Dort, wo Maya aufwächst, herrscht Schweigen. Die deutsche Vergangenheit, der Holocaust, den die Mutter als Cellistin im Orchester von Auschwitz überlebt – davon wird nicht gesprochen. Dennoch entkommt Maya den Verwundungen der Eltern nicht, ein stabiles Leben scheint unmöglich, sie treibt durch das London der Siebziger. Zu lange Nächte, Drogen, Schulden, die falschen Typen, eine Flucht nach Jamaika, bei der sie fast stirbt … Um zu überleben, das ist ihr schlagartig klar, muss sie das Schweigen überwinden. Sie beginnt zu schreiben: Briefe nach Breslau an die von den Nazis ermordeten Großeltern. Stück für Stück setzen ihre Worte eine Familie wieder zusammen, erzählen die Geschichte dreier Generationen im Spiegel der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts.
Dieses Buch ist der Versuch einer Rettung. Maya Lasker-Wallfisch schreibt darin an gegen die Sprachlosigkeit, mutig und gefühlvoll. Sie macht erfahrbar, wie ein transgenerationales Trauma das eigene Leben bestimmt, wie die eigene Geschichte immer abhängt, von dem, was zuvor geschehen ist.
ich war überrascht als ich einen roman vor mir hatte, in der bibliothek stand es bei der fachliteratur und in gewisser hinsicht ist es auch ein zeitdokument.
lasker-wallfisch erzählt ihren werdungsprozess, ihr leben und webt ihn diese geschichte briefe an ihre in izbica verstorbenen großeltern. in diesen berichtet sie über das weitere leben der kinder ihrer großeltern. die deportation und das überleben lasker-wallfischs mutter und tante im kz.
natürlich interessant und von zeitgeschichtlichem gewicht, aber sprachlich häufig zyklisch. gerade aufgrund lasker-wallfischs späterer ausbildung zur psychotherapeutin hätte ich mir eine tiefergehende auseinandersetzung und aufbereitung mit transgenerationalem traumata gewünscht.
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Ein sehr wichtiges Buch um die Menschen in Deutschland zu verstehen, deren Vorfahren im dritten Reich involviert waren. Die unfassbaren Greueltaten werden nüchtern dargestellt und man denkt die ganze Zeit "das kann doch nicht sein". War es aber. Unglaublich, dass es noch immer Menschen gibt, die das Geschehene leugnen. Auf dass diese schrecklichen taten durch solche Bücher nicht in Vergessenheit geraten.