Beim Elternhaus Anna Ospelts steht ein Baum, auf den früher der Verleger Henry Goverts geblickt hat, als Vorbesitzer des Hauses. Über den Baum stellt Anna Ospelt eine Verbindung zum Verleger her und sucht nach diesem ihrem Wahlverwandten. Dann erforscht sie in der stillgelegten Gerberei des Grossvaters familiäre Gerbungen und im botanischen Garten die Wurzeln der Pflanzen, um schliesslich ein Rhizom zu finden. Zwischen Natur- und Selbstbetrachtung, zwischen literarischer und botanischer Recherche sammelt Anna Ospelt alles, was ihr begegnet, was die Freundin erzählt und die Dentalassistentin, der Gärtner oder die Botanikprofessorin erklären, bis sie sich selbst in einen Efeu verwandelt.
Spielerisch und anmutig führen die «Wurzelstudien» vor, wie der Mensch sich die Welt anverwandelt zu einer Identität, deren Glück nicht die Wurzeln sind, sondern ein schwebendes Verflochtensein mit dieser Welt.
"Robust. Fahl. Wunsch nach. Angst vor. Mir scheint, ich bin ein Blumenkern, den man nicht zu eng neben anderen Blumenkernen einpflanzen kann. Oder doch, mann kann, ich hab nur noch nicht herausgefunden, neben welche. Bisher war nach einigen Jahren stets ein Umtopfen nötig."
Anna Ospelt beobachtet, recherchiert, denkt immer bis ins kleinste Detail. Ihr Buch ist kurzweilig, feinfühling, wahnsinnig poetisch. Vielleicht ein Zwischending, das zu Beginn wohl gewöhnungsbedürftig ist, ein ungewohntes Vorgehen, Verzettelung in den kleinen Dingen, aber genau deshalb eigentlich ganz wundervoll und einzigartig.
erster und zweiter Teil: 5/5 dritter und vierter Teil: 3/5
Highlight: "Mir scheint, ich bin ein Blumenkern, den man nicht zu eng neben anderen Blumenkernen einpflanzen kann. Oder doch, man kann, ich hab nur noch nicht herausgefunden, neben welche. Bisher war nach einigen Jahren stets ein Umtopfen nötig."