Kaum ein Thema beschäftigt Eltern so sehr wie der Medienkonsum ihrer Kinder. Was? Warum? Ab wie vielen Jahren? Und was war gleich Fortnite noch mal? In ihrer typisch humorvollen Art beantwortet Patricia Cammarata die dringendsten Elternfragen zu moderner Medienerziehung.
Wie lange sollen Kinder digitale Medien nutzen? Machen Videospiele aggressiv? Ist YouTube besser als Fernsehen? Wie wirkt sich Instagram auf die Körperwahrnehmung Pubertierender aus? Was mache ich, wenn mein Kind (virtuell) gemobbt wird?
Klare Leseempfehlung für alle Menschen, die schon mal mit einem Kind zu tun hatten. Vor allem für alle Eltern, Großeltern und Lehrer*innen. Mit viel Verständnis für "die heutige Zeit" erklärt die Autorin, wie sehr Kinder und Jugendliche heutzutage in einer digitalen Welt aufwachsen und dass man dieser mit Interesse, Einfühlungsvermögen und Informationssuche begegnen sollte. Es werden alle wichtigen Themen aufgegriffen, darunter Datenschutz, Privatsphäre, Klassenchats, Cybermobbing und Killerspiele (liebe Grüße an den Wal).
Lieblingsstelle: Gefühle sind Gefühle. Es gibt keine Cybergefühle.
Und der Gedanke: Warum verwenden wir Stunden und Tage, um dem Baby den richtigen Schnuller auszusuchen, aber verlieren irgendwo auf dem Weg zum Jugendalter das Interesse, uns weiterhin zum Wohle der Kinder zu informieren und beraten zu lassen?
Vieles, das die Autorin in diesem Buch beschreibt, kommt mir bekannt vor. Das mag daran liegen, dass wir ein ähnliches Semester sind und unser Weg ins Netz und ins digitale Zeitalter vergleichbar verlief. Und es ist sehr tröstlich, dass vieles, was wir in unserer Familie bisher praktizieren, hier als Tipp wiederzufinden ist.
Themenvielfalt
Meine Generation ist gleichzeitig mit dem Internet großgeworden, unsere Kinder bekommen direkt die volle Ladung an Angeboten präsentiert. Der Haupttenor der Autorin ist denkbar einfach. Nur wenn die Eltern selbst Medienkompetenz aufbauen, können sie ihren Kindern Wegbereiter durch den Mediendschungel sein. Dabei schlägt das Buch erstaunlicherweise sehr moderate Töne an und bewegt sich nicht im Schwarz-Weiß-Schema, das vielfach anzutreffen ist, wenn es um den Medienkonsum der Kinder geht. Es gibt vielfach nicht die eine Antwort.
Basis für die Darstellungen ist eine recht gute Recherche und Darstellung der Problematik. An vielen Stellen habe ich gemerkt, wie sehr die Autorin aus einem Fundus gelebter Problematiken greift und schreibt, was die wahren Probleme beim Umgang der Kinder mit den Medien ist. Vieles klingt wie aus dem Leben gegriffen. Allerdings verliert die Autorin an einigen Stellen ihre Objektivität und beschreibt ein bisschen zu detailliert aus ihrem eigenen Leben.
Sehr gut gemacht sind die handfesten Tipps zu den jeweiligen Fragestellungen. Gleichzeitig gibt es viele Verweise ins Netz zu Seiten, auf denen sich der interessierte Leser weiterinformieren kann. Viele Situationen werden konkret benannt und oftmals sehr detailliert die möglichen Optionen aufgezeigt. Diese konkrete Nennung hat natürlich die Schattenseite, dass sie nicht vollumfänglich sein kann und dass manche Nennungen von Programmen zumindest in meinen Augen etwas deplatziert schien.
Am Ende bleibt aber immer das Fazit, dass die Eltern sich mit den Medien auseinandersetzen müssen, um die Kinder anzuleiten. Die Angebote müssen bekannt sein und es braucht eine elterliche Medienkompetenz.
Fazit
Im Großen und Ganzen ein sehr gut recherchiertes Buch in Sachen Medienkompetenz mit vielen handfesten Strategien, wie mit typischen Fragestellung innerhalb einer Familie umgegangen werden kann. Dabei bleibt die Autorin weitestgehend objektiv und schildert die Lösungswege nicht dogmatisch, sondern betont ein ums andere Mal, dass es nicht die eine allgemeingültige Strategie im Umgang mit den Medien geben kann. In meinen Augen ein empfehlenswertes Buch, das Eltern eine wertvolle Hilfe sein kann.
Medienerziehung ist wie in vielen Haushalten auf der Welt, auch bei mir Zuhause ein großes Thema. Wie lange darf der Zwerg TV schauen oder ist am Handy daddeln ok? Fragen über Fragen und oft wird man blöd angeschaut, wenn das Kind das Handy in der Hand hat. Aber sind wir mal ehrlich, wir kommen um Computer, Internet und der gleichen bei der Erziehung nicht mehr drum herum. Es gehört dazu wie früher bei uns die Diddl Blöcke!
Das Buch beantwortet nicht prinzipiell die Fragen, die ich mir so Stelle. Den es gibt kein richtig oder falsch. Es kommt auf die Umstände an. Aber es hat mir in mancher Hinsicht die Augen geöffnet. Mit Humor, wertvollen Tipps und vielen Beispielen hat die Autorin sich mit einem aus meiner Sicht, schweren Thema befasst. Mit guten Denkantößen und einem Augenzwinkern, kann das Buch denke ich vielen helfen, das aus unseren Kids verantwortungsbewusste Internet Besucher werden.
Danke Netgalley und dem Eichborn Verlag für das Rezensionsexemplar!
»Scrren-Time«, »Computerspielsucht«, »Digitale Demenz« - es prasseln viele alarmistische Schlagwörter und Ratschläge auf Eltern ein. Patricia Cammarata räumt mit vielen halbgaren, übertriebenen oder widerlegten Ansichten und Ideen auf.
In entspanntem Ton, verbunden mit eigenen Erfahrungen und mit sehr viel Sachkenntnis führt sie durch das Thema »Mediennutzung und Kinder«. Dabei beruhigt sie unsichere Eltern, gibt leicht umsetzbare Ratschläge und erläutert wissenschaftlich fundiert Hintergründe.
Insgesamt definitv _das_ Buch zum Thema und für alle Menschen unbedingt empfehlenswert, die das Thema umtreibt.
Entspannte Aufklärung zu (sozialen) Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen
Ein gut recherchierter und stimmig geschriebener Ratgeber für Eltern, die ihre Kinder verantwortungsvoll durch das weite Feld an Medien begleiten wollen. Es ist wirklich jedes Thema abgedeckt und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Ich mag den Grundtenor des Buches. Es wird aus einem möglichst positiven Winkel auf die Medien, die Kinder und Jugendlichen sowie ihre Beweggründe geschaut. Manchmal ist der Blick jedoch sehr unreflektiert privilegiert, was mich einfach immer und in jedem Kontext wütend macht. Am Ende des Buches wird dies noch einmal ein wenig eingeordnet.
Der Ratgeber ist unterhaltsam, mit Humor geschrieben und mit wissenschaftlichen Fakten untermauert. Es werden für jedes Alter und viele typische Erziehungsdilemmata Ansätze diskutiert. Bedenkt man, dass es hier um einen Ratgeber für den Umgang mit einem extrem schnelllebigen Phänomen geht, ist er erstaunlich zeitlos geworden. Das liegt auch an der auf Wertschätzung, ehrlicher Selbstreflexion und Kontakt bauenden Erziehungshaltung der Autorin. Schade, dass ich das Buch erst gelesen habe, nachdem meine Kinder schon groß sind, aber ich werde es bei jeder Gelegenheit erwähnen und empfehlen.
Kleiner Spoiler vorab: der Titel ist etwas irreführend. Patricia Cammarata hat eine sehr viel differenziertere Antwort als eine einfache (und nicht funktionierende) 30 Minuten-Regel. Alleine schon die Quellenangaben und Links am Ende sind es wert, das Buch gelesen zu haben <3.