln." (Quelle: Verlagshomepage)
*Zitat* "»Es sind nicht die Dinge selbst, die uns Angst machen, sondern unsere Vorstellung von den Dingen." LORENZ STASSEN - OPFERFLUSS, KAPITEL 16, S. 137
*Fazit* Dieser Band konnte mich leider nicht überzeugen - Story eher wenig spannend, obwohl sie gut gestartet ist - das Ende hingegen ist wieder ganz gut.
Der anerkannte Kommissar Thomas Rongen macht einen großen Fehler. Er verfolgt allein einen Verdächtigen, der zusammen mit einer Frau in den Wald flieht und als dieser die Waffe auf ihn richtet, erschießt er ihn in Notwehr. Blöd nur, dass die Kollegen keine Waffe bei dem Toten finden können, auch die Frau ist wie vom Erdboden verschluckt und auf einmal sieht sich der Ermittler auf der anderen Seite des Gesetzes. Als die Frau schließlich gefunden wird, ist sie tot, ermordet, und Rongen sitzt endgültig in der Patsche. Er bittet Staranwalt Nicholas Meller, mit dem ihn bis zu diesem Zeitpunkt lediglich respektvolle Feindschaft verband, um Hilfe. Dieser sticht mit seinen Nachfragen in ein Wespennest und Rongens Leben ist in Gefahr. Sind es die eigenen Kollegen, die er fürchten muss? Oder die beiden Russen Morosow und Sokol, die sich nach außen hin als biedere Geschäftsmänner tarnen?
Dieser Thriller beinhaltet eine Reihe von Handlungssträngen aus mehreren Perspektiven erzählt. Die Kapitel sind kurz gehalten, sodass es mir am Anfang schwerfiel, die einzelnen Puzzleteile zusammenzufügen. Überhaupt ist es ein facettenreiches Werk, auch als ich so im Slow-Motion-Tempo ein wenig Durchblick bekam, musste ich mich konzentrieren, um den Faden nicht zu verlieren. Aber es lohnte sich, am Ball zu bleiben. Der Autor besticht durch eine anschaulich klare bildhafte Erzählweise, teilweise grausam (Foltermethoden), ohne dies jedoch unnötig auszuweiten. Der Plot beeindruckt durch zahlreiche Wendungen, spritzig bis interessante Dialoge sowie sogar an manchen Stellen mit ein wenig Humor gewürzt. Sämtliche Charaktere sind lebendig gestaltet, besonders gefiel mir die Menschlichkeit. So ist beispielsweise der Protagonist kein Superheld, der jeder Folterung trotzt, sondern auch mal panisch und ängstlich reagiert. Der Schluss war spannend, gut gelöst und leider realitätsnah. Das Buch hat zwei Vorgängerbände, die ich nicht kannte, trotzdem fand ich mich in der Thrillerhandlung rasch zurecht. Lediglich die privaten Entwicklungen der einzelnen Personen konnte ich teilweise nicht ganz nachvollziehen, beispielsweise das Verhältnis von Nicholas zur einarmigen Nina. Daher werde ich die ersten Bände nachlesen und hoffe, dass Nicholas Meller noch weitere Fälle lösen wird.
Uwe Teschner liest auch den dritten Teil der Krimireihe um den Anwalt Nicolas Meller und er macht wie immer einen tollen Job und gehört zu meinen Favoriten unter den Hörbuchsprechern. Das Buch fängt schon im Prolog spannend an, eine Szene, die erst ganz am Ende ihre Bedeutung voll entfaltet. Ein Polizistenmörder geht um, ein Opfer liegt im Koma. Und dann wird ausgerechnet Kommissar Rongen des Mordes beschuldigt; er soll den Polizistenmörder erschossen haben, aber Rongen sagt, es war Notwehr und da sei noch eine Frau gewesen. Ausgerechnet Meller sucht er sich als Anwalt aus. Die Begründung: Meller sei der Anwalt, der ihn als Polizist am Meisten genervt habe. Nina arbeitet mittlerweile bei der Polizei und so erhalten wir auch Einblicke in diese Perspektive. Ein Fall, der am Ende viel größer ist als zu Beginn gedacht und sehr verwickelt. Eine überaus spannende Hörbuchproduktion.