Bis heute fühlt sich Günter Wulf unwohl in Räumen, die sich abschließen lassen, erst recht in den Keller geht er nie. Zu schlimme Erinnerungen kommen dort auf. Mit neun Jahren wurde er als Heimkind in die Psychiatrie abgeschoben, weggesperrt mit gefährlichen Straftätern und psychisch Kranken. Dort wurde er Opfer von Medikamentenversuchen, Gewalt und sexuellem Missbrauch. Erst mit 18 Jahren durfte er die Klinik verlassen. Heute kämpft er um die Anerkennung des Unrechts, das ihm widerfahren ist.
Günter Wulf kam seit seiner Geburt in Heimen, mit 9 Jahren schließlich in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig unter, dessen Menschenrechtsverletzungen mitunter durch seine Mithilfe gut aufgeklärt sind, und verbrachte dort 6 Jahre seines Lebens unter menschenunwürdigen Bedingungen. Die Erzählung ist erschreckend und aus heutigem Blickpunkt kaum vorstellbar, aber real und belegt. Ein wichtiges Werk zur Aufarbeitung der fatalen Umstände in zahlreichen Einrichtungen, die sich zum Teil noch heute in psychiatrischen Kliniken und Heimen wieder finden und die es in Zukunft weiterhin dringend zu verhindern gilt.
Das einzige, das mir etwas bitter aufstößt: Das ein oder andere Mal wirkt es in dieser Erzählung, als sei Wulf eine ganz besondere Ungerechtigkeit widerfahren, da er (abgesehen von seelischen und körperlichen Schäden, die durch die furchtbaren Bedingungen nicht ausblieben) ein psychisch und physisch gesunder Mensch war und somit "nicht dorthin gehöre". Es ist natürlich verständlich, dass diese Behandlung ganz spezielle Narben hinterlässt, dennoch muss sich ins Gedächtnis gerufen werden, dass Menschen mit psychischen und physischen Beeinträchtigungen eine solche Behandlung nicht mehr verdient haben und ebenso wenig dorthin gehörten wie irgendein anderer Mensch.
Nichtsdestotrotz bleibt es - entgegen vieler nicht ganz belegter Erzählungen, die Wulf selbst an einigen Stellen entkräftet - ein gut gestützter, wichtiger Erfahrungsbericht, dem zudem noch schlüssig und angenehm zu folgen ist.