Wer einen Menschen verstehen will, sollte seinen Hund kennen.
Es gibt prominente Menschen, über die man alles zu wissen glaubt – doch das stimmt erst dann, wenn man auch die Geschichten über ihre Hunde kennt, die sie liebten und denen sie sich von einer anderen, bislang unbekannten Seite zeigen. »Schlafende Hunde« erzählt diese Geschichten. Von Winston Churchill, der zwar oft als bärbeißige Bulldogge karikiert wird – privat aber gern mit flauschigen Pudeln schmuste, die er der Einfachkeit halber durchnummerierte. Von Picasso, der über seinen geliebten Dackel Lump sagte, er sei weder Hund noch Mensch, sondern »wirklich jemand anderes«. Von Sigmund Freud, der nicht nur die Psychoanalyse, sondern auch den Therapiehund erfand, und von Großmäzenin Peggy Guggenheim, die sich neben ihren 14 Schoßterriern begraben ließ. Im Leben der Prominenten, das so lückenlos ausgeleuchtet scheint, sind die Hunde, die sie begleiten, in der oberflächlichen Wahrnehmung oft nur niedliche Statisten und Foto-Requisiten. Tatsächlich spielen sie für ihre Besitzer meist nicht weniger als eine existenzielle Rolle: als Tröster der ewig Enttäuschten und als unblendbare, einzig ehrliche Gefährten in einer Welt voller Bücklinge. Bei ihren Recherchen für »Schlafende Hunde« las Anja Rützel die rührenden Vermissungsbriefe, die Richard Wagner aus dem Exil an Frau Minna schickte und in denen er sich mehr nach seinem Hund Peps als nach seiner Angetrauten sehnt. Sie suchte – und fand – das Grab von Susan, des ersten Corgis von Queen Elizabeth II., den sie damals sogar mit auf Hochzeitsreise nahm und von der alle über 30 Corgis abstammen, die die Queen in ihrem Leben besaß.
Anja Rützel weiß: Ein Hund sagt mehr als tausend Worte, wenn es darum geht zu entschlüsseln, wer sein Herrchen bzw. Frauchen ist - und das ganz ohne zu sprechen. Und so lautet die Widmung dieses Buches folgerichtig: "Meinem Freund Juri" (für alle Unwissenden: Juri ist natürlich Rützels Podencofox). Wer jetzt noch nicht überzeugt ist, dem sei gesagt, dass es sich gleich beim ersten Promi/Hund-Paar, das hier vorgestellt wird, um niemand geringeren als Michel Houellebecq und seinen heißgeliebten Corgi Clément handelt (wir erinnern uns: Nach seinem Tod widmete der Autor ihm eine Ausstellung).
Weiter geht es mit illustren Hundeliebhaber*innen wie Arthur Schopenhauer (Pudel-Fan), Marilyn Monroe (offen für alles), Pablo Picasso (Dackelguy), Sigmund Freud (hatte nen Chow Chow als Assistentin), Queen Elizabeth II. (logo), Friedrich II. (auch logo), der Wagner Richie (Neufundländer et al.), Peggy Guggenheim (sammelte Kunst, Männer und Hunde) und Winston Churchill a.k.a. Mr. Pug.
Die hervorragend rercherchierten Texte sind spannend und informativ, doch einmal mehr ist Anja Rützels Schreibe der eigentliche Star: Ihre Begeisterung ist so ehrlich und warmherzig, doch der Ton immer auch amüsant und unterhaltsam. Ein wunderbares Buch für Hundefans.
Eine sehr schöne Sammlung. Auch wann ich persönlich mehr die Katzen- als die Hundemama bin , hat mir bei diesem Buch sehr gefallen, wie liebevoll & detailreich die Authorin einfach die tollen & besonderen Beziehungen zwischen (berühmten) Persönlichkeiten & ihren geliebten Vierbeinern beschreibt. In 10 Geschichten aus verschiedenen Zeitepochen bekommt man sehr unterhaltsam & sehr ausführlich so manche schöne Anekdote näher gebracht, natürlich dürfen auch die Corgys der Queen nicht fehlen!!
‚Katzen sind Freiberufler, Hunde sind Angestellte, das glauben viele Menschen, die beide nur oberflächlich kennen. Hunde werden bisweilen als scharfsdumme Gefolgstiere gesehen, als Wedel-Claqueure & hechelnde Befehlsempfänger, die ihr Leben voll & ganz nach den Wünschen & Aufforderungen ihrer Menschen gestalten. Ganz im Gegenteil zu den Katzen, diesen selbstbestimmten Schnurr-Souveränen. In Wahrheit gibt es auch Hunde, die höchst individualistisch selbst über ihr Leben entscheiden.‘ (S. 86)
‚Was der Hund verbindet, darf der Mensch nicht trennen (schon mal darüber nachgedacht, das DOG auf rückwärts gelesen GOD heißt?).‘ (S.91)
‚Churchills letzter Hund war eine Katze. Ein Schnurrchill, den er faderweise aber doch nur Jock nannte, ein orange-getigertes Exemplar, das ihm sein Privatsekretär (der ebenfalls Jock hieß) zum 88. Geburtstag schenkte. Jock rutschte, ungeachtet von Kleinigkeiten wie seiner Gattung, auf Rufus‘ Platz, & zwar ganz buchstäblich: Er begleitete Churchill nun zu seinen Amtsgeschäften nach London & saß dabei neben ihm auf dem Rücksitz. Sein letztes Haustier hat Chartwell nach seinem Tod nie verlassen: Churchill verfügte, dass es immer eine orange-getigerte Katze auf dem Anwesen geben soll. Derzeit versieht dort der sechste Jock seinen Dienst.‘ (S.264)
Mit Hundebüchern bekommt man mich eigentlich immer, denn rührende Geschichten über Vierbeiner schaffen es normalerweise sicher, mir Tränen in die Augen zu rufen. Auch dieses Buch hat solche Momente gehabt, jedoch hatte ich stilistisch meine Schwierigkeiten damit. Schlafende Hunde handelt von den Hunden berühmter Persönlichkeiten, doch oft spielen die jeweiligen Hunde in den Kapiteln nur eine Nebenrolle und es liest sich eher wie eine kurze Biografie der Person, in der eben auch deren Hunde/Tiere erwähnt werden. Zusätzlich wird das ganze gespickt mit kleinen Anekdoten aus dem Leben der Autorin mit ihrem eigenen Hund, diese sind mal mehr, mal weniger passend und – so großartig und niedlich dieser Hund auch sein mag – gehen oft am Thema vorbei. Dazu kommt die gezwungen lockere Art, mit der dieses Buch geschrieben ist und die Tatsache, dass es gespickt ist mit unnötigen Anglizismen, die dazu führen, dass mich das Buch nicht ganz überzeugen konnte.
Bereits die Einleitung versetzt mich in allerbeste Stimmung – ein grumpy old Taxifahrer wird im Kontakt mit dem Hund der Autorin zu einem Menschen, der sprechen kann , freundlich ist und sogar Fotos macht von ihrem "guten Hund" Juri. Das macht Spaß zu lesen und gleich Lust auf mehrmehrmehr davon. Doch nicht nur mürrisch-ignorante Berliner Taxifahrer erfahren eine Verwandlung - "Hunde wedeln auch die berühmtesten Leute von ihrem Podest", sagt die Autorin. Und bringen so den Menschen hinter Getue, Intellekt, Härte, Verschrobenheit, Startum zum Vorschein.
Anja Rützel ist Buchautorin und Redakteurin bei Spiegel online. Ihre Stärke ist zum einen natürlich die journalistische Recherche, zum anderen – fast noch wichtiger – die gut umgesetzte Aufbereitung ihrer Geschichten um bekannte Menschen und ihre Hunde.
Und sprachlich ist das sehr, sehr gut geschrieben, so dass ich fast jede Zeile anstreichen und aufbewahren möchte. Das geht nun nicht und auch einzelne Hunde und ihre berühmten Menschen möchte ich nicht herausgreifen ----- oder doch: Die Geschichte von Michel Houellebecq und seinem Corgi Clément erzählt Anja Rützel so wunderbar …. mein Herz fliegt ihr nur so zu, als sie on top von einer Signierstunde mit dem Meister erzählt, in der sie ihn nicht nur um Eintrag einer Widmung , sondern um eine Hundezeichnung bittet. Und Houellebecq zeichnet. Clément.
Was die Lektüre für mich so besonders macht, sind solche Details, teils ironisch – aber immer liebevoll – formuliert, bewirken sie, dass ich sehr schnell selbst nachsehe …. wie sah Maf, der Hund von Marilyn Monroe denn aus - und das Grab von Susan, Queen Elizabeths erstem Corgi, wo genau ist das - gibt es ein Foto von Schopenhauers Hund Butz uswusw. So komme ich von einem zum nächsten Paar und habe zu tun, zu lesen, zu schauen, zu staunen.
Schlafende Hunde – gemeint sind menschliche, sind gute Eigenschaften , die erst durch die Beziehung zu diesem Tier zum Vorschein kommen, der Titel bezieht sich aber auch auf letzte Ruhestätten der geliebten Gefährten – auch das interessant und zur eigenen Besichtigungstour einladend.
Last but not least bleibt zu erwähnen, dass die wunderschönen Illustrationen von der Autorin selbst stammen. Schade, dass es nur 5 Punkte zu vergeben gibt, das Buch "Schlafende Hunde" - berührend, witzig und so so interessant - is a perfect 10.
Anja Rützel schreibt die schönsten schrägen Tiergeschichten auf, die alle wahr sind (vermutlich). Ihr Wortschatz, gerade im Bereich "kuriose Adjektive und Verben, die man seit 50 Jahren nicht mehr gehört hat", ist so grandios, es ist jedes Mal eine Freude! Und mit Jasna Fritzi Bauer als Sprecherin kann man nie etwas falsch machen.