Der Zeit-Reporter Henning Sußebach zeichnet ein großes, glänzend geschriebenes Porträt unseres Landes.
6,2 Prozent Deutschlands sind asphaltiert und betoniert. Sußebach sucht das Abenteuer – und betritt den Rest: Er verlässt die Straßen und die Städte und durchwandert das deutsche Hinterland, vom Darßer Leuchtturm bis auf den Gipfel der Zugspitze. Seine Wanderung führt ihn in Gegenden, die wir kaum kennen, obwohl sie vor unserer Haustür liegen, und zu Menschen, die das Land bewirtschaften, aber von Städtern kaum wahrgenommen werden; Maisbauern und Hippies, AfD-Wähler und Schlachter. Und gerade hier, im Hinterland, reift die beunruhigende Erkenntnis: Die gesellschaftliche Spaltung verläuft nicht allein zwischen Armen und Reichen, sondern vor allem zwischen Stadt und Land. Den Atomausstieg oder Sanktionen gegen Russland kann man in der Stadt richtig oder falsch finden, auf dem Land können diese Entscheidungen einen den Job kosten. Doch diese existenziellen Nöte – sie werden in der Stadt kaum erkannt. Henning Sußebach erzählt mit großer literarischer Kraft von seiner Reise, auf der er die Straßen verließ und in lauter Leben trat.
Auf den Autor bin ich eigentlich in einem Dossier in der "Zeit" gestoßen, das er geschrieben hat –und das ich wirklich abgrundtief schrecklich fand. Ich wollte recherchieren, ob "Die Zeit" im Sommerloch einen Praktikanten das Dossier haben schreiben lassen, oder wer den Unsinn da zu verantworten hat, und kam dann auf Herrn Sußebach und sein Buch. Die Idee dahinter klang schon mal wirklich spannend. Eigentlich wollte ich dann nur die Leseprobe lesen. Unter der festen Überzeugung, ich werde sie hassen. Dann musste ich weiterlesen. Und hatte dann auch ganz schnell das ganze Buch verschlungen und konnte es beim besten Willen nicht hassen. Ganz im Gegenteil, war ich sogar ziemlich begeistert von dem Buch. Keine Ahnung, was da in dem Dossier mit dem Autor los war, aber "Deutschland ab vom Wege" ist ein spannender Erfahrungsbericht, liefert interessante Einblicke und ist gut geschrieben.
Auf der Rückreise aus dem Sommerurlaub im Auto und im Zug gelesen. Ein schönes Wanderbuch mit einer interessanten Ausgangsüberlegung. Wem begegnet man, wenn man die 6,2% asphaltierte und betonierte Fläche Deutschlands nicht betritt, auf denen sich aber doch die meisten der deutschen Bevölkerung aufhalten? Die Umsetzung dieser Überlegung liest sich fluffig weg. Die erste Hälfte des Buchs war schnell verschlungen und ich war etwas überrascht davon, denn ich hatte den Eindruck, eigentlich noch in der Einführung des Buches zu stecken. Es wurde dann auch nicht noch tierschürfender, eher eine Aneinanderreihung von Eindrücken und Überlegungen, die sich aber im Kopf des Wanderers nicht zu einer kompakten These zusammenfassen lassen wollen. Gestört haben mich die stilistischen Wiederholungen des Erlebten, die auf mich pathetisch wirkten, aber so ist's eben beim Wandern. Belangloses wird Großes und Zufälliges verschmilzt zu einer Erzählung im Kopf des Wanderers. Mir hängt das Buch noch nach. Lesenswert.
Bericht über eine 50-tägige Wanderung durch Deutschland von der Ostsee bis zu Zugspitze. Der ZEIT Journalist beschreibt die meist unspektakuläre Landschaft und seine Begegnungen mit „normalen“ Menschen am Land. Ein unaufgeregtes ehrliches Buch, das einen Deutschland näher bringt als jede Experten-Reportage oder Politiker-Interview, da hier der oft vernachlässigte ländliche und dörfliche Teil des Landes im Mittelpunkt steht.
Sprachlich schön, inhaltlich zu seicht. Die Grundthese, mit der Sußebach loszieht, ist schon zigmal publizistisch durchexerziert worden. Als eskapistisches Unternehmen funktioniert es in seiner Kürze und der stets erwartbaren vorgetragenen Moral eben sowenig.
Engagiert und aufschlussreich. Das Interessanteste im Text waren die Begegnungen mit den Menschen im Hinterland, und die Reflektion des Autors, wie Stadtbewohner wie er urbane Bequemlichkeiten stets für selbstverständlich hinnehmen.
Das Buch ist kurz geraten; bei einer Reisedauer von 50 Tagen füllt Henning Sußebach weniger als 200 Seiten. Oft wirkt der Text allerdings, als hätte der Autor jede Minute der anstrengenden Wanderschaft gehasst.
Zweifelsohne ein interessantes Experiment: 1200 km zu Fuß durch Deutschland zu gehen und dabei die knapp 7 % versiegelte Fläche, die unser aller Leben normalerweise definieren, aus zu lassen. Insgesamt eine unspektakuläre Reise. Wenig tief schürfende Erkenntnisse. Manchmal sprachlich etwas zu überzogen, zu sehr um Bedeutung und Poetik bemüht. Insgesamt jedoch sehr lesenswert.