Hundertstundenwoche, sexistische Chefs aus der Hölle und Patienten wie tickende Zeitbomben – willkommen im Klinikalltag einer Unfallchirurgin
Wie fühlt es sich an, seine Hände in den Brustkorb eines Mannes zu stecken? Wann sprechen Mediziner eigentlich von einer kleinen Hafenrundfahrt? Warum macht es süchtig, bis zum Umfallen zu arbeiten? Als Dr. Müller den Dienst in der Notaufnahme antritt, wird ihr Leben zur Hölle. Erschöpft wankt sie durch die Flure zwischen abgetrennten Extremitäten, Körperflüssigkeiten und Beschimpfungen. Ihre männlichen Kollegen mobben fröhlich, sofern sie nicht gerade versuchen, sie anzumachen. Mit Herz und Humor zeigt sie die irrsinnige Realität einer Ärztin in Ausbildung. „Eines habe ich gelernt als Ärztin im Klinikalltag: Knochen, Kinder und Beziehungen zerbrechen unter zu viel Druck.“
„Die Prinzipien der freien Wirtschaft widersprechen dem Solidaritätsprinzip und der Menschlichkeit im Gesundheitswesen“ (S.207)
Ein Satz im Epilog, der vieles für mich gut zusammenfasst. ‚Dr. Lieschen Müller‘ kritisiert in diesem Buch nicht nur dass das bestehende System nicht funktioniert, sondern legt auch anhand vielseitiger Beispiele genau dar, wieso es sich so verhält. Verbesserungsvorschläge und Anregungen werden hier sowohl aus persönlichen Erfahrungen, als auch aus gut betrachteten Studien gemacht. Eine Multidimensionalität, die ich mir in vielen Meinungsbildenden Texten nur wünschen kann.
Vielen Dank für dieses Buch, ich werde es definitiv sowohl an Kollegen, als auch an Freunde aus dem nicht-medizinischen Bereich weitergeben und empfehlen!
Wichtige Botschaft, ungeschickt verpackt. Ellenlange Kapitel über Patienten - und Arzttypen, die teilweise schwer nachvollziehbar waren, wenig Sinn machten und völlig irrelevant waren. Erst gen Ende des Buches widmet sich die Autorin Themen wie unnötigen Operationen, Wirtschaftlichkeit und der Schließung unwirtschaftlicher Klinikabteilungen. Für ein Buch, das wachrütteln soll, wird hier zu viel geschwafelt. Mehr Konzept, mehr Struktur, insgesamt weniger Text hätten nicht geschadet. Die Autorin ist, soweit ich weiß, in den sozialen Medien tätig. Dieses Format passt mMn besser zu dem, was sie zu sagen hat, als ein Buch.
Unterhaltsam und informativ! Musste zwischendurch wirklich lachen, als es um die verschiedenen Tiere ging. Besonders interessant ist es natürlich gewesen, weil ich selber Medizin studiere😊
Ich hatte mir als Medizin Studentin von dem Buch einen Einblick in die zukünftige Arbeitswelt erhofft. Leider war die Erzählerin mir so unsympathisch, dass die interessanteren Aspekte des Buches überschattet wurden. Beispiele: ich fand es sehr heuchlerisch, sich in einem Kapitel darüber zu beschweren, als Frau in der Chirurgie nur auf seine Brüste reduziert zu werden. Nur um dann ein paar Seiten weiter Kommilitoninnen zu unterstellen, sie hätten nur wegen ihrer tiefen Ausschnitte (und Affären mit den Tutoren?!) gute Noten in Anatomie bekommen. Die Autorin lässt kein gutes Haar an ihren Kolleg*innen aber beschreibt sich selbst als weitestgehend fehlerlos. So ist es bei anderen Ärzten moralisch verwerflich, sich gute Fälle zu sichern, aber selber frühzeitig auf Station nach interessanten Fällen zu suchen zeugt einfach nur von Ehrgeiz? Außerdem habe man es als Frau ja so viel schwerer, eine gute Ausbildung als Chirurgin zu kriegen (was ich nicht bezweifle), aber dann davon zu berichten, dass man monatelang persönliche Assistentin des Chefs war lässt mich daran zweifeln, dass sie so benachteiligt war, wie sie es im Buch darzustellen versucht. Ein wenig Reflexion hätte Autorin gut getan. Außerdem hätte das Buch meiner Meinung nach stellenweise gekürzt und an der Grammatik gearbeitet werden müssen. Insgesamt sehr enttäuschend zu lesen.